[Sammelthread]Dem Chaos' sein Papierhaufen

StillesChaos

Frischling
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So, nach Absprache mit Lizco ist es mir erlaubt, einen Sammelthread für kleinere Stories hier einzufügen. Sowas ist immer ganz angenehm, da ich gerne nebenher manchmal auch meine Ideen "rausschreiben" muss, damit ich einfach wieder einen klaren Kopf bekomme. Andernfalls rumoren die Ideen solange, dass ich mich nicht mehr auf mein Buch konzentrieren kann. Diese Stories entstehen immer spontan, daher sind da gerne mal Fehler drin. Das ist aber nicht weiter wild, finde ich. Jeder darf gerne zu jeder Zeit Feedback geben.

Ich beginne mal mit der jüngsten Kreation. Hatte die Idee schon länger, mir fiel nur kein besserer Name ein.

Amen & Attack

Valeries unbesohlte Füße schmerzten. Keuchend rannte sie mit erhobenem Kleide über den einfachen Sandweg. Die Kälte der herangerückten Nacht peitschte ihr immer wieder durch die herumfahrenden Winde durch Mark und Bein. Das guturale Kreischen folgte unerbittlich durch die schwärze der Wälder und das ungelenkte Tappsen nackter Füße war sein Begleiter. Gelegentlich klarte der Himmel auf und schenkte ihr immer wieder kurze Ausblicke auf den Mond, welcher fahl wie eine Silbermünze am Himmel thronte.

Das Tappsen wurde schneller, der ungleiche Rhytmus tobte wie wildes Trommelschlagen näher und näher heran. Ihre Lunge schien immer enger gepresst zu werden, ihr Japsen immer Lauter. Es schien ihr, als würde der Donner ihres bebenden Herzens selbst ihr die Luft herausdrücken. Schreiend und kreischend vor Angst hetzte sie weiter, doch ihre schwächer werdenden Füße versagten ihr zunehmend. Ein kurzer Blick hinter sich offenbarte ihr, dass der Wiedergänger nahe war. Zwischen den Schattensäulen einzelner Beinen huschte die bleiche Gestalt hinter ihr her.

Plötzlich spürte sie einen Stoß an ihrem Fuß, ein stechender Schmerz fuhr ihr durch den Knöchel. Krachend fiel sie auf den feuchten Boden. Der kalte Dreck an ihrem Gesicht war jetzt ihr geringstes Problem, ebenso die aufgeplatzte Lippe, deren Bluttropfen einen feinen metallischen Geschmack über ihre Zunge schickten. Hastig stemmte sie ihren unversehrten Fuß gegen die Erde, um sich abzustoßen, wegzukommen, dem Dorfe näher zu rücken.

"Du bist tot! Tot, hast du gehört?!", kreischte sie angsterfüllt in die Richtung des verfinsterten Weges. "Ich beschwöre dich Markus, beim Schöpfer, kehr' zurück in dein Grab!"

Das Kreischen stoppte. Die Figur war fern. Valerie musterte ihre Umgebung hektisch aus den Augenwinkeln, ihr Körper taub und fast unfähig, ihr weiter zu gehorchen. Zittrig wischte sie sich mit einer Hand ein paar schweißgebadete Strähnen vor den Augen weg. Inständig hoffte sie, dass er fort war. Der Pfarrer hatte immer wieder davon gepredigt, dass kein Wesen, ganz gleich von welcher Machart, gegen den Schöpfer bestehen könne. Hoffentlich würde er recht behalten. Sie wollte nicht sterben. Nicht hier, nicht jetzt. Nicht auf diese Weise.

Mit einem Mal packte sie etwas am Schopf. Ihr Blut schien zu gefrieren, ihr Atem stockte. Etwas erschien zu ihrer linken. Sie spürte noch, wie eine Träne ihren Augenwinkel hinunterrannte, ehe das Grollen ertönte und sich steigerte, wieder in das Kreischen verwandelt wurde, dass sie fürchtete, taub zu werden. Mit bibbernden Lippen blickte sie zum Himmel und schloss langsam ihre Augen.

Die plötzliche Explosion in der Ferne riss ihren Körper herum und löste den Griff. Ein kurzer Schrei des Schreckens entfloh ihrer Kehle, ehe das gellende Gekreische dieser Kreatur, die sie einst ihren Bruder genannt hatte, wieder zunahm. Ein wenig hinter ihr ertönten die Schritte der Kreatur, die wütend in das Schwarz fauchte. Wieder eine Explosion, ein kurzer Blitz aus Feuer, der an ihr vorbeizog und in etwas einschlug. Das Kreischen verstummte Augenblicklich und es folgte das dumpfe Geräusch, als hätte jemand einen schweren Sack auf den Boden geworfen.

Schritte näherten sich, rasch, kontrolliert. Aus der schwärze der Nacht entstieg ein in schwarz gekleideter Mann, dessen Hutkrempen seine Augen verbargen. Sein Mund wurde von einem schwarzen Schal verborgen, auf dem ein weißes Symbol schwach sichtbar eingenäht war. Der lange Mantel flatterte in einer aufkeimenden Windböe und glänzendes Metall kam an seinem Gürtel zum Vorschein. Ein prächtiges Seitschwert hing in seiner Scheide, der Griff selbst war kunstvoll geformt.

Dicht hinter ihm folgten weitere, vier an der Zahl. Am auffälligsten war wohl zunächst ein Wesen von geradezu ätherischer Erscheinung, fraulich in seiner Gestalt, welches knapp hinter ihm herzuschweben wusste; danebst ein Mann, groß und breit. Die bärige Figur trug auffällig eine schwere Axt in den riesigen Händen, passend, um wohl einen Baum mit einem Schlag zu fällen. Rechts von der Gruppe war es schließlich eine Frau, deren kurze, blonde Haare unter ihrem Hut hervorragten und fast schon silbrig im fahlen Mondlicht wirkten. Seltsame Tätowierungen schlängelten sich über ihre Haut.

Schließlich und schlussendlich folgte eine fünfte Person. Noch eine Frau, das linke Auge hinter einer Augenklappe verborgen. Die Augenklappe selbst enthielt ebenso ein weißes Zeichen, ähnlich dem Schal des Mannes. Sie trug eine verblüffend lange Flinte. Mit gekonntem Griff legte sie die Hand an die Seite der Flinte, zog den Bügel und ließ zischend eine Hülse aus Metall herausfliegen, ehe sie an ihre Seite griff und eine neue hineinlegte.

"Zwei Schüsse sehen dir unähnlich, Francesca.", sprach die Blonde hämisch unter ihrem Schal.
"Ich würde gerne mal sehen, wie du in dieser kurzen Zeit schussbereit wirst und mit einer Kamertinger Langflinte unterhalb der Minimalreichweite so präzise schießt, dass du einem Würfel die Augen entfernen könntest.", entgegnete die Frau mit der Augenklappe. "Du solltest eigentlich auf die Knie fallen und dich wundern, dass sie absolut unverletzt ist. Zumindest hinsichtlich meines Schusses."

Der Mann an forderster front, dessen lange, dunkelblonde Haare wie die Mähne eines Löwen herabhing, blieb stehen und griff in die Innentasche seines Mantels. "Hat er dich verletzt?", fragte er Valerie.

Irritiert rang sie sich zu einem Kopfschütteln durch.

"Bitte.", flüsterte nun die schemenhafte Frau hinter ihm. "Sie steht unter Schock." Ihre Stimme glich dem Flüstern des Windes.
 

StillesChaos

Frischling
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Hier eine kleine Idee, die ich unbedingt noch mal irgendwann ausarbeiten muss. So eine Mischung aus Shadowrun (ohne Magie), Stalker und generell irgendwie Futuristisch gedacht.
Dreamzone
Explosionen zerissen die Luft. Dunkle Schwaden verloren sich in der Luft, während eine Vielzahl an Transportflugzeugen in weitgedehnter Formation mit dröhnenden Brummtönen über die brennenden Teile der Stadt hinwegzogen. "Hier Walküre eins, betreten die Zone, over.", knackte es durch das Intercom. "Roger, Walküre eins. Geht sicher, dass Ikarus seinen Bestimmungsort erreicht. Frankreich wünscht uns viel Glück. Over and Out."
Jessica blickte aus der geöffneten Seitenluke des Transporters. Da unten war die Hölle los; eine Vielzahl unbekannter Kreaturen in verschiedensten Formen schwärmte über Land und zum Teil durch die Luft. "Ziel auf drei Uhr. Waffenfreigabe ist erteilt, stellt sicher, dass die Schneise steht!", rief der Pilot aus dem Cockpit nach hinten. Rasch griff sie nach den Griffen des schweren Maschinengewehrs und ließ einen feurigen Strahl auf ein geflügeltes Wesen niedergehen, welches gerade auf einen Transporter in der Ferne losging. Grünes Blut spritzte über die Glasscheiben des Cockpits, ehe es mit einem markerschütternden Schrei in der Tiefe versank.

"Wo kommen die Mistviecher überhaupt her?", knackte es wieder aus dem Intercom.

"Hier Walküre drei! Brauchen dringend Hilfe! Die Biester sind überall! Oh Gott-", das Knacken ertönte abrupt, in der Ferne ertönte eine weitere Explosion und das Kreischen zerstörter Turbinen verhallte weit; mit schwarzem Rauch fiel der Transporter hinab.

"Ruhe bewahren. Stellt sicher, dass jeder Schuss sitzt!", gab der Pilot von Walküre eins zu verstehen. "Wir müssen nur den Stabilisator zur Unglücksstelle bringen. Over."

"Hier Ikarus. Schneise sieht stabil aus, haltet sie uns nur vom Leib, over!"

"Verstanden, Ikarus. Wie sieht's aus, wenn das Ding steht? Hört der Spuk dann auf? Over."

"Keine Ahnung...ich stelle mal zum Professor durch. Der weiß mehr darüber, over."

"Hier Professor Boreau. Die Sache ist nicht so einfach, wie Sie vielleicht denken mögen, meine Damen und Herren. Das Taritium ermöglicht, wie Sie vermutlich wissen, die materialisation der natürlich vorkommenden virtuellen Partikel. Oder einfach ausgedrückt: Alles was existiert und nicht existiert, springt in kleinstem Maße in die Existenz und wieder hinaus. Das Teritium ermöglicht die Materialisation, heißt die Existenz von virtuellen Partikeln in greifbarer Masse. Normalerweise werden dafür geringste Mengen benötigt, aber die Reaktorexplosion hat riesige Mengen davon in die Umwelt verteilt, weshalb jetzt ungebremst eine ganze Menge an Dingen verschiedenster Art in die Existenz gepresst werden. Wir können diesen Vorgang nicht Rückgängig machen, aber wir können dafür sorgen, dass es nicht weiter unkontrolliert passiert. Wir müssen nur diesen Stabilisator in der Nähe aufstellen und aktivieren." Ein tiefes Seufzen erklang durch das Intercom, wobei der Professor mit äußerster Ruhe auf diese Situation reagierte. "Wir müssen nur den Stabilisator hinbringen und aktivieren, wie gesagt. Dann hört die unkontrollierte Materialisation auf, lässt aber nicht das existierende "de-existieren". Over."

"Verstanden, Herr Professor. Also dann, Leute... seht zu, dass die Sache klapp-" Plötzlich riss der Tansporter herum, als ein gigantisches Wesen aus Chitin und Schuppen mit einem tiefen Heulen von unten vorbeiraste; viele Augen auf der Seite des länglichen Wesens blickten interessiert durch das Cockpit hinein, ehe riesige Flügel fast dafür sorgten, dass sie einfach wie Spielzeug weggeschleudert wurden. Ein gefährliches Unterfangen in der Luft. "Scheiße! Festhalten dahinten!", rief der Pilot. Jessica umklammerte die Griffe der Waffe fester und betätigte die Knöpfe. Wieder jagte Feuer hinaus, hinein in die Chitin- und Schuppenschicht. Das Heulen klang zunehmend wütender. "Heckgeschütze klarmachen! Gebt dem Bastard saures!"

Explosionen auf dem Boden schleuderten eine Vielzahl an Dingen ein paar Meter hinauf; zu klein war es jedoch, um etwas zu erkennen. "Hier Panzerkompanie Thor. Wie lange müssen wir noch aushalten? Die Biester kommen immer Näher! Over."

"Solange wie wir brauchen, um Ikarus an den Zielort zu bringen, over."

Die Irritation klang deutlich durch jede ertönende Stimme. "In Ordnung, wir-" Donnerschläge hallten durch die Region, Erdbebengleich schien sich der Boden weiter zu verändern. "Verdammt, was ist das?!", ertönte wieder der Kommandant der Kompanie. "Jesus, Maria und-" Das Intercom brach auch hier ab. Der Boden löste sich schlicht und fiel nach unten, ehe aus dem Boden eine Vielzahl an Wurzeln hervortraten, die sich wie Krallen wieder in den Boden rammten und langsam, Geburtsartig etwas in die Höhe pressten.

"Schneise neu Berechnen! Was auch immer das ist, es muss gigantisch sein!"
 

StillesChaos

Frischling
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So, musste dieses Idee mal aufschreiben. Kam mir spontan, als ich den Song hier hörte:

http://www.youtube.com/watch?v=WUPzSrKqQ-E


Der Kuss
Die Musik in der Diskothek war laut. Kyle seufzte lautlos und ließ die Fingersptizen wieder und wieder über das Glas seines Drinks gleiten; in spielerischer Langeweile verlor er sich in einem weiteren Abend mit seinen Freunden, obwohl er nicht gerade das "Partytier" schlechthin war. Man hatte ihn schon immer eher mit einem gemütlichen Abend in kleinem Kreise locken können, nicht aber in einem Sammelsurium aus schwarz und neonfarbenen Anzeigen, gepaart mit der obligatorischen Nebelmaschine und Lasern, die man wild an die Decke strahlte. Alle hatten sich unter die Menge der Feiernden gemischt und schienen, so seine Beobachtungen, eine Menge Spaß zu haben, ohne dabei auch nur im entferntesten an ihn zu denken. Verständlich, sie waren nicht seine Babysitter und er konnte ihnen nicht abverlangen, sie den ganzen Abend als persönliche Bespaßungstruppe um sich zu haben.

Sein Blick glitt hin und her durch die Menge, die sich an der Bar gesammelt hatte. Die vielen grinsenden Gesichter schienen in dreifacher Geschwindigkeit an ihm vorbeizuziehen, während er selbst in seiner eigenen Zeitzone gefangen war. Den Kopf auf seine Faust gestemmt verloren sich seine Augen in der Leere eines scheinbar pink leuchtenden Getränks, dessen Färbung vermutlich durch ein bisschen Schwarzlicht erzeugt wurde. So interessant es auch aussehen mochte - und so gut die Mischung aus verschiedenen Früchten mit einem Schuss Alkohol auch schmecken mochte, so schien sie dennoch fade im Angesicht des Gefühls, verloren zu sein.

Plötzlich stieß ihn von hinten etwas an der Schulter an und rammte ihn förmlich gen der Theke. Fast hätte er etwas von seinem Drink verschüttet, hätte er nicht geistesgegenwärtig reagiert und das Glas festgehalten. Ein wenig verärgert blickte er zu seiner Seite und erkannte, dass es ein Fuchs war, der mit einem entschuldigenden Lächeln zu ihm hinab sah. Dieser hatte wohl gerade etwas übereifrig etwas bestellt und dabei das eigene Gleichgewicht überschätzt. Das war zumindest die erstbeste Erklärung, welche Kyle einfallen wollte. Sein Blick blieb einen Moment auf dem Fuchs hängen. Ryan war sein Name, da war sich der Husky sicher; er hatte ihn hier schon mehrfach gesehen und es war nicht selten, dass dieser auch gerne mal das Gesprächsthema des nächsten Tages war, denn der Fuchs wusste scheinbar, was es bedeutete, richtig zu feiern.

Beide wechselten keine Worte. Es wäre auch vergebens gewesen; der Bass erdrückte jeden Laut in einer Stärke, dass selbst der Sprechende nicht hören konnte, was er von sich gab. Brummend rollte Kyle mit den Augen und wandte sich wieder seiner alten Pose und seinem Getränk zu. Sollte der Typ doch machen, was er wollte. Kurz rüttelte Ryan an seiner Schulter. Kyle winkte genervt ab. Für ihn war die Sache gegessen, keine Entschuldigung notwendig - oder was auch immer der Typ vorhatte. Er war ganz gewiss keine Eroberung für eine Nacht, ganz egal, wie gut jemand aussah. Mit einem Mal riss sein Arm wie automatisch nach hinten, als er den Druck daran spürte und Kyle musste aufpassen, in seinem Stolpern nicht über die eigenen Füße zu fallen. Jeder seiner Protestrufe ging unter in einem Meer aus hallenden Tönen, die wie Fächer eine Brise in der Musik erzeugten, der Bass nahm in seinem Rhytmus ab und bot mit seiner Ruhe etwas angenehmeres; Gesang einer männlichen Stimme hauchte lockend im Vordergrund.

Ryan blieb abrupt stehen, sodass Kyle in dessen Arme fiel und grinste gewinnend, als er bemerkte, wie verzweifelt sich der Husky an ihn klammerte, um nicht hinzufallen. Nun ein wenig langsamer deutete er mit sachtem Nicken nach hinten zur Tanzfläche. Reflexartig schüttelte Kyle den Kopf. Er hoffte, dass der Fuchs von ihm ablassen würde - immerhin konnte er gar nicht tanzen! Im Grunde war er doch froh, dass er das Wort überhaupt buchstabieren konnte!
Das Kopfschütteln schien den Fuchs aber nicht zu interessieren. Stattdessen machte er eine flinke Drehung und zog Kyle an dessen Arm auf die Tanzfläche, dessen Proteste in der Energie des euphorisch wirkenden Fuchses absorbiert wurden; dort angekommen begann das Spektakel. Der Fuchs bewegte sich direkt passend zum Rhytmus, wobei Kyle zunächst ein wenig überrumpelt nur zu ihm sah; schwer musste er schlucken, als er die Agilität, die Flexibilität bewunderte; Ryan und die Musik waren nicht mehr zwei Dinge, sie verschmolzen zu einem; er war der lebendig gewordene Ausdruck der Musik, visualisierte Gefühl und musikalische Expertise in rhytmischen Bewegungen von Kopf bis Fuß.

Jede Hüftbewegung war kraftvoll, die Füße setzten sich passend zum Takte auf den Fußboden nieder und die Menge, die Kyle noch eben wahrzunehmen dachte, schien zu einer schwarzen Wand in einem Meer aus Licht und Farbe zu werden. Allmählich schien es, als würde ein Funken hinüberspringen und versetzte die Füße des Huskys in Bewegung - wenngleich auch sehr ungeschickt und deplatziert. Ryan hatte dieses undurchdringliche Lächeln im Gesicht, die Augen halb niedergeschlagen und zu einem verführerischen Blick verformt; seine Hände griffen zielbewusst nach Kyle's Hüfte, welcher alsbald verwundert feststellen musste, wie sie sich zunehmend passend zu seinen Bewegungen schwang; vorsichtig legte er seine Hände an Ryans Rücken, tasteten sich mit prickelnder Neugier über den dünnen Stoff seines Hemdes, welcher keinen Hehl aus den darunterliegenden Muskeln machte, die sich in fiebrig getanzter Hitze an seine Fingerspitzen legten und sich geradezu bereitwillig von diesen Formen ließen. Kyle spürte, wie sein eigenes Herz schneller schlug und sein Atem gieriger nach dem Duft seines Gegenübers lechzte, die Finger einem unterbewussten Befehl folgten und bestimmter, tapferer, machtvoller über den Leib des Fuchses glitten, während sein Unterkörper scheinbar alleine durch die Verbindung mit dem Fuchs der Bewegung zu folgen im Stande war.

Das Lächeln des Fuchses zog sich breiter, wurde bald zu einem Grinsen; nicht bösartig, eher fröhlich wirkte es, als er eine Hand von Kyle's Hüfte nahm und die beiden sich einzig durch eine seiner Hände aneinander hielten, da er sich spielerisch, neckend nach hinten lehnte und die nun freigewordene Hand verwendete, um über den Oberkörper des Huskies zu streichen. Dieser jedoch musste sich anstrengen, sich nicht auf die Lippe zu beißen; genießend schien Ryan seine Hand von Kyles Hals hinab über die Brust, zwischen den feinen Konturen seiner Bauchmuskeln zu legen, welche nun überraschend wenig Schutz unter seinem langärmlichen T-Shirt gefunden hatten; schließlich auf höhe des Bauchnabels verformte der Fuchs seinen Zeigefinger zu einem Haken und ließ diesen am Hosenbund einhaken. Kyle keuchte kurz erschrocken auf, seine Bewegung schien wie aus der Trance gerissen und er stolperte.

Polternd knallte er auf den Boden. Seine Hände und Ellen schmerzten, welche den Fall gerade noch aufgefangen hatten. Na toll, da hatte man schon mal eine Gelegenheit...

Er ergriff sich selbst bei dem Gedanken, dass dieses Begegnung anders war als das, was er von sich selbst dachte; und prompt war die Wand, zu der sich die anderen Tänzer geformt hatten, wieder lebendige Wesen. Ein Gefühl von Scham beschlich ihn und eigentlich wollte er nicht aufsehen, denn er konnte sich denken, dass alle anderen bereits lachen mussten. Schließlich, als er jedoch aufblickte, realisierte er, dass man lediglich etwas Platz gemacht hatte - und auch wenn es ein paar schmunzelnde Gesichter gab, so schien doch jeder für sich auf das Tanzen fokussiert zu sein. Ächzend schob sich der Husky auf, stütze sich erst auf ein Bein und wollte gerade aufstehen, da sah er Ryan, welcher ihm die Hand zum Aufstehen bot. Sein Gesichtsausdruck war eine Mischung aus Besorgnis und dem Echo der vorherrschenden Freude. Vorsichtig legte Kyle seine Hand in die des Fuchses und ließ sich aufhelfen, als der Fuchs plötzlich auf halbem Wege die andere Hand an Kyle's Gesicht legte.
Da war es wieder, dieses Fieber, dieses Gefühl des Verloren-Seins; aber es war dieses Mal anders. Als... wäre es richtig gewesen, verloren zu sein, wie in einem Schwimmbad, so glaubte er; wenn man auf dem Zehnmeter-Brett stand und alle nPlatz der Welt hatte, um irgendwo im Becken zu landen. Zumindest fand er keinen besseren Vergleich. Langsam schob er das andere Bein auf und stemmte sich hoch, als der Fuchs nun die Hand losließ und beide Handflächen an sein Gesicht legte. Die Besorgnis schien verschwunden und was blieb war ein inniger Kuss.
 

StillesChaos

Frischling
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Chaos
Immer wieder starre ich auf den Bildschirm. Nichts rührt sich.

Mein horchen in die Wohnung verrät, dass alles ruhig ist. Niemand ist da. Arbeit, Termine, all das. Ein Universum voller Möglichkeiten und ironischerweise sitze ich hier. An diesem "besonderen" Tag. Im Grunde nur ein Tag wie jeder andere auch, was mir alle Antworten liefert, warum niemand eine Meldung macht. Da ist niemand, der Anruft. Niemand, der zumindest schreibt. Niemand, der auch nur ansatzweise die Bestätigung gibt, dass ich überhaupt existiere. Verrückt, nicht? Ich denke, also bin ich. Ich denke, aber ich bin nicht von belang. Diesen Eindruck erhalte ich zumindest immer und immer wieder, wenn ich warte und warte. Jedes Klicken der Uhrenzeiger bauscht sich in meinem Kopf auf.
Heute Morgen hatte es meine Mutter vergessen. Rot vor Scham, als sie es durch Zufall im Kalender bemerkte, gab sie mir eine feste Umarmung. Das war angenehm, ich fühlte mich recht lebendig. Meine Arbeitskollegen hatten es sich gemerkt. Damit hatte ich wohl am Wenigsten gerechnet. Sogar mein großer Bruder und mein Vater hatten mich angerufen.

Aber davon ab... Stille. Nicht ein Sterbenswort von denen, die ich mal als Freunde angesehen habe. Ich nehme es ihnen nicht übel, ich kann mir ihre besonderen Tage auch nicht merken. Meistens entschuldige ich mich dann und sie akzeptieren es. Sie wissen, dass ich nicht gut darin bin. Aber jetzt versunken zu sein, mit sich selbst gefangen sein und auf einen Bildschirm starren... ich fühle mich wie im Knast. Vermutlich bin ich das auch. Mein eigener goldener Käfig, aus dem ich nicht herauskomme, weil ich schon zu tief reingekrochen bin. Alle anderen Verwandten melden sich nicht. Die Uhr schlägt 8 am Abend, nichts. Spätestens jetzt sollte das Telefon klingeln, aber nichts passiert.

Seufzend klicke ich wild auf irgendwelche links. Versuche das Chaos in mir zu unterwerfen, indem ich es durch das Chaos da draussen stimuliere. Still, heimlich, für mich. Partizipiere passiv in einem Meer des Wahnsinns, lache über morbiden Wahnwitz, um nur irgendwie den Schmerz in mir zu betäuben. Dabei kenne ich es nicht anders. Beim ersten Mal war ich noch erschrocken und musste für einen Augenblick mit den Tränen kämpfen, als ich in die Nichtigkeit abdriftete. Mitlerweile stumpfe ich nur noch ab, wie die Nerven eines Boxers, bis er keine Schmerzen mehr beim Schlagen verspürt. Die gähnende Leere um mich herum vertreibt es aber nicht. Und jetzt, da ich sie so stark spüre, fühle ich mich umso hilfloser.

Vielleicht hatte dieser Typ recht. Wenn man niemanden hat, dann hat man verloren. Man muss investieren, um zu erhalten, wer aber nicht hat, der kann auch nichts investieren. Wie in einem Boot auf einem Meer, das keine Paddel besitzt. Du kannst nur noch treiben und hoffen. Das trifft es wohl eher. Vielleicht ist das aber auch alles falsch, denn ich kann geben, das weiß ich. Ich kann etwas in die Welt geben und auch etwas zurückerhalten. Aber wie viel kann ich von mir geben, bevor das letzte bisschen von mir zerbröselt und zu Staub zerfällt? Auch wenn ich für die Selbstrevolution und die Zerstörung bekannter Routinen bin, so fällt es mir schwer, mich an einen solchen Gedanken zu gewöhnen, befürchtend, dass ich am Ende lichterloh in Flammen stehe und nur noch ausbrennen kann.

Aber das ist das fatale an diesem Gedanken: Ich denke nämlich, dass es bereits passiert und gerade weil ich es denke, passiert es vermutlich auch schon. Ich brenne und weiß nicht, wie lange ich noch brennen kann. Vielleicht noch ein wenig länger, vielleicht kann ich's auch gar nicht mehr und schaue, ob es auch noch geht, wenn das Wachs und der Docht längst Geschichte sind. Brummend wische ich die Geldscheine und die Karten weg. Was soll ich damit? Ich weiß es am Ende doch nicht. Ich belüge mich lieber selbst, behaupte, ich brauche nicht viel. Im Grunde ist das nicht verkehrt, aber es ist auch nicht ganz richtig. Es gäbe schon einiges, was ich damit anfangen könnte und wünsche habe ich natürlich noch mehr.
Aber ich habe keine Ahnung, was ich überhaupt will. Denn alles, was ich will, will ich nicht, sobald ich es habe. Das ewige Dilemma des Besitzens. Alles belustigt mich kurzweilig, doch je länger ich mich damit befasse, desto nichtiger wird es.

Viertel nach Acht. Immer noch nichts. Keine freundlichen Stimmen, die mir alles gute Wünschen. Gebannt warte ich auf eine Reaktion der Aussenwelt - oder eine Aktion, sei es drum. Nichts. Ich spüre, wie sich meine Fäuste willkürlich ballen, dass die Fingernägel schmerzend in meine Haut stechen. Aber vergeblich, wie immer. Jede Wut verrennt sich von selbst, ganz egal, wohin ich sie richte. Und selbst das Demolieren einer alten Tonfigur aus der Grundschulzeit, die ich meiner Mutter geschenkt hatte, macht mich nicht glücklich. Ich fühle mich nur noch schlechter und will weiter Zerstören, weiter Holz ins Feuer werfen und lichterloh fackeln. Und doch ist es meine Logik, die mir dazwischenspringt, die mich so nervtötend zurückhält.

Ich spüre, wie meine Augen wässrig werden und das Gesicht so seltsam kribbelt. Irriterend, es passt nicht zu meinen zusammengezogenen Augenbrauen.

Diese Logik ist eine Linie, die sich immer wieder vor jede Entscheidung stellt und sie auf's Neue prüft. Und jedes Mal ist es die Frage: "Was bringt es?" Damit verrennt sich die Wut wieder ins Nichts, tötet sie aber nicht ab. Im Grunde ist sie nur noch ein Faden, der sich davor spannt und jedes Mal kürzer wird, bis sie die in mir wütende Urgewalt nicht mehr bändigen kann. Chaos kennt keine Logik, Chaos kennt keinen Grund. Chaos ist. Und es wütet gegenwärtig ruhelos, doch gut gehütet hinter meiner Fratze weiter.
Der Unterschied auf meinen Wangen ist eigenartig. Wasser kitzelt auf den Wangen und ich weiß nicht, ob es heiß und meine Wangen kalt, oder ob es kalt und meine Wangen heiß sind. Es interessiert mich einen Augenblick weiter schon nicht mehr. Wütend versinke ich auf der Tischplatte, vergrabe das Gesicht im Ärmel meines Pullovers.Meine Zähne sind fest zusammengepresst. So fest.

Es tut weh.

Ich lasse das Wasser einfach laufen. Will keinen Mucks machen, den eh keiner hört. Will keinem Sagen, dass es mir dreckig geht und ich nicht weiß, was ich überhaupt noch tun soll, da ich nicht vor mir selbst entkomme. Sage allen anderen immer, dass sie lernen müssen zu ertragen, während ich selbst gezwungen bin, es zu tun. Mangelnde Perspektiven lassen keinen Platz für Offene Ideen. Kann nicht vor mir selbst kneifen, hasse das wie die Pest. Lasse die Tonfigur einfach liegen. Hat eine meiner Katzen heruntergeworfen, werde ich später einfach sagen und stur in ihr Gesicht blicken, während sie leicht geknickt dreinschaut. Dann wird sie die Figur einfach wegwerfen, weil sie ihr nichts bedeutet. Bedeutsame Dinge repariert man, man wirft sie nicht weg. Halte daher auch nichts von Beziehungen. Meine Erfahrungen haben mich etwas besseres gelernt. Das Chaos in mir ist groß genug, ich muss nicht noch ein zweites Bändigen oder ertragen. Kann das nicht, keine Energie. Frage mich, wie es alle anderen können.

Rede mir ein, ich sei alleine besser dran. Merke dann aber, dass ich mich selbst weiter belüge und mich nur überzeugen will, damit ich alleine weiter existieren kann. Bin der Ton, den niemand hört, wenn ein Baum umfällt, weil keiner da ist. Meine Existenz ist der Beweis dafür. Schätze, das ist der Punkt, an dem man sich selbst überlebt hat. Alles verrinnt mit dem Wasser. Schaue mich weiter um. Klicke wild umher, gaffe auf alles mögliche. Betrachte dann die vielen Bilder. Viele lächelnde Gesichter. Möglichst im Zweierpack. Wünsche denjenigen alles Gute, weiß, dass ich selbst vermutlich nie wieder in diese Position rücke, auch wenn mich meine Erfahrung lehrt, dass man sich auf nichts verlassen sollte. Werde neidisch, klicke schnell auf etwas anderes, um mich selbst weiter zu belügen, dass ich nicht neidisch sein kann, weil ich gut alleine zurechtkomme.

Rauche drei Zigaretten in einer halben Stunde. Trinke ein paar Bier, weiß nicht wohin mit der Energie, die sich angestaut hat. Will nur noch selbstzerstören, um dem Chaos zu begegnen. Sitze allein im Dunkeln auf dem Balkon, schaue Sterne an. Frage mich, ob woanders irgendein Wesen zu den Sternen schaut und ob man sich über solch eine Entfernung überhaupt zufällig in die Augen blicken kann. Schöner Gedanke, schreibe ihn auf, um ihn nicht zwischen allen Gedanken zu verlieren. Schiebe den Zettel zu den anderen 26 in meinem Porte-Monnaie. Hasse es, wie dick es mitlerweile ist.

Schaue wieder umher. Sehe plötzlich Meldungen. Eine Unzahl an Meldungen... dabei habe ich mit diesen Leuten doch so wenig am Hut. Viel zu flüchtig, viel zu oberflächlich. Aber sie... erinnern sich an mich und haben gesehen, dass heute etwas... etwas anders ist. Es bringt mich zum Lachen. Ich weiß zunächst nicht, warum ich lache, merke dann aber, dass ich lache, weil ich das Ende meiner Grenzen erreicht habe - und mir diese Leute mehr am Herz liegen, als so viele andere, die ich persönlich kenne, persönlich getroffen habe. Sie sind nur... virtuell für mich, denn mehr konnten sie ja nie sein. Aber... sie sind wertvoll. Ich danke, dass sie sich an mich erinnert haben. Mehr als für jeden Glückwunsch; dieser ist nett, aber nicht wichtig. Ich wurde nicht vergessen.
 

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