Kingdom (Leseprobe)

Swift

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Der Mond stand prall und hell am Nachthimmel. Es war eine sternenklare Nacht, kaum Wolken am Himmel. Sanft leuchtete der Mondschein durch die Baumkronen des Waldes am äußersten Rande des Dorfes Mukur, das inmitten des Königreiches Pakana lag.
Schritte hallten durch den Wald. Jemand rannte um sein Leben. Es war ein junger Tiger. Keuchend und schnaufend rannte er den Waldweg hinunter. Ängstlich sah er sich immer wieder nach seinen Verfolgern um. Seine Lunge brannte, seine Beine schmerzten und sein Herz explodierte fast in seiner Brust. Das Fell war zerzaust und seine Kleidung war teilweise eingerissen und dreckig. Sie hätten ihn schon fast gehabt, doch er konnte flüchten. Wie lange verfolgten sie ihn schon? Er wusste es nicht mehr. Der Wald schien ihm die letzte Zuflucht zu sein.
Er blieb plötzlich stehen, beugte sich vor und legte die Pfoten auf die Knie. Er atmete schwer. Für einen kurzen Moment wurde ihm schwindelig und er bekam weiche Knie, doch er wusste, dass er nicht stehen bleiben konnte.
Wieder drehte er sich um und sah nun in naher Ferne den Lichtschein ihrer Fackeln. Sie waren näher, als er gehofft hatte.
„Kalvar! Bleib stehen!“, hallte eine Stimme zu ihm herüber.
Das musste Kero sein, der Schmied des Dorfes.
„Schnappen wir uns den Mörder!“, brüllte eine andere Stimme.
Das war Janu, der Besitzer des Lebensmittelgeschäftes. Der dritte, bisher stumme Jäger, war Zilo, der überwichtige Vizebürgermeister.
Kalvar rannte wieder los. Diesmal rannte er nicht gerade den Waldweg hinunter, sondern bog ab ins Dickicht. Er lief zwischen die Bäume hindurch, streifte einige Äste und Büsche, die ihn peitschten und ihm die Haut unter seinem Fell zerkratzten. Dann stolperte er über eine Baumwurzel und fiel hart zu Boden. Für einen Moment wollte er aufgeben und liegen bleiben, doch er rappelte sich wieder auf und lief weiter. Seine Verfolger mussten ihn gehört haben, denn sie schlugen den selben Weg ein.
Kalvar blieb plötzlich wieder stehen und sah sich um. Er konnte das Rauschen des Flusses hören. Das war seine Chance. Er folgte den Geräuschen des fließenden Wassers.
„Bleib endlich stehen!“, rief Kero ihm hinterher.
Schließlich erreichte Kalvar das Flussufer. Doch sie waren zu nah, sie würden sehen, wie er den Fluss hinunter trieb. Panisch sah er sich um und entdeckte einen kleinen Hügel, an dessen Fuß Unterholz war. Dort rannte er hin und versteckte sich zwischen den toten Ästen.
Eine Träne lief ihm übers Gesicht. Er zitterte vor Angst. Sie kamen immer näher. Gleich würden sie ihn haben.
Er griff in seine Hosentasche und holte das Foto seines Vaters hervor. Seit seinem Tod hatte er es immer dabei gehabt. Auch im Gericht, als sie ihn für seinen Tod verantwortlich machen wollten. Natürlich war er unschuldig. Aber sie wollten nicht auf ihn hören. Sie konnten es ihm allerdings auch nicht beweisen. Deswegen wurde er auch nicht zum Tode verurteilt, sondern verbannt.
Niemals würde er den Tag vergessen, an dem er seinen Vater tot aufgefunden hatte. Er war ganz normal von seiner Feldarbeit nach Hause gekommen. Schon als er das Haus betrat, wusste er, dass etwas nicht stimmte. Seinen Vater fand er schließlich auf dem Stubenboden, mit einem Dolch im Rücken. Sofort hatte Kalvar sich neben ihn gekniet, den Dolch herausgezogen und nachgesehen, ob er noch lebte. Natürlich war er tot. Mit Tränen in den Augen und einer Trauer, die ihn fast benommen machte, war er nach draußen gerannt. Den Dolch hatte er noch in der Hand. Auf der Suche nach Hilfe war er Richtung Rathaus gerannt, um den Bürgermeister zu alamieren. Unwissend, dass bereits einige Leute ihn gesehen hatten und sich ins Haus schlichen, um nachzusehen, was passiert war.
Als Kalvar dann mit dem Bürgermeister zurückkehrte, hatte sich eine Menge vor seinem Haus angesammelt, die ihn verachtlich ansah. Natürlich glaubte ihm seine Geschichte keiner. Denn Kalvar war allgemein bekannt im Dorf.
Als kleines Kind hatte er einmal beim Kokeln eine Wiese angezündet und es auf seinen Freund geschoben. Ein anderes Mal hatte er in der Kirche eine Bibel gestohlen. Und ein paar Monate später hatte er einen anderen Jungen in den Fluss geschubst. Dabei wäre dieser fast ums Leben gekommen, hätte Kalvars Vater ihn nicht gerettet.
Seitdem hatte er im Dorf einen schlechten Ruf. Er galt als Enttäuschung für seinen Vater, den mutigen Krieger, der einst, als er in Kalvars Alter war, bereits ein Kriegsheld gewesen ist. Damals, in der Schlacht gegen das Königreich Ferana. Damals herrschte noch König Mikus in Pakana. Seit einigen Jahren war es sein Sohn, Leonas.
Leonas war ein gütiger König. Allerdings nicht im Prozess um Kalvars Vater. Er, der Bürgermeister und das Volk befanden ihn für schuldig und forderten die Verbannung. Dieser war er auch nach gekommen und wollte das Dorf verlassen, als ihn diese drei Wilden anfingen zu jagen.
Nun hatten sie ihn eingeholt. Aus seinem Versteckt heraus konnte er sie hören und dann auch sehen. Sie hielten am Flussufer an.
„Dieser Narr ist doch nicht etwa in den Fluss gesprungen?“
„Nein, das hätten wie gehört!“
Sie standen vorm Flussufer und schauten hilflos umher. Kalvar fing an zu zittern und er bekam schlecht Luft vor Angst. Wenn sie ihn fanden, würden sie ihn umbringen, da war er sich sicher.
„Lasst uns das Ufer absuchen. Weit kann er nicht sein“.
Schritte. In seine Richtung. Er versuchte, sich noch kleiner zu machen und dabei knackte das Gestrüpp um ihn herum. Sofort fiel der Lichtschein der Fackel auf das Unterholz. Sie hatten ihn.
„Haha. Da ist unser kleiner Mörder“.
Kalvar wollte gerade aufspringen und los rennen, als eine Pfote durch die Äste schnellte und ihn am Hemd packte. Ruckartig wurde er aus seinem Versteck gerissen. Dabei fiel er auf die Knie. Er sah hoch und erkannte, dass Kero ihn gepackt hatte. Er versuchte, sich loszureißen, doch Kero schlug ihn zu Boden. Kalvar landete mit dem Gesicht zuerst im Dreck. Die anderen beiden lachten.
„Nicht so tollpatschig, Kalvar“, lachte Kero.
Kalvar blieb stumm liegen und bewegte sich nicht. Er fing an sich einzureden, dass er vielleicht sogar verdiente, was sie mit ihm anstellen würden.
„Was machen wir mit ihm?“, fragte Zilo.
„Verbrennen wir ihn“, höhnte Janu und kam mit seiner Fackel ganz nahe, „so wie er die Weide damals“.
Wieder lachten alle.
„Ich habe eine bessere Idee“, sagte Kero, „ertränken wir ihn. Wie er fast den Sohn meines Nachbars ertränkt hätte“.
Kero schleifte Kalvar Richtung Ufer. Kalvar ließ es zu. Nun packten auch Janu und Zilo an und halfen Kero. Kurz vorm Ufer ließen sie ihn fallen, drehte ihn herum, sodass er auf dem Bauch lag und dann traten sie auf ihn ein. Ein Tritt traf ihn in die Rippen, einer an die Schulter und einer ans Becken. Die anderen Tritte spürte er gar nicht mehr.
Schließlich packte ihn Kero wieder am Kragen und hob sein Gesicht über das Wasser. Kalvar wusste, was als nächstes kam.
„Noch etwas zu sagen, Kalvar?“, fragte er.
Eine weitere Träne lief ihm über das Gesicht und tropfte ins Wasser.
„Ich war es nicht. Ich habe meinen Vater nicht getötet“, sagte er dann leise.
„Fahr zur Hölle“, sagte Kero.
Kalvar schloss die Augen. Dann wurde er ins Wasser gedrückt. Das Wasser war unfassbar kalt. Er wehrte sich gar nicht erst. Eigentlich wartete er nur noch darauf, dass es endlich vorbei war.
Plötzlich zog Kero ihn wieder aus dem Wasser und riss ihn hoch zu sich.
„Wie ist das Wasser?“, fragte er höhnisch.
Die anderen beiden lachten nur. Kalvar schnappte nach Luft, doch so schnell wie er heraus gezogen wurde, wurde er auch wieder hinein gedrückt. Dieses Mal öffnete er die Augen. Er konnte kaum etwas sehen, doch irgendetwas blitzte im Matsch des Grundes auf. Bevor er erkennen konnte, was es war, zog ihn Kero ihn erneut heraus.
„Glaubst du dein Freund hat sich damals genauso gefühlt?“, schrie Kero ihn an.
Wieder drückte er ihn ins das kalte Wasser. Nun konnte er etwas besser sehen. Irgendetwas steckte im Grund fest. Eine Art Stein. Er war schwarz, sechseckig und flach. Fast wie ein Edelstein. Nein, es musste einer sein. Kalvar spürte, dass etwas unbeschreibliches von ihm ausging. Ein merkwürdiges Gefühl fuhr durch seinen Körper und es wurde stärker, je länger er ihn ansah.
Zum dritten Mal wurde er aus dem Wasser gerissen. Diesmal sagte Kero nichts, sondern spuckte ihm nur ins Gesicht. Und diesmal schlug er Kalvars Gesicht so doll ins Wasser, dass er das Gefühl hatte, sie wäre gebrochen. Doch das war sie nicht. Trotzdem schossen aus beiden Nasenlöchern Blutfäden, die sich mit dem Wasser vermischten. Doch das merkte Kalvar gar nicht. Er war fasziniert von dem Edelstein am Grund des Flusses.
Er steckte die Pfote ins Wasser. Ohne jeglichen Anstand ließ Kero es geschehen. Kalvar hatte sich bisher kaum gewehrt. Ohne die Augen von dem Edelstein zu nehmen, griff Kalvar danach und sobald er ihn berührte, bekam er einen leichten Schlag, der seinen gesamten Körper durchzog. Kalvar zuckte. Plötzlich wurde ihm heiß und kalt. Wie eine Welle durchzog sein Körper dieses merkwürdige Gefühl, dass er noch nie zuvor gespürt hatte.
„Stirb!“, konnte er Kero an der Wasseroberfläche schreien hören. Aber es war, als wäre weit, weit weg. Und es war Kalvar auch egal, dass sie ihn zum letzten Mal ins Wasser gedrückt hielten. Er sollte diesmal ertrinken.
Der schwarze Edelstein fing an zu leuchten. Es begann in der Mitte und breitete sich dann im gesamten Stein aus. Ein dunkles violett-schwarzes Licht erhellte bald den gesamten Fluss und er konnte spüren, wie Kero locker ließ. Scheinbar starrte er völlig entgeistert aufs Wasser, das nun immer heller und heller wurde. Das Licht nahm Kalvar völlig in seinen Bann und schien dann vom Stein in seine Pfote überzugehen, wo es dann erlosch. Und dann spürte Kalvar diese ungeahnte Stärke. Diese Kräfte. Diese Macht. Und ohne großartig darüber nachzudenken, nutze er sie auch.
Kero kam nicht mal mehr dazu, seine Verwunderung in Worte zu fassen, so schnell schoss urplötzlich dieser schwarz-weiß-violette Energiestrahl aus dem Körper des Tigers, über den er gerade noch die überhand hatte, den er fast getötet hatte. Es traf ihn wie einen Schlag. Als ob er eine Rüstung trug und mit voller Wucht von einer Lanze getroffen wurde.
Bevor er schreien konnte, flog Kero auch schon durch die Luft. Die anderen beiden, immer noch völlig hypnotisiert von dem Licht im Wasser, das schon lange erloschen war, konnten gar nicht so schnell gucken. Kero prallte hart gegen einen Baumstamm und fiel dann schlaff und leblos hinunter wie ein toter Ast. Mit einem Klatschgeräusch landete er auf dem Waldboden.
Zilo und Janu sahen ihrem Anführer mit Schrecken in den Augen hinterher, bewegten sich aber nicht. Wie angewurzelt standen sie da und fast synchron drehten sie die Köpfe zurück zum Flussufer, wo Kalvar gerade seinen Kopf aus dem Wasser zog, sich erhob und sich dann ganz langsam umdrehte. Seine Augen hatten auch dieses merkwürdige Leuchten. Dieses schwarz-weiß-violette Strahlen. Er sah sie damit an. Und das nicht gerade freundlich.
Janu rannte als erster los. Zilo blieb weiterhin wie angewurzelt stehen. Doch als Kalvar dann den ersten Schritt – fast gelassen, geschmeidig – machte, rannte auch Zilo los. Unbewusst begann Kalvar zu lächeln.
Die Jäger waren zu den Gejagten geworden. Die beiden rannten, wie vor kurzem noch Kalvar, mit pochenden Herzen und keuchend durch den Wald. Obwohl der junge Tiger mit seinen neuen Fähigkeiten noch nicht so recht umzugehen wusste, streckte er die Pfote aus. Es war, als würde ihm der Edelstein sagen, was er zu tun hatte. Und dann schoss eine dieser hellen Energiekugeln aus seiner Pfote. Sie war blitzschnell und traf Janu, der aufjaulend zu Boden ging. Ohne anzuhalten, geschweige denn sich nur einmal umzudrehen, rannte Zilo weiter und überließ seinen Freund dem Verderben.
Kalvar ging weiter ganz gemächlich auf Janu zu, der wimmernd am Boden lag. Als der Tiger ihn erreicht hatte, sah er mit angsterfüllten Augen zu ihm auf.
„Bitte...bitte tu mir nichts!“, stammelte er.
Kalvars Lächeln wurde breiter. Und Janu war sich sicher, das war nicht mehr der nette Tiger, dem er damals Brot und Süßigkeiten verkauft hat. Dort stand jemand anders. Aber bevor er überlegen konnte, ob sie, die ihn gejagt hatten, dafür verantwortlich waren, hob Kalvar die Pfote und eine Energiekugel schoss aus unmittelbarer Nähe in Janus Gesicht.
Zilo, völlig außer Atem, hatte es aufblitzen sehen. Der gesamte Wald wurde für den Bruchteil einer Sekunde hell. Aber er dachte nicht daran, sich umzudrehen. Was auch immer mit Kalvar passiert war, er war hinter ihm her. Zilo hatte keine Ahnung, was da gerade passierte, es ging so schnell. Aber sein Verstand und die Fähigkeit nachzudenken, waren längst der Panik und der Todesangst gewichen.
Sein Herz hämmerte so heftig in seine schwabbeligen Brust, dass er Angst hatte, es würde explodieren. Für einen kurzen Moment bereute er all die Kuchen und Kekse, die Janu ihm geschenkt hatte. Aber Janu war nun wahrscheinlich tot und sein von Panik und Angst gefüllter Kopf fanden das irgendwie gut.
Und dann passierte es. Ein stechender Schmerz direkt in der Brust. Gurgelnd flog der überraschte Vize-Bürgermeister der Länge nach hin. Zu allem Überfluss landete er auf einer aus dem Boden ragenden Baumwurzel, die sich in seinen Oberschenkel bohrte. Sein Schmerzensschrei gellte durch die Nacht. Warmes Blut schoss aus der Wunde. Doch das bekam Zilo nur nebenbei mit. Der Schmerz in seiner Brust, der sich wie ein Messerstich direkt ins Herz anfühlte, übertrumpfte die tiefe Wunde in seinem Bein. Er lag zuckend im Mondlicht wie ein Käfer in der Sonne. Keuchend und japsend, gelegentlich jammernd vor Schmerz lag er nun am dort. Und dann hörte er Kalvars Schritte. Ein Gefühl wie tausend Nadeln die sich in seine Haut bohrten, gefolgt von einer eiskalten Dusche, durchzog Zilos Körper, als er in dieser aussichtslosen Situation endlich einsah, dass er sterben würde.
Die Schritte verstummten. Kalvar stand also neben ihm. Zilo machte sich nicht die Mühe, zu ihm aufzusehen. Anstelle der Verzweiflung stand nun die Akzeptanz. Er akzeptierte sein Schicksal. Ein Teil von ihm zeigte Reue und ein anderer beschloss, dass er selber Schuld hatte. Der größte Teil aber war bei seiner Familie, die er nun nie wieder sehen würde. Und wieder ein anderer Teil war auf verrückte Art und Weise fast dankbar, dass er nicht an einem Herzinfarkt sterben musste oder gar verbluten wie ein geschächtetes Opfer. Schließlich kamen seine rasenden Gedanken zu dem Entschluss, noch etwas sagen zu wollen und bevor er sich zurechtlegen konnte, was das sein soll, machte sich sein Maul selbstständig.
„Tu es“, sagte Zilo.
Und es hätte keinen Unterschied gemacht, was er gesagt hätte, denn Kalvar schoss ihm ebenso eiskalt eine Energiekugel direkt ins Gesicht wie Janu zuvor.
Als Kero die Augen öffnete, wollte er laut los schreien vor Schmerzen, doch es kam nur ein dumpfes Knurren heraus. Mehrere seiner Knochen waren gebrochen. Was das alles war, wusste er nicht. Und obwohl keine zwei Minuten vergangen waren, konnte er sich an nichts mehr erinnern. Nur der Schmerz und die Angst füllten seinen Kopf. Seine Gedanken rasten. Was war passiert?
Er versuchte aufzustehen, doch sobald er sich auf seine Arme stützte, brüllte er vor Schmerz. Seine Arme, zumindest einer davon, waren auf jeden Fall gebrochen. Auch das auf die Seite rollen war zu schmerzvoll. Scheinbar waren auch Schulter, einige Rippen und irgendwas im Rücken gebrochen. Bei solchen Schmerzen konnte man nicht klar denken. Und dann hörte er Schritte. Unweigerlich sah er sich um und erkannte den Wald. Und so plötzlich wie der Schmerz seinen Körper durchzog, kamen auch seine Erinnerungen wieder. Alles. Jedes Detail. Und er wusste, dass die Schritte Kalvar gehörten.
Urplötzlich packte ihn etwas. Wo, das konnte er nicht zuordnen, doch es schliff ihn plötzlich über den Waldboden. Die Schmerzen waren unerträglich, als seine gebrochenen Glieder über den Waldboden geschliffen wurden, der uneben und hart war.
Niemand fasste ihn an. Aus dem Augenwinkel sah er Kalvar an einem Baum lehnen, während er von ihm weggeschliffen wurde. Doch da war niemand mehr. Verwirrt und ängstlich öffnete Kero seine Schnauze zu einem wirren Schrei, den niemand hörte. Es ging Richtung Wasser. Und ihm wurde blitzschnell bewusst, was Kalvar vorhatte. Kalvar, der eben noch selber ertränkt werden sollte, hatte nun Fähigkeiten, die aus dem Nichts zu ihm gekommen waren. Damit hatte er ihn gegen einen Baum geschmissen, ihm viele Knochen gebrochen und schleifte er ihn über den Waldboden mit einer unsichtbaren Hand. Wieder schrie Kero auf. Nicht wegen den Schmerzen, sondern aus purer Verzweiflung. Und noch bevor er flehen konnte oder sein Schicksal akzeptieren, tauchte sein Kopf ins Wasser. Und er wusste, dass Kalvar ihn nicht wieder auftauchen lassen würde.
Keros Überlebenskampf dauerte nicht lange. Er war zu schwach. Kalvar genoss jede Sekunde dieses Schauspiels. Ja, er war nicht mehr der alte. Er hatte sich binnen Sekunden verändert, das war ihm bewusst. Ob es das Amulett war oder diese Erhabenheit, den Spieß umgedreht zu haben, wusste er nicht. Und erst als keine Blasen mehr an die Wasseroberfläche kamen und Kero eindeutig nicht mehr am Leben war, wurde ihm alles bewusst, was gerade passiert war. Er hatte drei Personen getötet. Nicht aus Notwehr. Er hätte Janu und Zilo auch laufen lassen können und Kero hätten sie auch rechtzeitig gefunden, um ihm zu helfen. Doch Kalvar hatte sie getötet. Eiskalt.
Ungläubig starrte er auf seine Pfoten. Diese Fähigkeiten waren das, was die kleine böse Stimme in seinem Kopf immer wollte. Die kleine böse Stimme, die immer leiser gewesen ist, als sein gutes Herz, hatte die Oberhand. Und es gefiel ihm.
Und er wusste, dass dies erst der Anfang war.
 

Hybai

Guest
Einfach eine Klasse Geschichte, konnte mich wunderbar einlesen und mit fiebern hat echt Spaß gemacht. Und vorallem Kalvar Veränderung finde ich sehr gut umgesetzt . Mach auf jeden Fall weiter . :)
 
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