Paradoxe Gleichung

Drako

Guest
Es ist ein Drama ,"Pradoxe Gleichung", mehr wird nicht verraten;-). Zum Anfang mal die ersten zwei Teile, eine kleine Kritik wäre ganz nett, aber nur wer möchte:):

Paradoxe Gleichung
1. Falsche Zimmer
Langsam sammelten sich meine wilden Träume und undefinierbaren Gedanken zu Sinnen. Es legten sich die Sinne und setzten das Gefühl eines wunderschönen Morgens zusammen. Mehr und mehr begann ich mich zu sammeln, mein Umfeld wahrzunehmen. Draußen hörte ich Vögel schreien, nein sie waren am Singen. Meine schweren Augenlieder begannen sich langsam der Helligkeit zu ergeben und öffneten sich. Grelles Licht stach auf meine empfindlichen Augen ein. Schnell schlossen sich die Lieder, ohne dass ich Kontrolle über sie hatte.
Es war einfach zu gemütlich im Bett. Ich wollte mich gar nicht bewegen. Ich wollte nur der Welt horchen und abschalten. So bewegte sich das schöne Gefühl wieder auf die Sinne zu, hin zu den Gedanken, es wollte sich ein Traum breit machen, doch ich konnte es nicht zulassen, ergab mich aber der gewalten Macht meiner Traumwelt....
Plötzlich ein Geräusch! Ich stand senkrecht im Bett, riss mir die Decke vom Leib und......:“Nein, ich habe doch heute frei.“
Die Anspannung versiegte und die Entspannung durchlief meinen Körper erneut. Ich fiel einfach zurück auf mein Kissen. Ich drehte den Kopf zur Seite und schaute an der Leiter meines Hochbettes nach unten. Ich atmete einmal tief ein und aus:“Ach ja.“
Ich betrachte mein Zimmer mit Wohlwollen und Zufriedenheit. Alles war an seinem Platz. Es war alles ruhig, es war alles nach meinem Geschmack, es war alles perfekt!
Doch eine Sache störte mich. Etwas war anders. Etwas war im Raum. Mein Blick durchlief das Zimmer erneut. Nichts war zu erkennen. Ein blödes Gefühl, das mir einen Streich spielen wollte? Meine Augen waren bereit sich wieder zu schließen. Doch, ich musste mich rumdrehen. Ich lag einfach auf der falschen Seite.
Stimme:“Guten morgen!“
Ich:“jup.“
Stimme:“Guten morgen!“
Ich:“...“
Ich wollte doch einfach nur meine Ruhe haben. War das denn zu viel verlangt. Ich war doch alleine. Alle weg, arbeiten, einkaufen, sonst was machen.
Die Stimme ertönte nun in einem tiefen Grummeln. Schlagartig drehte ich mich herum und erwiderte mit genervter Stimme:“Welcher verblödete Sack kann mich einfach nicht in Ruhe schlafen lassen!“
Ich blickte von meiner Leiter nun direkt in ein anderes Gesicht. Es war so fremd! Es sah anders aus. Einfach nicht menschlich, im ersten Moment unbeschreiblich. Ich sah weiß, weiß, etwas blau, weiß, gelb, weiß und weiß. Langsam formten sich die Linien zu einem Grinsen. Es sah doof aus. Meine Augen schienen mir einen Streich zu spielen. Konturen bildeten sich langsam heraus. Zur Zeitüberbrückung und um mich zu sammeln sagte ich im gleichen genervten Ton:“hi“.
Es bewegte sich nichts. Die Zeit schien still zu stehen, doch man hörte das unaufhörliche Schlagen der Uhr.
Ich schob nun meine Decke von mir weg und begann aus meinem Bett zu krabbeln. Ein schon fast akrobatischer Beinschwung auf die Leiter und schon war ich mit dem linken Bein aufgestanden. Das zweite Bein folgte und ich begab mich abwärts auf sicheren Boden. Ich suchte meine Hausschuhe mit den Füße, fand sie aber nicht. Also zog ich Barfuß Richtung Toilette. Erschöpft dort angekommen, machte ich mich daran es einfach nur noch laufen zu lassen:“Puh, das war nötig!“
Stimme:“Ein Drache gelobt die ewige Tapferkeit!“
Ich:“EIN Drache kann mich mal in Ruhe pinkeln lassen.““Scheiß Spanner“, murmelte ich. So hatte ich mir das mit meinen Träumen mal so gar nicht vorgestellt. Schon musste ich daran denken, was für ein bescheidenes Gefühl ich mal wieder haben werde, wenn ich wirklich wach würde.
Dann ging es zum Waschbecken. Schnell die Hände gewaschen und etwas Wasser ins Gesicht. Die übliche „Katzenwäsche“ halt. Bald torkelte ich wieder in mein Zimmer, um das Fenster aufzureißen. Erst zog ich die Gardine beiseite und dann öffnete ich das Fenster komplett. Ich grüßte den Nachbarn, der mit seinem kleinen Sohn auf dem Wendeplatz spielte, mit einem freundlichem:“Morgen!“, welches daraufhin erwidert wurde.
Ich drehte mich um und es war kein Dingens mehr zu sehen. War ich nun wach oder noch am Schlafen? Ich überprüfte meinen geistigen Zustand und ließ den Kopf langsam auf den Türrahmen zuwandern. Der Schmerz zeigte dann doch, dass ich wach war.
Ich bog um die Ecke und da war die Gestalt wieder. Mit gesenktem Kopf lief ich durch den Flur ins Wohnzimmer. Meine Schritte wurden immer schneller und ich begann zu realisieren, was sich gerade in meiner Umgebung abspielte. Hastig drehte ich mich um, doch es war nichts zu sehen. Ich zuckte mit den Schultern und mein Puls beruhigte sich. Beim Betreten des Zimmers sah ich dann das Vieh dort stehen. Es war hell, fast am glänzen und es hatte:“Flügen? Was bist du denn für einer? Ein Engel oder so?“ Ich setzte mich auf den Hocker, der neben dem Telefon stand. Gebannt starrte ich es an.
„Ich bin ein Drache“, meinte er “ich bin hier, um dir deine Bestimmung mitzuteilen.“
Ich entgegnete mit einem skeptischem:“Na, klar! Und ich bin heute mal der Auserwählte und nebenan wohnt Britney Spieß.“ Beim Reden, berührte ich am Telefon eine 1.
Ernst, mit verschränken Armen und dunklem Blick antwortete er:“Du bist der Auserwählte.“
„Ach, das ist doch immer das Gleiche“, sagte ich und drückte unterdessen eine weitere 1 am Telefon.
Ich:“Wie bist du überhaupt hier rein gekommen?“
Er nickte zur Balkontür.
Ich:“Die ist aber sonst immer zu.“
Er nickte zustimmend. Dabei ging er zwei Schritte Richtung der offenen Tür und schaute kurz heraus. Im selben Moment drückte ich hastig die letzte Ziffer, eine 0. Die Verbindung begann sich aufzubauen. Die Echse drehte sich zu mir um und schaute böse auf das Telefon, welches nun im Takt gegen die Uhr ein helles Geräusch von sich gab. Mit einem großen Satz sprang mir der Drache entgegen. Dabei riss er mit seinen Krallen riesige Rillen in den Fußboden. Mein Daumen schweifte im selben Moment auf die Lautsprecher Taste. Am anderen Ende der Leitung kam eine freundlich, doch entschlossene Stimme zum sprechen:“Pol...“. Das Geschöpf packte mich am Bein und riss mich vom Hocker. Verzweifelt klammerte ich mich ans Telefon und schrie aus voller Seele in das Gerät meine Adresse. Zu mehr kam ich gar nicht, denn schon war das Kabel auf ein Maximum gespannt und riss nun Stecker samt Dose aus der Wand. Der Putz bröckelte auf den Boden. Am Mobiltelefon hängend wurde ich über den Boden zur Balkontür gezogen. Dort stoppte der Höllentripp. Ich lag auf dem Bauch und konnte mich gerade herumdrehen, als das Monster mir mit gefletschten Zähnen und grummelnder Stimme direkt vor meinem Gesicht vorwarf:“WAS SOLL DAS? WAS HABE ICH DIR GETAN?“ Er richtete sich auf und rieb sich die Augen mit zwei Krallen. Hilflos schmiss ich im das Telefon gegen den Kopf, welches in einzelnen Teilen zu Boden sank. Angsterfüllt und verachtend startete ich einen Versuch zu entkommen. Und ich schaffte es...bis zu Türschwelle. Diesmal zog es an beiden Beinen.
Wäre es ein Film gewesen, ich hätte mich bei dem Anblick vor Lachen gekrümmt.
Ich hielt mich am Türrahmen fest und rutschte langsam zum Boden. Mit aller Kraft sog ich mich am Türrahmen fest, doch meinem Gegner war es ein Leichtes mich in Schach zu halten. Mein Wille mich zu Retten wurde immer geringer beim Anblick dieser aussichtslosen Situation. Verzweiflungsschreie hallten durch alle Räume.
Doch da, ein Gegenstand, den ich ergreifen konnte. Er war wie ein Hoffnungsschimmer für mich. Der Gegenstand wurde klarer und zeichnete sich durch die Merkmale einer Flasche ab. Ich ergriff die Flasche und ließ mich nun in den Kampf fallen.

2. Keine Gewinner
Schnell schoss ich auf den Drachen zu. Dabei ließ er mich schlagartig los und ich konnte im freien Flug mein Ziel anvisieren. Mit der Glasflasche in meiner rechten Hand ging es nun wieder auf den Kopf zu. Ich schleuderte sie und ließ ihr freie Wahl, den Drachen zu eliminieren. Meine Flugbahn jedoch endete schneller als erwartet. Hart viel ich mit den Beine und dann mit dem Körper auf den hölzernen Boden. Meine Arme konnten den Kopf nur schwer schützen.
Am Boden liegend sah ich funkelnde Kristalle. Sie machten den sonnigen Tag so wunderschön. In Zeitlupe fielen sie von der Schwerkraft angezogen mir entgegen. Schimmerndes, gar gleißendes Licht durchströmte das Zimmer. Am Boden angekommen sprangen sie wild umher, wie eine Tanz führten sie ein Kunststück aller höchster Güte auf. Manches Licht verschwand, anderes gab seine volle Pracht am Boden ab.
Benommen von dem Sturz versuchte ich mich aufzurichten. Zusammengesackt saß ich in einem Haufen von Trümmern, Splittern und Wasser. Der Boden war zerstört. Der Drache kam auf mich zu. Ich zitterte am ganzen Leib. Was will der bloß? Die erste Träne ran über meine Backe. Nun war es soweit. Bestraft! Bestraft für etwas völlig absurdes. Das war kein Traum mehr. Das war ein Albtraum.
Leicht verschwommen blickte ich auf die Krallen des Drachens und fragte ihn mit zitternder Stimme:“W..W..Was soll das? Was h...habe ich dir getan?“
Der Drache mit gesenkter Stimme:“Das........wird die Zeit zeigen,.......früher........oder.......... später,............die Zeit.......wird es zeigen.“
Schnelle Schritte näherten sich unserem Schlachtfeld. Eine grüne Gestalt huschte an der Tür entlang. Wir schauten hin. Ich entmutigt, er verbittert.
Plötzlich eine weitere Person. Kindergeschrei von draußen. Zwei schnelle Schritte. Ein lauter Ruf:“Polizei, ich will Ihre Hände sehen. Los, ich will Ihre Hände sehen!“
Das war zu viel für mich. Ich ließ mich einfach fallen, doch etwas weiches fing mich sanft auf.
Ich schaute zur Decke. Dann ging mein Blick zum Drachen. Welch anmutige Gestalt. Voller Kraft und Stolz stand er dort. Ein sicheres Auftreten und ein Blick der töten könnte. Ein Kleid aus weißen Schuppen, teilweise glänzend. Die Flügel waren eine glänzende Pracht. Zwei kleine Hörner an den Nasenlöchern und zwei große geschwungene auf dem Kopf. Goldenes Haar und einen langen Schweif. Pranken und Krallen, die selbst Titan verbiegen würden.
Doch er weichte zurück. Mit verschränkten Armen. Mein Blick folgte ihm. Dann stand er neben mir. Mein Blick wanderte weiter am Drache herab, bis zu den Füßen, an der Teppichkante entlang und dort verlor er sich. Ich sah zwei Paar schwarze Schuhe und dunkle Hosenbeine. Ich hätte schreien können.
Dann ein Zucken des Drachens, welches ich kaum bemerkte. Erstaunt betrachtete ich metallische Hülsen, die leicht dampfend den armen Boden verbrannten. Ergötzt von dem tollen Spiel, wie auch die Hülsen im abwechselnden Takt auf den Boden vielen, merkte ich einen Schmerz an meinem Hals. Auch ich wurde mit Metall übergossen. Zusammengedrückt von der Wucht des Aufpralls am Ziel. Nach 13 Mal eine kurze Pause, Magazine fielen. Man hörte eine neue Kugel in den Lauf wandern. Der Takt der Uhr übertönte die Stille im Raum. Blut vermischte sich mit dem Wasser auf dem Boden. Mein Blick blieb bei den leeren Hülsen, die sich nun rasch vermehrten. Voller Entsetzten wartete ich nun darauf, dass der leblose Körper des Drachens mich unter sich begraben würde. Man hörte leise Schläge der Uhr:“tik...tak...tik...tak.“ Das Blut vermengte sich nun weiter mit dem Wasser. Doch wo war die Quelle des roten Safts?
Das Schnaufen der Beamten änderte sich schnell in ein angsterfülltes Ringen nach Luft. Zu hören war nur noch ein lautes Grummeln des Drachens, das sich in einen lauten Schrei verfiel. Ich merkte einen Luftzug an meinem Kopf, der schnell und kräftig vorbei ging. Ich hörte wieder Schritte. Sie stoppten schnell. Ich richtete mich auf. Ein menschlicher Körper flog durch die Luft. Nicht getrieben von seiner eigenen Kraft. Er durchschlug die Glasscheibe vom Balkon. Er blieb liegen. Keine Bemühungen. Kein Lebenswille. Keine Schuld.
Der zweite Beamte, eine Frau, was wollte er nur machen? Ich sah ihr und sie sah mir direkt in die Augen. Das Tier strahlte in der Sonne, ein falsches Stahlen. Er drückte sie auf den Boden. Keine Kraft konnte ihn aufhalten. Er drückte ihr kräftig auf die Schulter. Und? Nichts! Sie machte nichts mehr. Auf mich wirkte kurze Zeit später eine ähnliche Kraft ein. Sämtliche Bemühungen der Befreiung wurden von der Lächerlichkeit meiner Kräfte verhindert. Ein starker Druck auf meiner Schulter und ein paar letzte Worte:“Wir werden uns wieder se...., D......“
 
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Milan

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Sehr gut. Gefällt mir echt gut.
Ich warte gespannt auf Fortsetzung. :)
 

Drako

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Vielen Dank*mich verbeug* freut mich, dass es dir gefällt.
 

Schimmer

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Gefällt mir bisher sehr gut die Geschichte *gespannt auf die fortsetzung ist*
Und der Drache kommt mir bekannt vor^^
 

Drako

Guest
3. Näherungswerte
Ein Traum, ein Sinn, ein Gefühl. Ein Drache? Ein Traum!“Es war alles nur ein Traum“, murmelte ich leise. Mein Kopf dröhnte. Ich hörte Stimmen. Viele fremde Stimmen. „Habe ich etwa zu viel getrunken? Nein, ich trinke ja gar nicht“, sagte ich leise. Musste das sein. Dieser Lärm. Das Chaos durch die ganzen Stimmen.
Mann:“Er kommt zu sich. Schnell etwas zum Stützen!“
Ich öffnete meine Augen langsam. Was war passiert? Wieder dieser verschwommene Blick. Ich hasste es. Drei runde Kopf sahen auf mich herab. Sie sahen besorgt aus. Mir war kalt und ich lag im Schlafanzug in einer riesigen Pfütze aus Wasser und Blut.
Ich:“Was war das?“
Mann:“Du wurdest von Einbrechern überwältigt. Nach den Scherben hier zu urteilen hast du dich ganz schön gewährt.“
Ich war verwirrt:“Was? Einbrecher?“
Man half mir auf. Ich saß immer noch in der Suppe, jedoch wickelte man mich in eine schöne warme Decke. Total vernebelt sah ich die Polizistin, wie sie mit anderen Beamten redete. Sie sah mich fragend an und redete dann weiter.
Endlich half man mir auf die Beine. Schon beim ersten Schritt trat ich in Glasscherben. Das Blut. Es war mir so vertraut. Schon blutete ich an den Füßen. Mit Schmerzen setzte man mich in einen Sessel.
Mann:“Du wirst sofort versorgt. Warte hier. Wir haben deine Eltern schon informiert.“
Ich:“...“ So fühlte sich also ein Schock an. Dieses Chaos, diese Verwirrung. Männer in weißen Anzügen, dunklen Anzügen. Das Zimmer war ein Katastrophe.
Ich über blickte das gesamte Zimmer und den Balkon. Draußen lag dieser Polizist. Sanitäter fummelt an ihm herum. Gaben Spritzen, verbanden ihn, stillten Wunden. Und der Polizist ließ über sich ergehen. Keine Reaktion. Keine Bewegung.
Und wieder das Blut. Es lief über den Balkon. Es durchlief das Holz. Es floss durch jede Ader.
Die Polizistin sie schien in Ordnung zu sein. Mir fiel ein Stein vom Herzen und doch, es war eine schaurige Atmosphäre.
Die Leute wuselten auf dem Boden rum. Stellten Schilder mit Zahlen auf, sammelten Trümmer auf und nahmen Proben der Flüssigkeit.
Auch mir wurde unterdessen geholfen. Man zog mir die Splitter aus dem Fleisch, reinigte die Wunden und verband sie.
Ich bemerkte das Auftauchen von schaurigen Personen in langen Mänteln. Das waren bestimmte wieder diese Agenten, die immer nur bei außergewöhnlichen Fällen auftauchen und dann alle Zeugen, sowie Beweise verschwinden lassen. Und ich hatte Recht. Sie sprachen die Polizistin an. Sie folgte nach kurzer Zustimmung den beiden unauffällig aus dem Zimmer.
Ich lehnte mich in den Sessel und versuchte die Augen zu schließen. Dann, ein Mann gab mir meine Hausschuhe. Schnell wollte ich aus dem Sessel aufspringen, doch nur langsam und gestützt von einem Helfer bewegte ich mich in Richtung des Balkons. Den Arbeiten am Polizisten schenke ich keine Aufmerksamkeit mehr. Zu schwach wollte ich nur noch das Geländer erreichen. Ich wollte es einfach nur zu Ende bringen. Abschließen. Ich wollte nur Ruhe. „In Ewigkeit. Amen“, flüsterte ich.
Stimme:“Ein Drache gelobt die ewige Tapferkeit.“
Diese Stimme. Mir blieb das Herz fast stehen. Meine Pupillen weiteten sich. Ich zitterte. Und dieses Ruhe. Alles war ruhig. Keine Stimmen, keine Gesänge. Mein Helfer schaute wild umher.
Agent:“Hey! Hey! Komm mal her Junge!“
Ich bemerkte die Aufforderung.
Stimme:“Ein Drache gelobt die ewige Tapferkeit!“
Auch der Agent schaute nun in alle Richtungen. Reflexartig wanderte eine Hand an seinen Gürtel, wo sich ein Pistole befand. Der Agent rief ein paar unverständliche Kommandos ins Wohnzimmer. Schnell Machten sie die Anderen auf sich in Position zu bringen zu zogen ihre Waffen.
Agent:“Was ist das?“
Ich antwortete wie in Extase:“Das ist das Ende.“ Ich bekam Panik und wollte einfach wieder ins Zimmer. Weg aus der Gefahrenzone. Weg von der Stimme. Humpelnder Weise zog ich mich mit dem Helfer zur Tür hin.
Ein schneller Schatten. Eine weiße Wand. Sie stellte sich vor mich. Direkt zwischen den Agenten und mir. Ich lehnte mich an ihr. Ballte eine Faust und schlug sie wie an eine Tür:“Nein, nein, nein! Ich will nicht mehr. Lass mich! Bring es mit mir zu Ende oder ich werde es machen.“
Unerwartet umarmte mich das Tier. Es schloss mich in seine Arme und gab mir das Gefühl der Geborgenheit, wie es mir nur meine Familie geben könnte. Es strahlte eine wunderbare Wärme ab. Sämtliche Verzweiflung versiegte. Was war nur los? Ich wusste selbst nicht mehr was ich wollte. Ich war ein freier Gefangener des Drachen.

--Und schon mal die Überschrift vom vierten Teil. Muss ja spannend bleiben. Text wird dann editiert--
 
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Milan

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Verdammt gute Geschichte bisher. Bin weiterhin gespannt, wie es weiter geht.
Aber, ein ganz bischen Kritik:
Mehr Fehler, als zuvor. Nichts schlimes, aber es fällt halt auf ;)

Und ein Ratschlag hinterher: auch wenn die Resonanz hoch ist, lass Dir Zeit.
Lieber ein Paar Tage länger auf eine Fortsetzung warten, als 2 schlechte an einem Tag ;)

Was ich so toll an der Geschicht finde, es ist noch nicht ganz klar, worum es geht. Dennoch ist es gut geschrieben bisher.
Und zum Schluss: Ist die Geschichte als Kurzgeschichte gedacht?
 

Drako

Guest
Danke Milan:)
Ja, das mit den Fehlern ist mir auch aufgefallen. Mache eigentlich keine Korrekturlesung, aber das ändert sich jetzt!

Mit der Fortsetzung ist das so ein Problem. Da ich ab Samstag 3 Wochen weg bin, wird man wohl lange warten dürfen, aber ich versuche trotzdem mal ab und zu was reinzustellen. Zeit genung zum Schreiben werde ich dann haben:p

Um was es in der Geschichte in Wirklichkeit geht...puh, deshalb schreibe ich ja gerade die Geschichte, da ich es in ein paar wenigen Worten garnicht ausdrücken kann. Es werden sich erst wärend der Handlung 2 Dinge herauskristallisieren: 1. Selbstreflektion der Figur und 2. ein Streben nach einer Sache, die Mensch und Tier (hoffentlich) in keinster Weise unterscheidet.

Gedacht war es als Drama, es ist aber schwer diesen Stil zu verfassen. Deswegen habe ich mir auch erstmal gedacht, lass es bei einer Kurzgeschichte für den Anfang;-)
 

Drako

Guest
4. Sturmgesänge
Fester und fester drückte er mich an seine Brust. Ich bekam nichts mehr von meiner Umgebung mit. Ich sah nur noch weiß. Lustlos ließ ich mich nur noch von ihm tragen. Ein paar laute Geräusche vernahm ich noch und immer leiser werdendes Geschrei. Was sollte das? Meine Beine baumelten frei umher. Mein Kopf drehte sich zur Seite. Ich war in der Luft. Ich flog. Nein, ich wurde geflogen. Ich sah die Landschaft unter mir.
Schnell ging es abwärts.
.....Bald landete er und ließ mich los. Die Obhut verließ mich, der Drang zu Flucht begann. Ich schaute mich um, Wald und Felsen. Ein Ort, an dem ich nie zu vor war.
S:“Folge mir!“

Schon bald begann die Reise,
Wälder und Wiesen,
Auen und Bäche,
Eine ganz unglaubliche Weise,

Die höchste Kultur,
Wollte verstehen,
Geliebt, gehasst, alles verstummte,
Der Drang, der Sturm, das Unaufhörliche. Eine Uhr?

Das Gebüsch wurde dichter, die Ranken klammerten sich um mich. Getrieben, nicht unterzugehen schwamm ich ich durch das grüne Meer. Dornen schnitten mir die Haut auf, alles nur damit ich nicht das Ende der Echse verliere. Der Boden, weich, dann hart, nass, dann trocken und überall Laub. Schnell ging es um eine Ecke. Nicht den Anschluss verlieren. Ein Ast. Geduckt? Nein springen ist besser. Ich landete im Dreck. Ein Rascheln. Leiser und leiser. Ich war verloren! Keine Zeit für Eindrücke.
Eine leichte Brise. Blätter in den Wipfeln der Bäume rauschten wild. Ein Griff von hinten. Die Pranke zog mich hoch. Aus dem Dreck. Schneller und schneller ging es vorwärts. Blätter peitschten mir ins Gesicht. Licht! Eine Lichtung war erreicht.
Ein Bär. Er saß dort. Braun und eher klein, fast menschlich. Ein Schwert zu seiner Linken. Wie ein Wächter saß er vor dem Fels. Er verdeckte ein Loch. Seine Augen waren geschlossen. Er schien zu schlafen. Es war ein Ruhen.
Und der Drache stand dort wie angewurzelt. Er stand am Ende des Blätterlabyrinths, doch zugleich am Anfang. Er schaute mich an. Nickte zum Bären.
Sachte, ohne schnelle Bewegungen ging ich auf das fellige Büschel zu. Schritt für Schritt. Das Laub raschellte. Manchmal barst ein kleiner Ast, der sich im Laub verstecke. Ich blieb stehen. Nur das Rauschen des Windes in den Blättern war zu hören. Hier und da knarrte ein Baum.
Dort ein Eichhörnchen huschte am Baum hoch. Bezaubernd dieser Anblick. Die Nuss im Maul. Wusste es, wohin sein Leben es noch treiben würde?
Ich ging weiter auf den braunen Bären zu. Noch circa 10 Schritte. Er öffnete seine Augen. Sofort blieb ich stehen.
Warum mache ich so einen Mist überhaupt mit? Hat mir jemand was gesagt? Der Drache. Genau. Einen Schritt ging ich zurück. Der Bär schloss seine Augen.
Ich:“Gut!“ Nun drehte ich mich um. Schaute den Drachen an und ging auf ihn zu. Nur noch ein Meter trennte mich von ihm. Ich wollte meinen Mund öffnen und ihn fragen...aber er begann vor mir:“Mein Name? Mein Name ist Schimmer.“
Ich:“Schön mein Name ist...“
Schimmer:“Drako.“
Ich:“Nein, mein Name ist...“
Schimmer mit Nachdruck:“Drako!“
Ich:“Es tut mir Leid, aber da muss eine Verwechslung vorliegen.“
Schimmer:“Ich denke nicht. Dein Name ist Drako.“
Ich:“Sorry, sorry! Aber ich nix Drache. Du meinst wohl den einen da aus dem Film.“
S:“Nein, du bist Drako.“
Ich merkte, dass mich diese Unterhaltung nicht weiter bringen würde.
Weiter wollte ich wissen:“Warum ich?“
S:“Du bist der tausendjährige Drache.“
Ich:“Ja sicher. Was soll das denn jetzt? Plötzlich ein Nazi?“
S:“Wieder nein. Tausend Jahre. Alle tausend Jahre wird er geboren.“
Ich:“Ja und? Es scheint ja auch andere Drachen zu geben. Außerdem, sehe ich so aus wie ein Drache? Was soll das überhaupt?“
S:“Ja, es gibt auch andere Drachen. Es gibt ebenfalls auch andere Wesen, die Menschen als Fabelwesen bezeichnen. Das du nicht wie ein Drache aussiehst...“, er musste lächeln,“..du wirst es noch früh genug sehen.“
Ich:“Und...wofür ist dieser 1000 Jahre Drache gut.“
Sein Lächeln verging. Wieder dieses ernste Gesicht. Ich schaute zum Boden. Mir fiel nichts mehr ein.
S:“Komm! Ich werde dir nun alles zeigen.“
Der Bär stand auf. Er verbeugte sich. Wie ein Volk kniete er nieder vor seinem König.
Ich:“Du musst aber beliebt sein.“
S:“Es ist dir gewidmet.“
Ich verstand nicht ganz. Wegen mir? Erst werde ich entführt und dann vergöttert? So ein sinnloser Kack. Ich schaute den Bären an. Dabei gingen wir auf das Loch zu.
Am Loch angekommen ging Schimmer nun auf allen Vieren. Kurze Zeit merkte ich auch warum... Ich duckte mich nun auch. Das Loch wurde langsam immer dunkler. Vor mir schimmerten ein paar letzte Schuppen, hinter mir ein dunkler Bär. Man hörte eine gelöste Stimmung in der Dunkelheit. Jeder Luftzug ertönte in einem grausigem Heulen. Das Rauschen der Bäume wurde dunkler. Jedes Geräusch von Draußen ertönte in der Höhle in einem dumpfen Dröhnen. Doch ich fühlte mich immer sicherer, je weiter ich in die Höhle hinein ging.
Plötzlich ein Verzweigung. Mittlerweile hielt ich mich am Tailende von Schimmer fest. Nur noch leicht sah ich die Konturen des neuen Pfads, bis ich nur noch schwarz sah. Schimmer ging extra langsam, da er wahrscheinlich wusste, dass ich nichts mehr sah. Doch warum konnte er noch was sehen. Ich stolperte bei fast jedem Schritt. Hätte ich nicht seinen Tail gehabt, der mich regelmäßig stützte, wäre ich nur noch auf den felsigen Boden gefallen.
Die Töne änderten sich mit jedem Vorstoßen. Mal heller mal dunkler, lauter, leiser. Es kam mir vor als wolle die Höhle mit mir sprechen. Keiner der Beiden sprach während der Reise ein Wort. Nur laufen war die Devise. Schritt für Schritt.
 

Drako

Guest
5. Der eine Weg
Immer stiller wurde es. Mehr und mehr blieb die Luft stehen. Es wurde wärmer, stickiger. Eine Gegend, in der man kein Leben finden könnte. Allein die Dunkelheit. Sie würde alles in ihrem Nichts ersticken.
Ein Geräusch. Schon wieder. Es ist ein Tropfen. Tropfen die in eine Pfütze fielen. Mit jedem Schritt wurde es lauter. Die Luft. Sie wurde klarer. Das Atmen fiel leichter. Und, ein Flimmern. Licht. Konturen des Ganges waren wieder erkennbar. Endlich, die Erlösung. Raus aus den engen Gang. Das Tropfen. Man konnte hören, wie jeder einzelne von ihnen immer auf die selbe Stelle in der Pfütze fiel. Es wurde heller. Immer heller. Ich ließ den Zipfel, an den ich mich klammerte los. Ich konnte alleine gehen. Es war mir erlaubt, mich wieder voll und ganz alleine zu bewegen.
Unser Schritt wurde schneller. Dort ich konnte eine Abbiegung erkennen. Eine Ecke. Das Tor, welches aus dem Loch herausführte.
Ich bog um die Ecke. Direkt hinter Schimmer. Hastige Blicke wollte ich erhaschen. Doch, ich würde durch die Pracht des Drachen geblendet. Zu stark hatte ich mich an die Dunkelheit gewöhnt.
Ich hielt mir die Hand vor meine Augen. Langsam passten sich meine Augen an.
Erst schaute ich nach oben. Dort, wo die Sonnenstrahlen wie ein seidenes Gewand auf uns herab stiegen. Das saftige Moos erleuchtete den engen Raum mit einem herrlichen Grün und erfüllte die Luft mit einem waldigen Geruch. Vollgesogen mit köstlichstem, kühlen Wasser, ließ es immer im Takt einen Tropfen fallen. Der Tropfen nährte eine kleine Pfütze. Ich wollte mich erfrischen. Doch Schimmer hielt mich zurück. Wieder schaute ich nach oben. Entsetzt merkte ich, dass das Loch nur Faust dick war.
S:“Wir müssen da durch tauchen.“
Erschrocken ging ich einen Schritt zurück und fand mich im wuscheligem Fell des Bären wider. Schon taumelte ich nach vorne. Das Tier war mir nicht geheuer.
Ich:“Ich kann nicht tauchen.“
S:“Du hältst nur die Luft an. Verstanden?“
Ich nickte vorsichtig. Kaum hielt ich die Luft an, packe er mich und zog mich in das eiskalte Nass. Meine Augen kniff ich zu. Todesängste zu ertrinken durchliefen meinen Körper.
Kurze Zeit später. Mein Kopf war über Wasser. Ich pustete die verbrauchte Luft aus meiner Lunge. Verkrampft hielt ich mich irgendwo fest. Es bewegte sich. Es war Schimmer. Er zog mich aus dem Wasser. Meine Augen öffneten sich und das abfließende Wasser gab mir den Blick frei.
 

Milan

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Mehr. :)
Was mir irgendwie missfällt, war der lange Dialog zwischen Schimmer und Drako.
Nicht die Länge, sondern die Art, wie Du die Dialoge geschrieben hast. ;)
 

Drako

Guest
Jawoll ChefxD
Ich weiß, was du meinst. Problem war beim 4ten Teil, dass ich den Text auf die Überschrift zugeschrieben habe. Bei den anderen Teilen wurde die Überschrift erst nach Vollendung des Textes verfasst.
Keine Sorge. Durch einen weiteren Plotpunkt wird sich auch der Dialog noch verändern;-)
 

Drako

Guest
Es ist schwer im Urlaub ein paar klare Gedanken zu fassen. Immer diese Endspannung:D Und erst recht einen halbwegs langsamen InternetzugangxD
Aber ich habe weder kosten noch Mühen gescheut.....ach hier ist der nächste Teil:

6. Variablen Wechsel
Eine große Höhle. Erleuchtet durch ein paar Fackeln. Um den Wasser gefüllten Eingang waren Meter hohe Klippen. Für mich unmöglich dort hinauf zu gelangen. Ich sah wie der Bär nass und tropfend am Tail von Schimmer hing. Schimmer kümmerte es wohl wenig, denn er ging sicher den senkrechten Pfad nach oben.
Angekommen kroch ich von Schimmer runter. Ich war furchtbar erschöpft. Keine Ahnung wie spät es überhaupt war. Keine Ahnung was dort draußen vor sich ging. Wie es wohl zu Hause aussieht? Ich war nass. Immer noch lief ich im Schlafanzug durch die Gegend. Mir war kalt. Und die anderen Beiden, mit ihrem Fell und Schuppen? Ich hatte Hunger. Ich folgte den Beiden. Sie entfernten sich immer weiter von mir. Doch es war mir egal. Mir war nach dieser Aktion so ziemlich alles egal. Ich blieb einfach stehen, wie ein kleines Kind. Wieder hätte ich weinen können. Ich wollte nicht mehr. So weit und doch nicht am Ziel – ein Standardspruch – den ich nicht wahrhaben wollte.
Schimmer rief mich von weit hinten aus de Höhle:“Komm Drako, es ist Zeit, dein Warten hat ein Ende gefunden.“
Solch tröstende Worte. Sie waren nicht entmutigend. Gepackt, der Stimme zu folgen, begann ich schneller zu gehen. Ich lief. Ich rannte. Ich wollte dem Wunder in die Augen sehen.
Die Steigung war schwer zu bewältigen und schon bald ging mir die Luft aus.
Es war kein Leben hier unten. Nur die Abgeschieden und Ausgestoßenen könnten hier hausen wollen. Nur Sie hätten hier Leben müssen. Solch schlechte Luft. Keine Natur. Keine Impression. Nichts! Tod und ungeliebt, der diesen Flecken Abgrund geschaffen hat. Und ich ging weiter. Ein Durchgang. Ein Tor, das in einen weiteren Saal der Tiefe führte. Ich stütze mich an der Wand, um zu Kräften zu kommen. Und was ich sah war ganz und gar unbeschreiblich. Ein Leben, das die öden Spalten der Räume verdrängte. Es durchflutete die Höhle mit einem Willen, einem Bestreben leben zu wollen, überleben zu müssen. Dessen Aufgabe es war, der Welt eine Botschaft zu überreichen.
Man sah mich an.
Ich zählte laut und murmelnd:“zw..., sec.., achte, zwölfe.“ Zwölf Augen schauten mich an. Aus der Dunkelheit, aus der Nähe. Vier waren mir vertraut. Der Rest? Undefinierbar. Ein brauner Drache zu meiner unmittelbaren Rechten. Ein längliche Schnauze. Er wirkte nicht europäisch. Mal etwas dunkler. Dunkel! Mit dunkelroten Augen schaute er mich an.
Ich machte eine nette, Handbewegung. Leicht schwenkte ich meine Hand in Kopfhöhe, fast königlich, den Gestalten entgegen.
Sogleich, auf einen tierischen Laut von Schimmer, zog ein hell bläulicher Drache eine goldene Decke über eine Grube hinweg. Der eiskalte Geselle verschwand in der Dunkelheit und man sah nur noch leuchtend blaue Augen.
Die Grube. Sie war groß. Gemacht, um dort einen Drachen einzubetten. Zu groß für einen Menschen. Gefüllt mit einer hellgrüner Flüssigkeit.
Schimmer sprach mit zuversichtlichem Grinsen:“Tritt näher. Schau es dir ruhig genauer an.“
Aufgeregt und neugierig wollte ich wissen, was sich in der Flüssigkeit befand. Aber meine Ungewissheit und Skepsis drängten mich zurück.
Wieder blickte ich um mich. Dort oben, auf dem Vorsprung. Dieses Augenpaar wollte nicht zu den Anderen passen.
Von dem Vorsprung aus drängte ein alte und weise Stimme nach vorne:“Je näher Er dem Ursprung kehrt, umso näher Er seinen Fragen eine Antwort findet.“
Ich mit Sarkasmus:“Wer ist Er? Wer stört diese heil´ge Ruh´.“
Wieder durchdrang die rüstige Stimme den Saal:“Trete Er der Quelle näher. Den Geist hat Er schon immer gehabt, doch erst hier bekommt er volle Reife.“
Übereinstimmend nickten und brummten die Drachen der Stimme zu. Mir war nichts klar. Warum sprach er in solchen Rätseln? Darum wiederholte ich meinen Appell:“Möge Er mir gezeigt werden!“
Sofort erwiderte das Tier:“Er will Ihn sehen? Er schaut schon durch seine Augen! Doch sind es nur die Falschen. Hat man Ihm nichts gelehrt? Sei glücklich, das es im Herzen ruht und nur durchs Herzen sich zeigt. Sei gegrüßt mächtige Seele, die den Körper verfehlte.“
Ich bekam Angst und begann mich umzudrehen. Wo war ich gelandet? Der Raum war passend gewählt für die düsteren Gestalten. Die Gedanken, die hier jeder produzierte gehörten in ein solches Loch. Weggeschlossen, wie in einer Psychiatrie!
Ich wollte weglaufen. Schimmer versperrte mir den Weg. Er redete mit beruhigter Stimme:“Du brauchst dich nicht zu fürchten! Der alte Wolf. Er spricht immer so zu Neuen, aber du bist etwas ganz Besonderes. Jedem ist es eine große Freude dich zu sehen. Du musst verstehen, wir Drachen haben auf dich gewartet.“
Dementsprechend wurde meine Angst größer. Ich versuchte sie zu verstecken, nickte freundlich.
Schimmer enthusiastisch:“Die Zeit ist reif.“
Wolf lauter:“Du, Der uns das Zeitalter der freien Welt öffnest. Mache dich bereit in die Macht einzutauchen, die Kraft zu verspüren, den Körper zu lieben und den Kampf zu gewinnen! Mache dich frei von all dem Menschlichem, dem was dich mit all dem Humanen verbindet.“
Schimmer etwas präziser:“Du...“, er kratze sich mit einer Kralle am Kopf,“ du sollst dich ausziehen.“
So still. So etwas habe ich in meinem ganzen Leben nicht verspürt.
Genug! Ich duckte mich und startete einen Sprint aus der Beuge. Dabei streifte ich an der Unterseite von Schimmer entlang, fast den gesamten Tail. Einfach nur raus hier. “Irrenhaus adjeu“, rief ich. Und? Gestoppt! Vom Tail des glänzenden Drachen Schimmer gestoppt. Er hielt mich an der Taille. Alle schauten mich mit erstaunten Gesichtern an. Hatte ich etwas falschen gesagt? Mir kam es fast so vor. Wieso hielt er mich fest?
Der Wolf sprach mit einer zerklüfteten Stimme:“Will Er sich denn seines eigenen Anspruchs nicht fügen? Deine Träume? Unsere Hoffnung!“
Schimmer hob mich an.
Der Wolf weiter:“Es ist euer Wunsch!“
Schimmer ging mit mir zu der Senke, in der die Flüssigkeit stand.
Der braune Drache. Er ging auf mich zu. Er bemühte seine Pranke. Verkrampft sah sie aus. Er hob sie. Ich machte mich bereit. Bereit zu sterben. Ich schaute ihm in die Augen. Mein blick wanderte hoch, hoch bis zur Pranke. Und er ließ sie mit geballter Kraft auf mich nieder.
Ich atmete schnell. Nun war es geschehen. Ich war gelöst von all dem Menschlich. Mit Nachdruck. Schamesröte schoss in mein Gesicht. Ich versteckte mich so gut es ging.
Gebannt schauten mich die Augenpaare wieder an. Wie ein Sklave schritt Schimmer immer weiter. Er stoppe vor dem Saft. Blasen stiegen bei genauerem Betrachten auf. Wie Öl. Wie Schleim, denn die eingeschlossene Luft hatte Mühe in die Freiheit zu dringen. Schimmer richtete seinen Tail samt meiner Wenigkeit über das Gemisch. Erneut sprach der Wolf mit seiner groben Stimme:“Lasse Er nun sich selbst werden. Möge er den richtigen Pfad finden. Denn wir alle bitten dich: Vater unser im Himmel.....“ Beim einstimmen der schönen Noten ließ mich Schimmer fallen. Geradewegs stürmte ich der grünen Suppe entgegen. Losgelöst von allen Kräften. Nur die eine zog uns alle in ihren Bann. Es hätte doch auch Wasser sein können. Ein Stück Stoff wäre nett gewesen.
Unsanft schlug ich auf. Wie Honig war es unter mir. Ich wollte mich aufrichten. Doch es ging nicht. Ich schaute Schimmer in die Augen. Eine gequälte Seele schaute mich an. Es schien, als könnte ich in die Tiefen seiner Seele schauen.
Auf ein Neues wollte ich mich aufrichten. Doch es ging nicht. Mich schienen alle Kräfte verlassen zu haben. Kein Wunder, nach den Strapazen. Millimeterweise sank ich nur ein. Etwas bemerkte ich. Die Blasen vergingen. Hier und dort kribbelte etwas. Ich ließ es über mich ergehen. Meine Arme. Sie klebten durch die Wucht des Aufpralls neben mir. Ein schöner Anblickt, für die Anderen. Und wieder verging ein Millimeter. Plötzlich. Meine Haare! Ich verlor die Haare, die in der Masse versunken waren. Was passierte nur mit mir? Schneller sackte ich ab. Ich bekam Panik. Luft, ich brauchte Luft zum Atmen. Ich konnte mich nicht befreien. Und die Viecher standen nur herum und begafften mich. Ich wollte schreien. Doch es ging nicht. Ich wollte zappeln. Doch es ging nicht. Selbst Weinen konnte ich nicht mehr. Alles begann sich zu entspannen. Mir blieben nur noch meine Gedanken. Ein Gefühl, ein Sinn, ein Traum. Langsam schrumpelte meine Haut zusammen. Als wäre ich zu lange schwimmen gewesen. Schwimmen! Ich hätte mein Gehirn zerreißen können. Angst! Angst! Ich sackte in eine Flüssigkeit, in der ich ertrinken würde! Haare lösten sich. Meine Haut! Ein Fingernagel stieg in die Freiheit auf. Weiter folgten. Weiter sank ich herab. Meine Augen wurden langsam mit dem zähen Saft übergossen. Nur noch meine Nase konnte nach Luft ringen. Auch sie versank schließlich in dem Gebräu. Ich hielt die Luft an und hoffte auf ein Wunder. Darauf, dass mich eines der Tiere retten würde. Doch ich wartete vergeblich. Vergeblich, jede Sekunde, jedes Zehntel der Sekunde kam mir vor als wäre es eine Stunde. Mehr und mehr verspürte ich den Drang nach Luft zu schnappen. Das Gift staute sich in meinen Lungenflügeln an.
Angst zu ersticken? Die hatte ich nicht mehr. Ich war bereits dem Tod nahe. Mein Leben lief an mir vorüber. Schöne Erinnerungen, die schönen Tage an den man lachen konnte. Als Kind unbeschwert durch die Gegend laufen und ohne Sorgen in die Zukunft blicken. Meine Familie. Mein letzter Wunsch. Sie noch einmal zu umarmen. Sie alle noch einmal zu drücken. Zu lieben. Ihnen für alles zu danken, was sie mit mir erleben durften. Das sie mir das Leben geschenkt haben. Das ich das Leben erleben durfte!
Der Reiz siegte. Luft, endlich atmete ich aus. Raus mit dem Gift. Rein mit dem neuen Gut. Rein mit dem zähen Saft. Rein mit dem Tod. Krampfhaft. Krampfhaft sog ich den Tod in mir auf. Die letzten Sekunden meines Lebens. Man hat ja noch ein, zwei Sekunden bis man schließlich einschläft.
Meine Lunge war gefüllt.[...]. In jede Pore strömte der Saft. Durch jede Ader schob sich die zähe Masse. Ein Bersten. Knochen brachen in meinem Körper. Mehrfach. Dann gelöst. Erlöst. Ich wurde bewusstlos.

Aus der Sicht von Schimmer:
Es war ein grausames Bild, wie er sich dort abquälte und man fühlte wie sein Leben dort zu ende ging. Aber niemand machte etwas dagegen, denn jeder wusste wie es ausgehen würde. Dann begann das Schauspiel. Seine Haut wurde grün, immer grüner. Schuppen bildeten sich und die brechenden Knochen formten einen komplett anderes Bild. Sein Hals wurde länger und Krallen fuhren aus seinen Pranken. Aufgepumpt war sein Körper, die Muskeln füllten seine grüne Schuppenhaut aus. Längliche Hörner kamen aus seinem Kopf und seine Schnauze wurde länglich. Die Flügel waren unspektakulär, ich fand meine viel besser. Die glänzten wenigstens. Die Verwandlung war beendet und alle hatten sich wahrscheinlich etwas mehr Action vorgestellt. Doch dort lag er.

Dort lag ich nun. Ich kam wieder zu mir. Wie so oft an diesem Tag. Oder Woche. Kein Zeitgefühl. Alles schmerzte. Ich wollte nicht aufstehen. Einen Arzt hätte ich gebraucht. Wurde ich doch gerettet? Meine Augenlieder öffneten sich. Wie am letzten Morgen im meinem Bett. Doch ich hatte Kontrolle über alles. Ein ungewohnter Blick. Kein Zimmer in das ich blickte. Eine längliche Schnauze. Grün. Erschrocken setzte ich mich hin. Ich sah an mir herunter.
 
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Milan

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Super. Perfekt vor dem schlafen gehen :)
Toll, das Du die Dialoge geändert hast.

Einen erholsamen Urlaub wünsche ich Dir noch.
 

S. Cambion

Frischling
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Alles in Allem kann ich sagen, dass du da bis jetzt eine gute Geschichte geschrieben hast, Drako. Alleine deshalb schon, weil ich bei den meisten Geschichten, die aus der Ich-Perspektive beschrieben sind, nach den ersten 2 Kapiteln aufhören möchte zu lesen, weil ich die Perspektive ansich überhaupt nicht mag. Vielleicht liegt es daran, dass sich eben diese Geschichten, die ich bisher las, für meinen Geschmack nicht gut genug umschrieben waren, aber meine persönlichen Vorlieben will mich jetzt nicht in meinen persönlichen Vorlieben verlieren.

Ich kann dir nicht sagen, was mich nun genau an deiner Story fesselt, aber ich muss sagen, dass es mir Leid täte, wenn ich sie in anbetracht der vielen anderen Sachen, die ich mir noch durchlesen will, aus den Augen verlieren sollte.

Ich bin auf eine Fortsetzung gespannt...



Grüße: Skylar C.
 

Drako

Guest
Bevor ich nun wieder ein paar Tage internetfrei bleibe, werde ich euch noch zwei Teile da lassen.

7. Höhlen Leben
Ein brauner Streifen ging über meinen Bauch. Bis nach hinten. Ein langer Tail zucke unkontrolliert durch das Becken. Meine Beine. Sie sahen völlig anders aus. Tierisch. Mehrfach geknickt. Lange Krallen berührten den Boden. Überall Schuppen. Auf meinem Bauch große, braune. Die grünen waren klein und bedeckten den restlichen Körper. Ich schaute mir in die Hände. Ein falscher Ausdruck. Es waren riesige Pranken mit messerscharfen Krallen. Ich schnaufte einmal kräftig aus und bemerkte, dass die Luft, die heiß geliebte Luft an einer anderen Stelle austrat. Weiter vorne. Wie ein müder Mann wollte ich mir durch das Gesicht fahren, doch die lange Schnauze störte die Bewegung. Ich tastete sie ab. Hielt sie mir zu. Dann ins Maul. Spitze Zähne. Die Anatomie war ganz und gar entzückend.
War es wirklich wahr geworden. Mein Traum. Mein Wunsch. Meine Begierde sollte endlich gestillt worden sein. Unmöglich. So etwas ging nicht. Niemand hätte mich zufrieden stellen können. Nicht einmal der aller größte aller Wünsche, der Erfüllung wurde. Aber es war so. Befreiung? Etwas misste ich. Ein Geräusch. Ein einfaches gleich bleibendes Geräusch.
Und so durchfuhr die Stille den Raum erneut. Doch diesmal mit einem neuen Wesen. Schimmer reichte mir seine Pranke und half mir auf. Dankend nahm ich sein Angebot an. Hätte man mich nicht aufklären können? Das mein Herzenswunsch hier in Erfüllung gehen würde.
Alle schauten mich an. Fragend zeigte einer auf meinen Tail:“Ist das normal?“
Der grau, weiße Wolf verneinte und setzte sich neben mich. Er begann mir den Sinn meines Dasein mit seiner allwissenden Stimme zu schildern:“Jeder Drache hat eine Aufgabe in seinem Leben. In besseren Zeiten lebten Mensch und Tier gemeinsam zusammen. Auseinandersetzungen gab es immer wieder. Doch mehr und mehr nutzten die Menschen uns aus. Schließlich bildeten sich drei Parteien. Die Humane Rasse an sich, die unser Leben immer weiter verdrängte.
Zum Einen Wir. Die Tiere, die seit Generationen dem Menschen immer wieder geholfen haben Krisen zu überstehen.
Zum Anderen...“, er stoppte, “....die Menschen, die uns ausrotten wollen. Im Mittelalter waren es die Drachentöter. Heute ist es der Wilderer. Und nicht die Wilderer, die mal ein frei lebendes Tier zum Profit töten, sonder die, welche uns ausrotten wollen und die Gesellschaft blind machen, die Katastrophen auf der Welt zu erkennen.
Durch unser Wirken kann die Gesellschaft gerettet werden. Durch dich, Drako. Denn deine Aufgabe ist es der Menschheit wieder die Augen zu öffnen.“
Verblüfft schob ich ein:“Wie? Was soll ich denn machen. Als Drache kommt man nur schlecht in der Öffentlichkeit an.“
Der Wolf schüttelte den Kopf. Er schaute zu mir hoch:“Es ist ein blutiger Kampf, der seit Jahrhunderten geführt wird. Doch wir verlieren ihn. Du bist unsere letzte Hoffnung.“
Der Wolf fing an zu husten. Schimmer stütze ihn. Er sah besorgt aus. Alle waren besorgt. Besorgt um die Zukunft. Besorgt um den alten Wolf.
Wieder richtete der Wolf sich auf. Seine Stimme wurde immer brüchiger:“Drako, such mit den Anderen weitere Gefährten auf. Deine Aufgabe ist es alle zu vereinen. Zu führen. Zu siegen!“
Er brach zusammen. Flach atmete er. Schnell und flach. Der hellblaue Drache brachte kühles Wasser in einer Holzschüssel. Ein leichtes Augenzucken unter den geschlossen Lieder vernahm die versammelte Masse. Schnell nahm der Bär die goldene Decke. Er legte sie über den leblosen Körper des Wolfs. Zehn! Zehn Augen schauten mich entsetzt an.

8. Anfang/Ende
Wir verließen den felsigen Saal. Einer nach dem anderen. Still und leise. Gedrückte Atmosphäre. Das Fest war vorbei. Die Überreste, sie warteten darauf, dass sie dort vermodern würden. Wieder dort hingehen, wo sie hergekommen waren. Erde zu Erde.
Man mochte den Gedanken nicht aussprechen. Dass der arme Wolf die Friedenszeiten nicht mehr erleben würde.
Alle gingen zum Wasserloch, zum Eingang. Zum Ausgang der Todesstätte. Hinein ins Leben. Ich als Letzter. Wieder am Tail von Schimmer. Die Luft hielt ich an. Der Weg war kurz. Angekommen. Der Anfang des Endes. Das grün erhellte Loch leuchtete nun im seichten blau. Veränderungen. Die Veränderung hatte begonnen. Der braune Drache hatte das kleine Loch nun für einen bequemen Ausstieg vergrößert. Mit Leichtigkeit konnten wir dort heraus steigen. Und wir waren am Loch, in das ich als Mensch hinein stieg und nun als Drache betrachtete.
 

Drako

Guest
So, mein persönlicher Lieblingsteil!

Mitternachtsträume
“Geh“,sagte Schimmer mit ernster Stimme zu mir. Er zeigte in eine beliebige, zufällige Richtung. Ich schaute ihn an. Unterdessen verteilten sich die Anderen in alle Richtungen. Manche zusammen, sonst vereinzelt. Der Bär ging auf sein Loch zu. Er setzte sich wieder vor das Loch. Es schien ihm Schutz zu geben.
Zeit für Trauer schien keiner zu haben. Alle hatten anscheinend nur ein Ziel im Kopf. Nur das eine Ziel, das jeder verfolgte, das meine Bestimmung schien. Wie kleine unermüdsame Arbeiter gingen sie davon. Niemand wollte den Wald, in dem wir uns befanden betrachten. Niemand sah das Eichhörnchen, welches wieder mit einer Nuss im Maul zu einem Baum huschte. Niemand spürte die sanfte Sommernachtsbrise, die den lauen Wind durch den dunklen Wald trieb. Missachtet wurde das unheimliche Gefühl, das der Wald verbreitete. Knarzende Bäume. Raschelnde Blätter. Eine Eule horchte im Baum über uns. Man sah die vereinzelten Wolken schnell über uns hin wegziehen.
Ich sank auf alle Viere. Begann mich zu bewegen. Den neuen Körper kennenzulernen. Mein Tail beruhigte sich immer mehr.
Langsam verschwand ich im Mischwald. Alleine. In die Richtung, die mir befohlen wurde. Ich sah auf beim Spazieren. Die Sonne wehrte sich mit letzter Kraft gegen die Dunkelheit, bis sie den Kampf verlor. Wir verlieren den Kampf. “Sind denn alle Hoffnungen verloren?“, fragte ich den Himmel,“bin ich denn die letzte Hoffnung? Muss das so sein?“
Weiter ging meine leichte Reise voll schwerer, erdrückender Fragen. Voller Gedanken lief ich immer weiter, mal schneller, mal langsam. Machte einen Stopp an einem kleinen Bach. Erfrischte mich, trank. Plötzlich ein Rascheln. Erschrocken blickte ich nach links. Nichts. Hinter mir, nur die Weiten meines langen Marsches.
Ein Lecken, ein Schlabbern. Es kam von rechts. Entsetzt drehte sich mein Kopf zur rechten Seite. Ein Reh, es stand dort unbekümmert neben mir und trank ebenfalls. Bewohner des Waldes. Was führte ihn nur zu mir. Die Dämmerung schon lange vorüber. Die falsche Zeit für ihn. Jedoch schenkte ich ihm den Gefallen, sich eine Zeit lang in meiner Obhut zu bewegen. Schenkte er mir ja den Segen, mich durch seine Anwesenheit zu erfreuen. Fast ein Gefühl zu empfinden. Glücklich könnte man es nennen. Lag unbekümmert herum. An der seichten Aue.
Nicht lange und das liebe Tierchen verschwand im weiten Wald. Zurück in die Welt des Gefühls. Verstreute die Botschaft, auf die sie alle gewartet hätten.
Führte mich zurück in die Realität. Zurück zu meiner Aufgabe. Aufrichten. Weiterlaufen, Augen auf das Ziel richten. Weiter und weiter. Als Drache durch die Welt. Ein schöner Zustand.
Trotz der Dunkelheit, konnte ich normal sehen. Ein Aspekt, der die Fähigkeiten eines Drachen wohl aus mache. Manchmal breitete ich meine Schwingen aus. Versuchte sie zu koordinieren. Zu regulieren. Bewegte sie ein paar mal auf und ab. Verpackte sie wieder und ging weiter.
Ein Feldweg. Eine Böschung. Ein offenes Feld. Wieder Wald. Glühwürmchen um schwirrten mich. Neongrünes Licht strahlten sie mir entgegen. Leuchteten mit den Weg frei. Ein Augenblick, vergangen. Einen Hügel hinauf. Wieder Wald.
Doch, ein Licht. Künstlich. Die Bäume ließen einen kleinen Schimmer Licht durch das dichte Geäst drängen. Es mogelte sich vorbei. Es musste ausweichen. Ich lief ihm entgegen. Gehetzt von dem Trieb, es zu umschließen, zu fassen. Mehr Lichter drangen hervor. Das Ende des Waldes war nah.
Geschafft! Enttäuscht. Entmutigt. Entsetzt.
Ich kletterte schnell eine alte hohe Eiche hinauf. Setzte mich auf den ersten dicken Ast, der mein Gewicht tragen könnte. Mein Tail, sowie meine Beine taumelten in die Tiefe. Meiner Seele hinterher:
“Ist es mir nicht vergönnt? Ist es so? Bin dir gleich! Will dem Wissen alles abverlangen. Muss immer für alles eine Antwort haben. Jede Antwort ist korrekt, doch erfüllt sie mich nicht mit Zufriedenheit.
Optimieren!
Resignieren!
Pantheismus!
Alles zu jeder Zeit. Unendlichkeit der Gedanken. Sie betäubt mich Tag für Tag. Neue Gedanken um das Selbige, das Gleiche, und doch immer wieder etwas Neues, etwas wider. Um die Antwort zu Beantworten, um meine Aussagen zu verantworten. Ist die Frage denn überhaupt gestellt? Oder ist es nur das Gefühl.
Dort liegt die Antwort aller Fragen. Zum Greifen nah. Und für mich nicht erreichbar. Bin ich der einzige? Nein, bin ich der Einzigste. Bin ich das Superlativ, das nicht existieren kann, weil es nicht überleben darf. Wird in mir die Seele nicht gebraucht, die etwas fühlen kann. Welche man befreien kann, zeigen kann.
Kein Gefühl hat mich jemals umschlossen. Keine Liebe, Glück. Gibt es weitere? Ich kann es nur vom Erzählen sagen. Die zwei, die immer irgendwo gesagt werden. Bin dafür geschaffen nichts zu lieben, nichts zu empfinden. Nur um zu betrachten. Das Leben zu verstehen, ohne das Lebenswerte je verstanden zu haben.
Will dem Normalen ins Gesicht schauen. Doch normal ist nie meine Absicht. Besonders muss es sein. Einzigartig, individuell.
Doch, wir sind alle individuell.
Nur die wenigsten sind individuell. Lassen sie sich alle leiten, führen, lenken. Durch Gefühle.
Will sie einfach nur begehren, und doch sind sie mir so verhasst. Ist mir der Gedanke hingegen immer der beste Freund gewesen. Hat mich nicht verlassen. Konnte ihn gegen Niemanden aufhetzten. Konnte ihn nicht kontrollieren. Jedoch war es mir erlaubt, den Gedanken zu formen, wie es mir beliebte“, ermahnte ich das weite Feld, welches lauschend vor dem Ort der Entführung lag. Ich schaute auf den Balkon. Die zerbrochene Scheibe war bereits provisorisch ersetzt. Gerne hätte ich diese Tätigkeit übernommen, um meine Familie zu entlasten. Durch die Weiten der Verglasung, sah ich es.
Alle meine Lieben waren versammelt. Zu Tränen gerührt. Weinend. Zerbrochene Seelen, zerbrachen mir das Herz. Die Trauer, sie war für mich bestimmt. Einer hielt ein Bild von mir in der Hand. Mit salzigem Wasser benässt, wellte es sich bereits. Rote, gereizte Augen stachen mir entgegen. Zusammen gesackt saßen sie dort auf dem Sofa. Unbegreiflich.
Ich wollte nur noch bei ihnen sein. Mit ihnen Trauern. Mit ihnen Tränen vergießen. Ich konnte den Anblick nicht ertragen. Das ging mir bis ins tiefste Mark. Lieben würden sie mich. Aber so eine Liebe, die nach der Vergänglichkeit anhielt. Sei es jedem gesagt, dass er auch so geliebt wird.
Wollte mich jetzt ihnen zeigen. Was ich geworden war. Dass ich nun Lachen könnte. Über alles reden wollte.
Dass mir jedes Wort im Halse stecken blieb, bei dem Gedanken, welche Qualen ich ihnen zufügen müsste, wenn ich mich nun zeigen würde.
Ich schaute an meinem Körper herunter und führte den Monolog mit gedankenvoller Stimme weiter:“Perfektion in seiner Vollendung. Wer ist schon perfekt? Ist Perfektion nicht doch vergleichbar, mit dem Einzigsten. Dem Unwahrscheinlichen, nicht existierenden. Alles ist bei mir perfekt. Gefühle sind noch nicht gebraucht worden. Weitere Verwendung unnötig.
Teilt denn Niemand die Gedanken, die ich nicht teilen vermag. Die das innerste meiner Brust zerreißen, dafür sorgen, dass ich nicht die Gefühle beantworten kann.“
“Doch“, sprach Schimmer bedeutungslos unter mir.
“Willst du mich nun wieder um meine Welt bringen“, fragte ich Schimmer ganz verdrossen. Er antwortete nicht direkt. Erst als ich zu ihm hinunter guckte, nickte er. Dann sprach er weiter:“Es konnte ein anderer Drache ausfindig gemacht werden, ein weitere Gefährte, der unsere Kräfte stärken wird. Komm nun, Zeit zu trauern wirst du noch genug bekommen.“
Ich rutschte mit einem Satz vom Ast herunter. Unten dankte ich dem Baum für seine treuen Dienste, dabei klopfte ich ihm leicht gegen seine Rinde. Ein rascheln der Blätter zeigte wohl seine Antwort. Der Wind frischte erneut auf.
Schimmer ging nun die Richtung meines langen Weges zurück. Weg vom Urquell, weg vom künstlichen Licht, weg von meiner Familie. Hinein in das neue Leben.
 

Milan

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Begeistert. Ich bin einfach begeistert :)
Jetzt dürstet es mich aber dann doch nach mehr Hintergrundwissen. Weshalb Drako nun da ist, ist bekannt... aber... *Vakuum*

Bin gespannt, wie Du die Geschichte fortsetzt.
 

Drako

Guest
Habe lange gerungen, ob ich die so reinstelle aber naja*unentschlossen*
Damit sich das Vakuum bei Milan fülltxD

10. Gnadenreich
Aus der Ferne hörte man es donnern. Blitze zogen durch das Land.
Nach einiger Zeit waren wir am Feldweg angekommen. Ein Bär lehnte gegen einen Baum. Der Feldweg war rechts und links von hohen Böschungen umschlossen. Es gab kein Entrinnen aus dem Todespfad. Die Bäume auf beiden Seiten boten Schutz für uns. Und boten gute Möglichkeiten für einen Angriff. Der Wind wurde sehr stark und riss kleine Äste aus den Kronen der Bäume.
Schimmer lief geduckt:“Wir sind vier Drachen, ein Bär, zwei Wölfe und zwei Füchse, und sie sind alle wie du und ich. Alle wollen nur die Friedenszeiten.
Auch unser neuer Drache weiß nichts von seinem Glück. Tirao ist sein Name und du wirst sehen, es wird etwas schwieriger als bei dir.
Wir wissen, dass Wilderer ihn auch haben wollen, doch auch sie haben das gleiche Problem. Folge mir einfach wenn es los geht und töte so viele es geht, außer Tirao.“
“Und wie erkenne ich Tirao,“ fragte ich Schimmer. Er meinte mit einem Lächeln:“Er ist genauso alt wie du.“
Dann hörte man Motoren brummen. Alle Blicke richteten sich auf die Kuppe am Waldeingang des Feldweges. Wie ein Tunnel verflochten sich die Äste und Blätter.
Plötzlich, grelles Xenon Licht durchflutete die dunkle Gegend. Nachdem das erste Fahrzeug die Kuppe passierte, folgten zwei weitere. Mann blickte auf sie nieder. Drei schwarze Mercedes Limosienen fuhren schnell über den Feldweg, walzten alles nieder was im Weg war.
Der Nervenkitzel begann. Alle folgten im selben Tempo beidseitig den Fahrzeugen. Ich konnte nach kurzer Verfolgung Baumstämme auf dem Weg erkennen, der Fahrer anscheinend nicht. Das Tempo hielt an. Dann, harte Bremsmanöver, stotternde Reifen.
Ein Moment der Ruhe.
Schüsse donnerten auf das Metall und Glas der gepanzerten Fahrzeuge ein. Dröhnende Achtzylinder brüllten aus der selben tiefen Brust, wie wir es nun taten. Schüsse gingen durch das Laub. Zerfetzten Bäume, zerrissen den Wolf vor mir. Manche von den Feinden erreichten das erste Fahrzeug. Schimmer richtete sich vor ihnen auf und ließ drei der Burschen für immer ruhen. Der erste ließ sein Kopf fallen, der zweite tat es ihm schnell gleich. Als dritter konnte sich der Armlose nun erfreuen.
Ich richtete meine Hörner auf das Ziel vor mir, welches mir Metall entgegen warf. Der Baum hielt den Gegner feste. Warmes Blut ergoss sich samt Innereien über meine Flügel. Der zermalmte Körper hing auf meinem Kopf. Ich riss ihn von mir. Ein Morgenstern setzte mir hingegen Schmerzen zu. Der alte Mann neben mir hatte nur kurze Zeit den Lebensabend zu genießen. Meine Pranke hielt seine Luftzufuhr fest, bis das Genick nachgab. Unsere Seite war schnell gesichert!
Auf der anderen Seite tobte ein ganz anderer Kampf. Tote! Menschen und Tiere. Der Bär und ein Wolf standen Rücken an Rücken. Wo waren die Anderen? Die Drachen? Die Füchse?
Es ging weiter. Ein Fuchs überraschten die Angreifer zusammen mit einem Drachen aus der Dunkelheit. Schüsse flogen erneut. Der Bär ging blutend zu Boden. Ein glatter Durchschuss am Arm.
Dicke Tropfen fielen durch das dichte Blattwerk.
Ein an der Böschung Liegender konnte sich ein letztes mal aufrichten. Sein letztes Gefechte. Das Ziel, der rettende Fuchs. Die Türen des letzten Wagen öffneten sich schlagartig. Drei gezielte Schüsse der in noblen Anzügen gekleideten Männer richteten den Mann hin. Eine Mischung aus Blut und weicher Masse quill aus seinem Kopf. Der Boden war getränkt mit Blut. Der ansehnliche Saft ran auf die Mitte des Weges zu, um sich zu sammeln.
Die Tropfen schlugen mit voller Wucht auf die Karosserie der drei Fahrzeuge. Schimmer ging langsam auf den zweiten Wagen zu. Seine Wahl schien die hintere Tür zu sein. Er ging um den Kofferraum.
Die Leibwächter richteten ihre Dienstwaffen auf Schimmer. Doch vergebens.
Eine Balliste schoss einen riesigen Speer auf Schimmer. Aus der Richtung des Waldeingangs, durchbohrte das hölzerne Geschoss den gewonnen Freund. Gewollt blieb das Objekt im Heck des Mercedes stecken und kettete Schimmer förmlich an das Gefährt. Die Motoren röhrten erneut. Der Konvoi begann zu rollen. Das Holz wurde aus dem Drachenkörper herausgezogen. Ich begann mich in seine Richtung zu hetzen. Blut lief am Holz entlang.
Ein gequälter, entsetzter, schmerzhafter Ausdruck spiegelte sich in Schimmers Gesicht wieder. Er sank zu Boden. Hielt sich mit einer Pranke das Loch in der Brust. Stützte sich mit dem anderen Arm, bis er nachgab.
Am Elend angekommen, beugte ich mich zu ihm nieder, stützte ihn, begann zu realisieren. Der Anblick war grausam. Der Ausblick medizinisch gesehen entzückend. Eine Schneise der Verwüstung im Inneren. Ein halbes Herz drückte den wertvollen Lebenssaft in seine geöffnete Lunge.
Schimmer sprach seine letzten Worte mit der selben zitternden Stimme, wie es der gute graue Wolf tat:“Finde Tirao! Lasse dich nicht...!“
Der einsetzende Regen verflüssigte das gesamte Blut. Es spülte das Herz des Sterbenden rein. Sein Bewusstsein frei. Seine Sünden weg. Sein Leben davon.

Die Wagen schoben die Hindernisse bei Seite und verschwanden schneller als sie auftauchten.

Ich hockte im Dreck. Ich drückte ihn an mich:“Waren es nicht deine Worte? Tapferkeit! Willst du mir nichts zeigen? Waren es nicht deine Taten? Voller Lebensfreude bist du mir begegnet und verlässt mich nun so jämmerlich? Bist du nicht der anmutige Drache, der wie ein Hoffnungsschimmer die Welt ergötzt? Der meinem Innersten etwas Frieden brachte! Mir den Herzenswunsch erfülltest.“ Doch sein lustloser Körper wollte nicht mehr. Weiter sprach ich mit tobender Stimme:“Ist das nun die grausame Welt in die du mich gebracht hast? Sage es mir! Du allerliebster Geist. Komme zurück! Gib mir eine Antwort! Ich will es nur begreifen, nicht fühlen.“
Ein Blitz, schnell folgte ein lautes Donnern. Tauben flogen über uns hinweg. Eine weiße Feder sank durch den Regen schnell nach unten. Sie legte sich sanft auf die Schnauze von Schimmer. Ein Schicksal. Ein Missgeschick. Ein Trauerspiel, das immer mehr mein Herz zerriss.
Ich ließ den warmen Körper in den nassen Schlamm sinken. Wieder ran eine Träne über mein schuppiges Gesicht und sprach mit gesenkter Stimme:“Ist das der Moment, in dem das Wissen versagt? Wo man Gefühle entwickelt? Gibt das Gefühl mir nun die Antworten, wo mir das Wissen nicht mehr die Antworten liefert. Welche Schmerzen es nur in mir hervorruft. Diese Gefühle sind schmerzhafter als jede Unwissenheit. Keine Erklärung gibt mir eine Antwort doch jedes Empfinden füllt die breite Lücke.
Ich lasse mich nicht länger plagen!“
Der braune Drache zog Schimmer aus der Jauche, schulterte ihn. Er verschwand auf dem langen Feldweg. Hinaus aus dem Weg in die Hölle.
Der Bär zeigte mir den Weg mit seinem Schwert. Das Blut lief an der Klinge entlang. Es tropfte in den Dreck und bildete ein Kunstwerk. Jeder neue Tropfen verschlimmerte das Aussehen. Der Pelz riss mich aus dem Tagtraum. Beschrieb mir das Vorgehen, um den neuen Drachen zu gewinnen, wünschte mir viel Glück.
Meine Reise war nicht zu ende. Der Weg ging weiter. Wut und Rache drückte jede Vernunft aus mir. Gereizt rannte ich dem Weg nach, bis zum nächsten Ziel.

11. Operation: Vergeltungsschlag
Eine hohe Hecke zeigte sich nach einiger Zeit. Mit Schlamm bespritzt verschwand ich im Wald. Der moosige Boden säuberte meine Krallen ein wenig, verhalf mir zu leisem Voranschreiten. Ich machte mir einen Eindruck von den Ausmaßen der grünen Festung
An jeder strategisch wichtigen Ecke war eine Kamera angebracht. Nur ein schwarzes Holztor, welches Zugang gewähren würde. Wachleute liefen Patrouillie. Ein Baum stand im Garten. Nur wenige Blätter waren zu erkennen. Es war eine Eiche! Der Rest? Nicht einzusehen.
Der Baum war der einzige Anhaltspunkt. Im Wald kraxelte ich eine Baum hinauf, um auf Höhe der Eiche zu gelangen. Nur das Dach des Hauses war nun erkennbar. Ich machte mich bereit. Stieß mich von dem Baum ab, breitete meine Flügel aus und glitt lautlos durch die Luft. Der starke Wind hob mich auf und ab. Er hatte leichtes Spiel mit einem Amateur wie mir. Dennoch gelang ich unbemerkt in die Krone des massiven Baumes. Vorsichtig stieg ich ab. Auch hier bot mir der Kollege eine Rast. Und die Position war ausgezeichnet:
Im oberen Geschoss des Hauses saß der Junge, der Drache. Sein Zimmer schien seine Leidenschaft wieder zu spiegeln. Poster, Zeichnungen, Figuren und Undefinierbares schmückte das liebevoll gestaltete Zimmer. Drachen wohin das Auge sah.
Der Junge selbst hockte vor dem PC und vergeudete seine Zeit mit Musik. Fetzige Pop-Songs wechselten sich ab mit Rock und gingen in ein Meer anderer Lieder und Musikrichtungen unter.
Im anspruchsvoll gestaltetem Wohnzimmer saß der Vater auf einem weißen Ledersessel und informierte sich in dem neusten Tagesblatt. Die Mutter sprach ängstlich auf ihn ein. Er schien sie zu beruhigen, denn schon nach ein paar Worten ging sie in die Küche. Wie ein Puppenhaus konnte man vom Baum aus das ganze Geschehen betrachten, ohne dabei entdeckt zu werden. Alles war in bester Ordnung.
Dann, eine Uhr war in der Küche auszumachen. Jede Sekunde schlug der lange Zeiger nieder. Jede Minute rückte langsam weiter und ließ den kürzesten Zeiger gerade zu einfrieren. Das Bewegungsbild hätte mich betäuben können,
jedoch kam ein alter Lieferwagen von weitem auf dem Schlammweg aus dem Wald gekrochen. Er wurde langsamer. Mehr war nicht zu sehen.
Wieder ein Blitz, der Donner folgte sogleich. Aus dem tiefen Grummeln drangen schnelle gleich bleibende Töne hervor. Kugeln durchsiebten das Hölzerne Tor, durch das der Wagen nun brach. Der Wagen hielt direkt vor der Haustür. Sie öffnete sich und zwei der noblen Männer schossen mit ihren Waffen auf den Wagen. Der Kampf war nur kurz. Beide gingen mit Schrot im Körper nieder. Vier dunkle Gestalten sprangen aus dem Wagen, eine Schiebetür öffnete sich, zwei weiter folgten. Die geöffnete Tür stellte kein Hindernis dar. Das Blut schoss dem ersten Killer aus dem Kopf. Der Todesschütze rollte gleichzeitig leblos die Treppe abwärts, nachdem er getroffen wurde.
Die Musik im oberen Stockwerk umschloss den jungen Drachen und ließ keine schlimme Botschaft zu ihm durchdringen.
Die Mutter ging erschrocken aus der Küche. Ihr Kopf schaute um die Ecke. Die Streumunition entstellte ihr schönes Gesicht. Mit der Schulter rutschte sie an der Wand dem Boden entgegen. Den geschälten Apfel ließ sie einfach fallen. Das Blut hing samt Fleisch an der Tapete. Der Vater stand durch das laute Geräusch sofort aus dem weißen Sesseln auf. Wieder ein Schuss. Tiraos Vater wurde in den rot gesprenkelten Sesseln zurück geworfen. Er kippte hinten über und blieb auf dem hölzernen Schiffsfischgräten Parkett liegen. Auf dem Weg zur Treppe erwischten die vier Leibwächter weitere zwei Eindringlinge, ehe sie selbst ihr Leben für die Opfer ließen, verließen sie nun auch den Körper. Alle waren bereit zu sterben. Nur für Tirao.
Nun war es ein unfairer Kampf. Tirao alleine gegen die drei maskierten Wilderer.
Zufrieden stand der Junge auf und wollte die Tür öffnen. Ich sprang der Glasscheibe, durch die ich ihn betrachtet hatte, entgegen. Doch zu spät. Er ging aus der Tür und wurde am Arm getroffen. Die Wucht des Aufpralls schleuderte ihn in das Zimmer und bedeckte ihn mit den Scherben der Scheibe. Ich rollte mich ab und durchbrach das nächste Hindernis mit voller Kraft. Die Wand von seinem Zimmer wurde samt der Poster eingerissen, die Wilderer an der nächsten Wand von mir zerdrückt, bis auch diese schnell nachgab. Die Trümmer begruben alles....
Nachdem sich der Staub zu lichten schien, wurde ich wieder von einem Mörder angegriffen. Im Bad lagen noch zwei Überlebende. Einer saß an der Badewanne mit dem Gewehr. Mein Maul umschloss seinen Kopf. Wie ein knuspriger Pudding verteilte sich die Masse auf meiner Zunge. Der Körper zuckte wild umher. Keine Kontrolle über jede Handlung. Schwächer wurden die Bewegungen, bis sie stoppten. Der Zweite versuchte vom Boden aufzustehen. Er stütze sich am Waschbecken. Meine Krallen fuhren durch seinen Oberkörper. Sein Herz riss ich mit einem mal aus voller Brust. Der geteilte Organismus versuchte seine Lebensquelle wieder zu erhaschen, doch vergeblich brach er vor mir zusammen.
Das ganze Haus beruhigte sich. Ich horchte. Das Ticken der Uhr. Ein mir bekanntes Geräusch. Es verdrängte wieder die totale Ruhe.
Kleine Trümmer vielen immer wieder aus der Decke.
“Nur du und Ich,“ sprach ich zu dem schwer Verletzten. Ich drehte mich zu ihm um und ging auf ihn zu. Kurze Atemzuge. Er lag mit dem Gesicht im Dreck. Das Blut von ihm vermischte sich mit dem Staub. Dickflüssig, wie saftiger Sirup wurde es, bis es sich so mit Staub voll gesogen hatte, dass es stagnierte.
Ich drehte den Burschen um. Er blickte mir ins Gesicht. Der getroffene Arm baumelte umher. Ich stütze über ihn und grinste ihn an. Genauso, wie mich Schimmer angrinste, bei unserem ersten Treffen.
Doch sein Gesicht sprach viele Sprachen, ganze Geschichten. Begehren und Verbitterung stachen aus ihm hervor. So ein gequältes Geschöpf. Leid aus tiefster Brust. Was ihm wohl fehlte?
Ich richtete mich auf. Blut tropfte aus meinem Maul. Die Krallen waren beschmiert. Von Allem hing etwas an meinen Krallen. Blut, Dreck, Knochensplitter. Sünden, Vergebung, Hass.
Der Junge kroch mit dem intakten Arm immer weiter von mir weg. Nach kurzem Weg, stieß er mit dem Tischbein, des Tisches auf dem der PC stand, zusammen. Erst klammerte er sich um das Bein, dann versuchte er sich an der Kante des Tisches hochzuziehen.
Langsam zog ich ihn wieder zu mir hin. Sein Bein wehrte sich massiv. Keine großen Mühen bereitete er mir. Mit Leichtigkeit führte ich ihn auf den Weg des Barmherzigen. Aber er wollte nicht in meiner Obhut bleiben. Wollte ich ihm doch nur helfen.
Dann begann ich mit dem Ritual, wie es mir der Bär sagte. Meine linke Pranke legte ich auf sein Herz. Dann begann ich fester zu drücken. Schmerzensschreie gingen durch das gesamte betroffene Haus. Ein lautes Brechen der Rippen. Der Druck erhöhte sich immer mehr. Er rang nach Luft, die ich aus seiner Lunge presste. Das Herz hörte auf zu schlagen.
“Habe ich ihn erlöst? Habe ich es geschafft“, fragte ich mich verwundert. Mein Ohr legte ich auf seine Brust. Doch nichts. Ein Moment der Ruhe. Purer Luxus.
Der Muskel zuckte, ein unregelmäßiges Schlagen. Es kämpfte. Überwand den Tod. Es ging unermesslich weiter.
Ich wich zurück. Was hatte ich getan? Schaute in meine verschmierten Pranken. Ich konnte mir es nicht mit ansehen. Nein! Ich habe den Armen ins tiefste Unglück gestürzt. Sein Leben ausgelöscht, obwohl es gar nicht richtig begonnen hatte.
Ich begab mich aus dem Zimmer und wanderte auf die Treppe zu:“Das ist nun der Leidensgenosse. Habe meinen eigenen Verstand ins höchste gelobt, den Werten alles abverlangt. Und wollte einfach nur mal erleben, schauen, fühlen wie es ist, doch ich fühle nur weitere Leer, keine Befreiung, nur Leid und gelöste Seelen.
Bin nun der Eine..., aber bringe nur elend. So soll meine Bestimmung sein, so ist mein Leben bestimmt. Ein Faden, den nicht jeder bis zum Ende sehen darf.“
Ich sah nach unten in den Eingangsbereich. Die Leichen waren noch immer am Bluten. Die Wächter lagen gestapelt übereinander. Dazwischen ein Wilderer. Waffen gefüllt mit Munition.
Beim hinabsteigen blickte ich in die Küche. Die Mutter starrte mich mit ihrem kalten Blick an. Der Blutapfel lag dort unbenutzt herum. Köstlich dieses Obst. Ich stand an der Haustür und blickte in das Wohnzimmer. Der Vater verstecke sich hinter dem rot-weißen Sessel. Kugeln hatten das zarte Leder zerfleddert.
In der Küche nahm ich die Uhr von der Wand und zog die Stromquelle heraus. “Hier hat die Zeit keinen Einfluss mehr. Nichts was sich hier ändern könnte. Wie ein Riss der Zeit“, sprach ich zur Frau mit leiser Stimme.
Ich ging wieder aus der Küche und stieg die Treppen hoch. Aus der Richtung des Aufstiegs drangen schmerzhafte Schrei. Auf halber Treppe hörte ich, wie mehrere Fahrzeuge den nassen Schlamm durchwühlten. Mein Puls begann zu rasen.
 

Acord

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""Ganz große Drachenaugen mach"" Die Geschichte ist gut, nein besser als gut die ist perfekt *_*. Sehr schön geschrieben die Spannung will nicht verschwinden :D! (Habe ein kribbeln im Bauch)
 

Drako

Guest
12. Gerichtet, gerettet
Ich presste meine Krallen in die hölzerne Treppe, um jeden Schlupf ausschließen zu können. Preschte durch den Gang auf Tiraos Zimmer zu. Drückte die Trümmer nieder. Meine Absicht. Ihn einfachen nur packen und aus der Gefahrenzone herausziehen.
Ich war überrascht, als ich sah, dass dort nun ein grün-blauer Drache, statt des Jungen lag.
So ein großer Unterschied. Kein Schimmern. Kein Grinsen. Nur das rohe Tier. Keine Gefühle. Jeder Gedanke musste wohl gewählt sein. Alles hätte man in dieser Sekunde mit ihm besprechen können. Doch auch ohne Worte war die Unterhaltung intensiver, als es Worte hätten ausdrücken können. Noch nie hatte ich so etwas erlebt. Was stellte er nur mit mir an? Nur dieser Augenblick, der mich in unbekannte Ecken meines Verstandes lockte. Ich konnte einfach nicht aufhören. Aufhören mir Gedanken über ihn zu machen. Alles ging mir durch den Kopf. Ungeordnet, durcheinander ohne Sinn und Verstand, verstand ich die Welt nicht mehr. “Was willst du von mir“, fragte ich den Neuen unfreundlich. Er erhob seine Stimme hingegen und stellte mir die gleiche Frage weit aus verhasster.
Das Knallen der Fahrzeugtüren riss mich aus der schönen Welt. Tirao war das Objekt, welches ich nun zu retten hatte. Nach wenigen Schritten packte ich seine zwei dunklen Hörner und zog an ihm. Der etwas größere Artgenosse bewegte sich nur widerwillig. Ich merkte, dass er mich hasste. Fester riss ich an dem Kopf und versuchte im klar zu machen:“Wir müssen hier weg, sonst wirst du deines Lebens nicht mehr glücklich.“ Nur wenig Worte machten seine Stellung klar:“Was will ich denn noch verlieren? Ich lebe hier in einer Welt voll Prunk und Glanz, ohne jemals etwas empfunden zu haben. Mein Leben habe ich doch in dieser Hölle aus Arroganz und Geldgeilheit verloren. Hier ist kein Platz für Wesen, die sich um mein Leben kümmern müssen. Hier ist keine Seele zu holen“
Ich war entsetzt.
Weiter sprach er:“Für alles gibt es immer eine Lösung nur für mich nicht. Meine Familie gibt mir Liebe, doch was soll ich damit anfangen?“
Ich unterbrach ihn mit lauter, tobender Stimme:“Du kannst mit Liebe nichts anfangen?“
Ein Schritt ertönte im Eingangsbereich. Ich zog wieder an seinen Hörnern und machte ihm klar, dass wir verschwinden müssten:“Alle sind tot. Die wollen uns auch töten.“ Tirao schien es nicht zu verstehen, doch er begab sich bedächtig aus seinem Zimmer. Sein Arm blutete weiter. Ruhig ging er aus dem Zimmer und sah die drei Leichen verachtend an. Es kümmerte ihn wenig. Hingegen bereitete mir das immer näher werdende Gehgeräusch Sorgen. Mehr und mehr Wesen schienen das Haus zu betreten und sich in alle Richtungen zu verteilen.
Schwere Schritte stapften die Blut verschmierte Treppe hinauf. Unbekannte Geräusche ertönten bei jedem Schritt. Es hörte sich danach an, also ob etwas eingerastet wäre. Gespannt würde. Die Schritte wurden nasser.
Schneller drückte ich Tirao zum Ende des Flurs. Doch seine Schmerzen waren größer als sein Wille, das Szenario zu verlassen. Die Schritte wurden schneller. Man schien uns entdeckt zu haben. Doch der Weg bis zum nächsten Fenster erschien endlos. Rufe, Schreie und mein Streben alles hinter mich zu bringen. Mir schoss so viel durch den Kopf, dass es keinen Sinn mehr machte die Gedanken zu sortieren. Nur der Überlebenstrieb zog mich weiter.
Wir blickten auf die Spitze der Hecke, als plötzlich ein heller Schein durch das Fenster drang. Wir waren erlöst. Waren wir im Himmel? Nein, die dunklen Wolken öffneten sich und ließen die nasse Landschaft in einem satten Grün erstrahlen. Die Morgensonne erweckte alles zum Leben. Fast alles. Und wir schlichen weiter. Das Geräusch einer sich entspannenden Feder. Kaum eine Reaktion meinerseits. Mein Tail rückte schnell in die Richtung des Objektes, ehe ich es genau erkannte. Der Schmerz entlockte mir ein tiefes Aufbrüllen. Ein kleiner Pfeil durchbohrte meinen Tail. Vorne die Spitze, hinten die Federn. Und mein Tail dazwischen.
Das Fenster war erreicht. Es wurde nur mit geringer Anstrengung aus der Fassung gebracht. Sobald ließ es die Verankerung los und gab uns den Weg in die Freiheit preis.
Tirao fiel der Erde entgegen. Nur aus dem Augenwinkel konnte ich die Meute erkennen, die meinen Tail zu greifen versuchte, doch ohne Erfolg. Ungewollt landete ich auf Tirao, der unter meiner Last zusammenbrach. Getrieben vom Adrenalin packte ich den noch benommen Drachen auf meinen Rücken und ging zusammen gestaucht von der Last Tiroas zur Hecke. Ich drückte mich durch das enge Gestrüpp. Klammerte mein Gepäck an mich. Tropfen prasselten beim Durchwaten auf uns nieder. Eine erfrischende Abkühlung. Immer wieder blieben Stacheln des zugewachsenen Zauns an mir hängen, bis der Draht riss.
Die Isolation war überwunden. Lichtstrahlen erwärmten die Gegend. Feiner Wasserdampf stieg aus dem Boden, dem Himmel entgegen. Tropfen auf den Blättern der Bäume spiegelten das Lichtspektrum in alle Richtungen. Man hörte Vögle, das Rauschen der Bäume. Die Natur umschloss mich wieder, gab mir Zufriedenheit, gab mir Ruhe.
Die Stadt schien nicht mehr weit. Geräusche von Autos. Hupen, Sirenen. Das Knattern eines Hubschraubers. Ich sehnte mich nach Gesellschaft. Endlich! Nun konnte ich meine Botschaft an die Welt überreichen.
Der beschwerliche Weg verlief durch ein kleines Stück Wald. Die Killer im Nacken und ihr Gebell als ständiger Begleiter. Der Mob wurde immer kleiner und leiser. Der Gedanke beruhigte mich, dass nun alles vorbei sei.
Der Hubschrauber flog über uns hinweg und hinterließ eine angenehme Stille. Tropfen fielen auf den Boden, ins Laub, durch die Blätter. Die Luft war so rein. Jeder Atemzug ein Genuss. Die Feuchtigkeit erquickte meine Lungen.
Und die erste befestigte Straße war am Ende des Waldes erreicht. Schnell überquert und weiter Richtung Stadtkern. Die Martinshörner wurden lauter. Kreischende Passanten, je weiter ich mit dem Drachen in die Stadt drang. Verängstigte Gesichter. Alles wurde grauer. Trostloser. Das Grün wurde zu einem kalten, farblosen Eindruck. Menschen. Kinder. Bekannte Gesichter, die mich nun missachteten, gar verabscheuten. Ich sah es in Ihren Augen.
Die Blutspur hatte beträchtliche Ausmaße. Lang war sie und zog sich nun bis in die Altstadt. Sirenen ertönten über den Dächern der Stadt. Die gute alte Luftschutzsirenen verrichteten ihre Arbeit zufriedenstellend.
Vor dem Rathaus hatte die harte Reise ein Ende. Ich legte Tirao an eine Laterne nahe dem Eingang. Sein Blick war geschwächt. Seine Kräfte aufgebraucht. Die Blutung war nicht zu stoppen.
Mein Blick wandte sich von ihm nur langsam ab. Die Menschenmenge stand in einem großen Abstand zu uns. Wie wilde Tiere wurden wir behandelt. Das typische Menschenbild:
Der Herrscher über alles und zu feige die kleinsten Werte des Lebens aufrecht zu erhalten. Welch eine falsche Aussage von mir. Er ist nicht fähig die Werte zu erhalten. Erkennt nicht das Wahre an der Natur. Lebt in seiner Welt, die nicht beschädigt werden darf. Sonst droht Unheil, Krieg, Tot. Keiner darf sich ihm in den Weg stellen. Alles ist in seinen Augen das Beste für Jeden. Ist gefangen in seinem eigenen Wahnsinn.
Ich machte mir nichts weiter vor. Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck schaute ich den Pöbel an. Ging ein paar Schritte mit offenen Armen auf sie zu.
Ein Kind löste sich aus der dummen Masse. So eine nette Seele. Lächelnd, die Unschuld in Person. Sie wollte auf mich zu gehen, wurde aber von einem Mann zurück gerissen. Ein Augenblick war vorüber.
Graue Menschen drückten sich durch die Masse. Die Wilderer waren wieder da. Ich versuchte zur Masse zu sprechen, doch mir fehlten die Worte um einen Anfang zu setzen.
Nun konnte die Schaulust der Leute gesättigt werden. Aus allen Richtungen kamen sie auf uns zu. Netze, Speere, Schwerter, Mordwerkzeuge aus längst vergangenen Zeiten. War ich in der Zeit zurück gereist? Es war der Lärm der Sirenen, die mich in die Moderne drückten.
Der Erstschlag war getan. Ein Mann ging durch meinen Tail zu Boden. Panisch, rannten die Leute von dem Schauspiel davon. Der Platz leerte sich mit einer gewallten Dynamik. Überschaubar waren jetzt die Angreifer. Immer wieder stürmten sie auf mich zu. Gingen zurück. Unspektakulär. Der Kampf nahm an Fahrt zu.
Vereinzelt versuchte man mich mit den Netzen abzulenken. Ein Speer hatte Erfolg, drang tief in meine Bauchseite ein. Ich packte den Mann samt Waffe und riss in den Tod. Mein Blut lief am Bein auf den grauen Granit und verlieh ihm neues Leben. Ich wich ein Stück zurück, um Tirao zu verteidigen. Doch die Kannibalen waren schneller. Mit Äxten machten sie sich daran das Ding zu zerteilen.
Der Moment meiner Unachtsamkeit wurde erneut durch den Schmerz erweitert. Eine Klinge blieb mir im Bauch stecken. Ein Messer schlitzte mir den Tail halb auf. Weitere Speere durchbohrten meine Brust, brachen ab, bei dem Versuch die Leute zu töten, die Kannibalen zu verscheuchen. Tirao war übergossen mit Blut, das rohe Fleisch hing an im herunter. Ein Bein halb abgetrennt, der Schädel zertrümmert.
Ich kniete vor ihm nieder, bis mir ein harter Gegenstand ein Horn am Kopf abbrach. Mein Blickfeld wurde kleiner, als eine Klinge meine Lunge von Hinten teilte.
Kraftlos fiel ich in meine Lache aus Blut. Meine Augen schauten auf den weiten Platz, der sich wieder mit Leben füllte. Immer schwerer wurden meine Lieder. Bis ich sie einfach zufallen ließ. Alle Sinne konzentrierten sich auf mein Inneres. Jeder Herzschlag war zu hören. Jeder Atemzug war durch das Blut erschwert.
Doch ich konnte mich nicht auf die Ruhe einlassen. Immer wieder störende Geräusche. Dazwischen Ruhe, die ich nutzte um zu Horchen. Langsamer schlug mein Herz. Dann wieder diese Geräusche. Ich hatte alles erreicht. Einmal wollte ich ein Drache sein. Einmal fühlen wie es ist. Glücklich, das Gefühl von Glück durchlief meinen Körper. So wunderschön. Weich, wie es mich wärmte und in seinen Bann zog. Gerne hätte ich mehr davon verspürt. Ich wollte wieder horchen, doch es gab nichts mehr zu hören. Nichts was ich meinem Körper hätte entnehmen können. Kein Atemzug war mehr von Nöten. Darum hielt ich inne und genoss die letzte Sekunde.


Hiermit danke ich euch für die Interesse an meiner ersten Geschichte. Hoffe sie war ansprechend genug und hat euch genauso viel Spaß bereitet wie mir.
Falls sich jemand noch dazu äußern möchte, für Kritik bin ich offen. Ansonsten übergebe ich dann mal das Wort;)
 
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