Hinnerk - ein Ostfriese stellt fest: Die Menschen sind nicht allein

Fewur

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25 Aug 2009
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Hier noch eine kleine Geschichte aus meiner Rollenspielwelt.







„Jümmers nei wat is dat hier kolt“ entfuhr es Hinnerk als er endlich auf dem Marktplatz der Stadt stand. Er sah sich um, der Stil der Gebäude hier war sehr rustikal, und gewöhnungsbedürftig. Nicht wie die schönen roten Klinkerhäuser daheim. Am besten noch mit Reet gedeckt. Nein, hier gab es kalte graue Steine, und ein mörderisches Kopfsteinpflaster. Langsam setzte er sich in Gang, der frische Schnee unter seinen Füßen knirschte leicht. Es war unwirklich, ja fast schon grotesk hier. Wie aus einem Märchenbuch, nur das hier garantiert die böse Hexe wohnen würde.
Die Straßen waren leer gefegt, keine einzige Gestalt war zu sehen. Ihm wurde gesagt das hier eher nachts Betrieb sein würde, aber das hier gar nicht los ist war fast schon beängstigend. Als er weiter in Richtung des ihm zugewiesenem Hauses ging sah er schon die Palette neben dem Eingang stehen. Er fragte sich wie die Leute die schwere Palette über diesen Straßenbelag befördert haben.
Er ließ den Blick über sein gesammeltes Hab und Gut streifen. Es schien noch alles zu sein. Der Amboss den ihm sein Vater vermacht hatte, das Werkzeug welches er sich von seinem letzten Geld organisiert hatte und auch seine persönliches Sachen wie die Kochbücher und die Schmiedehandbücher. Leise seufzte Hinnerk als er daran dachte das er nun nicht mehr zurück in die Heimat kommen würde. Was eine kleine gefundene Kiste verursachen konnte. Es war erstaunlich wie sehr sich alles veränderte nach diesem folgenschweren Ereignis.
Hinnerk setzte sich auf den Amboss und begann seine Pfeife zu stopfen, er lies die vergangenen Ereignisse noch mal vor seinem geistigen Auge ablaufen.


Er war auf dem Feld und pflügte mit seinem Traktor durch den Acker. Seit er seine Schmiedelehre beim Schmied beendet hatte half er bei einem benachbartem Landwirt aus, verdiente sich so ein paar Euros nebenbei.
Und dieses mal stand Ackerpflügen auf dem Programm, und das war etwas was Hinnerk konnte. Er schaffte es besser, schneller und genauer zu pflügen als der alte Bauer selber. Und so pflügte er diesesmal sehr dicht an der alten Eiche vorbei die mitten auf dem Acker stand. Diese stand schon damals hier als es noch das Kloster in der Hagermarsch gab. Das war irgendwann im Mittelalter „Dor ging dat mit de Duevel to, dorum hemm die Inquisitoren de Gomorrapalast offreten“ sagte Oma öfter. Hinnerk lachte immer über diese Geschichten „Oma, ik buen keen Kind mehr, mir kannst mit disse Maerchenschtorys keen Angst mehr moken“ entgegnete Hinnerk. Hätte er damals gewusst was passieren würde, dann hätte Hinnerk wohl nicht gelacht.
Aber noch wusste er es nicht, und so pflügte er munter weiter, und auch an der Eiche vorbei. Gerade als er sie fast passiert hatte ruckte es einmal und der Traktor stand, und seine Reifen gruben sich knirschend in den Kleiboden. „Gottverdammich, disse Schiet hier, ick werd hier noch mallich mit disse bloede Acker“ entfuhr es ihm als er den Traktor ausgemacht, und die Fahrerkabine verlassen hatte um nach zu sehen. Sicher hatte er eine Wurzel erwischt, das war dann wohl Gottes Strafe nicht auf seine Oma zu hören, und er ging zum Pflugschar, blickte sich diesen genau an. Er konnte so nichts entdecken, als er dann die einzeln die Pflugscharblätter untersuchte und mit dem Schuh etwas den Klei wegschob machte es leise *plock* und sein Fuß stieß gegen etwas Metallisches. Mit den Händen grub er etwas den Ackerboden beiseite, aber er sah nur eine kleine messingfarbene Fläche.
„Verdammich, und nu net agrade heb ich keen Schaufel hier“ Hinnerk blickte zum Traktor. Er zuckte leicht zusammen bei dem Gedanken, aber es ging wohl nicht anders. Hinterm Fahrersitz lag die große Schmiedeeisenere Bratpfanne von Muttern, diese würde zwar toben wenn sie wüsste was Hinnerk vorhat. Aber er sah keine andere Möglichkeit den Klei weg zu schaufeln.
Gesagt getan, er nahm sich die Pfanne und schaufelte drauflos. Es dauerte auch nicht lange und er hatte einen Messingwürfel von einer Kantenlänge von 50 cm freigelegt. Er schob sich seine Mütze etwas nach hinten und kratze sich an der Stirn.
„ Wat is dat foer een Ding?“ sprach er laut und musterte die metallene Oberfläche. Trotz dessen das sie unter der Erde war schien sie vollkommen rein und glänzte golden. Er beugte sich vor und betrachtete sich die Oberfläche, es waren krude aussehende Schriftzeichen auf dem Würfel. Sie wirkten hässlich und irgendwie beunruhigend. In der Mitte war eine kleine Erhebung, Hinnerk strich mit dem Finger darüber. Gerade als er sich wieder hinstellte schien ein rotes Glitzern über die Oberfläche zu gehen. Hinnerk machte etwas größere, und fragende Augen, ging einen schritt zurück.


Der Würfel begann zu vibrieren, man hörte ein leises keuchen und knirschen. Es dauerte nur einen Moment als der Würfel begann sich plötzlich zu öffnen und zu zerteilen. Es war wie bei den Transformer die er als Kind geliebt hatte, nur das dieser leider eher nach Decepticons, als nach Autobots aussah.
Nach und nach klappte sich der Würfel auseinander, und es bildete sich wirklich eine Art Roboter oder Golem. Dieser war gute zwei Meter groß, und wirkte nicht sehr massig, aber doch irgendwie stabil. Hinnerk blickte sich um, und da die Bratpfanne in Griffreichweite war wurde sie nun weiter zweckentfremdet.
Gerade als er den Golem wieder ansehen wollte bekam Hinnerk einen heftigen Schlag auf die Seite. Es knackte leis, und ein großer Schmerz durchfuhr seinen Körper. Er flog nach hinten und landete hart auf dem Ackerboden. Er schaffte es noch bei Bewusstsein zu bleiben, und behielt die Pfanne in der Hand.
Als er hochsah fiel sein Blick auf den Golem, dieser schien von innen heraus rötlich zu leuchten. Sein Griff wurde fester um den Stiel der Pfanne und Hinnerk richtete sich auf „Ick wet nei wat du foer een bist, aber wenn du min ei in Ruhe loten deist, dann klatsch dat……..aber keen Beifall!“. Irgendwie schien den Golem das nicht wirklich zu interessieren, und er setzte nach. Die messingfaust seine Kontrahenten versuchte Hinnerk am Kopf zu treffen. Aber Die Bratpfanne war schneller. Es gab ein lautes läuten, fast wie bei einer Glocke, und Hinnerk grinste. Es ging doch nichts über gute friesische Schmiedekunst.
Jetzt war es an ihm eine entsprechende Antwort auszuteilen, und er holte aus schlug dann so heftig zu das die Vibrationen sich bis in seinen Arm weiter trugen. Er hatte den Golem direkt am Kopf getroffen, und dieser wankte leicht nach hinten. Auch wenn der Golem wohl aus Metall, und sehr stabil war so war dann der Kopf von Hinnerks stummen Kontrahenten leicht lädiert.
Was dann folgte ging so schnell das sich Hinnerk nicht genau daran erinnern konnte. Es war auf jedenfall ein heftiger Kampf. Drei gebrochene Rippen, der linke Arm zermalmt und übersät mit Schnittwunden und blauen Flecken stand der großgewachsene Friese letztendlich vor den zerschmetterten Resten des Golems. Inmitten der Messingteile lag ein unheilig rot glühender Kristall. Hinnerk hob ihn vorsichtig auf, und als er meinte ein wimmern und jammern zu vernehmen schmiss er diesen wieder hin und schlug mit der Pfanne zu. Als die Bratpfanne auf den Kristall traf knallte es laut und in einer Nebelschwade zerplatzte der Kristall in tausend Teile.
Hinnerk spuckte auf den Boden, und ging langsam wieder zum Traktor zurück. Sein linker Arm schmerzte stark, und er blutete aus diversen Wunden. Gerade als er die Pfanne fallen ließ um die Kabinentür zu öffnen vernahm er ein leises jaulen. Fast wie das einer Katze, es klang gequält und hilflos. Hinnerk drehte sich um und erschrak, vor ihm, inmitten der Kristallsplitter, lag ein humanoides Wesen. Dieses hatte ein feuerrotes Fell, und einen Schweif knapp über dem Hintern.
Hinnerk keuchte, ihm stockte der Atem und er ging einen Schritt zurück. Er lehnte sich an den Traktor und betrachtete sich das Wesen, es wirkte wie eine Mischung aus Mensch und Katze. Es war weiblich wie er sehen konnte, und war wohl um die 1,60m groß. „Wat ist dat foer een Ding, wat is hier los…..verdammich“ waren seine Gedanken. Er stieß sich vom Traktor ab und wollte zu dem Wesen gehen, aber es sackten ihm die Beine weg. Er fiel zu Boden, sein Körper zollte nun dem harten Kampf seinen Tribut. Hinnerk vernahm noch ein knistern und die Worte „McCain, sichern sie die Umgebung, Alvares, kümmern sie sich um die Verletzten“ dann wurde es dunkel.


Das war nun einen Monat her. Hinnerk zündete sich mit einem Feuerzeug seine Pfeife an, und betrachtete sich danach den Siegelring an seinem Ringfinger. Er wurde durch die Squad geheilt, und auch aufgeklärt.
Die Menschen lebten noch nie alleine auf der Erde, es gibt viele Rassen und Tiere die einem normalen Menschen wohl nur aus Märchenbüchern bekannt sind. Nur leben diese getarnt unter unter den Menschen, da diese immer rassistischer wurden und Jagd auf alle Wesen machten die nicht sind wie sie selbst.
Langsam zog er den würzig schmeckenden Rauch in seine Lungen und schmunzelte. Magdalena, die Felina die er durch die Zerstörung des Golemherzens befreit hatte war sein erster Kontakt zu der, ihm nun bekannten, Welt. Sie war Sklavin eines, längst gestorbenen, Schwarzmagiers. Er sperrte sie vor rund 2000 Jahren in diesen Kristall, und erschuf damit den Golem.
Es war immer noch schwer zu glauben das es so etwas wirklich gibt, aber es ist so. Die Gespräche mit ihr waren immer sehr erheiternd, trotzdessen was sie erlebt hatte war sie eigentlich eine sehr aufgeweckte Natur. Nur in ihren Träumen wurde sie von unsichtbaren Dämonen verfolgt. Darum wurde sie letztendlich nach Neuseeland verlegt, zumal sie mit der ganzen neuen Technik nichts anfangen konnte.
Hinnerk wurde vor die Wahl gestellt: entweder würde die Erinnerung an das Geschehnis mit Magdalena, und alles was mit der neuen Welt zu tun hat gelöscht werden, oder er müsse von seiner Heimat fort und woanders ein neues Leben aufbauen. Er entschied sich für letzteres, und ließ sich von der Squad beraten.
Es standen ihm sehr viele Möglichkeiten offen, aber er wollte etwas vollkommen neues ausprobieren. Es gab eine Stadt mit „gutartigen“ Dämonen, jene hatte noch keinen Schmied. Und als Landmaschinenmechaniker, mit richtiger Schmiedelehre war Hinnerk recht prädestiniert. Der Angestellte in der Planungsstelle bat Hinnerk zu bedenken das an dem Ort ein normales Leben kaum möglich sei. Aber das war dem Friesen egal, eine Frau hatte er mit seinen 23 Jahren immer noch nicht gefunden. Was kein Wunder war bei seiner Statur. Ein Hüne mit 2,20m Größe, Hände wie Radkappen und einem Kreuz wie ein Schrank war den meisten Frauen einfach zu plump. Die richtige hatte er irgendwie nicht gefunden, und es mittlerweile aufgegeben eine bessere Hälfte zu finden.
Und so saß er nun mitten in der Arktis vor einem mittelalterlichen Gebäude, und würde gleich beginnen seine Schmiede einzurichten. Um die erste Zeit über die Runden zu kommen würde die Squad ihm helfen, aber letztendlich muss er sich hier ab jetzt seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten.


Er nahm noch einen Zug und richtete sich auf, die Sonne sank langsam tiefer, und bald würde die Nacht hereinbrechen.

Es gibt noch viel zu tun
 
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Fewur

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danke :)

Wenn ich im Schreibwahn bin, dann ufert die Geschichte schnell aus. Das hier ist noch eine kürzere ;)
 

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