Wer bin ich? Was bin ich? Teil 2

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Mystic_wolf

Guest
Wie entscheide ich mich? Hab ich mich nicht schon längst entschieden? Ich habe viele Menschen den Weg des Waldes gehen sehen. Viele sind umgekehrt, haben "weggeschaut". Nur sehr wenige blieben standhaft. Standhaft den "Verlockungen" des Lebens. "Standhaft" der Habgier und der Macht. Nur weil ein Mensch sich für einen anderen Weg entscheidet, heißt das noch lange nicht, dass man ihn verurteilen darf. Auch Etwas, was ich lernen musste. Denn ich war ein Kontrollfreak. Alles musste ich kontrollieren, analystieren, kartographieren. Ich habe gelernt, oder besser gesagt, mir wurde gezeigt, dass jeder Mensch Respekt und Würde verdient. Es verdient jeder Mensch mit Wahrheit angesprochen zu werden und ihn nicht mit Lügen zu entwürdigen.
Und so entschied ich mich für den "Weg der Wahrheit". Damit meine ich wie gesagt, die zuvor aufgeführten Grundwerte. Ich entschied mich, weiter standhaft dem Wald zu folgen. Aus mehreren Gründen. Zum Einen ist es der Weg meines Herzens. Ich fühle mich sehr gut und ausgeglichen auf diesem Weg. Und zum Anderen, weil Alles was dem Wald ausgesetzt ist, irgendwann zum Wald wird. Der Wald gibt, der Wald nimmt. Mein Menschsein ist keine Hürde davor.
In all dieser Zeit, habe ich viel gesehen. Vieles habe ich erkannt. So manche Fähigkeiten erlernt. Aber eine glaubte ich zu haben. Weisheit.
Jetzt kommt Ihr Alle ins Spiel:
Ich besitze wenig Weisheit, denn würde ich sie besitzen, wüsste ich was passiert. Ich weiß gar Nichts. Hätte man mir vor ein paar Monaten gesagt, es gibt Menschen welche sich "Furries" nennen, als bekannten Gründen. Ich hätte ihm den Vogel gezeigt. Ganz ehrlich, hätte ich jemanden in einem Fursuit auf der Straße gesehen, ich hätte ihn ausgelacht.
Wo ist da die Weisheit, von der ich so überzeugt war diese zu besitzen? Nein, starr war ich. Eingebildet. Trotz meiner Erfahrungen. Der große Unterschied zwischen Weisheit und Wissen. Nun erkenne ich es.
Egal was ich tat, war immer dieser animalische Trieb in mir. Er begleitete mich seit Geburt an. Und genau diese animalische Prägung, in Verbindung mit der Natur, führten zum jetzigen Ergebnis. Durch die Erkenntnis, das ich nichts weiß und mir schon überhaubt nicht einbilden soll, irgendetwas vorherbestimmen zu können, tat sich in mir eine Tür auf.
Es war, es ist ein Gefühl welches so rein ist, welches so ungaublich angenehm ist. Ich verspüre eine verbindung zum Wald, welche ich noch nie erleben durfte. Ich weiß, mit absoluter Sicherheit, dass dieser Weg der Richtige ist für mich. Plötzlich war die Angst, vor dem animalischen weg. Es war so, als würde ich endlich eins sein, als würde mich meine Seele umarmen und glücklich sein, endlich frei zu sein. Ich wusste, ich bin ein Tier.
Tier zu sein ist ja schön und gut dachte ich mir, aber ich war vorsichtig mit meinen Gedankenspielchen. Zu oft "spielte" ich mir was vor. Aber das Gefühl wurde stärker. Es wandelte sich in ein stetiges "Ausgefülltsein". Ein angenehmes Prickeln, welches meinen gesamten Körper durchströmt. Und ein Feuer in mir, eine Kraft welche so unglaublich stark ist. Es war wahr.
Als ich dieses Forum und auch Euch fand, war ich stutzig. Ich begann der gesamten Bewegung auf den Grund zu gehen, was ich auch immer noch verfolge. Egal ob "Fandom", "Fursuit", oder "Furry" ich schaue mir Alles an. Ich möchte verstehen. Ich möchte lernen. Schon immer habe ich mich mit meinen Interessensgebieten bis zu den Wurzeln auseinandergesetzt. Ich bin jetzt 29 und habe keine Lust etwas "Vorzuspielen". Wenn dann will ich mich auskennen und mit ganzer Überzeugung das sein was ich bin.
Ich habe Euch gefunden, Wesen welche zwar auf dem gesamten Globus verteilt sind, aber eines doch gemeinsam haben, diese Verbindung zu den Tieren. Dies ist der Grund, warum ich hier meine persönliche Geschichte schreibe. Trotz der Gefahr des Internets. Ich bin es Euch schuldig. Ihr habt das Recht zu erfahren wer ich bin und warum ich so bin und um Euch zu zeigen, dass ich ehrlich bin. So oft mir schon geraten wurde, mit der Ehrlichkeit aufzuhören, werde ich es niemals machen. Obwohl ich Euch nicht persönlich kenne und ihr mich nicht, werde ich ehrlich sein zu Euch. Denn wir sind Wesen gleicher Prägung, zwar unterschiedlicher Spezies, aber gleicher Prägung.
Mittlerweile weiß ich, dass ich zum Drachen werde und der Wolf mein inneres Wesen ist. Und bald schon werde ich meine Maske im Alltag fallen lassen, und meine wahre Gestalt zeigen. Denn jetzt ist der Moment gekommen, an dem ich beweisen kann, dass ich nicht nur Worte von mir gegeben habe sondern auch Taten setze. Das wird zwar einiges an Aufruhr mit sich bringen, aber das ist mein Weg und ich bleibe standhaft. Denn ich werde diesen Weg mit all meiner Kraft gehen. Ich werden ihn niemals durch Falschheit trüben.
Nur hat jede Entscheidung auch ihre Konsequenzen. Durch meinen "krassen" Lebensstil, durch meine "besondere" Wahrnehmung ist eine Arbeitsuche äusserst schwierig. Viele haben den Mut verloren mich zu unterstützen. Meine Familie wendet sich ab, Freunde lassen mich im Stich.
Ja, ich weiß, mein Weg verlang sehr viel. Von mir und meiner Umgebung. Ich mache ihnen keinen Vorwurf, sie haben wirklich sehr viel für mich gemacht, mich sehr lange unterstützt. Nur es gibt kein Zurück mehr für mich. Ich bin dort wo ich hingehöre. Und mag es auch sein, dass ich bald Alles verlier, so bleibe ich standhaft. Ich hoffe es zwar nicht, aber wenn es so kommt, damm ist es so. Ich weiß ehrlich gesagt überhaupt nicht wie es weitergeht. Ich verlasse mich vollkommen auf die Natur. Sie wird mir schon einen Weg zeigen. Wie sonst hätte ich Euch gefunden?

So, das ist sie, meine Geschichte. Jetzt wisst Ihr was es für mich bedeutet Furry zu sein. Und Ihr habt einen Einblick in mein Leben bekommen, damit Ihr mich einschätzen könnt.
Ich kann nur sagen, ich bin sehr froh Euch gefunden zu haben und ich möchte noch viel von Euch lernen.
 

Guest

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Guten Morgen Mystic_wolf,

danke für deine ausführliche Vorstellung. Du hast ja wirklich einen steinigen Lebensweg hinter dir -- ich wage zu bezweifeln, dass ich solch einen Weg hätte gehen können! Ich freue mich mit dir, dass du die negative Phase des Hasses überwunden hast, und wünsche dir, dass du auch in Zukunft deinen Weg finden wirst -- einen Weg der dir inneren Frieden bringt -- und dir letztlich auch Frieden mit deinen Mitmenschen bringt.

Es ist schon spannend, wie unterschiedlich man das Furry-sein verstehen kann. Bei dir ist es ja so, dass du dich selbst als Tier begreifst, das halt zufällig im menschlichen Körper steckt (falls ich dich richtig verstanden habe). Dies ist bei mir eigentlich nicht der Fall. Ich finde mich einfach nur in Brio's Charakter (wie er in "Der Ritt nach Narnia" beschrieben wird) wieder. Die Liebe zu Pferden (der ich 25 lange Jahre nicht nachgehen konnte!) hat ihr übriges getan. Vielleicht wäre ich auch gerne ein Pferd (vorausgesetzt, ich müsste nicht in Gefangenschaft unter den Menschen leben, sondern könnte frei sein -- eine Freundschaft zu Menschen oder anderen Wesen wäre davon unbenommen), aber ich betrachte mich nicht als Pferd. So gesehen fühle ich mich nicht direkt angesprochen von deiner Feststellung, dass du dich bei HF so wohl fühlst, weil du auf deinesgleichen gestoßen bist. Aber auch wenn wir unser Furry-sein unterschiedlich begreifen, auch wenn für dich und mich andere Dinge wichtig sind, freue ich mich trotzdem über den Kontakt. Vielleicht können wir ja das ein oder andere voneinander lernen... können den eigenen Horizont etwas erweitern... :)

Liebe Grüße,
Brio
 

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