Paradise Calling

Fiver

Faultier
Mitglied seit
29 Aug 2009
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44
Heute Nacht verliert das Leben seinen Sinn,
Alles wird grau, alles wird kalt,
Knie nieder, erlebe den Augenblick,
In dem alles wird klar.
Es ist nicht gerecht,
einfach nicht gerecht.
Es wird grau, es wird kalt,
Kein Paradies, nur die Ewigkeit.

In der großen, weißen Zitadelle auf dem Planeten Eiswind herrschte reges Treiben. Es war früher Mittag – ein jeder Anwohner ging unbekümmert seinen Tätigkeiten nach. In den Welten der Erben herrschte zum ersten mal seit einer langen Zeit Frieden. Der letzte Krieg gegen ein Volk von Frevlern war schon viele Zyklen her und die Lage des Reichs der Erben erlaubt ein Leben mit wenig Kontakt zur intergalaktischen Politik. Es war eine Zeit der Stabilität. Die Welten wuchsen und die Wirtschaft gedieh ebenso wie die Bevölkerung. Die friedliche Zeit ging auch an dem jungen, dunkelgrauen Wolf Kethron nicht vorbei. Eifrig und voller Begeisterung eilte der Techniker durch einen etwas leereren Gang der Zitadelle. Normalerweise wäre er um diese Uhrzeit in einem der vielen Hangars tätig, doch nicht heute. Heute war ein besonderer Tag. Es war sein Tag. Hastig bahnte er sich zielstrebig den Weg zu einer der größeren Tore der Halle. Er wollte schließlich nicht zu spät kommen. Voller Erwartung und Vorfreude stand er vor dem Tor und wartete, bis die Tür sich endlich öffnete. Vollkommen überwältigt fiel sein Blick auf das innere des Raumes. Es war ein festlicher Saal, gefüllt mit imposanten Dekorationen und einer Vielzahl von Wölfen – und er kannte sie alle. Es dauerte allerdings nicht lange bis etwas anderes seine Aufmerksamkeit erlangte. Am anderen Ende des Raumes stand, erhellt vom leichten Sonnenlicht, welches durch das riesige Fenster an der Wand drang, eine anmutige, graue Wölfin mit einem sanften, liebevollen Lächeln. Kethrons Herz raste. „Natria...", flüsterte er mit zittriger Stimme. Gepackt von Emotionen und den Augenblick kaum realisierend betrat er schließlich zitternd und taumelnd den Raum, sich seinen Weg zum Ende der Halle wagend. Angesichts eines solchen Anblicks kam bei den anwesenden Wölfen Gelächter auf und auch Natria konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. Sie wusste um die Schüchternheit ihres künftigen Gatten – es war eines der Dinge, was sie so an ihm liebte. Anders als Kethron war sie jedoch halbwegs ruhig – zumindest konnte man ihr die Nervosität nicht so stark anmerken wie ihrem auf sie zu taumelnden Verlobten. In Gedanken an ihr unbegreifliches Glück und ihre unsterbliche Liebe vertieft ruhte ihr Blick still auf ihrem Geliebten.

Kethron hatte nicht mal die Hälfte des Weges hinter sich gebracht. Insgeheim hoffte er, dass er den Altar noch erreicht, bevor er ihn Ohnmacht fallen würde. Doch irgendetwas stimmte nicht. Trotz seiner starken Nervosität nahm Kethron aus seinem Augenwinkel einen grellen Lichtblitz war und blieb alsbald stehen. Irritiert von dem, was er sah löste er seinen Blick von Natria, welche offenbar nichts gesehen hatte. Der Blick in die Gesichter einiger der Gäste bestätigte ihn allerdings – auch sie blickten sich, zumindest zum Teil, verdutzt um. Als sich ihr Blick nach wenigen Augenblicken starr aus dem Fenster richtete und die Verwunderung schierer Angst und Panik wich, wandte sich auch Kethron stark beunruhigt wieder dem Fenster zu. Nun wusste er den Grund für die Angst in den Augen der Gäste. Nun selber von Todesangst gepackt richtete er seinen Blick wieder auf Natria. Sie stand unmittelbar vor dem Fenster. Kethron begriff, dass seine Verlobte sterben würde, wenn sie nicht dort wegginge. Von Angst um ihr Leben gepackt sprintete Kethron auf sie zu, panisch ihren Namen rufend, in der Hoffnung, sie zur Flucht zu bewegen.

Nun scheinbar, durch die Reaktionen Kethrons und der Gäste, realisierend, dass etwas schlimmes passieren würde, löste sie ihren Blick von Kethron und drehte ihren Kopf langsam zum Fenster hinter sich. Ihre Augen weiteten sich, angesichts dessen, was dort auf sie zu kam. Es war zu spät. Niemals würde sie rechtzeitig entkommen. Kethron hatte den Altar noch nicht erreicht, als dieser in einer gewaltigen, grellen Explosion unterging. Von der Druckwelle erfasst wurde Kethron zurück geschleudert. Im Saal herrschte Todesangst und die Schreie von verletzten und sterbenden Wölfen erfüllten ebenso die Luft wie der abscheuliche Gestank von verbranntem Fleisch. Kethron selbst war schwer verletzt. Eine gewaltige Wunde klaffte an seiner linken Flanke und zwei seiner Beine waren mehrfach gebrochen. Doch er spürte keinerlei Schmerz. Sein Blick ruhte auf dem Ort, wo einst der Altar stand. Der gesamte Bereich des Raums wurde zerfetzt – dort wo seine Geliebte stand, war nur noch ein großes, klaffendes Loch. Kethron konnte es nicht glauben. Tot. Tot! Sein gesamtes Leben lag in Scherben. Es bildeten sich Tränen in Kethrons Augen, welche seine blutverschmierten Wangen hinunter liefen. Warum? Wer würde so etwas tun? Was hatten sie denn getan? Nun spürte Kethron den Schmerz. Doch nicht den Schmerz von seinen physischen Verletzungen, nein. Dieser Schmerz war viel größer – und tödlicher. Kethron wurde immer kälter – und die Welt um ihn herum wurde dunkler. Mit Tränen in den Augen und unbeschreiblichem Schmerz im Herzen schloss er seine Augen, unwillig ohne seine Geliebte zu leben. Seine Sinne schwanden weiter, als er mit seinem letzten Atemzug den Namen seiner Geliebten flüsterte...





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Ich hab mich mal entschlossen, ein paar meiner Geschichten mal hier hochzuladen. Mit der hier bin ich nicht ganz so zufrieden, weil sie auch in einer Zeit entstanden ist, in welcher ich an einer derben Schreibblockade zu knabbern hatte. Naja wie dem auch sei, viel Spass beim Lesen, über Feedback jedweder Art würde ich mich natürlich freuen ;)

ps: Ja, es ist Sci-Fi und geschrieben wurde das ganze in 10 Minuten.
 
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