Traumwandler.

Tex

Guest
Die Geschichte hat nicht wirklich etwas mit "Furry" zu tun, aber ich hoffe, ich kann sie trotzdem hier reinstellen.
Ich schreibe auch regelmäßig weiter, hoffe ich.







Wenn sie träumen, sterben Menschen..
Traumwandler.
War es nur eine Legende oder Realität?
Krankheit, Begabung oder doch eine magische Fähigkeit?

Traumwandler.
Wenn sie träumen, geschehen Dinge.
Wenn sie träumen, sterben Menschen.



Prolog: Es war schon immer mein Traum, die Bedrohung der Menschheit kennenzulernen.


Night ging langsam durch den gefliesten Gang mit den schmutzig-weißen Wänden, die ihm von allen Seiten bedrohlich näher zu kommen schienen.

Seine Mutter nannte ihn einst Night wegen seinen pechschwarzen Haaren, den Eisblauen Augen und der Mondblassen Haut.
Er verkörperte seinen Namen, auch charakterlich.
Still und schweigsam wie die Sterne, und doch kamen seine Gedanken nie zum Stillstand.
Genau wie jetzt, als sich in seiner Magengegend aufgrund des penetranten Geruchs nach Chemieexperimenten und der Tatsache, dass er sich in einem Versuchslabor befand, ein mulmiges Gefühl breitmachte.
Doch er zwang sich selbst, nicht auf sein Bauchgefühl zu hören, das ihn ausdrücklich davor warnte, auch nur einen Schritt weiterzugehen.
Schließlich arbeitete sein Vater schon seit mehr als einem halben Jahr hier und hatte erst vor drei Tagen die Erlaubnis erhalten, seinem Sohn die Laboreinrichtung zu zeigen - Eigentlich liefen die Projekte und Versuche streng geheim unter dem Deckmantel des Staats ab. Sein Vater wäre enttäuscht gewesen, wenn er sich geweigert hätte. Sehr enttäuscht und verletzt.

"Glaub' mir, du wirst beeindruckt sein, welche Wesen dieses Gebäude beherbergt!"
Sein Vater rückte die dicke Hornbrille zurecht und sah ihn aus fanatisch glänzenden Augen an.
Night sah sich wortlos in dem mit elektronischen Geräten und Aktenschränken vollgestopften Büro um, das keinesfalls dem eines Wissenschaftlers ähnelte, und konnte den Worten seines Vaters nicht so recht Glauben schenken.
Besondere Wesen, die derartig bedrohlich waren, dass man sie in ein Laborgebäude sperren musste?

"Komm, ich zeig' dir einen von Ihnen."
Sein Vater erhob sich umständlich und der 16-Jährige folgte ihm aus dem Zimmer.
Der Wissenschaftler führte ihn durch verschlungene Gänge und Räume, bis er an einer gepanzerten, kugelsicheren Eisentür ankam, die nur durch Identifikation der Augen geöffnet werden konnte.
"Bist du bereit, die gefährlichsten Wesen auf dieser Erde kennenzulernen?"
Er musterte Night mit einem todernsten Blick, der ihm vermittelte, dass er tatsächlich daran glaubte, was er sagte.
Der Junge nickte nur schwach, obwohl sich in seinem Inneren allmählich alles dagegen sträubte, den Raum zu betreten.

Was zum Teufel läuft hier nur?


Sein Vater linste in das Identifikationsgerät, dass mit einem lauten Summen und einer elektronischen Stimme verkündete: "Identifiziere: Doktor Hazumoshy Greydon. Zugang gewährt. "
Das Schloss der Tür sprang knackend auf.
Night atmete tief ein und sah zu seinem Vater, der sich gegen die schwere Tür stemmte und sie öffnete.
Sie traten ein.
Ein weiterer, klinisch wirkender, weißer Raum, relativ klein, einige Computer auf Tischen.
Auf den Monitoren blinkten verschieden Pulsanzeigen und Blutdruckwerte.
Night fasste nur allmählich den Mut und trat an eine der vielen gläsernen Scheiben, durch die man in die angrenzenden Räume blicken konnte, in der Erwartung, ein grauenvoll entstelltes Monster zu erblicken.

Ein Junge.
Auf dem Krankenhausbett mit dem steril-weißen Laken saß ein schlanker, ja beinahe ausgezehrter Junge.
Seine Haut war sogar noch blasser als die von Night, und seine blicklosen, türkisfarbenen Augen waren auf einen Punkt irgendwo an der Decke gerichtet.
Dunkelrote Wuschelhaare fielen ihm in die Stirn, und unter den Augen schimmerten tiefe, beinahe kohleschwarze Schatten, die von schlaflosen Nächten zeugten.
Neben dem Bett standen allerlei Gerätschaften; Ein Schlauch führte unter den dicken Verband an seinem Handgelenk zu einer Kanüle und schien ihn mit einer speziellen Medikamentenlösung zu versorgen, außerdem führte ein Kabel von seinem Handgelenk zu einem Herzmonitor, der gleichmäßig, wenn auch etwas träge, blinkte.

Night blieb völlig erstarrt stehen.
Auf der Miene des Jungen war keinerlei Emotionen abzulesen, doch sein ganzer Körper, seine geduckte Haltung und seine verkrampften Hände schrien geradezu nach nackter Angst.

Wer war hier die Bedrohung?
 

Tex

Guest
1. Kapitel: Ich bin Nichts.

"Ah, ausgerechnet ihn hast du anvisiert.. "
Sein Vater stand neben ihm an der Glasscheibe und musterte abwesend den Jungen, der die Beiden nicht mal wahrzunehmen schien.
"Das ist Z0127, der Einzige DW hier, der keine Angehörigen mehr hat und deshalb von Niemandem Besuch bekommt."

Z0127. Eine Nummer?


"Vater.. "
Night schluckte seinen Ekel vor diesem unmenschlichen Bild hinunter und zwang sich selbst, sich Nichts anmerken zu lassen.
"Das ist ein ganz normaler Junge, und keine... Bedrohung. Sieh ihn dir doch mal an."
"Nicht ganz, Night." Der 45-Jährige betrachtete den Jungen hinter der Glasscheibe aus ernsten, geistesabwesenden Augen.
"Du musst wissen.. Vor gut drei Jahren häuften sich in England mysteriöse Vorfälle.. Einige Menschen, vor allem Jüngere, verloren nach einem traurigen Erlebnis, beispielsweise einem Begräbnis, sämtliche Menschen in ihrem Umfeld: Sowohl Ihre gesamte Familie als auch ihre Freunde und Bekannten starben unter seltsamen Umständen, doch es gab keine Hinweise auf Fremdeinwirkung."

Night fuhr ein leichter Schauer über den Rücken.
"Was geschah.. mit diesen Menschen, deren Umfeld starb?"
"Sie wurden alle, ohne Ausnahmen, in Psychiatrische Einrichtungen eingewiesen, da sie Wahnvorstellungen, Schizophrenie und eine Angststörung entwickelten... Eine panische Angst vor.. dem Einschlafen."

Angst vor dem Reich der Träume..


Er wandte seinen Blick wieder dem Jungen hinter der Glasscheibe zu, der immer noch in der selben Haltung dasaß wie vor wenigen Minuten; Einzig und allein das schwache Heben und Senken seines Brustkorbs unter dem schwarzen Shirt verrieten, dass er am Leben war.

"Sie .. hatten also Angst vor dem Schlaf? Aber.. Wieso?"
"Genau das war die Frage. Wie gesagt, da sich die Vorfälle in England häuften wurde ein spezielles Labor in Oxford errichtet, das diese Menschen erforschen sollte. Die Ergebnisse, die ein Jahr später vorlagen, waren erschreckend: Diese Menschen schienen an einer mysteriösen 'Fähigkeit' zu leiden - Eine Fähigkeit, die so bisher nur in Fantasiegeschichten vorkam.
Menschen, die Visionen haben, also träumen, was in der Zukunft passieren könnte, gibt es viele.
Doch diese Menschen verändern mit ihren Träumen die Zukunft. Das, was sich in ihren Träumen abspielt, wird zu einer 99%igen Wahrscheinlichkeit tatsächlich passieren. Wie es aussieht, hatten sie nach einem Begräbnis oder sonstigem Vorfall Albträume, dass ihr gesamtes Umfeld sterben würde.. Was dann auch geschah. Die Forscher nannten das Phänomen, unter dem ihre Versuchsobjekte litten, das 'Dreamwalker'Syndrom... Zu Deutsch: Traumwandler. Das DW-Syndrom trat nach wenigen Monaten weltweit auf, doch vor allem in England und Deutschland. Deshalb wurde in jedem größeren, betroffenen Land ein Speziallabor errichtet."

Seine Augen weiteten sich langsam, als Night allmählich realisierte, wovon sein Vater sprach.
Konnte es tatsächlich wahr sein?
Menschen, die ihre und die Zukunft Anderer mit ihren Träumen und Albträumen bestimmten?

Er blickte erneut zu dem Jungen, Z0127.
Dieser hob langsam den Kopf und erwiderte den Blick aus melancholischen, blaugrünen Augen, die sich direkt in sein Herz bohrten.
".. Kann ich.. Zu ihm? Er langweilt sich sicher..."
Sein Vater blinzelte, überaus verwirrt von dem abrupten Themenwechsel, und murmelte zerstreut: "Natürlich.. Gar kein Problem.. Er ist ja weder ansteckend noch wirklich eine Gefahr für dich.. Aber sei vorsichtig, dass er sich nicht aufregt, er muss auf sein Herz achten."
Night nickte leicht und atmete tief durch.

Innerlich musste er immer noch verdauen, was er gerade erfahren hatte: Nämlich dass dieser Junge alles und Jeden töten könnte, und das auch noch gegen seinen Willen.
Doch zugleich tat sein Herz bei seinem Anblick weh.
Diese schmerzliche Einsamkeit in seinen Augen..
Er wusste selbst, dass Einsamkeit einen Menschen wahnsinnig machen konnte.
Seine Hand drückte sacht die Türklinke runter und er öffnete die Zimmertür.

Der Junge zuckte bei dem leisen Quietschen leicht zusammen und hob den Blick.
Seine Augen drückten neben dem Schmerz nun auch tiefe Furcht aus, und er wich auf dem Bett etwas vor ihm zurück.
"Hey.. Ganz ruhig. Ich tu' dir nichts..", sagte Night leise, und blieb in einiger Entfernung vom Bett stehen, um ihn nicht noch mehr zu verschrecken.
"Ich bin Night. Und wie heißt du..?" Er ließ die Sanftheit und Ruhe nicht aus seiner Stimme weichen, da er dem Jungen etwas Sicherheit geben wollte.
Dieser antwortete nicht, sondern verharrte leicht zusammengekauert auf dem Bett und beobachtete ihn unsicher, als würde er gleich erwarten, von ihm entführt zu werden.

Was ist ihm nur widerfahren, dass er solche Angst vor mir hat?


Night verspürte einen tiefen Stich im Herzen.
Er ging langsam, aber bestimmt auf ihn zu und setzte sich auf die Bettkante.
Der Junge zitterte leicht und wich vor ihm zurück, doch schon bald verzog er leicht das Gesicht, da die Kabel und Schläuche, die sein Handgelenk mit Tropf und Herzmonitor verbanden, ihn daran hinderten, seinen Abstand zu dem Schwarzhaarigen zu vergrößern.
Er schwieg und wartete ruhig darauf, dass der Junge seine Angst allmählich in den Griff kriegen würde.
"Ich wüsste wirklich gerne deinen Namen, und nicht nur deine Nummer."
Der Rothaarige sah ihn ungläubig an, doch endlich gab er einen Ton von sich und nuschelte leise:
"Ich heiße Zero.. das heißt.. Nichts.."

Nichts.
 

LionMarozi

LÖWÄÄÄ of chaos and disharmonie
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Mal schaun, wann ich weiterschreibe. :>
Na ich hoffe doch bald..^^

Also ich muss sagen, ich steh auf Mystery, was ja wohl die Story total ist.
Ich muss, wenn ich lese, mir in meinem Hohlraum ein Bild machen können, was gerade passiert. Mir sowas wie eine Kulisse vorstellen. Sonst machts bei mir keinen Sinn zu lesen. Und bei deiner Story hatte ich ne Vorstellung, wie es gerade so abläuft.
Verstehste Chefin..? Also wie ein Film, nur in meinem Hohlraum da oben^^

Und Du hast alles bis dato richtig, richtig gut rüber gebracht. Also ich hoffe, da geht noch was...
 

Tex

Guest
So, wollte btw anmerken dass die Kapitel jetzt noch etwas kurz sind, aber in der Endfassung werden vermutlich einige noch ausgeschrieben oder zusammengefasst, daher sind das hier nur Rohentwürfe. <3


2. Kapitel: Entscheidung.


Nichts.


Die Tür des Laborgebäudes fiel leise hinter Night ins Schloss, und er starrte in den düsteren, Wolkenlosen Himmel.
Mehr als diesen Satz hatte der Junge nicht von sich gegeben.
Zu groß war die Angst, welche seine Stimmbänder gelähmt hatte.

Was hatten ihm die Wissenschaftler nur angetan?!


Seine Gedanken kreisten nur noch um den Jungen, der wie eine Laborratte in diesem Zimmer eingesperrt war.
Sein Blick aus tieftraurigen, türkisen Augen hatte sich schmerzhaft in sein Gedächtnis gebrannt..

"Der Einzige DW hier, der keine Angehörigen mehr hat und deshalb von Niemandem Besuch bekommt."


Die Worte seines Vaters kamen ihm wieder in den Sinn.
Zero war also völlig alleine...
Allein mit seiner Fähigkeit, die zugleich eine qualvolle Krankheit war.
Allein mit den Labortests und den Menschen, die ihn untersuchten, als wäre er ein Kalb mit zwei Köpfen.
Er fragte sich immer noch, wie sein Vater mit reinem Gewissen in dieser Institution arbeiten konnte.
Konnte er das Leid dieses Menschen nicht erkennen?
Sah er nicht, wie sehr Zero unter dieser Isolation litt?

Night seufzte leise und fuhr mit den Fingern über seine Schläfe.
Langsam verließ er das Laborgelände und machte sich auf den Weg nach Hause, doch seine Gedanken standen nicht still.
Der Anblick des Rothaarigen hatte ihn dermaßen erschüttert, dass er ihn einfach nicht mehr aus seinem Kopf bekam..

Er zog seine Monatsfahrkarte aus der Tasche, streckte sie kurz dem Busfahrer entgegen, ohne weiter auf ihn zu achten, und ließ sich auf einem freien Sitz nieder.

Er muss irgendetwas Grauenvolles erlebt haben, was ihn so.. verängstigt hat..


Falten der Nachdenklichkeit gruben sich in die blasse Stirn.

Doch wäre es vielleicht möglich, dass ich irgendwie sein Vertrauen gewinne?
Immerhin ist er Alleine..
Und wer hat es schon verdient, ganz Alleine auf der Welt zu sein..
Andererseits..
Könnte es passieren, dass mein Versuch schiefgeht, dass ich in seinen Albträumen vorkomme und er mich tötet..


Night unterdrückte einen tiefen Seufzer.
In seinen Gedanken wog er positive und negative Aspekte ab, und doch kam er trotz eineinhalbstündiger Busfahrt zu keinem Ergebnis.
"Nächster Halt: Blutrosenweg."
Er erhob sich langsam, ging vorsichtig durch den Bus, der langsamer wurde und schließlich hielt, und stieg aus.
Der Himmel hatte sich bereits verdunkelt - Die ersten Sterne glänzten am Himmel, und das Mondlicht erhellte sanft die einsame, am Waldrand gelegene Bushaltestelle.
Der Schwarzhaarige atmete tief die frische Nachtluft ein, dann lief er leichtfüßig die wenigen Schritte zu seinem Haus.
Er war unendlich dankbar dafür, dass seine Ferien noch rund 6 Wochen andauern würde, denn sein Herz hatte bereits einen Entschluss gefasst, für den er eine Menge Zeit brauchen würde:
Er wollte Zero helfen.
Er wollte sein Vertrauen gewinnen und ihm zeigen, dass er keine Angst vor ihm haben musste.
Sein Verstand argumentierte immer noch dagegen, doch sein ganzes Inneres hatte sich bereits dazu entschieden.
Schon der Blick des Rothaarigen hatte ihn davon überzeugt, dass er etwas tun müsste, und das würde er auch.
 
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YukyWolf

Guest
Wow o.o
Einfach nur wow, die Geschichte ist super. Schön fesselnd, hoffe das du bald weiterschreibst ;3
 

Tex

Guest
Kein Neues Kapitel, doch eine Fortsetzung des letzten Kapitels. hab es noch verlängert



Doch wie soll ich das bloß anfangen?


Vertrauen brauchte Zeit.
Würde sein Vater ihn täglich ins Labor lassen..?
Und würde er sich nicht darüber wundern, was er an dem Jungen fand?
Night erblasste leicht bei dem Gedanken daran, was sein Vater dazu sagen könnte.
Wie in Zeitlupe zog er den Schlüssel aus der Jackentasche und schloss die Haustür auf.
Er konnte weder Mädchen noch Jungen etwas abgewinnen, und von Themen wie Beziehung oder Liebe hatte er sich stets distanziert.
Genau das würde er wohl seinem Vater missmutig entgegnen, sollte sich dieser zu einem Kommentar herablassen...

Er betrat das Haus und die Tür sprang knackend ins Schloss.
Das Haus war so leer, wenn er alleine war...
Leer und düster, irgendwie leblos.
Sein Vater liebte steril wirkende Räume, vermutlich war er nur deshalb Wissenschaftler geworden.
Dementsprechend sah es auch im Haus aus.
Weiße Schränke und Sofas, selbst der Tisch, die Stühle und die Kücheneinrichtung hatten diese klinisch-saubere, weiße Farbe.
Nach all den Jahren trieb es ihn immer noch in den Wahnsinn, wenn er nach Hause kam und alleine war.
Noch nie hatte er ein unpersönlicheres, kühleres Haus als sein Eigenes betreten.
Auch die Wände waren weiß und kahl; Sein Vater konnte Bilder an den Wänden nicht ausstehen, erst recht keine abstrakte Kunst.

Ein Wunder, dass ich in dieser Umgebung überhaupt eine Persönlichkeit entwickelt habe..


Night lächelte schwach und hängte seine schwarze Kapuzenjacke an die Garderobe.
Dann ließ er sich auf einem der Sessel nieder und wandte seine Gedanken wieder der Entscheidung, die er hinsichtlich Zero getroffen hatte, zu.
 

LionMarozi

LÖWÄÄÄ of chaos and disharmonie
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Ich bin echt mal gesapnnt, wie Night, seinen Vater davon überzeugen kann, ihn weiter mit ins Lab zu nehmen ooooooder ob er einen anderen Weg dorthin findet..;)
 

Tex

Guest

3. Kapitel: Unmenschlichkeit des Menschen


Am nächsten Morgen wachte Night schweißgebadet auf.
Die durchdringenden Augen des Rothaarigen hatten ihn durch schrecklichste Albträume verfolgt..
War das etwa ein böses Omen?
Er schüttelte sich leicht, als könne er damit die Gedanken loswerden, stand auf und machte sich wenig später frisch geduscht und in seine üblichen, dunklen Klamotten eingekleidet auf den Weg zum Labor.

Ich hoffe, dass er heute ein wenig seine Angst vor mir verliert..


Seine Hände zitterten leicht vor Nervosität, als er am Labor ankam und eintrat.
Dank seinem hervorragenden Orientierungssinn fand er alleine zum Büro seines Vaters, wo er vorsichtig anklopfte, da sein Vater nichts mehr hasste als Menschen, die ohne zu Klopfen das Zimmer betraten.
"Herein!"
Sein Vater hatte anscheinend einen Kollegen erwartet, denn er riss erstaunt die hellgrauen Augen auf und starrte ihn an, als käme er direkt vom Mond.
"Nighty! Was machst du denn hier? Du hast doch in den Ferien sicher Besseres zu tun als.."
Night unterbrach ihn ungerührt.
"ich möchte Zero besuchen."
Sein Vater hob die Augenbrauen und legte leicht den Kopf schief.
"Bitte wen?!"
"Z0127."
Nun wirkte sein Vater mehr als nur erstaunt, sondern eher verwirrt.
"Äh.. Bedaure, aber das ist leider nicht möglich."
Night erstarrte und vergaß beinahe, zu Atmen.
"W-...wieso denn nicht?"
"Weil heute die Zentraluntersuchung bei ihm ansteht. Du kannst ja die nächsten Tage mal vorbeischauen, wenn er sich erholt hat.. Und jetzt geh bitte, ich muss arbeiten."
Night wandte sich langsam ab und verließ das Büro seines Vaters, welcher ihm mit hochgezogenen Augenbrauen nachsah.

Die Nächsten Tage?


Er ging durch den langen, weißen Flur, während seine Emotionen in die bodenlose, schwarze Leere fielen, ohne dass er etwas dagegen tun konnte.

Ich kann nicht so lange warten..
Wer weiß, was sie ihm bei dieser 'Untersuchung' antun.. Er ist doch völlig verängstigt!


Als er auf dem Innenhof des Laborgeländes stand, suchten seine blauen Augen verzweifelt nach irgendeiner Möglichkeit, zu den Laborzellen zu gelangen, doch die Wissenschaftler hatten sämtliche Gebäude abgesichert.
Er war bereits den Tränen nahe, als er sich endlich umdrehte und auf die Bushaltestelle zusteuerte;
Auch wenn er sich nicht erklären konnte, warum, machte er sich furchtbare Sorgen um den Rothaarigen..



* * * * * * *

Die Tür öffnete sich.
Hell.. Es war viel zu hell..
"Z0127, die wöchentliche Untersuchung steht an!"
Ein Zittern lief über die blasse Haut, die der Farbe des Mondes glich.
In seinen Augen schimmerte Angst, gepaart mit tiefster Verachtung.
"Hab' dich nicht so, du kennst das doch."
Oh Ja.
Er kannte es.
Und er hasste es.
Die weißen Männer mit Laborkitteln, die seine Hand- und Fußgelenke mit Kabelbindern an den Bettpfosten fixierten waren kalt.
Eiskalt.
Ihre Auren waren dunkel und ließen ihm einen Schauer über den Rücken laufen.

Der Junge mit den schwarzen Haaren dagegen war .. warm gewesen.
Seine Aura hatte einen weichen, goldenen Schimmer..
"Er scheint geistig gar nicht hier zu sein, seine Augen- und Kniesehnenreflexe sind so gut wie gar nicht vorhanden.."
Die Stimme drang kaum zu ihm vor, wie in Watte gepackt flossen die Worte der beiden Wissenschaftler an ihm vorbei.

Er heißt Night..


Die Nadel einer Spritze durchbohrte die dünne Haut seiner Armbeuge, doch er zuckte mit keinem Muskel.
Er sah zu, wie das Blut aus seinem Körper in ein Röhrchen floss.

Jede Woche kommen sie her.
Saugen mir Leben aus.
Wieso?


Einer der Männer tupfte nicht gerade sanft das Blut weg und drückte ein Pflaster auf den Einstich, der zu einem von Vielen wurde.
Zero zuckte leicht zurück, als er ihm so nahe kam.
Das Piepsen des Herzmonitors stolperte, beschleunigte sich beunruhigend.
Sein Herz zog sich schmerzhaft zusammen, während Erinnerungen vor seinem inneren Auge wie Horrorfilme abliefen.
Panik durchströmte seinen Körper, sein Zittern wurde stärker.

"Ganz ruhig, Z0127!"
Der Mann zog hektisch eine weitere Spritze und eine mit einer durchsichtigen Flüssigkeit gefüllte Ampulle aus der Tasche.
Doch die Angst hatte längst von ihm Besitz ergriffen, von oben bis unten.
"Gleich geht es dir besser..."
Die Nadel bohrte sich in seinen Oberarm, und er öffnete den Mund zu einem lautlosen Schrei, der ihm nicht über die Lippen kam.
Nur im Geiste schrie er.
Riss sich selbst sein Herz aus dem Leib und hielt es in den blutverschmierten Händen.

Gott..

Das Beruhigungsmittel strömte durch seine Venen.

Wenn es dich gibt..
Erlöse mich..


Dann fielen seine Augen zu und seine Seele sank ins schmerzlose, schwarze Nichts.
 
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LionMarozi

LÖWÄÄÄ of chaos and disharmonie
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Puhhhhh.. das war ja mal ein hartes Kapitel bis jetzt. Da bin ich echt mal gespannt, wie Du das fortführen willst. Mit ner Flucht oder sonsti was....
 

Tex

Guest
* * * * * * *

Ich kann ihn doch nicht da drin alleine lassen..


Night starrte aus dem dreckigen Fenster des Linienbusses.

Aber ich habe keine andere Wahl.
Ich werde ihn gleich morgen besuchen, egal, was mein Vater dazu sagt..


Er zog den Mp3-Player aus seiner Jackentasche und schob die Kopfhörer in seine Ohren.
Sweet dreams are made of these
Who am I to disagree?
Travel the world and the seven seas
Everybody's looking for something...

Night schloss die Augen und lehnte sich etwas zurück.
Seine Gedanken verloren sich allmählich in den Klängen der Musik, die sich schon bald in seinem Kopf festsetzten und den drückenden Kopfschmerz der Besorgnis milderten.

Some of them want to use you
Some of them want to get used by you
Some of them want to abuse you
Some of them want to be abused..


Er würde heute noch wiederkommen, beschloss Night wenige Sekunden später, obwohl sein Verstand ihm davon abriet.

Dank Vater weiß ich, dass die Sicherheitsvorkehrungen relativ niedrig sind.. Keine Alarmanlagen, nur Identifikationsgeräte, denn jedes Fenster mit einer Alarmanlage zu versehen wäre zu teuer geworden...


Seine Stirn legte sich leicht in Falten, während er sich in Gedanken einen Plan zurechtlegte; Doch wenig später verwarf er die wahnwitzige Idee, nachts ins Labor einbrechen zu wollen, schließlich konnte er einfach am nächsten Tag vorbeikommen!
Seinem Vater würden schnell die Gegenargumente ausgehen und er würde nachgeben.

Ich hoffe nur, er übersteht die Untersuchung heil...


Nights Verwirrung wuchs von Sekunde zu Sekunde, schließlich konnte er sich nicht mal mehr selbst verstehen, geschweige denn seine Fürsorge gegenüber dem Rothaarigen...


* * * * *

Viele Stunden später, etwa um Mitternacht, als Night schon lange in traumlosen Schlaf gesunken war, saß Zero auf seinem Bett, über einen Collegeblock gebeugt, und schrieb.

Der Mensch soll stets bedenken
Dass Zeit die Welt regiert.
Das Leben zu beschränken
Der Tod stets triumphiert.


Und willst du früher schwinden
Dem Leben abgeneigt
Nicht an dein Umfeld binden
Dem Tod gar angetan


Wird dich der Tod nun küssen
Der Tod durch deine Hand
Du kannst das Leben missen
Und starbst im Feuerland.


Zero ließ den Stift sinken, legte ihn auf seinem Nachttisch ab und streckte die verspannten Hände.
Wieder und wieder wanderten die sanften, türkisfarbenen Augen über die Zeilen, die seinen Gedanken entsprungen waren, und seufzte leise.
Seine blasse Haut schimmerte im schwachen Mondlicht, das durchs Fenster ins Zimmer fiel.

Ob der Junge mit den schwarzen Haaren.. Night... Sitzt er auch nachts manchmal einfach da und kann nicht schlafen?


Er legte leicht den Kopf schief und fuhr sich erschöpft durch die rötlichen Haare.
Wieso dachte er über den Schwarzhaarigen nach? Er hatte ihn erst einmal gesehen, und trotzdem ging er ihm nicht aus dem Kopf...

Ich kann nie schlafen.





 
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Tex

Guest
* * * * * * *

Genau um dieselbe Zeit, nur einige Kilometer entfernt, lag Night wach in seinem Bett, das viel zu groß für ihn war, und starrte an die Decke.
Längst hatte er den Versuch, endlich einzuschlafen, aufgegeben, denn seine Gedanken wollten einfach nicht stillstehen.
Schließlich beschloss er, dass es nur vergeudete Zeit war, im Bett zu liegen, und stand auf.
Er tapste durch die düsteren Zimmer ins untere Stockwerk, schaltete das Licht in der Küche an und suchte nach einer sauberen Tasse.
Mit einem Kaffee setzte er sich wenig später an seinen Schreibtisch und rührte abwesend die Milch hinein.

Nach Vaters Worten dürfte ich den Jungen eigentlich nicht besuchen, wenn er von mir träumen könnte..
Außerdem wäre jeder Wissenschaftler, den Er im Labor zu Gesicht bekommt, in Gefahr..

Er kritzelte gedankenverloren auf seinem Zeichenblock herum und nippte am Kaffee.

Kontrollieren sie irgendwie seine Träume?

Der Bleistift kratzte leise über das raue Papier.
Night senkte den Blick und betrachtete erstmals wirklich die entstandene Skizze.
Sein ganzer Körper verkrampfte und ein eiskalter Schauer des Erwachens lief über seinen Rücken.
Große, ängstliche Augen blickten ihm entgegen, und unter den Augen tiefe, schwarze Schatten..
Sofort zuckte der erste Anblick des Jungens durch seinen Kopf.

Er war an einen Tropf angeschlossen..

Seine Eingeweide zogen sich zusammen, als er es endlich realisierte.

Sie lassen ihn nicht schlafen..
Er wird mit Medikamenten dauerhaft wachgehalten..
 
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Tex

Guest
Bei Geschichten, in denen keine Anthros oder Tiere vorkommen oder mit ernsteren Themen wie hier gibts anscheinend nur spärlich Kommentare, naja, was soll's.
Wollte nur ankündigen, dass ich ab jetzt nicht mehr so flux posten werde, da ich lieber mehr Text und nicht nur kleine Abschnitte poste.
 

LionMarozi

LÖWÄÄÄ of chaos and disharmonie
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Finde ich gut Chefin. Mir persönlich ist es lieber ein bissel mehr von Dir zulesen, als diese kleinen Absätze. Bis dato isses ne schöne und mysteriöse Story, die ich gerne lese. Ich hoffe doch, dass Du das so weiterführst;)
 

Kiaran

Guest
Ist echt ne gute Geschichte geworden. Sie hat irgendwas mitreissendes und zudem findet man sowas hier im Forum nicht so oft. Ich freu mich schon auf den nächsten Teil
 

Minki

Obermodz/Cheffchens rechte Pfote
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Bis jetzt ist die Geschichte so was von Geil, ich will unbedingt mehr Schila
 

Tex

Guest

4. Kapitel: Schmerz hat viele Formen


Night ging gleich am nächsten Tag ins Labor, doch sein Vater schickte ihn völlig entnervt fort, ebenso wie am darauffolgenden Tag..
Es war zum Verzweifeln!
Doch er gab nicht auf, schließlich hatte er es sich fest vorgenommen, die Wurzeln von Zeros Angst zu finden.
Während Andere sich in Mallorca am Strand entspannten und die Sonne genossen versuchte er Tag für Tag, die Erlaubnis von seinem Vater zu erhalten, ihn zu besuchen, was allerdings erst rund eine Woche später glückte.
Endlich, endlich gelang es ihm, seinen Vater zu überreden, an einem bewölkten Sommerfreitag...

"Nervensäge!", schnaubte sein Vater, als er ihm die Tür zu den Laborräumen öffnete.
"Aber pass auf, dass du ihn nicht aufregst, er hat ein schwaches Herz."
Night nickte leicht und kämpfte innerlich mit seiner Nervosität.

Wie es ihm wohl geht? Vielleicht erkennt er mich nicht mal wieder..

"Ich geh' dann mal zurück an die Arbeit, Night. Man sieht sich später.. "
Nicht einen Blick schenkte der Schwarzhaarige seinem Vater, der davonrauschte: Stattdessen fixierte er die Tür, hinter der sich Zeros Zimmer befand.

Hoffentlich stirbt er nicht gleich vor Angst..

Er kaute unruhig auf seiner Unterlippe herum, bis er sich schließlich dazu durchrang, das Zimmer zu betreten.
Die Tür quietschte leise, als er die Klinke runterdrückte und zögerlich eintrat..


* * * * * * *

Schmerz..
Das Leben ist voller Schmerz..
Es besteht... aus Schmerz..


Eine Träne lief über die blasse Wange und tropfte auf das weiße Kopfkissen.
Seine Finger umklammerten das verbundene Handgelenk, das durch eine Kanüle mit dem Tropf verbunden war.

Es brennt..


Stechender Schmerz pulsierte in seinem Unterarm.
Eine weitere Träne rann aus einem der türkisfarbenen Augen.
Er hatte das Gefühl, dass sich kleine, schwarze Maden mit scharfen Zähnen durch seine Adern fraßen und seinen Arm von Innen nach Außen verzehrten.
Er wollte schreien, die Nadel aus seiner Haut reißen, den Schmerz in Blut ertränken, doch er tat nichts dergleichen.
Seine Miene blieb unverändert, nur die Tiefe Furcht in seinen Augen und die Tränenspuren, die auf seiner Haut schimmerten, zeugten von dem Leid, das er stillschweigend ertrug.
Doch was war das?
Wie gebannt wandte er seinen Kopf zur Tür, durch die just in diesem Augenblick ein schwarzhaariger Junge trat.

Ihre Blicke trafen sich.
Wenige Sekunden später senkte Zero den Blick.

War das nicht.. Ist das möglich?
Der Junge mit den warmen Augen...


Der Schmerz, der erneut in seinem Handgelenk aufflammte, riss ihn aus seinen Gedanken und holte ihn in die Realität zurück.
"Tut dir etwas weh?", fragte der Schwarzhaarige mit einem besorgten, unruhigen Unterton, als Zero das Gesicht verzog.

Ob mir.. etwas wehtut? Das hat mich noch nie Jemand gefragt..

"Zero?"
Der Rothaarige zuckte heftig zusammen, als er Night direkt vor sich stehen sah.

Viel zu Nahe...

In seinem Inneren stieg wieder die Angst auf, tiefliegende, gefräßige Angst.
"Hey.. Ich hab' dir doch versprochen, dass ich dir nicht wehtu'.. ", murmelte der Schwarzhaarige,
doch die Furcht hatte längst von ihm Besitz ergriffen.


* * * * * * *

Er stirbt tatsächlich vor Angst..

Innerlich rang er mit Besorgnis und Schuldgefühlen, doch er ließ sich nicht davon beirren.
Seit er den Raum betreten hatte zog Zeros verbundenes Handgelenk, welches der Junge immer wieder schmerzhaft umklammerte, seine Aufmerksamkeit auf sich.
"Zeig doch mal.." Seine Stimme bleib sanft.
Vorsichtig, aber bestimmt ergriff er Zeros Hand und löste den Verband.
Während der Rothaarige vor lauter Angst anscheinend nicht in der Lage war, sich zu wehren, legte Night den Verband zur Seite und weitete entsetzt die Augen.

Die Haut an seinem Unterarm schimmerte bläulich, Einstichwunden und Narben bedeckten sein Handgelenk, in dem auch die Kanüle steckte.
Night wusste, dass man die Kanüle regelmäßig neu legen musste, damit die kleine Wunde sich nicht entzündete, aber Zeros Adern war nahezu völlig durchlöchert!
"Es.. tut weh..", nuschelte der Rothaarige kaum hörbar.
Night biss leicht auf seine Unterlippe.

Immerhin spricht er endlich wieder mit mir..

"Zero.. Was sind das für.. Medikamente?"
Vielsagend nickte er Richtung Tropf.
 
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