Zwei Katzen in Kasachstan

Tyger

Well-Known Member
Es war irgendwann im letzten Winter; Pesti war irgendwie im Internet mal wieder auf den Aralsee gestoßen, auf die Schiffswracks, die da irgendwo auf dem Trockenen liegen. Und ich kam auf die die Idee, dass man doch da eigentlich mal hin reisen könnte. Was gibt es eigentlich sonst noch in Kasachstan? Ach ja, die spektakuläre neue Hauptstadt Astana, die die Kasachen sich geleistet haben und auf deren Fotos man hier und da im Netz stößt. Und ... ja, was gibts da eigentlich sonst noch?
Baikonur wäre noch interessant gewesen, aber das ganze Gebiet einschließlich der Stadt selbst ist von den Russen gemietet und gilt sozusagen als russisches Staatsgebiet; ein Besuch dort wäre praktisch eine Reise für sich genommen und hätte uns etwas zu sehr in die Urlaubskasse eingeschlagen. Nachdem unser Interesse an Kasachstan erwacht war, durchforsteten wir ein wenig das Internet und stießen auf Nationalparks mit Bildern von atemberaubenden Landschaften (tatsächlich, dort gibts nicht nur Steppe!), auf Geisterstädte und interessante Informationen. So erfuhren wir, dass Kasachstan zu den größten Ländern der Welt gehört und zwei Zeitzonen, aber nur 16 Mio. Einwohner hat. Das klang schon mal gut. Die Einreise ist unproblematisch, ein Visum nicht nötig, der Reisepass reicht. In der ehemaligen Hauptstadt Almaty (Alma-Ata) machte Pesti auch eine Hertz-Autovermietung ausfindig. Das war allerdings nicht ganz einfach; so etwas wie Tourismus schien es in Kasachstan praktisch nicht zu geben - eindeutig ein weiterer Punkt, der für eine Reise in dieses Land sprach.
Nun, die Sache entwickelte sich, wir entdeckten immer mehr im Netz und planten verschiedene Varianten der Routen, die wir fahren wollten - es sei gleich verraten, dass es im Endeffekt die mit ca. 6000 km kürzeste Route wurde. Was man in drei Wochen so alles machen kann, hat einfach seine Grenzen.
Schließlich buchten wir den Flug mit Aeroflot von Zürich über Moskau nach Almaty, und den Mietwagen, der selbstverständlich ein Geländewagen sein musste - WIE wichtig das war, sollten wir später noch bemerken.
Am 31. Mai starteten wir, und auf dem Foto seht ihr unser erstes Nachtlager in Kasachstan. Wir wir dahin kamen, folgt im nächsten Beitrag.

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Minki

Obermodz/Cheffchens rechte Pfote
Von Pesti durfte ich ja schon ein paar Bilder im Nachbar Forum bestaunen, jetzt bin ich auf deine gespannt :D
 

Ariana

Well-Known Member
Für die, die meinen eigenen Thread schon kennen (Minki, warum kriege ich "da drüben" weder Lob noch ein +1?) tut es mir leid, aber da ich mit so viel Mühe für die Posts gegeben habe, werde ich Diese einfach mal rauskopieren:

Здравствуйте, мой друзья.

Nachdem wir letztes Jahr von unserem Roadtrip von der Iberischen Halbinsel zurückwaren konferierten wir über unser nächstes Reiseziel. Ich glaube ein Artikel über den Aralsee war schuld, dass wir auf die Schnappsidee kamen, nach Kasachstan zu fahren.
Autistisch wie ich bin, musste ich dann erst einmal kalkulieren wieviel so eine Reise überhaupt kosten würde... und siehe da: Ist ja gar nicht so teuer. Die Aeroflot bietet Flüge über Moskau für knapp 450 Euro (hin und zurück) an und die Lebenshaltungskosten sind minimal.
Zu diesem Zeitpunkt hielt ich das noch für eine Schnapsidee.

Naja... im Februar drängte Tyger dann die Flugtickets zu buchen. Und da war es plötzlich real. Wir buchten die Flüge und einen Mietwagen, nahmen uns Urlaub und fingen an Russisch zu lernen.

Am 31. Mai war es dann soweit. Unser Flug von Zürich nach Almaty fand statt und nach endlosen Stunden in der Economy-Class der Aeroflot und über 24 Stunden ohne Schlaf landeten wir in der ehemaligen Hauptstadt der Kasachischen SSR. Das war um 4:40 Ortszeit. Der erste Eindruck waren gefühlt Tausende von (mehr oder weniger offiziellen) Taxifahrern die uns ihre Dienste anboten. Einer davon hat uns im Café des Flughafens angesprochen und wir sind in sein Auto gestiegen. Er meinte, er lässt ein Taxameter laufen. Aber die Dame am Visit-Almaty-Stand sagte, dass ein normaler Preis in die Stadt 2.000 Tenge betrüge... er verlangte aber am Ende der Fahrt 12.000. Umgerechnet 33 Euro. Zack - direkt abgezogen worden.
Während der Fahrt hatten wir dann ein paar Mal das Gefühl sterben zu müssen. Wir konnten uns nicht anschnallen, da er hinten einen Teppich über die Rückbank gelegt hatte. An die Gurtpeitschen war kein Rankommen. Zudem kam, dass Kasachen beim Autofahren nur zwei Zustände kennen: Vollgas und Vollbremsung.

Als wir den Mietwagen hatten fuhren wir Einkaufen. Herrlich erfrischend die Preise im Supermarkt. 70 Tenge für ein Brot sind schon heftig. 18 Cent. (Der Sprit kostet übrigens 30ct der Liter). Allerdings war der Verkehr die Hölle. Wie bereits erwähnt kennen Kasachen nur Extreme. Und dazu hupen sie wie verrückt. Immer. Wenn man sich an's Tempolimit hält. Oder an einer roten Ampel steht. Wird man halt überholt. Links, rechts, über den Standstreifen, über das Gras neben der Straße. Who cares?

Nach über einer Stunde auf der Kasachischen Autobahn (Die Kasachische Autobahn ist zwei- bis drei-spurig pro Fahrtrichtung und in der Mitte ist eine Leitplanke und prima glatt. Allerdings kommt dort immer wieder Unerwartetes: Wendestellen, Bushaltestellen, Zebrastreifen, Eselgespanne... entgegen der Fahrtrichtung!) kamen wir am Qapschaghai-Stausee an. Wir haben uns dann irgendwelche komische, schmale Wege in's Nichts gesucht, sind in die Steppe gefahren und haben unser Lager aufgebaut. Nach 40 Stunden ohne Schlaf bin ich dann Mittags (ich glaube der Jetlag hat da geholfen) auf meinem Tarp eingeschlafen. Daher gab es von diesem Tag keine Fotos.

Am nächsten Morgen - ich lag immernoch auf dem Tarp - bin ich dann wachgeworden und hatte diesen überwältigenden Sonnenaufgang mit Blick auf den See und die 5- bis 7.000er des Tien-Chan-Gebirges.

Die Fahrt ging dann über Holperpisten weiter zum Altyn-Emel-Nationalpark. Um von einem Kasachen gesagt zu kriegen, dass die Antilopen gerade Jungen haben und man deshalb 300km Umweg zum anderen Eingang in Kauf nehmen muss. Mei. Dann ich man das auch noch gefahren. An dieser Einfahrt eine Schranke und ein Wärter, der uns mit Zeichnungen im Sand zu verstehen gab, dass man erst 10km über die Schotterpiste zurück musste um im Dorf ein Ticket zu kaufen. Also 10km zurück, bezahlt, 10km zur Schranke und dann 50km durch die wüstenartige Steppe... über Schotter.
Dann eine weitere Schranke an einer kleinen Oase. Dort durften wir das Zelt aufstellen und der Park-Ranger dort - Malik - war unglaublich nett. Er hat extra für uns den Samowar befeuert und wir saßen bis spät da, tranken Bier und Kaffee und rauchten Zigaretten, während wir gebrochen kommunizierten.

Dort hatte ich auch meine Begegnung mit einem Kasachischen Klo. Kasachische Klos sind nämlich einfach kleine Hüttchen mit Löchern am Boden. Donnerbalken ohne Balken. Also Donner. Sauber ist auch was Anderes.

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Tyger

Well-Known Member
Nun, eigentlich war das Klohäuschen auf dem Campingplatz ziemlich gediegen - es war recht sauber und hatte eine Tür, die sich sogar verriegeln ließ. Soviel Luxus war bei Rastplatztoiletten selten zu finden.
Was wir zunächst für eine Autobahn gehalten hatten, war übrigens nicht wirklich eine, sondern eine exzellent ausgebaute Landstraße. Zu den interessanteren Verkehrsteilnehmern zählen dort neben Eselskarren auch gelegentliche Roadtrains, die aus drei bis vier Anhängern bestehen, gezogen von einem Traktor.
Auf den tatsächlichen Autobahnen geht es etwas geordneter zu, aber der Standstreifen ist auch dort Fußgänger- und Reitweg. Außerdem ist auf jeder Art von Straße jederzeit mit Rindern oder Pferden zu rechnen, die die Straße gerade überqueren oder beschlossen haben, sich darauf wohlzufühlen.
In Altyn Emel erlebten wir in der ersten Nacht einen Sandsturm, der beinahe das Zelt zerfetzte und die ganze Nacht anhielt. Am nächsten Tag gabs dann wieder ruhiges, warmes und regnerisches Wetter. Für ein Land, das eigentlich als sehr trockenes Steppen- und Wüstenland gilt, haben wir in Kasachstan übrigens bemerkenswert viel Regen erlebt - allerdings auch nicht so, dass es ein verregneter Urlaub gewesen wäre.
Am Morgen nach dem Sandsturm fuhren wir zur Singenden Düne, der wohl wesentlichen Attraktion des Parks. Auf dem Weg dahin bekamen wir noch eine Steinsetzung aus irgendeiner alten Zeit zu sehen und einen Hain in einem Tal mit einer Quelle. Was dieser Hain vor allem zu bieten hatte, waren jede Menge Mücken. Unser Begriff von "viele Mücken" sollte sich im Laufe der Reise allerdings noch ein gutes Stück weit verschieben.
Die Singende Düne sang zwar nicht, machte aber interessante Geräusche, wenn man hinabrutschte.

Weiß jemand, was für eine Echse das ist, die ich da am Fuß der Düne fotografiert habe?

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Ariana

Well-Known Member
Wir waren ja im Altyn-Emel um die Singende Düne zu sehen. Zuvor tobte aber erst einmal ein heftiger Sandsturm. Kasachstan lässt nichts aus.
Es ging dann also erstmal durch den Staub der Steppe 10km weiter. Da waren dann erst einmal so steinsetzungen und dann noch eine Quelle. Und dann kam sie. Die Düne ist deutlich größer als jedes Foto vermitteln kann. 3km lang und über 100 Meter hoch. So viel Sand.
Tatsächlich ist so eine Sanddüne zu besteigen wesentlich anstrengender als mir zuerst klar war. Aber für die Fotos hat es sich gelohnt. Gesungen hat sie dabei allerdings nicht.
Beim Runterrutschen hat sie allerdings genüsslich gebrummelt. Das war irgendwie faszinierend.

Dann ging es Kilometer um Kilometer weiter in Richtung Charyn-Canyon. Die Fahrt war auch klasse. Die Straßen waren schlaglöcherig, aber wie ausgestorben. Durch eine grandiose Landschaft durch Täler, die mich an Island erinnerten.
Irgendwann fing dann auch der Regen an. Und Kasachstan ergrünte in Sekunden. Dann wirkte alles sehr tropisch und eher Südost-Asiatisch. Wären da nicht die alten Sowjet-LKW.

Der Canyon selbst... nun... dort war eine riesen Baustelle. Scheinbar wollen sie die Zufahrt asphaltieren. Nach der Schranke dann ein wunderbarer Offroad-Park. Irgendwann haben wir dann die Zufahrt zum Canyon gefunden. Erst ging es hoch, dann plötzlich wie aus dem nichts steil und verwunden bergab. Und dann erst einmal durch eine surreale, lovecraftige Landschaft inmitten des Canyons bis zu einem Fluss. Dort war ein Ferien- und Abenteuer-Resort. Das hatte aber noch nicht offen. Der Angestellte sagte, wir dürfen campen wo wir wollen. Sehr unkompliziert. Das hatte uns gefallen.

Vor Ort war neben dem Fluss (endlich Haare waschen) auch ein Pärchen aus Israel, mit denen wir den Abend verbrachten. Overlander - und Solche, die es sein wollen - finden irgendwie immer zusammen.

Den Canyon selbst haben wir uns am nächsten Tag angesehen. Die Fotos folgen also im nächsten Post.

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Tyger

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Der Charyn Canyon war wirklich schön, und gleichzeitig auch schon einer der fernsten Punkte unserer Reise; wir waren nur noch ca. 100km von der chinesischen Grenze entfernt. Die "Burgen" auf den Gipfeln der Felsen waren alle natürliche Formationen, nichts davon war gebaut, was man vor allem im Dunkeln kaum glauben konnte. Ich musste spontan an Lovecrafts "Berge des Wahnsinns" denken - nur, dass das hier nicht die Antarktis war. Und nachdem wir an einem verregneten Tag angekommen waren, hatten wir am nächsten Tag richtig schönes Wetter, um den Canyon von unten und oben zu besichtigen. Dank der Israelis kam ich an diesem Morgen sogar zu Kaffee - damit gab es bisher nämlich ein Problem. Und damit komme ich zu einem kleinen Einschub:

2 Irrtümer bezüglich Kasachstan:

Es gibt in Kasachstan keine Gaskartuschen; einen Campinggaskocher schleppt man also komplett für die Katz mit. Auch wenn jeder einem erzählt, diese Anstechkartuschen gäbe es angeblich auf der ganzen Welt, weil sie ja ein sooo verbreiteter Standard seien - nein, in Kasachstan gibt es sie nicht. Auch nicht in Camping- und Outdoor-Shops, egal mit wieviel Mühe man sich die in einer Millionenstadt wie Almaty sucht - es gibt sie einfach nicht.
(Dabei hatte ich vorher sogar noch mit dem Gedanken gespielt, mir für diesen Urlaub einen Bio Lite Holzkocher zu kaufen - hätte ich mal nur!)
So kam ich meist nur mit einem morgendlichen Feuer zu Kaffee.

Der zweite Irrtum war noch überraschender und absurder. Ich hatte ein Navi mit Open-Street-Map von Kasachstan dabei, und Pesti hatte auch noch zwei Navi-Programme auf seinen Handys; soweit waren wir also gut ausgestattet. Nur für die allgemeine Übersicht fehlte noch eine schöne große Straßenkarte auf Papier, die wir uns dort an der nächstbesten Tankstelle kaufen wollten; so etwas gibts ja schließlich überall.
Möööp - Fehler! Manche Tankstellen in Kasachstan haben zwar einen Shop, doch dieser Shop hat nie, NIE, NIEMALS irgendwelche Straßenkarten, Stadtpläne oder Ähnliches. Auch die seltenen Zeitschriftenstände, die überhaupt fast nichts im Angebot haben, führen so etwas nicht, und Buchläden gibt es keine - wir haben zumindest keinen einzigen entdeckt. Nun ja, wenn es wirklich sein muss, kommt man mit den Bildschirmdarstellungen notfalls auch zurecht.


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Minki

Obermodz/Cheffchens rechte Pfote
Mehr als einfach nur Wow! fällt mir echt gerade nicht ein. Das ist ja noch Natur wie man sie (aus meiner Sicht nicht erwartet hätte, wenn ich an Kasachstan denke) und man sie sich wünscht :D
 

Tyger

Well-Known Member
Weiter ging es in die Berge, zum Kahindy-See auf 1900 Metern Höhe. Es war eine interessante Fahrt dort hinauf, zumal das schöne Wetter wieder nachließ und es kräftig und dauerhaft zu regnen begann. Gleich hinter uns fuhren Schweizer den Berg hinauf, die von der Schweiz bis Kasachstan gefahren waren, und aus einer Jurte oben am Campingplatz, wo es heißen Tee gab, kam uns eine Gruppe deutscher Touristen entgegen.
Ich baute das Zelt im Regen auf und es wurde eine ziemlich feuchtkalte Nacht. Am nächsten Morgen sahen wir uns schließlich den See an, der für seine abgestorbenen Bäume bekannt ist, die mitten im Wasser stehen, seit der See irgendwann durch einen Erdrutsch stark angestiegen war. Wenn man die unangenehmen Temperaturen vergaß, war es eine sehr schöne Gegend, ein hochgelegenes Tal, überragt von schneebedeckten Gipfeln, auf denen es Schneeleoparden gibt, von denen wir natürlich keinen zu Gesicht bekamen.
Auf den Fotos einige Impressionen aus den Bergen und, wieder im Flachland, ein Dorf, in dem die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Dörfer dieser Art sind in Kasachstan keine Seltenheit.

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Tyger

Well-Known Member
Weiter ging es zu der entlegenen Geisterstadt Baishansay, die wir, wieder in den Bergen, in einem malerischen Tal finden sollten. Bis dahin einige Impressionen von der Fahrt dorthin durch den Süden Kasachstans. Die Kasachen lieben Monumente; es gibt reichlich davon. Kühe sind allgegenwärtig, wo gerade keine Pferde sind. Und aus der Wüste ging es geradewegs wieder in eine Vorgebirgslandschaft, zwischen blühenden Feldern hindurch.

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Fiete Langohr

Well-Known Member
Kann ich mich nur anschließen, erstaunliche Landschaften und Naturwunder, die ich so jetzt nicht unbedingt in Kasachstan vermutet hätte. Da sind richtig schöne Impressionen dabei, die ihr beiden da eingefangen habt und mit uns hier teilt.
 

Tyger

Well-Known Member
Dann mal weiter, nun also endlich aus Baishansay.
Das war zu Sowjetzeiten eine Bergbaustadt, wo Eisenerz wohl nicht nur abgebaut, sondern auch schon weiterverarbeitet wurde. Allein der Transport des abgebauten Materials dürfte das Ganze schon unwirtschaftlich gemacht haben; Baishansay liegt weit abseits jeder größeren Hauptstraße oder gar Eisenbahnstrecke mitten in den Bergen, und man fährt lange durch viel Landschaft und ebenfalls schon abgelegene Dörfer, um dorthin zu kommen.
Die Gegend ist wunderschön; wir schlugen unser Lager unter einer Baumgruppe zwischen einem klaren Bach und der Straße auf, die überraschenderweise nicht völlig verwaist war. In Häusern am Bach entlang leben noch immer einige Menschen (wir schätzten 30 bis 40) und es gibt sogar eine kleine Moschee. Das Ortsschild sah aus wie frisch gestrichen und war es auch tatsächlich; Pesti fand eine darunter liegende Farbrolle. Man kann dort den ganzen Tag ungestört durch Ruinen streifen, in denen man allenfalls Kühen begegnet, die die schattigen Plätzchen für sich entdeckt haben.

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Greeneyed greedy Fox

Well-Known Member
Das sind wirklich verdammt tolle Bilder. Von eurer Beschreibung der ganzen Reise ganz zu schweigen! Wirklich nett hinbekommen.
Ist auch eine interessante Sache, das ganze. Besonders weil zumindest ich von Kasachstan noch nicht sonderlich viel mitbekommen habe, und das ganze dann so zu sehen schon toll ist.
 

Tyger

Well-Known Member
Ja, von Kasachstan bekommt man nicht viel mit, aber wenn doch mal, dann ist das eigentlich immer etwas Interessantes. Auch das war einer der Gründe, dorthin zu reisen.
In Baishansay gibt es auch noch das ehemalige Bergwerk (oder eins von ihnen?) mit einem offenen Zugang direkt zur Hauptstraße. Er ist leicht an einem sehr kalten Wind zu erkennen, der einem daraus entgegen weht - ein auffälliger cold spot auf der sommerlich warmen Straße.
Da mussten wir natürlich hinein! Etwa einen halben Kilometer weit haben wir uns hinein gewagt, dann kamen wir zu einer Stelle, die etwas größer ausgebaut war und einen hölzernen Ausbau mit mehreren Stockwerken erkennen ließ. Dieser Ausbau schien allerdings irgendwann gebrannt zu haben und war zusammengestürzt - und das war dann die Stelle, an der wir nicht mehr weiter wollten.
Der Wind entsteht übrigens durch Spalten im Fels auf etwa halben Weg; tief drin ist es windstill. Wir erkundeten diverse Seitengänge und entdeckten eine Quelle und einen unterirdischen See.
Hier die Fotos aus der Tiefe:


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Tyger

Well-Known Member
Nach zwei schönen Tagen in der Geisterstadt ging es weiter in Richtung Westen. Die Straße führte mehr oder weniger am Fluss Syrdarya entlang, aber doch weit genug entfernt, dass man den Fluss nie zu Gesicht bekam. Wir wollten aber hin und hatten immerhin auch die Hoffnung, darin baden zu können. Schließlich fanden wir einen Übergang über die dazwischen liegende Bahnlinie und eine Fahrspur, die in die richtige Richtung führte. Als das Auto sich durch immer dickere Sandschichten wühlen musste, beschlossen wir, uns mitten im Busch niederzulassen und die restlichen paar hundert Meter bis zum Syrdarya zu Fuß zu gehen.
Nun ja, ein Handtuch hätten wir nicht mitzunehmen brauchen. Das Flussufer war eine Baustelle, das Ufer war hoch aufgeschüttet worden und das Wasser schlammig. Ein einzelner Bauarbeiter mit Hund, der wohl nach Feierabend die Baustelle bewachte, zeigte uns stolz seinen Bagger. Dass Reisende hier auftauchen, kommt wohl nicht oft vor.
Es war trotzdem eine schöne Übernachtung an einem schönen Fleckchen, und die ganze Nacht über zogen Kühe durch die Gegend. Schlafen die eigentlich irgendwann auch mal?


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Tyger

Well-Known Member
Was uns bei unserer Fahr immer wieder auffiel, waren Friedhöfe. Während Friedhöfe hierzulande meist etwas eher Unauffälliges und verschämt irgendwo in der Stadt Verstecktes sind, von hohen Mauern umgeben, sind die Friedhöfe in Kasachstan ausgesprochen auffällig. Sie sind grundsätzlich immer weit außerhalb der Städte oder Dörfer gelegen; ein Friedhofsbesuch zu Fuß dürfte meist eine Tagestour sein. Sie sind auch nicht als geruhsame Orte auf den Besuch älterer Leute eingerichtet, sondern sind meist prunkvolle Nekropolen, in denen die Toten unter sich sind. Sie bewohnen prächtige Paläste, deren Baustile eine Mischung verschiedener Kulturen und Epochen sind.
Niemand hat etwas gegen den Besuch eines solchen Friedhofs, der oft auch in keiner Weise eingefriedet ist, aber dennoch waren Pesti und ich ganz allein, als wir eine solche Nekropole durchstreiften, nur Eidechsen und Schlangen huschten vor uns davon.

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Minki

Obermodz/Cheffchens rechte Pfote
Also Mauern könnense die Kasachen :D
Soon Trip könnte ich auch jetzt gebrauchen...
 

Tyger

Well-Known Member
Das Nächste, worauf wir stießen, war eine Zufallsentdeckung. Irgendwo an der wenig befahrenen Landstraße, weit entfernt von jeder Stadt, bemerkten wir etwas Größeres mit einer eigenen Zufahrt, das so aussah, als könne man es besichtigen. Es handelte sich um eine Gedenkstätte oder Tempelanlage für einen schamanischen Heiligen namens Korkyt Ata, der im 7. Jh. lebte. Er war der Erfinder eines original kasachischen Musikinstruments und soll der Legende nach dreihundert Jahre alt geworden sein. Gleich am Eingang der weitläufigen Anlage gab es ein kleines Museum, das ihm gewidmet war.
Wie eine Inschrifttafel verrät, wurde die Anlage erst im Jahre 2014 auf Beschluss des kasachischen Präsidenten selbst restauriert.
Der Parkplatz war praktisch leer, es gab nur wenige Besucher außer uns.

Die Figur auf dem ersten Foto stellt Korkyt Ata mit dem von ihm erfundenen Instrument dar.
Die aufrecht stehende Skulptur links hinter dem Amphitheater macht Musik. Der Wind strömt in die seitlichen Öffnungen im oberen Teil, wird nach unten umgeleitet und erzeugt Töne.
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