Mein Liebster

Nebelhirn

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6 Jun 2010
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Vorwort:
Es handelt sich hierbei um eine Kurzgeschichte die ich vor ca. 2-3 Jahren geschrieben habe. Wollte nur, dass man hier auch was von mir lesen kann. Ich schreib von Zeit zu Zeit Kurzgeschichten, aber es liegen oft etliche Monate dazwischen. Wenn ich also nicht grad (so wie jetzt) alte Werke poste, dann werdet ihr vermutlich eher selten was von mir lesen xD

Inspiriert wurde ich von einer Kurzgeschichte, die eine Freundin von mir geschrieben hat. Die Grundidee ist ähnlich aber ich hab es etwas anders umgesetzt. Ich würde mich über Kritiken freuen :3
Ich wünsch euch viel spass beim Lesen.

Mein Liebster

Du näherst dich mir wieder, wie du es schon so oft getan hast. Die Lippen leicht gespitzt, die Augen geschlossen. Ein leises schnurren, wie ich es nur von dir kenne. Erwartungsvoll und auffordernd. Ich weiß was du willst, doch kann ich dir diesen Gefallen nicht tun. Ich hatte dich geliebt, aber du bist doch so beschränkt. Begriffst du nicht wie sehr du mich verletzt hast? Ich hatte mich dir anvertraut und du zeigst mir nur die kalte Schulter, weil du gerade andere Dinge im Kopf hattest, die dir wichtiger waren. Du hast gar nicht realisiert, dass ich am Boden zerstört war und wie schlecht es mir ging. Und jetzt, wo es mir wieder etwas besser geht, glaubst du es wäre einfach vergessen und alles wäre wieder wie früher? Das kann ich einfach nicht. Ich wende mich ab, drehe dir den Rücken zu, leg mich aufs Bett. Es ist dein Bett, und ich weiß ich sollte hier nicht mehr liegen. Doch weiß ich im Moment nicht was ich tun soll. Du hattest mir mal so viel bedeutet, warst meine Hoffnung, mein Traum. Und jetzt tust du mir nur noch weh.

Ich hab erkannt, dass ich für dich nur ein Spiel bin. Dass du nur etwas Neues ausprobieren wolltest und neugierig warst. Aber warum versuchst du immer noch mich zu küssen? Und sogar mehr? Bist du den noch nicht fertig mit mir? Mit deinem kleinen Spielchen? Du bist nicht schwul! Du warst nur neugierig. Ich hätte es nie so weit kommen lassen dürfen. Weiß nicht mal warum ich überhaupt noch hier bin. Hatte ich doch eigentlich längst mit dir abgeschlossen. Doch zu Ende ist es noch nicht. Du legst dich ins Bett, kuschelst dich zu mir, legst einen Arm um mich. Ich kann mich nicht dagegen wehren. Zu sehr genieße ich es jemanden bei mir zu spüren, fühle ich in mir doch eine solche Leere. Ich hoffe du siehst nicht, dass ich eine Träne im Auge habe. Was treibt dich nur dazu dich jetzt zu mir ins Bett zu legen? Hatte ich dich nicht eben abgelehnt? Dir einen Kuss verweigert? Ist das wieder eins von deinen Spielen, zu schauen ob du mich nicht doch noch rum bekommst? Was geht in deinem Kopf nur vor sich? Es ist dunkel und bald wird es Nacht. Ich schließe meine Augen, versuche einen Moment zu schlafen.

Erst Tief in der Nacht wache ich wieder auf. Du bist immer noch hier, hast mir aber den Rücken zugewandt. Vorsichtig drehe ich mich um und schau zu dir. Höre dich ruhig atmen, du schläfst tief. Mir ist nicht mehr nach schlafen zu Mute. Viel zu viele Gedanken quälen mich bei deinem Anblick und, nach Minuten des Wartens, entschließe ich mich auf zu stehen. Ich steige vorsichtig über dich drüber und stehe schließlich neben deinem Bett. Vergewisser mich, dass du noch schläfst. Es siehst so friedlich aus. Langsam und in Gedanken versunken verlasse ich das Zimmer. Nur in der Tür schau ich mich nochmal kurz zu dir um. Licht brauch ich keins, denn der Vollmond scheint hell in deine Wohnung. Hättest du gewusst dass heute Vollmond ist, könntest du bestimmt nicht schlafen. Ich kenn dich doch so gut. Langsam streif ich Ziellos durch den Gang, stehe vor deinem Arbeitszimmer. Du bist ein begnadeter Zeichner. Als ich dich kennen gelernt hatte waren deine Bilder kaum besser als die, die ich in der Grundschule gemalt hatte. Doch du hast dich verbessert. So viel Zeit und Mühe hast du in deine Arbeit gestreckt und sie perfektioniert. Ich gestehe, ich hatte dich nie für sonderlich talentiert gehalten, aber was du inzwischen erreicht hast ist bemerkenswert. Ich setze mich an deinen Schreibtisch und schalte die Lampe an. Wie Ich sehe Arbeitest du seit neusten sogar mit Tusche. Du bist bestens mit Stiften und Federn ausgerüstet. Und einem Skalpell, das ich mir jetzt erst genauer anschaue. Sie sehen nicht so aus, sind aber extrem scharf. Ich fahre mit der Klinke an meinem Fingernagel entlang um etwas Horn ab zu schaben, zu sehen wie scharf es ist. Messer und Klingen hatten mich schon immer fasziniert und dieses Skalpell ist so scharf, dass man sich schon beim Hinsehen schneiden könnte. Mir kommt ein unheimlicher Gedanke, den ich sofort verwerfe. Was ist nur los mit mir? Ich sollte hier nicht mehr sein. Und ich sollte lieber nicht mit Messern spielen. Bin ich doch so unglücklich an diesem Ort. Er verletzt mich. So wie mich diese Klinge verletzen könnte. Einschneidend könnte sie mein Leben ändern, es verkürzen, es beenden. Und da war dieser Gedanke schon wieder. Ich such doch nur ein Ventil für meinen Schmerz.

Fest halte ich das Skalpell in meiner Hand, unfähig es Weg zu legen. Ich setze die Klinge an meinem Daumen an, wie zuvor am Fingernägel, und fahre in langsam ab, ein Tropfen Blut rind langsam aus dem Schnitt. Ich schalte die Lampe aus, und lehne mich im Stuhl zurück. Lasse die Arme runter hängen, noch immer mit dem Skalpell in meiner Hand, schaue zur Decke hoch. Ich fange an zu weinen, sitzt doch der Schmerz so tief in mir.

Ich reiße mich zusammen, streife mit dem Arm die Tränen aus den Augen und stehe auf. Lege das Skalpell zurück, dort hin wo ich es genommen hatte, und gehe zurück durch den Gang. Schaue in dein Schlafzimmer und sehe dich friedlich schlafen. Morgen wirst du dich fragen wo ich wohl hin bin und bald wirst du begreifen, dass wir uns nie wieder sehen werden. Ob dir jemals in den Sinn kommen wird, dass du etwas falsch gemacht hast?
Ich hätte Hilfe gebraucht. Ich hätte deine Hilfe gebraucht! Doch du, die einzige Person der ich mich anvertrauen wollte, hast mich auch nur ausgenutzt. Ich ziehe mir meine Schuhe an und verlasse die Wohnung. Ich werde es jetzt beenden.
 

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