Vorläufiger Arbeitstitel: Der Untergang Atlantikas

Shayania

Mitglied
Mitglied seit
2 Mrz 2014
Beiträge
143
Ich möchte euch hier eine Geschichte vorstellen, zu der Chapiduh und ihre großartige Lehmbüste mich inspiriert haben. In einem, wie ich hoffe, beiderseits mit Begeisterung geführten Gespräch einigten wir uns auf einen roten Faden, und Chapiduh ließ mich ihrer Figur, dem Wolfsjungen Kenji, in meiner Geschichte Leben einhauchen. Ich hoffe, sie gefällt euch, und freue mich über jede Form von konstruktiver Kritik. Hier also kommt nun...

Der Untergang Atlantikas


Prolog

Die Möwen kreisen kreischend über dem kleinen Boot, das auf dem offenen Meer treibt. Von Weitem wirkt es unbemannt, doch bei näherer Betrachtung sieht man, dass die Mannschaft sich unter Deck begeben hat. Die Wellen werfen das Boot hin und her, und die Besatzung muss sich gut festhalten, um in dem engen Raum nicht aneinander zu stoßen oder sich an den von der Decke hängenden Gerätschaften zu verletzen.

Nach ein paar Minuten kehrt langsam Ruhe ein. Das Meer hat sich wieder beruhigt und die Forscher der Expedition „Nordpolarkreis“ wagen sich langsam zurück ans Tageslicht. Als alle auf dem Deck stehen und um sich blicken, senkt sich ein so tiefes Schweigen über sie, dass es beinahe in den Ohren dröhnt. „Ach du heilige Urmutter“, murmelt der Kapitän. Das Bild, das sich ihnen bietet, ist faszinierend und erschreckend zugleich. „Verdammt, das wird eine Menge Probleme nach sich ziehen.“


Einführung

Hallo, ich bin Kenji. Ich bin ein 16-jähriger Wolf aus Atlantika, der berühmten Lagunenstadt am Meer. Ich gehe noch zur Schule und bin in der 8. Klasse. Kinder in Atlantika werden erst mit 8 Jahren eingeschult, dank eines Beschlusses des Bürgermeisters vor ein paar Jahren. Mit 6 eingeschult zu werden, bringt doch eh nichts. Kein 6-jähriger kann sich so lange konzentrieren. Nicht mal die Schildkröten, und die sind nun echt wissbegierig.

Ich bin ein ziemlich unauffälliger Typ. Ich bin ein Durchschnittschüler. Ich schreibe keine sonderlich guten Noten, aber auch keine sehr schlechten. Ich störe kaum den Unterricht, aber ich melde mich dafür auch kaum zu Wort. Ich habe ein paar Freunde: Glen den Esel, Mike den Kater und den anderen Wolf Soi. Leider sind auch sie mir keine große Hilfe, wenn die Typen aus meiner Klasse mir Streiche spielen. Meistens werden sie dann gleich mit fertig gemacht. Na ja…
Auch vom Aussehen her bin ich komplett unauffällig. Mein Fell ist eisengrau. Das einzige, was ein wenig auffällt, ist eine weiße Blesse im Gesicht, aber auch die haben ja einige andere. Also, eigentlich doch nicht auffällig. Ich bin schlank, eigentlich schon fast sportlich. Das liegt daran, dass ich regelmäßig schwimmen gehe, richtig im Verein. Wenn ich etwas richtig gut kann, dann schwimmen.

In meiner Klasse gibt es ein Mädchen, in das ich verliebt bin. Eigentlich sind alle Jungs in sie verliebt. Sie heißt Mira, sie ist auch 16 Jahre alt, und sie ist die wunderschönste Katze, die ich je gesehen habe. Ihr Fell ist rot, ihr Schweif ist buschig und dick, und sie hat einen kleinen weißen Fleck neben der Nase. Ich glaube, sie kann diesen Fleck gar nicht so wirklich leiden. Seit ungefähr einem Jahr überschminkt sie ihn nämlich jeden Tag. Ich finde das echt schade, ich find' den Fleck nämlich echt niedlich.

Mira ist das absolute Gegenteil von mir. Sie ist nicht nur wunderschön, sie ist die Klassensprecherin und die Klassenbeste. Eine echte Musterschülerin, wie die Lehrer sagen. Sie weiß auf jede Frage der Lehrer eine Antwort und schreibt nur gute Noten. Sportlich ist sie auch. Soweit ich weiß macht sie…, was war das noch gleich? Achja, sie tanzt und spielt Tennis. Und irgendwas macht sie noch, aber ich kann mich beim besten Willen nicht erinnern, was es noch war.
Mira ist auch echt beliebt in der Klasse. Jeder mag sie und ich glaube, so ziemlich jeder Junge schwärmt für sie. Aber ich glaube, wie alle anderen hält auch sie mich für einen Loser. Und wahrscheinlich bin ich das sogar. Jedenfalls glaube ich nicht, dass ich je eine Chance bei ihr hätte.


Kapitel 1

Wie wahrscheinlich jeder Schüler finde ich das, was wir in der Schule lernen, ziemlich langweilig. Das meiste davon werden wir vermutlich nie im Leben brauchen. Ich meine, wen interessiert, dass die Stadt in früheren Zeiten auf Holzpfählen erbaut wurde, die in den lehmigen Boden unterhalb der Sandschichten des Lagunengrundes getrieben wurden? Schön, aber heute baut niemand mehr in die Lagune hinein. Und wer will heute noch wissen, dass einst die Inter-Arten-Ehen verboten waren, dass nur Katze und Katze, Wolf und Wolf miteinander anbandeln durften? Das ist immerhin hundert Jahre her. Heute sind wir alle sehr tolerant. Es gibt viele Mischehen. Und es war ja auch damals schon bekannt, dass bei verschiedenartigen Partnern trotzdem eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit auf entweder die eine oder die andere Art für die Kinder besteht. Man war früher eben nur noch nicht so tolerant wie heute. Aber wen juckt das heute noch, hundert Jahre später?

Es wäre viel interessanter zu wissen, wie man sich ein eigenes Haus baut und Pflanzen anbaut, die dann eine ganze Familie mit ihren Früchten ernähren können. Aber natürlich lernt man sowas nicht in der Schule. Trotzdem bin ich recht gern in der Schule. Immerhin ist es meine einzige Chance Mira zu sehen. Privat würde sie sich ja nie mit mir abgeben.
Wenn ich nicht gerade in der Schule oder beim Schwimmen bin, bin ich gern zu Hause. Ich bin eben doch ein typischer Stubenhocker. Aber was soll man sonst auch machen?

Meine Familie ist echt cool. Mein Vater ist ein Wolf und er arbeitet als Landwirt im Norden der Stadt auf dem Festland. Meine Mutter ist eine Füchsin und ist eine Professorin an der Atlantika-Universität. Meine Eltern könnten unterschiedlicher kaum sein und doch verstehen sie sich hervorragend. Vielleicht liegt genau darin der Schlüssel. Inter-Arten-Ehen halten viel länger, wenn sie überhaupt geschieden werden. Aber das ist sehr selten.
Außerdem habe ich einen großen Bruder. Touya ist zwei Jahre älter als ich, also 18, und er ist ein Fuchs, wie gesagt, Fifty-Fifty-Chance bei Mischehen. Er ist ein typischer großer Bruder: Er zieht mich oft auf, wir raufen uns oft, und doch ist er immer für mich da, wenn ich ihn brauche. Außer wenn mir mal wieder Streiche gespielt werden: „Da musst du dich schon allein raus kämpfen“, sagt er dann immer.

Auch heute ist wieder so ein ganz normaler Tag. Wir hatten eher Schluss, weil einer der Lehrer krank geworden ist. Blöd für ihn, umso besser für uns. Ich komme nach Hause. Heute liegt kein Schwimmen an, also ab auf die Couch und ein wenig fernsehen. Leider habe ich die Rechnung ohne meinen Bruder gemacht. Touya hat sich die Fernbedienung unter den Nagel gerissen, und weil ich ihm in den letzten Rangeleien unterlegen war, versuche ich diesmal gar nicht erst, sie ihm wieder abzunehmen. Soll er eben entscheiden, was wir schauen. Dummerweise hat er heute wohl einen Möchtegern-Erwachsenen-Tag, er hat die Nachrichten an. Na gut, ich bin zu faul, gleich wieder aufzustehen, also guck ich eben mit. Mal sehen, was es so Neues von der Welt gibt.

„Erschreckende Neuigkeiten vom Weltklimarat“, tönt die quäkende Stimme der Nachrichtensprecherin aus dem Fernseher. Schrecklich, warum musste der alte Nachrichten-Uhu auch durch eine Entenjournalistin ersetzt werden? Enten haben so fürchterliche Stimmen.
„Dass die steigende Weltbevölkerung zu einer ständig schlimmer werdenden Erderwärmung führt, ist nichts Neues. Doch nun gelangten Bilder einer Arktisexpedition an die Öffentlichkeit, die für Verwirrung sorgen. Zu sehen ist auf diesen Bildern, dass ein Großteil der Packeisfläche des Nordpolarkreises zerbrochen ist. Die Klima-Experten sind ratlos, wie es dazu kommen konnte. Das Forschungsboot, das die Schmelze der Polkappen messen sollte, war mittendrin, als ein Eisberg mit der Fläche von ungefähr einem Fußballfeld zerbrach. So konnten die anwesenden Forscher beobachten, wie die Bruchstücke des Eisberges trotz frostiger Temperaturen zusehends schmolzen. Obwohl sie nah an diesem erschreckenden Phänomen dran waren, sind die Forscher noch im Unklaren, weshalb es zum Zerbersten der Eisberge und Eisflächen kommt. Fakt sei nur, dass die wesentlich kleineren Bruchstücke und Eisschollen bedeutend schneller schmelzen. Der Klimarat warnt, dass die Meeresspiegel dadurch rapide steigen würden. Küstennahe Orte, und insbesondere die weltberühmte Lagunenstadt Atlantika, sind vom Untergang bedroht.“
 
Zuletzt bearbeitet:

Falki

Soulfighter / Boardwächter
Mitglied seit
9 Jun 2015
Beiträge
1.665
Eine richtig packende Geschichte! :)

Ich freue mich schon auf mehr :)
 

Fiete Langohr

Mitglied
Mitglied seit
1 Sep 2013
Beiträge
2.622
Yay, eine Geschichte mit einem Esel drin! Du hast mich xD.

Ich höre immer, dass es schwieriger sein soll aus der Ich-Perspektive zu schreiben. Dir gelingt das aber sehr ordentlich. Besonders was Stil und Sprache des Protagonisten angeht, findest du die treffenden Worte.
Was ich als jemand, der hier schon ein paar Geschichtenanfänge gelesen hat, auch mal positiv herausstellen muss, ist, dass du einen längeren Text hier mit angenehm wenig Fehlern hereingestellt hast. Es gibt zwar ein paar Kleinigkeiten, aber die stören erst einmal kaum beim Lesen.
Den Aufbau mit dem Prolog, der Einführung und dem 1. Kapitel finde ich gut gestaltet und man wird neugierig auf mehr. Nur weiter so!
 

Shayania

Mitglied
Mitglied seit
2 Mrz 2014
Beiträge
143
Ich danke euch beiden für die lieben Kommentare. :)

Ein Großteil der Geschichte existiert schon als Tonaufnahmen, ich muss nur mal die Zeit finden, alles aufzuschreiben und in Reinform zu bringen xD
 

Falki

Soulfighter / Boardwächter
Mitglied seit
9 Jun 2015
Beiträge
1.665
Ich mag Tonaufnahmen aka Hörbücher :D
 

Shayania

Mitglied
Mitglied seit
2 Mrz 2014
Beiträge
143
Wenn meine nicht von vielen Ähhhhm's und "Ach Mist, noch mal neu" durchzogen wären und man nicht 30 Minuten Straßenlärm im Hintergrund hätte, wären das echte Alternativen xD
 

Falki

Soulfighter / Boardwächter
Mitglied seit
9 Jun 2015
Beiträge
1.665
Das macht das ganze doch lebendig :D
 

Chapiduh

Kritzel Weibchen
Mitglied seit
5 Jun 2015
Beiträge
210
gefällt mir sehr ;) Schön geschrieben auf jeden fall und ich mag die Handlung :3!
 
Thread starter Similar threads Forum Replies Date
Miyuki Geschichten 4
Butch Geschichten 12

Similar threads

Oben