Wahre Helden

StillesChaos

Frischling
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22 Jul 2013
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Episode 1

Fhilomin hob seinen Kopf knapp über das Gebüsch. Die Blätter und Farne, die er zur Tarnung verwendet hatte, fielen locker von seinem Geweih hinab, alser den Hang entlang blickte. Er musste leise bleiben, wenn er nicht als Futter für die Unzahl von Drachen enden wollte, deren Scharen sich in wildem Gerangel zwischen ihren Brutplätzen tummelten.
Flink legte er seinen Kohlestift auf das Pergament und begann mit seinen Zeichnungen, während das ohrenbetäubende Geschrei der geflügelten Wesen zwischen den Berghängen widerhallte.
Der Hirsch verharrte so still wie möglich in seiner unbequemen Position und zeichnete weiter. Das Studium verlangte einiges von einem Schüler ab, aber wenn man zum Meister eines Faches – existent oder nicht existent –werden wollte, dann musste man nun mal auch Opfer aufbringen.


„Von wegen Dracologie ist kein eigenständiges Gebiet... Drachen sind ja nur eine Echsenart...“, murmelte er leise, während er mit seiner Zeichnung von einem besonders eindrucksvollen Weibchen fortfuhr,welches wachsam mit erhobenen Flügelarmen, über ihrem Ei thronte.Das Kollegium an der großen Universität würde sich noch wundern,wenn er erst einmal seine Unterlagen vorzeigen würde. Ganz gleich,ob es sich hierbei nur um die Lokale Art der Steinkiefer handelte.Aber was sollte er schon vorweisen, wenn man ihm im Gegensatz zum Rest der Studiergruppen keinerlei Forschungsgelder erhielt und man sich selbst für Rabatte bei Flugschiffreisen mit der halben Händlergilde und alten Großmütterchen anlegen musste?
Blieben ihm also seine kleinen Wochenendsreisen in die lokale Berglandschaft.


Vorsichtig hielt erden Stift hinauf und versuchte, die grobe Flügelspannweite zu ermitteln. Etwa 6 Ahr bei voller Spannweite. Die spitzen Pupillen des Drachen musterten seine Umgebung aufmerksam, während er die Sonne das Ei brüten ließ. Wenn er jetzt noch die Größe seiner Zähne herausfinden konnte, dann...

„Fhilo! Fhilo, wo bist du?!“

Das Rufen kam von einer ihm bekannten Stimme. Tharia, seine Dachs-Freundin. Und leider überraschte es nicht nur ihn, sondern auch noch die Drachenhorde,welche sogleich ihre Köpfe in die Richtung des Klangs richtete.Einige von ihnen, vornehmlich die kleineren Männchen, erhoben sich sogleich in die Höhe und begann mit ihren Kreisflügen –Jagdgebahren. Fhilo packte alles in seine Umhängetasche und huschte der Stimme entgegen. Flink rannte er zwischen den Bäumen umher, bis er schließlich sehen konnte, wo sich Tharia befand. Noch immer rief sie nach ihm und solange sie damit fortfahren würde, würden die Drachen auch weiterhin über ihnen kreisen und nach ihnen suchen.Während sie den Hang hinauflief, pfiff er schrill.

„Fhilo, da bist du ja!“, rief sie aus und grinste freudig. Sie winkte mit ausgestrecktem Arm. „Ich hab' tolle Neuigkeiten!“
Fhilomin winkte sie hastig heran. „Komm' her und beeil' dich!“, zischte er.
„Was ist denn?“
„Drachen!“ Erdeutete gen Himmel. „Komm endlich her und versteck' dich!“
Erst langsam drehte sie ihren Kopf in die Richtung der drohenden Gefahr. Das pummelige Mädchen mochte zwar durchaus Kraft in ihren Armen haben, aber leider war sie nicht unbedingt geistig die schärfste. Nichts desto trotz wollte Fhilomin sie in keinem Falle geschädigt sehen – oder gar schlimmeres. Sie machte sich sogleich auf, zu laufen, bremste jedoch scharf ab, als ein Drache im Sturzflug knapp an ihr vorbeizog. Keine Chance, selbst wenn sie in den Wald rennen würden. Irgendwann hätten sie keine Möglichkeit zur Flucht mehr. So nahe an den Nestern waren sie die perfekte Beute.

Fhilomin begann sogleich, so schnell zu rennen, wie ihn seine Hufe tragen konnten.Der Hirsch sah das einzige Heil in der Flucht, wenngleich ihm Angst und Bange war. Nicht mal eine Desertation von Professor Ghuz konnte es hiermit aufnehmen.
„Lauf!“, brüllte er, „Lauf weg und versteck' dich unten am Fluss!“
Er selbst konnte ihr kaum folgen. Würde er es doch tun, wären sie ein leichtes Ziel für die Schar, die sich durch die Luft zog. Wenn sich die Menge teilte,dann hatten sie bedeutend bessere Chancen... oder nicht? Ihr Gewicht und ihre Größe waren vermutlich ein entscheidender Faktor dagegen,vermutete er, nachdem er bereits einen Abstecher von ihr Weg gemacht hatte und feststellen musste, dass die Drachen doch eher ihr zugeneigt schienen, derer sie sich geradeso erwehren konnte. Am Ende waren selbst majestätische Wesen wie Drachen wohl einfach gebaut,aber warum auch nicht? An Tharia war ja bedeutend mehr dran.

Planänderung. Die Tiere würden keine Ruhe geben und noch weniger würde sie es schaffen, wenn sie nicht mal von ihr Ablassen würden. Im Lauf,mitlerweile keuchend, griff er an den Beutel an seinem Gürtel und zog ihn herunter. Ein Schritt, den er nicht machen wollte, doch half es wohl nichts. Er blieb stehen und griff hinein, während sich eines der Tiere zu ihm herabsenkte. Das Gefühl an seiner Hand wich einer angenehmen Kälte, als er durch den Schleier selbst in eine Taschendimension griff und hoffte, etwas aus dem magischen Fluss zuziehen, das ihm irgendwie nützlich war. Sogleich riss er die Hand heraus, nachdem er irgendetwas gepackt hatte und warf es in Richtung der Drachen.

Ein gleißendes Feuerwerk ergoss sich über den Himmel, als aus dem Beutel eine Vielzahl an Raketen und Knallfrösche emporschossen und die Drachen erschreckten und verwirrten. Die Barrage an mit Schwarzpulvergefüllten Geschossen ließen die Himmelsjäger jedenfalls überrascht genug zurück. Auch Tharia blickte irritiert zum Himmel, als die Knaller den hellen Tageshimmel ein wenig zierten. Sogleich ergriff er seine Hand und riss sie mit sich, um weiter den Hang wieder herab zu rennen.
„Das hält nicht lange an!“, rief er keuchend aus, während er sich umsah. Der Fluss war bereits in Sicht und gleich dahinter begann auch ein Wäldchen,groß genug, um sich erst mal im Unterholz zu verstecken.
„Ich kann nicht mehr laufen, Fhilo.“, keuchte Tharia.
„Nur noch ein Stückchen. Wir gehen da unten im Wald in Deckung.“

Nachdem sie sich eine Weile im Unterholz flach hingelegt hatten und die kreisenden Jagdbewegungen der Drachen sich gelegt hatten, war Fhilomin bereits dabei, seine Sachen zu ordnen und noch einige letzten Gedanken zum Jagdverhalten der Drachen aufzuschreiben. Darunter die Vorliebe für leichtere Beute und die Abscheu gegenüber Raketen und Knallkörper jeglicher Art.
„Was war das denn gerade?“ Tharia legte den Kopf schief und strich sich einige Blätter aus dem Fell.
„Was meinst du?“,Fhilomin tat es ihr gleich.
„Na das mit den Raketen! Du hättest mir ruhig sagen können, dass du welche hast,die hätten wir letztens bei Tante Usa's Geburtstag gebrauchen können.“
Fhilomin seufzte mit einem leichten Schmunzeln. Jetzt wo das Adrenalin nachließ fühlte er sich fürchterlich erschöpft. Nichts Neues, aber zur Abwechslung mal direkt der Drachenjagd ausgeliefert zu sein, war eine Interessante Erfahrung, die er aber nicht so schnell wiederholen wollte.
„Das waren nur Äthergegenstände. Ich hab' sie aus dem Leerenbeutel gezogen. Ich wollte einfach irgendwas haben, um die Drachen zu vertreiben.“
„Ich hatte gedacht, du hättest ihn daheim gelassen.“
Fhilomin richtete sein Leinenhemd und klopfte es ab. Die Gras- und Erdflecken würde er so zwar nicht loswerden, aber immerhin fühlte er sich etwas präsentabler.
„Wollte ich erst auch, aber ich hatte es mir dann doch anders überlegt. Auch wenn ich ihn jetzt wieder nach Hause bringen kann, weil ich vorerst nicht mehr an die Drachen herankommen werde, so aufgescheucht wie sie jetzt sind.“
„Das tut mir leid...“, murmelte Tharia und ließ ihren Kopf hängen.
Fhilomin atmete tief durch. „Schon gut, ich hätte dir sagen sollen, dass du von der sonnenabgewandten Seite kommen musst, wenn du hier hochgehst. Steinkiefer bauen ihre Nester immer so, dass sie viel Sonne abbekommen.“ Damit war das Wochenende wohl auch gelaufen. Es hätte aber wohl schlimmer sein können, denn immerhin waren sie beide ja noch an einem Stück. „Womit wir aber zum Grund deines Erscheinens kämen.“
Tharia blinzelte und starrte ihn für einen Moment an, als würde sie durch ihn hindurchblicken.
„Ach ja, ach ja!“,rief sie aus und zog einen Brief aus ihrer Westentasche. „Vorhin war ein Bote der Universität da und bat mich, dir dies zu geben.“ Fhilomin nahm ihn entgegen und blickte ein wenig ungläubig auf die Handschrift. „Ich hab' ihn nicht aufgemacht, ich schwör's!“

Die Handschrift war unverkennbar die des Erzmagiers Herlott. Beim Umdrehen bemerkte er,dass auch das Wachssiegel zwar etwas lädiert, aber nicht gebrochen war. Sicherlich eine Folge der Flucht. Schnell öffnete er diesen und begann zu lesen.

An den selbsternannten „Dracologen“ Fhilomin Blattwisper

Erneut musste ich feststellen, dass Ihr die flehenden Bitten meiner Sekretäre, nicht noch mehr Anträge B-45 für Studienzwecke – in dreifacher Ausführung – zu schicken, nicht nachgekommen seid.
Es sei gesagt,dass die Universität seit jeher ein reges Interesse daran hat,Wissen jeglicher Art angemessen und fehlerfrei festzuhalten. Euer Bestehen darauf, die Dracologie – nach Eurer Beschreibung „die Lehre der Drachen“ - als Unterkategorie in die ohnehin schon verzweigte Biologie aufzunehmen, ist mir durchaus bekannt. Ich versichere Euch, mit größter Sorgfältigkeit Eure herausragend Formgerechten Schriftstücke gelesen zu haben und möchte – nicht nur im Zuge der Nervenschonung von zwei ohnehin schon überarbeiteten- und drei weiteren potentiell psychosomatisch geschädigten –Mitarbeitern hiermit bewilligen, Euch die Chance zu geben, zu beweisen, dass Drachen nicht als Untergruppe der Echsen, sondern eine eigenständige Gruppe innerhalb der Biologie zu sehen. Wichtig ist hierfür jedoch, dass nicht nur Steinkiefer unter die Lupe genommen werden.

Ich gebe Euch Zeit bis zum Ende des nächsten Semesters, entsprechende Unterlagen und Forschungsergebnisse vorzulegen und bewillige Euch darüberhinaus die entsprechenden Mittel, welche Ihr durch die Anbei liegende Universitätskarte einfordern könnt, die dann auf Kosten der Universität getragen werden. Sämtliche andere Studien dürfen für die Weile ignoriert werden, die erforderlichen Pflichtkurse müssen allerdings dann nachgeholt werden.
Ich erwarte hierbei die üblich erforderliche Genauigkeit und weise zudem daraufhin, dass es sich um ein äußerst gefährliches Unterfangen handelt,welches möglicherweise zu einem grausamen Tod führen kann.
Ich wünsche frohes Gelingen.

Erzmagier Herlott Goldhuf XIV


Die restlichen Titularien, wie etwa Magisterbeirat, Hofmagier seiner Majestät oder Sieger des Wettbewerbs im Chili-Senf-Brot-Essens,übersprang Fhilomin geflissentlich und grinste bis über beide Ohren und seinem Geweih hinaus.

„Sie haben es endlich bewilligt!“, rief er freudig aus. „Ich darf endlich beweisen, dass Drachen KEINE Echsen sind!“, er reckte die Arme in die Höhe und ließ sich rücklings ins Gras fallen.
„Das...ist doch gut.“, erwiderte Tharia und blickte unsicher zu Boden.„Ich freue mich wirklich für dich.“ Sie klang aber alles andere als erfreut.
„Was ist denn los?“, sein Blick lag nachdenklich auf ihren großen Augen.
„Naja,du kannst schon machen, was dir gefällt. Aber... dann musst du sicherlich Reisen. Wie Chester damals.“
„Ja,ich weiß...“, er blickte zum azurblauen Himmel und betrachtete einige der weißen Wolken, die ruhig dahin zogen. „Aber ich bin ja nicht für immer weg! Und ich kann dir ja immerzu schreiben.“
„Ich würde trotzdem viel lieber mitkommen.“ Fhilomin hob die Braue.„Ich kenne nur unsere Stadt. Ich war noch nie woanders.“
„Dann komm' doch einfach mit. Ich wäre jedenfalls froh, wenn ich jemanden bei mir hätte, den ich kenne.“ Sogleich setzte er sich wieder auf und verstaute den Brief in seiner Tasche.
„Aber was sagen meine Eltern dazu? Dass sie dich gehen lassen, liegt jawohl auf der Hand, immerhin bist du nicht der erste Student, der bei uns zu Gast ist.“

Fhilomin nickte. Chester war genau wie er bei Tharias Familie untergekommen in einem ohnehin schon viel zu kleinen Holzbau, der wie eine Vielzahl anderer sich ans Ufer quetschte. Der Fuchs war im Laufe der Zeit, die sie sich kennen lernen durften, sowas wie sein großer Bruder geworden. Nun, da er fortgereist war, fehlte er Fhilomin.

„Ach, wir werden sie schon überzeugen können. Immerhin ist es ja gefährlich, da brauche ich doch jemanden, der auf mich aufpasst.“
„Und wer passt auf mich auf?“
„Ich natürlich. Als angehender Dracologe und Magier kann ich sicherlich dafür sorgen, dass du heil wieder nach Hause kommst.
 
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StillesChaos

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Anmerkung: Beim Absenden frisst die Formatierung manchmal Leerzeichen. Gnah!
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Die Reise zurück zum Luftschiff-Dock war wenig aufregend. Die Bäume arbeiteten sich zu ihrer vollen Blüte hin und das Wetter wurde zunehmend besser und wärmer; ideal für Fhilomin. Auf ihrem Wege sah er am Waldesrand ein paar Jungfernknospen, deren zierliche Blüten ein sanftes rosa angenommen hatten. Sogleich pflückte er eine davon beim Gehen und hielt sie Tharia hin.
„Erinnerst du dich, wie Chester immer welche mitbrachte, wenn er zurückkam?“
Sie grinste. „Ja, das war immer sehr lieb von ihm.“ Kurz steckte sie sich hinter's Ohr. „Danke.“

Das hiesige Dock kam bald in einem offenen Bereich des Tals zum Vorschein. Ein wirkliches „Dock“ war es wohl kaum, denn ausser ein, zwei Holzbauten und einem großen, eingezäunten Bereich konnte man dort nicht viel erwarten. Eben nur eine kleine Lokalstation. Die Warterei würde wohl etwas anhalten, aber sie konnten dort wenigstens etwas zu Essen bekommen.

Nachdem sich jeder das besorgt hatte, was ihm gefiehl, setzten sie sich aufein paar Stühle im Vorbereich der kleinen Lokalität, durch eine große Plane vor der Sonne geschützt. Fhilomin stocherte mit seiner Gabel etwas im Salat. Sein Kopf schien geradezu meilenweit in die Zukunft zu rennen und weitab von dem zu sein, was überhaupt die nächste Zeit bevorstünde.
„Ist alles in Ordnung?“, fragte Tharia und riss ihn aus seinen Gedanken.
„Ja...“, entgegnete Fhilomin und blinzelte zu ihr auf. „Ich plane nur gerade, wie es am Besten weitergeht.“
„Dafür hast du doch noch genug Zeit.“ Sie selbst hatte sich einen gebratenen Fisch besorgt.
„Warum isst du eigentlich schon wieder Fisch? Ich weiß ja, dass du ihn magst, aber wenn du ihn von früh bis spät isst, könnte man annehmen, dass du dir bei passender Gelegenheit etwas anderes besorgen würdest.“
„Ich mag Fisch eben.“, entgegnete sie und lächelte. „Zudem esse ich ja auch Früchtekuchen gerne. Genau wie du, Herr Magier.“
Fhilomin rollte die Augen und lachte auf. „Du hast ja recht. Ich bin nur stets über deine Gewohnheiten überrascht, die sich nicht ändern.“
„Du lässt dich auch nicht von deinen Drachen abbringen.“ Sie biss herzhaft ein Stück des Fisches ab.
„Touché. Ich schätze, irgendwas bleibt immer gleich, hm?“ Irgendwie hatte sie sich all die Jahre nicht verändert. Manchmal wirkte sie immer noch wie damals, als sie sich das erste Mal trafen.
„Wäre auch flimm, wenn nicht. Man ift, wer man ift.“, sprach sie mit vollem Munde.

Und irgendwie war das auch gut, denn so wenig überraschend sie war, so angenehm war es, am Ende doch etwas zu haben, was man kannte.

Es dauerte nicht allzu lange, da konnten sie auch schon das Luftschiff in der Ferne sehen. Ein einfaches Modell, mit einem großen Segeltuchbespannten Ballon über dem Körper eines normalen Schiffes.

Die Reise an Bord des Schiffes war angenehm. Die sachte Briese wehte hier oben natürlich um einiges Stärker, aber es war dennoch schön. Fhilomin mochte dieses Gefühl und manchmal malte er sich aus, wie es war, auf dem Rücken eines Drachen zu sitzen und mit diesem zufliegen.

„Fhilo, wie schnell ist eigentlich ein Drache?“
Der Hirsch blinzelte ob der Frage. „Kannst du Gedanken lesen? Ich hatte mir diese Frage schon einige Male gestellt.“
„Und?“
„Naja...“,sprach er und ging hinüber zur Reling. „Wenn wir jetzt etwa...fünf Knoten fliegen, dann muss ich davon ausgehen, dass ein Drache im Sturzflug vermutlich das zehnfache, wenn nicht sogar mehr erreicht.“

Etwas,von dem sämtliche Techniker der Welt nur träumen konnten.

„Das wäre mir viel zu schnell.“, sprach sie und schüttelte sich.

„Ich bleibe da lieber bei festem Boden oder Sand. Gerne auch ein Boot, damit kann ich leben. Aber Flugschiffreisen werde ich wohl niemals wirklich mögen.“
„Weil man so tief fallen kann.“
Sie nickte kräftig. „Zudem ist das Rauschen des Meeres doch viel schöner.“
„Weil du es gewöhnt bist. Ich mittlerweile auch.“ Er atmete tief durch und blickte in die Ferne, wo er ein Dorf mit Kirchturm ersehen konnte.„Wenn wir unterwegs sind, wird uns das sicherlich fehlen.“
Sie nickte lediglich. Ihr Abenteuersinn war am Ende doch genau wie seiner auch – das musste er zugeben – durch Unwissenheit geprägt und angetrieben.
„Ich habe aber eine Idee.“, sprach er schließlich und griff in seinen Leerenbeutel. Vielleicht konnte er ja etwas hervorziehen, was dieses Geräusch erzeugen konnte.
Problematisch war nur sein Verhältnis zur Magie. Manchmal klappte es, aber... oft genug nicht.
Wie in diesem Falle, als er plötzlich eine Krabbe an seinem Finger hervorgezogen hatte, welche sich auch noch dummerweise mit ihrer Schere an jenem festhalten musste.
„Au,au, au!“
Tharia lachte, dass sie sich ihren Bauch hielt. Das Fuchteln mit seiner Hand, um die Krabbe loszuwerden, half dabei wenig. Erst nach einigen Anstrengungen konnte er den kleinen Übeltäter lösen und starrte diesen böse an, ehe er ihn wieder in den Beutel verfrachtete. Schließlich setzte er sich wieder zu ihr in den Schatten des Ballons.
„Schon gut.“, sprach Tharia zwischen einem Lachanfall und wischte sich eine Träne weg. „Manche Dinge kann man auch mit Magie nicht in den Griff kriegen.“ Fhilomin atmete tief durch, doch bevor er noch etwas sagen konnte, umarmte sie ihn knapp, aber fest. Manchmal zu fest, wenn er ihre Kraft bedachte und sie ihm mal wieder Rippen quetschte oder die Luft abdrückte. „Wenn wir zusammen reisen, dann wird das nur halb so wild sein. Wir haben immerhin uns, also fehlt uns gar nicht mal so viel.“
„Da hast du recht.“ Er lehnte sich an sie. Manchmal war sie auch wie eine Schwester für ihn.
„Aber eines musst du mir noch verraten.“
„Was denn?“
„Du hattest doch gesagt, dass man dir verboten hatte, weiter Kopien für den Antrag zu nehmen. Wie hast du dann welche bekommen?“
„Oh, das...“ Unweigerlich zeichnete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht ab. „Ich hatte eine Kopie übrig und habe sie abgepaust.“
Sie lachte nur und strubbelte ihm zwischen dem Geweih über den Kopf. Ja,er war manchmal ziemlich verbissen, wenn es um Dinge ging, die ihm wirklich etwas bedeuteten.
 
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