Goldherz: Die YCH-Geschichte

Larc

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Goldherz: Die YCH-Geschichte - Werdet Teil meiner Welt.

Inhaltsangabe:

Nach einem tragischen Unglück entstand in der Heimatwelt der Drachen ein Dimensionsriss in eine andere Welt. Im Irrglauben es handelt sich um den Abgrund in den Nether (das Nichts), wurde es zur gängigen Praxis und Hinrichtungsmethode, Verbrecher in den Krater zu werfen. Die Untersuchung des Vortex durch Meister Lung Tao, einem meiner Hauptfiguren ergab, dass es sich bei dem Riss in Wahrheit um ein Portal in eine andere Welt handelt, der die Drachen im Unwissen ihre gesellschaftlichen Probleme aufgehalst haben. Nun gilt es, Verantwortung für die Fehler der Vergangenheit zu übernehmen. Eine Schar aus Freiwilligen formt eine Expedition um den Gelehrten, die mit der Mission, Wissen zu erlangen und die Ordnung wiederherzustellen, in die fremde Welt aufbricht. Ein schwieriges Unterfangen, da alles was die Einheimischen über Drachen wissen, auf die Erfahrungen mit den Schattenseiten ihrer Art beruht.

Direktlinks zu den Kapiteln:

Prolog:

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Infos zum Projekt:

derzeit gesucht:

Mondsänger/Wölfe, die sich gegen eine falsche Göttin auflehnen.

Rollen:

Der/die Musiker/in: Spielt die Geige im Orchester am Tage des Mondfestes und gehört insgeheim zum Widerstand.
Der Unglücksrabe: Wird gemeinsam mit zwei Rädelsführern von der "Herrin" verhört, weil er mit ihnen in Kontakt stand und zur falschen Zeit am falschen Ort war.
Diverse kleine Auftritte als Gefangene im Tempel, die es zu befreien gilt. (Kann später mehr daraus werden.)

Dabei sindbislang:

Dyr (Dahlia Felis)
Saorsa
Fiete Langohr
Shelli
Safur



Ich möchte euch mein neues Projekt vorstellen. Da ich eher jemand bin, der beim kreativen Schreiben ein gemächliches Tempo anschlägt, habe ich mich gegen den NaNoWriMo und für ein eigenes Communityprojekt entschieden.
Goldherz erzählt die Geschichte meines Wyverns Amahr (Anthro, Feral)und anderen wichtigen Protagonisten um ihn. Vielleicht wird später ersichtlich, warum es das Setting erforderlich macht, einige storyrelevante Nebendarsteller einzubinden. Da ich mir zwar gerne Charaktere und dessen Persönlichkeit erdenke, aber oft allein aus Dingen wie Namensfindung, Erscheinungsbild usw. eine Wissenschaft mache, dachte ich mir, ich gebe Freiwilligen die Möglichkeit, "Nebenrollen" in meiner Geschichte zu besetzen.

Wieich mir das vorstelle?

Diese "Rollen" können unter dem Strich alles sein. Vom einfachen Bewohner der Welt, Komparsen in einer Schlacht, bis hin zu tragenden Nebenfiguren, die helfen die Handlung voranzutreiben. Oder gar feste Mitglieder der später erklärten Expedition, die immer mal wieder erwähnt werden. Ich werde keine megamäßigen Charakterprofile erwarten. Letztendlich muss ich den Spagat schaffen zwischen einer Figur, die mir ins Bild passt und mit der ihr euch identifizieren könnt. Bei kleineren Gastauftritten ist dies kein so großes Problem. Für "größere" Rollen plane ich, den entsprechenden Posten in einer Art "Stellenanzeige" aus zu schreiben. Dann könnt ihr entscheiden, ob ihr euch damit identifizieren könnt.
Gerne dürft ihr mir auch eine PM schreiben, wenn ihr das Gefühl habt,einen Charakter zur Hand zu haben, der ins Setting passt.


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Hier folgen demnächst Infos zur Welt und den wichtigsten Charakteren.
 
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Larc

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Goldherz






Illustration von Azazel




Prolog: Die Schatten des fünftenKönigreichs




Erzählungen ranken sich um Helden,Monster und einst lebende Legenden. Die Unsere ist lang undweitgehend nicht erzählt. Nie gehört von außenstehenden Ohren. NurWenige kennen die wahren Geschichten hinter dem Mythos der Drachenund blicken hinter die Fassade. Für Manche wurden wir Dämonen.Wesen aus einer anderen Welt, die kamen um zu rauben, zu zerstörenund zu erobern. Nur hoffen können wir, dass jene, die unter denSchatten unserer Art litten, die erkennen werden, die aufstanden, umVerantwortung für die Fehler der Vergangenheit zu übernehmen.
Was unterscheidet den Helden vomMonster? Meist nur der Blickwinkel des Erzählers.


Unser Ursprung liegt in einer fernenWelt. Ein massiver Kontinent umgeben von endlosen Tiefen des Meeres,bildet die einzige Landmasse unserer Heimat. Gezeichnet von vier bewohnten Regionen ist unser Land. Riesige Wälder und endlos scheinendes Grün im Südwesten,beheimaten die naturverbunden Erddrachen und andere Wesen, die diesem Element zugewandt sind. Östlich davon liegt von Flüssen und großen Seen durchzogenes Sumpfland, dessen friedliche Bewohner an das Wasser als Ursprung allen Lebens glauben.Nordwestlich verdunkeln Vulkane den Himmel. Die Aschlande sind dieHeimat der Clans der Magmari. Stolze Krieger, die für ihren Mut undihre Tapferkeit ebenso bekannt sind, wie für ihren Jähzorn und ihren Dickschädel.
Mein Name ist Lung Tao Ning und mein Volk entstammt den stürmischen Hochebenen im Nordosten. UnsereKultur fußt auf Philosophie, Wissenschaft und dem Streben nachPerfektion.


Nicht immer waren sich die vier Nationen eins. Unsere Geschichte ist geprägt von Rivalität und Rangkämpfen. Vor vielen Generationen wurde eine Organisation ins Leben gerufen, die unabhängig von unseren Herrschern über Frieden und Gleichgewicht in unserer Welt wachen sollte. Geleitet und gegründet von der seltenen und stolzen Blutlinie der Metalldrachen, zog der Orden der vier Krallen, deren Anhänger und Familien, in die zentrale Ödnis des Kontinents, um dort auf Grund der taktischen Lage, eine Operationsbasis zu gründen, von der aus sie diplomatisch und wenn nötig militärisch in Krisen und Konflikte eingriffen.
Die Zitadelle der Stählernen ragte dereinst in den Himmel und unweit davon entstand eine kleine Siedlung. Was einst als kleiner, zentral gelegener Außen- und Handelsposten seinen Ursprung nahm, erwuchs in den darauf folgenden Jahrhunderten zur prachtvollen Oase. Mit dem vereinten Wissen über die Elemente, zähmten die Bewohner die Ödnis, bewirteten sie und schufen dort einen unabhängigen Stadtstaat, der heute als Stahlhain bekannt ist und bis in die heutige Zeit die Zusammenarbeit der vier dominierenden Blutlinien symbolisiert.


Vor rund 8 Dekaden geschah das Unglück. Eine gewaltige, arkane Explosion, die des Nachts am Horizont aller vier Nationen zu sehen gewesen sein musste, zerstörte die Zitadelle. Wo einst das Wahrzeichen und das Heim der Stählernen in den Himmel ragte, entstand ein tiefer Krater unweit der Stadt Stahlhain. Der Vortex, ein bis heute arkan glühender Riss in den Abgrund des Nethers, wie wir vermuteten. All jene unserer weisesten und ältesten Führer, die nicht auf diplomatischen Reisen waren, kamen dabei ums Leben. Bis heute wissen wir nicht genau, was in jener Nacht geschah. Sie hüteten stets ihre Geheimnisse. Nur vermuten können wir, dass der Vorfall das Resultat eines missglückten Experimentes war. Der leitenden Hand beraubt, brach eine Zeit der Unruhen über Stahlhain herein. Die Reformierung der Regierung, schürte begraben geglaubte Rivalität und der Stadt drohte ein Bürgerkrieg. Unterstützt von der treuen Ordensgarde und Teilen der Bevölkerung, gelang es letztendlich, einen neuen Regenten zu krönen und Elvanus, der Silberdrache ward fortan als der Stahlkaiser bekannt. Mit Cyrill, der Goldenen an seiner Seite wurde die einstige Demokratie Stahlhains zur Monarchie. Die beiden, überlebenden Stählernen genossen Sympathie bei den Bürgern. Dennoch war der Beginn ihrer Regentschaft geprägt von Unruhen.


Opportunisten und Hetzer stellten jene auf die Probe, die darum bemüht waren, die Ordnung wiederherzustellen. Der Stahlkaiser sah sich gezwungen, mit harter Hand gegen jene Unruhestifter vorzugehen. Im Glauben, der Vortex sei ein Abgrund in die Leere des Nethers, wurde es zur gängigen Praxis, sich Schwerverbrecher zu entledigen. Geworfen und gebannt ins Nichts, glaubte man unsere Welt von ihnen befreit zu haben.


Vor ein paar Jahren reiste ich als Gesandter der Akademie meiner Heimat nach Stahlhain, um die dortige, arkane Anomalie zu erforschen. Nach unzähligen, nicht nähererwähnenswerten Misserfolgen und einiger Zeit der Vorbereitung, gelang mir mit der Hilfe der mit mir angereisten Arkanisten letztendlich der Durchbruch. Als Windwandler ist es mir möglich, meine Seele im Zustand der Meditation mit dem Wind schweifen zu lassen. Ein Gefühl als würde der Geist den physischen Körper zurücklassen und in den Himmel entsteigen. Noch nie hatte ich zuvor diese Fähigkeit interdimensional angewendet und der Blick auf die andere Seite erforderte diverse Kraftrunen und Unterstützung durch die mit mir geteilte, astrale Energie meiner Schüler. Das kraftzehrende Ritual kostete mir fast das Leben, doch die dadurch gewonnene Erkenntnis sollte alles verändern.


Der Vortex ist nicht wie geglaubtein Riss ins Nichts. Vielmehr handelt es sich um ein Portal in eine andere Welt. Die andere Seite des interdimensionalen Tores liegt auf dem Grund eines flachen Sees inmitten eines idyllischen Tales, von dem durch die Anomalie ein schwaches Glühen ausgeht. Die begrenzte Zeit, die wir die Konzentration aufrecht erhalten konnten, nutze ich, um möglichst viele Eindrücke zu gewinnen. Als meine Seele mit dem Wind reiste, sah ich viel unberührte Natur, fremde, offenbar empfindungsfähige und aufrecht gehende Wesen und eine Welt, die unter den Schatten unserer Art litt. Ich erwachte Tage darauf gänzlich entkräftet in einem Krankenbett. Die Erinnerung noch immer präsent, sah ich mich in der Pflicht, um eine Audienz mit dem Kaiser zu bitten.


Als Spinner verlacht und nicht einmal eingelassen, kam ich zur Erkenntnis, dass die Dickköpfigkigkeit,die man den unseren nachsagt, bei Vielen mehr ist als nur ein Klischee. War es reines Glück, dass ich in Taira, einer Diplomatin im Dienste des Kaisers, auf die ich zufällig in der Stadt traf, eine Hilfe fand? Ihre Bekanntschaft war ein Geschenk des Himmels und sollte sich auch später als wertvoll erweisen. Als Vertraute des Regenten, gelang es ihr, ihn davon zu überzeugen, diese eigenwillige Art der Hinrichtung einzustellen. Gemeinsam fassten wir den Plan, eine Expedition zu formen und in die fremde Welt vorzudringen. Stahlhain stellte uns jedoch nicht das erforderliche Personal zur Verfügung und erneut waren es ihre diplomatischen Beziehungen, die unsere Unternehmung überhaupt ermöglichte. Gemeinsam mit ihren Adoptivsohn Amahr reiste sie auf der Suche nach freiwilligen Pionieren durch die vier Reiche. Abenteuerlust und Wissensdurst lockten viele unserer Art an. Es gelang ihr selbst Hohepriesterin Septis und General Fengar von unserer Sache zu überzeugen und sich uns mit einer Schar der Ihren anzuschließen.


Die Jahre der Vorbereitung sind vorbei und die Gemeinschaft steht kurz davor, in die fremde Welt aufzubrechen. Noch wissen wir nicht, ob es einen Weg zurück gibt. Nie kehrte jemand aus dem Riss zurück. Dennoch ist es Zeit, Verantwortung für die Fehler unserer Vergangenheit zu übernehmen. Das Ziel unserer Mission ist die Wiederherstellung der Ordnung in einer Welt, der wir versehentlich unsere Probleme aufgehalst haben, Wissen zu erlangen und nach möglichen Überlebenden der Stählernen zu suchen. Mögen die Ahnen über uns wachen.


Persönliches Tagebuchvon
Meister Lung Tao Ning
 
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Larc

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So was ist mir auch noch nie passiert. Copy&paste hat komischerweise einige Leerzeichen geschluckt. In meiner Datei schaut es anders aus. Das hätte ich ja gemerkt, wenn da so viele Leerzeichen fehlen...
Entschuldigt die Unordnung! Ich habe es leider jetzt erst und nicht beim Upload gemerkt und hoffe, dass es nun ordentlicher aussieht.

Part 2 folgt...;)
 
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Fiete Langohr

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Im Startpost fehlen auch noch ein paar Leerzeichen.

Nachtrag:
Hat sich erledigt.
 
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Larc

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Danke für den Hinweis! Ich hoffe nun passt es! Muss ich beim nächsten Mal darauf achten, ob es wieder passiert. Bislang hatte ich das Problem noch nie.
 
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Larc

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Hiermit ist die "Introepisode" abgeschlossen, die meine Charaktere und die Situation in der Welt etwas beleuchtet. Kleine, augenzwinkernde Andeutungen zur Einführung von ein paar Chars von euch, sind bereits enthalten. Später folgen dann etwas "größere" Gastauftritte. Als nächstes kommt ein Actionpart mit den Drachen, die dabei sind und vielleicht findet sich noch der ein oder andere Wolf für den Widerstand.

Dieser Part wurde etwas dialoglastig und ich hoffe es ist mir gelungen, meine Charaktere sympathisch rüber zu bringen. Ich wünsche euch auf jeden Fall viel Spaß!
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Die Schatten des fünften Königreichs (2/2)





Verloren in Gedanken hing der Blick des grauen Lungs auf der ersten Seite seines Journals, das er einst begann, als die Expedition in die neue Welt aufbrach. Seit der Fertigstellung der Torfeste als Außenposten und Operationsbasis am südlichen Pass des Tals,waren zwei Jahre vergangen und die Expedition konnte sich seither der Erkundung der neuen Welt widmen. Die Einheimischen nannten diesen Ort das Sicheltal. Fruchtbares, teils bewaldetes Land mit üppiger und vielfältiger Vegetation. Idyllisch und abgelegen, war es umgeben von einem Felswall, dessen ungewöhnliche Form wohl namensgebend gewesen. Ein Fluss hatte sich im Laufe der Zeit seinen Weg durch das Felsmassiv gebahnt und versorgte das Tal mit seinem kristallklaren, lebensspendenden Wasser.
Einst vor langer Zeit durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden, war dieses Stück Land, dessen Zugang zu Fuß einzig der Pass im Süden war, seinen Bewohnern eine natürliche Festung geworden. Kein Wunder also, dass hier einst Wesen ansiedelten, die Schutz vor natürlichen Feinden suchten und diesen im Schoße des Berggrates fanden, bis die Monster aus dem See kamen.


Der Archivar schien gedanklich in der Vergangenheit zu verharren. Die sich senkende Sonne, die durch das Burgfenster drang, tauchte seinen Raum in ein rötliches Licht Ein bescheiden eingerichtetes Zimmer mit kalten Steinwänden, prall gefüllten Bücherregalen und einem Bett. Allerhand seltsam anmutender Gerätschaften und geöffnete Folianten, Schriftstücke und Bücher lagen chaotisch verteilt und ausgebreitet auf dem halbrunden Tisch vor ihm, der an die Form der Außenwand angepasst war.
Der Raum wirkte wie das Heim eines Drachens, der sich dem Streben nach Wissen und Weisheit verschrieben hatte, wie Viele der östlichen Art. Das Durcheinander seines Arbeitsplatzes über das er wohl möglich einzig und allein die Übersicht besaß, stand im Kontrast zu dem ansonsten rustikalen, aber penibel ordentlich gehaltenen Zimmer.

Tao brütete über seinen persönlichen Aufzeichnungen und ließ nachdenklich die beschriebenen Seiten seines Tagebuchs über die ledrige Fingerkuppe streichen, bevor er es schloss und zur Seite legte. Eine Schande, dass die faszinierenden Bewohner dieser Welt zunächst Bekanntschaft mit den weniger vorzeigbaren Individuen seiner Art machen mussten. Kein Wunder also, dass sie auch der Expedition des Ordens zunächst mit Vorbehalt und Furcht begegneten. Selbst nach der Sicherung des Tals durch Fengars Garde, dauerte es seine Zeit, bis sie erste Kontakte zu den Ureinwohnern der Region knüpfen konnten. Er erinnerte sich an die verlassenen und teils zerstörten Siedlungen, die ihre Truppen beim Erkunden des Tals vorfanden. Die Sicheltaler wogen sich in ihrem Heim in Sicherheit und schienen nicht auf die Bedrohung, die einst dem See entstieg,vorbereitet, gewesen zu sein. Aus Furcht vor jenen „Dämonen“ hatten sie sich lange in einem notdürftig eingerichteten Exil nahe des äußeren Grates versteckt. Glücklicherweise bevorzugten viele der verbannten Übergänger wärmere Klimazonen und zogen in den Süden, doch ihre Ankunft hatte Spuren hinterlassen.


Die Drachen nannten die hier dominierenden Gattungen der Region Donnerläufer. Eine Gemeinschaft aus Wesen, deren Lebensgrundlage auf Grund der pflanzlichen Ernährung die Landwirtschaft war. Der Überbegriff wurde vom Geräusch inspiriert, das ihre Hufen erzeugten, wenn sie auf festen, steinernen Boden trafen. In ihrer Mitte fanden sich auch kleinere Arten, die in der Lebensgemeinschaft im Tal Schutz vor natürlichen Feinden fanden. Obwohl die Expedition noch kaum einen winzigen Bruchteil dieser Welt erkundet hatte, war Tao fasziniert von der Vielfalt des Lebens, die sie bereits hier vorfanden. Es dauerte seine Zeit, bis die Einheimischen genug Vertrauen zu jenen Drachen finden konnten, die mit guten Absichten in diese Welt kamen. Nur zögerlich wagten sie sich zurück in ihre Heime, doch mittlerweile akzeptierten sie die Anwesenheit ihrer neuen Talwächter und trieben sogar Handel mit ihnen. Man fand geschickte Handwerker unter ihnen. Seit der Frühphase ihrer Entwicklung, schienen sie den Nachteil von weniger vorhandenen, natürlichen Waffen, wie scharfe Zähne und Krallen, mit Werkzeugen und Schaffenskraft auszugleichen. Der Fakt das Fengars Schwester So'Rah, die ebenfalls in gehobener Position der Befehlskette der Garde diente, eine maßgefertigte Rüstung eines Einheimischen trug, grämte den knurrigen General und er erwähnte oft spöttisch, dass sie diese Wahl einst bereuen würde. In ihren Augen jedoch zeugten die Produkte der Schmiedekunst des Flügelhengstes, den man Shaorsaidean oder kurz Saorsa nannte, von höchster Qualität und sie ließ sich nicht von seinen mürrischen Zweifeln darin beirren.


Die Sicheltaler ehrten keine Götter. Viel mehr war es das Land, die Erde und die Welt an sich, der sie ergeben waren. Tao traf einst sogar einen Bürger, der predigte, dass eine höhere Kraft in jeglichem Leben wohnt, die alles miteinander verband. Sei es organisch oder pflanzlich. Alles schien laut seiner Auffassung im ewigen Kreislauf miteinander verwoben. Tao versuchte sich an den Namen des schwarzen Donnerläufers mit Geweih zu erinnern. Dyr? Er machte so viele, neue Bekanntschaften unter den Ansässigen, dass es ihm schwer fiel, alle Namen zu behalten.


Die flexible Wirbelsäule erlaubte es ihm, seinen schlanken, drahtigen Körper weit nach vorne zu neigen. Strähnen seiner langen, weißen Mähne, die sich in einem Kamm sein Rückrat bis zur Spitze des Schwanzes hin erstreckte, hingen in sein Gesicht. Nachdenklich strich er sich das Kinn und seine Finger spielten mit den bartähnlichen Auswüchsen, während seine kobaltblauen Augen gedankenverloren einen Punkt in der Ferne zu fokussieren schienen. Dann schweifte sein Blick über all die Schriftstücke und Bücher auf seinem Arbeitsplatz. Es war ihm eine Freude, den Bibliothekar des Sicheltals, der auf den Namen Fiete hörte, kennengelernt zu haben. Schnell sah er im ansässigen Verwahrer der Schriften einen vollwertigen Kollegen seines Fachs und genoss jede ausschweifende Konversation und Austausch mit dem belesenen Esel. Das Wissen der Ortsansässigen über die einheimische Flora und Fauna war beachtlich und eine willkommene Hilfe für die Expedition, um sich in der für sie fremden Welt zurechtzufinden. Beschämend, dass so manch Niederschrift verloren ging, als Fietes Haus bei einem Angriff weit vor Ankunft des Ordens beschädigt wurde.


Tao straffte stöhnend den Rücken und streckte sich. Er musste die Bücher durchstöbern, um seine persönlichen Aufzeichnungen zu erweitern und zu ergänzen, bevor er diese zurück in das Dorf brachte. Der Lung ließ die Finger knacken und überblickte den Berg an Arbeit, der vor ihm lag, bevor er eifrig damit begann, sich durch Lehrbücher diverser Themen zu arbeiten und sich dabei kategorisch sortiert Notizen zu machen. Die Zeit verrann wie im Fluge. Bald wich das rötliche Licht der Abendsonne den immer länger werdenden Schatten und er musste ein paar Kerzen entzünden, um fortfahren zu können. Der Teekessel über der ebenso entflammten Feuerstelle des Kamins, sang sein schrilles Lied. Gedankenverloren wollte er diesen an sich nehmen und brannte sich dabei die Finger. Hastig auf der Suche nach einem Hilfmittel, packte er einen dünnen Lappen aus Leintuch und faltete diesen, damit er mit der anderen Hand die heiße Kanne greifen konnte.
„Herein!“, sagte er, während er noch immer die verbrannten Finger schüttelte und leise im Flüsterton Schimpfworte in einer alten Sprache ausstieß. Er hörte das leise Knarren der Tür und drehte sich vorsichtig um, um nichts der heißen Flüssigkeit zu verschütten. Gekleidet in einem weißen Kimono mit roten Rändern am Saum, die mit mystisch anmutenden Schriftzeichen bestickt waren, stand er da mit der der Kanne in der linken Hand. Seine Lippen formten ein Lächeln, als er seine Gästin erkannte, die aus dem Schatten des Ganges heraus, den Kopf zum Türspalt hinein streckte.


„Meister Tao? Ich wusste nicht, dass du noch in deine Arbeit vertieft bist.“, sagte die Drachin, während ihr Blick durch den Raum schweifte und beiläufig den Tisch voller Unterlagen wahrnahm.
„Nun, es gibt eine Zeit zu arbeiten, eine Zeit für Tee und...“, das Lächeln schwand von seinem Gesicht, als die Hitze durch das dünne Tuch drang, mit dem er den Griff hielt.
„... und eine Zeit, die Kanne abzustellen.“, sagte er, während er zum Tisch eilte und das Gefäß hinstellte. „Möchtest du eine Tasse, Taira?“, fragte er ohne auch nur kurz inne zu halten, bevor er sich auf dem Weg zu einem der Regale machte, um Tassen zu holen, als würde er die Antwort bereits kennen. Tairas Nüstern zuckten, als sie den aromatischen Duft wahrnahm.


„Wer könnte zur traditionellen Mischung aus deiner Heimat nein sagen?“, sagte sie mit ihrer weichen und warmen Stimme und trat dann langsam ein. Er hingegen kehrte zurück und schob die Unterlagen grob beiseite, um Platz zu schaffen. Er holte noch schnell einen zweiten Schemel heran und winkte sie herbei. Ihr Gang wirkte stolz und aufrecht, beinahe einstudiert und formell, was durch die schwarze, taillierte Robe des Ordens mit dem rot aufgestickten Phönix als Wappentier auf der Front, noch verstärkt wurde.


Trotz ihrem unscheinbaren Äußeren mit ihren erdbraunen Schuppen und den chremefarbenen Flügelhäuten, lag eine galante Würde und innere Ruhe in ihrer Ausstrahlung der westlichen Drachin. Ihre Augen hingegen schienen eine eigene Sprache zu sprechen. Nervosität, Besorgnis und Sehnsucht nach Rast lag in ihrem Blick. Mimikfältchen in ihrem Gesicht allein zeugten von ihrem fortgeschrittenen Alter und der Erfahrung, der sonst unermüdlich wirkenden Stimme des Ordens.
„Allein der Duft beruhigt das Gemüt und weckt neue Lebensgeister. Ein heißer Schluck ist genau das Richtige nach einem Tag wie diesem.“ seufzte sie erschöpft und nahm Platz.
„Verzeih die Unordnung! Scheint so, als ob wir alle kaum Zeit zur Langeweile finden in diesen Tagen. Ein Glück, dass Angehörige deines Volkes es schafften, meine Setzlinge der Teepflanze hier zu kultivieren.“, merkte er an, während er einschenkte und dabei ohne Aufzusehen seinen Daumen zweigte.
„Grau und nicht Grün! Ohne meinen Tee, hätte ich längst resigniert! Gibt es etwas, dass ich für dich tun kann?“, sagte er mit einem Lächeln der Vorfreude auf dem Gesicht und nahm ihr gegenüber Platz. Geduldig ließ er ihr wie gewohnt ihre zwei Löffel der Zimtmischung nehmen, der er stets eine winzige Prise eines seltenen Gewürzes aus seiner Heimat beimischte, wenn er Besuch empfing.


„Falls du kein Pulver, das die Angst vor Veränderung bezwingt zur Hand hast, bin ich damit zufrieden.“
Sie hob ihre Tasse und nahm einen kleinen Schluck.
„Mehr und mehr kleine Gruppen an Leuten der umliegenden Regionen ziehen hier her in den Norden. Verschiedene Arten und verschiedene Meinungen. Alle suchen nach Sicherheit und viele bringen nicht erfreuliche Geschichten aus der Heimat. Die Sicheltaler stehen manch Jägervolk ebenso skeptisch und verängstigt gegenüber wie einst uns, bis wir unsere guten Absichten bewiesen haben.“


„Unsere Befestigung mag an der Südgrenze des Tals liegen, aber das Land dahinter ist nicht das unsere. Sicher werden die Einheimischen entscheiden wollen, wen sie willkommen heißen und wen nicht.“, sagte Tao und begann mehrere Löffel der Mischung in seine Tasse zu schaufeln, ohne interessiert lauschend den Blick abzuwenden.
Taira nahm einen großen Schluck aus der Tasse. „Versuche Verhandlungen zu unterstützen, in denen die Seite, der du zu helfen gedenkst, dich für ein Monster hält. Ich wünschte wir könnten mehr tun, aber uns sind die Hände gebunden. Die Einheimischen führen das Wort. Wir sind auch nur Gäste auf ihrem Land und es schmerzt, Einwanderer zu sehen, die bei erstem Sichtkontakt mit uns Kehrt machen.“


Der Lung hätte gerne weiter nachgehakt, doch wirkte Taira, als würde sie einen Themenwechsel benötigen, um zur Ruhe zu kommen. Die ihrer Art, die ihnen zuvor in diese Welt gekommen waren, schienen nachhaltigen Eindruck hinterlassen zu haben. Er wusste um die Situation südlich ihrer Befestigung. Manche der Reisenden kampierten dort und hatten ihre Lager so weit wie möglich voneinander aufgeschlagen. Es schien schwierig, eine Übersicht über die Verhältnisse, die sich über Jahrhunderte zwischen ihren Arten entwickelt hatten zu gewinnen. Zumindest schienen manche die neutrale Position des Ordens wahrgenommen zu haben und bemühten sich zu bleiben und sich auf Gespräche einzulassen. Ebenso hatte er vom derzeit akutesten Problem gehört, das den General veranlasste, seine Truppe zu mobilisieren.


Im Versuch, das Gespräch in eine andere Richtung zu lenken, sagte er: „Wie geht es meinem früheren Schüler Amahr? Seit er Anwärter der Phönixgarde ist und unter So'Rah dient, habe ich ihn kaum noch gesehen.“
Taira senkte den Kopf und stellte die Tasse aus der Hand.
„Die Schwester des Generals hat ihn gemeinsam mit anderen jungen Kriegern der Mission zugeteilt. Er war so euphorisch, die Chance zu erhalten, sich unter Fengars Augen zu beweisen.“
Ein unruhiger Unterton lag in ihrer Stimme und Tao überkam das Gefühl, das Gespräch vom Regen in die Traufe geführt zu haben.
„Du musst krank sein vor Sorge. Verzeih!“, merkte er verständnisvoll an.
„Seit er klein ist, redet er von nichts Anderem als von den alten Helden des Ordens. Ich hätte mir für ihn eine andere Zukunft gewünscht, aber das ist, was er möchte.“, seufzte die Erddrachin mit gesenktem Blick, den sie langsam hob um nach Momenten des Schweigens anzufügen:
„Ich mag den Weg nicht, den er als Erwachsener einschlug, aber ich glaube, der Dienst ist wichtig für seinen Werdegang.“


Nachdenklich nippte der Lung an seiner Tasse. Taira hatte stets ein offenes Ohr für Sorgen und Probleme anderer Teilnehmer der Mission. Sie selbst sprach allerdings höchst selten über Dinge, die sie innerlich bewegten. Nun war ihr erwachsener Zögling Teil des Trupps, der gegen die Basiliskenplage unweit im Südwesten, die für die gesamte Region zur Bedrohung werden könnte. Späher fanden eine ziellos umherirrende Gruppe von Frauen und Kindern eines Volkes, das sich selbst Mondsänger nannte. Erschöpft und ausgemergelt berichteten sie von reptilischen Wesen, die vor zwei Jahrzehnten in ihre Heimat kamen. Wohl eine Gruppe von Verbannten. Sie schienen freundlich, lehrten ihrem Volk viele Dinge und auf Grund der weißen Hautfarbe hielten religiöse Fanatiker ihre Anführerin für einen Avatar der Mondgöttin. Sie nisteten sich in ihrem Mondtempel ein und begannen, sich rasch zu vermehren. Die Mondsänger erzählten von fürchterlichen Machenschaften und Teilen ihres Volkes, die der Herrin trotz allem blind als Jünger folgten. Ebenso erwähnten sie den Widerstand, der sich im Verborgenen gegen die falsche Göttin auflehnte.


„Es mag dich nicht sonderlich beruhigen, aber ich habe Amahr schon lange vor Beginn seiner militärischen Ausbildung ein paar Tricks gezeigt. Einst habe ich selbst eine Zeit lang die Kampfkunst trainiert, als ich noch jung war. Lange her..“, sagte Tao und unterlegte seine Worte mit charakteristischen Bewegungen seiner flach ausgebreiteten Pranken. Der ungläubige Blick, den sein offenbar misslungener Versuch der Aufheiterung nach sich zog, brachte ihn zum Schlucken. Als sein Lehrer hatte er die Veränderung des schwarzen Wyverns bemerkt, als sich dieser dem Erwachsenenalter näherte. Auch andere seiner Kameraden sprachen darüber und es gingen Gerüchte um. Die Ränder der Schuppen seiner Brust hatten einen metallischen Glanz bekommen. Früher verbarg er es unter Kleidung, heute unter seiner Brustplatte der Rüstung. Manche hatten es dennoch wahrgenommen. Neugier überkam ihn und er fügte verlegen hinzu:


„Es ist schwer ein junges, wildes Herz zu zähmen, das das Abenteuer sucht. Die wenigsten unserer Art sind mit Aufgaben wie den unseren glücklich. Er hat deine Prägung, aber er muss starke Vorfahren haben. Nie hast du den Namen, der einsamen Mutter erwähnt, von dem du ihn adoptiert hast.“
Er versuchte es sich nicht anmerken zu lassen, doch die Augen besaßen einen neugierigen Glanz. Sie schwieg nachdenklich und griff zur Tasse. Beide hoben ihr Getränk fast synchron an. Tao nahm einen Schluck. Taira hielt inne.
„Cyrill“, sagte sie leise. Tao musste die Pranke vor seine Nase halten, um einer Reaktion der Überraschung den Tee nicht zu verspritzen.
„Die Kaiserin? Ist das wahr?“, hustete er und rang nach Luft. Sie nickte nur und sah ihm die vielen Fragen an, die seinen Geist erfüllten. Zögerlich begann sie zu sprechen.
„Tao es ist eine lange Geschichte. Sie fühlte sich vernachlässigt von ihrem Gatten und machte einen Fehler. Ich war ihre Vertraute. Sie bat mich, sein Ei zu hüten aus Furcht vor dem Zorn des Kaisers.“ Ihre Stimme besaß einen emotionalen und traurigen Unterton.
„Ich fühlte mich so allein zu dieser Zeit... hatte meinen Partner Jahre zuvor an eine unheilbare Krankheit verloren und war nie selbst in der Lage, Leben zu gebären.“ Ihre Lippen bebten sanft. Tao stand auf um eine Hand auf ihre Schulter zu legen. Er beugte sich hinab und umarmte sie tröstend.
„Ich weiß nicht was seine Zukunft bringt, doch ich fühlte mich verantwortlich ihn vorzubereiten, ihn Werte zu lehren und ihn angemessen zu erziehen. Am Tag als wir uns trafen, wusste ich bereits, dass ich dazu Stahlhain verlassen musste, Irgendwann könnten sich Anzeichen seiner Herkunft zeigen. Außerdem wollte ich, dass er geprägt wird von guten Lehrmeistern.“


Tao richtete sich auf und fühlte sich geschmeichelt. Er nahm die Kanne und schenkte beide Tassen nach. Nie zuvor hatte sie sich so geöffnet und über ihre Vergangenheit gesprochen..
„Immer ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte von anderen und selbst trägst du deine Last voller Würde. Ich setze noch eine Kanne auf. Lass es ruhig eine lange Nacht werden.“, sagte er stolz darauf, ihr Vertrauen zu genießen.
 
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Larc

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Ah ok! Wenn man die Funktion "aus MS-Word einfügen" benutzt, scheint es zu funktionieren. Danke an Fiete Langohr für den Tipp!;)
Früher habe ich meine Texte einfach so reingeworfen und es ging ohne Mucken. Hmm... naja egal!^^
Viel Spaß mit Part 2, der das Intro abschließt!
 

Fiete Langohr

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Diese Geschichte lohnt sich zu lesen und das schreibe ich nicht nur, weil ich eine kleine Gastrolle darin bekommen habe. Lasst euch nicht von der Fülle an Text abschrecken, druckt es euch doch sonst aus, wenn ihr das angenehmer empfindet. Ihr werdet es nicht bereuen, diese Geschichte macht Spaß und versteht es die Leser in ihren Bann zu ziehen.

Freut mich, wenn ich beim Einfügen des Textes behilflich sein konnte, Larc :-D
 

Larc

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Ich kann gar nicht sagen, wie sehr es mich freut, dass dir mein Projekt so gut gefällt, Fiete!
Herzlichen Dank für das liebe Feedback! Ich werde mich anstrengen, das Ganze so interessant wie möglich zu gestalten!^^
 

Falki

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So ich bin gerade die Geschichte am drucken ^^

Sobald ich dazukomme werde ich sie mir mal zu Gemüte führen bin schon sehr gespannt darauf weil ich finde die Inhaltsangabe schon sehr interessant. Nur das ganze am Handy durchzulesen war mir zu mühsam... Aber Fiete hat mich auf die Idee mit dem Drucken gebracht *lach*

*die Broschürendrucke mal in die Runde verteil* ^^
 

Larc

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So ich bin gerade die Geschichte am drucken ^^

Sobald ich dazukomme werde ich sie mir mal zu Gemüte führen bin schon sehr gespannt darauf weil ich finde die Inhaltsangabe schon sehr interessant. Nur das ganze am Handy durchzulesen war mir zu mühsam... Aber Fiete hat mich auf die Idee mit dem Drucken gebracht *lach*

*die Broschürendrucke mal in die Runde verteil* ^^
Viel Spaß!

Ich freue mich über jegliches Feedback und zu mir darf man auch ehrlich sein, wenn was unstimmig ist.
 

Larc

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Als Nächstes werde ich wohl noch einen Part bringen, der die bislang "angemeldeten" Chars etwas einführt und beleuchtet. Den Vorabend des Ausmarsches des Trupps.
Shellis Feuerdrachin tritt ebenso wie Amahr als Anwärterin der Phönixgarde auf, die der Mission zugeteilt wurden. Die beiden verbindet Kameradschaft, aber auch Rivalität.
Saorsa der Schmied liefert seine Maßfertigung (Rüstung) an die Schwester des Generals gerade rechtzeitig.
Ich kann mir eine Szene am Tor vorstellen mit Dyr und Tyger, den zwei eher mystisch/spirituell angehauchten Chars. Mit Safur (Drache) muss ich noch abklären, in welche Richtung es geht und auf Fiete könnten meine Zwei bei einem abendlichen Spaziergang nach der letztgenannten Szene treffen. Kleinere Teilabschnitte eben, die ein wenig die Anspannung vor der ersten "Mission" andeuten.


Lynn van Halen hat auch Interesse bekundet. Mal gucken wie ich es angehe.^^
Viel Spaß weiterhin!
 

Larc

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Bin die Tage nicht so dazu gekommen, aber ich kann zumindest eine Einleitung zu Teil 1 der Geschichte liefern, der den Titel "Schlaflose Nacht" tragen soll. Dieser Teil wird aus kleineren Parts bestehen, die ich im Forum seperat hochlade und die sich mit meinen anderen Hauptfiguren beschäftigen. Gleichzeitig werden nun nach der Einleitung auch meine "Gäste" auftauchen, die mir beim "character development" behilflich sind. Ich empfand es als richtig, das so zu machen, bevor die Action beginnt, weil man so vielleicht schon etwas mehr Bezug zu den Charakteren aufbaut und sich vielleicht etwas mehr um sie schert.^^


Bleibt mir gewogen! Bald gehts weiter!;)


Teil 1 – Schlaflose Nacht (1/?)


In einem vertrauensvollen Gespräch zwischen Taira und mir, stellte sich heraus, dass Amahrs wahre Mutter Kaiserin Cyrill ist. Lange hielt sie dies geheim und nannte die Drachin, die ihn in ihre Obhut gab nur die einsame Mutter. Eine arme Seele, die nicht fähig war, ihren Nachwuchs zu versorgen. Es war die Wahrheit, von einem gewissen Standpunkt aus betrachtet. Cyrill musste an der Seite eines Kaisers, der verloren in seinem Amt und eingenommen von seinen Pflichten, einsam gewesen sein. Taira erzählte mir die bewegende Geschichte einer Gattin, die den Fehler ihrer heimlichen Liebschaft bereute und den Zorn ihres Mannes fürchtete, der sie letztendlich dazu veranlasste, ihren Erstgeborenen in fremde Hände zu geben. Die Zeit ihrer Trächtigkeit, hatte sie unter dem Vorwand einer Krankheit in ihrer Kammer verbracht und nicht einmal den besorgten Kaiser eingelassen. Nur ihre engsten Vertrauten, zu denen Taira und Hohepriesterin Septis, die Heilerin zählten, kannten die Wahrheit, was auch die Verbindung der Beiden erklärt. Wenige Jahre nach der Adoption, gebahr die Kaiserin zwei gesunde Erben und der Mantel des Schweigens legte sich über das Halbblut, das aber dennoch in der Erbfolge Stahlwinds steht.


Nun verstehe ich Tairas Motive und ihren Wunsch ihn angemessen aufwachsen zu sehen. Einst bat sie mich als Gegenleistung für ihre diplomatischen Beziehungen, die der Expedition Zulauf an Abenteuerlustigen bescherte, der Lehrer ihres jungen Zöglings zu werden und es ehrt mich, dass sie in mir einen geeigneten Drachen sah, der ihm Wissen und Philosophie beibringen sollte.


Wir anderen mutmaßten über Amahrs Herkunft. Anzeichen der Blutlinie der Stählernen hatten sich mit dem Heranwachsen an seiner Brust in Form von einem goldenen Schimmer seiner Schuppen offenbart, die er meist unter Kleidung oder seinem Brustpanzer verbarg. Er selbst schert sich nicht um seine Herkunft und betrachtet seine wahren Eltern als Fremde. Aufgewachsen unter Ordensangehörigen ist er fokussiert auf das Hier und Jetzt und träumt davon, einst ein Teil der Phönixgarde zu werden und unter Fengar zu dienen. Trotz Sorge um ihn, ist Taira der Auffassung, dass der General dereinst die Ausbildung ihres Sohnes komplettieren und ihn auf die Ungewissheit, die in seiner Zukunft liegt, vorbereiten wird.


Nun stellt sich mir die Frage nach dem Vater des mittlerweile jungen Erwachsenen. Es liegt auf der Hand, dass es sich bei ihm um einen Schwarzdrachen handelt, die man umgangssprachlich Tenebri nennt. Erben und Nachkommen einer gefallenen Nation, die sich einst zwischen dem Gebiet der Magmari und meiner Heimat im ewigen Schatten der brennenden Berge befand. Sie sind Nomaden. Ronin und Söldner, die sich in den Dienst der vier Königreiche stellen und ihrem eigenen Kodex folgen. Manche von ihnen sollen den Nationen als Spione dienen, doch sie agieren meist im Schatten. Unklar ist der Name seines Vaters. Nicht einmal die engsten Vertrauten der Regentin kennen ihn. Eine Kaiserin, die dem Charme einer schwarzen Wanderklinge verfiel?
Das klingt beinahe nach dem Plot eines Schauspiels und...


Persönliches Tagebuch von
Meister Lung Tao Ning




Tao unterbrach seinen Schreibfluss und betrachte seinen letzten Eintrag in sein Tagebuch nachdenklich und eingehend. Nicht ganz zwei Stunden waren vergangen, seit Taira seine Kammer verließ, um etwas Nachtruhe zu finden. Die neu erlangten Informationen über seine alte Bekannte schienen praktisch aus ihm herauszudrängen und er verspürte das Bedürfnis, sie niederzuschreiben, um sie zu verarbeiten. Er steckte die Schreibfeder in das kleine Tintenfässchen neben ihm und strich sich die Strähnen seiner Mähne aus dem Gesicht und erhob sich von seinem Schemel. In sich gekehrt sah er aus seinem Nordfenster und erblickte vereinzelte Laternen und Fackeln, die mit ihrem Schein am Pfad zu sehen waren, der vom Dorf her hinab zu ihrem Stützpunkt führte. Es schien als sei er nicht der Einzige, der vor Anspannung auch zur späten Stunde kaum Schlaf fand. Fengar hatte den Soldaten für den Rest des Abends Freigang gewährt. Da er wusste, dass die disziplinierte Garde vor dem morgigen Abmarsch längst die nächtliche Ruhe suchte, vermutete er, dass es sich um Nachzügler der Talwache handelte, die langsam aus der Schenke nach Hause kam. Der General beschwerte sich oft lautstark über die mangelnde Disziplin der einfachen und jungen Soldaten und ließ von seiner Schwester die Spreu vom Weizen trennen, wenn es darum ging, Nachwuchs für seinen Trupp zu finden. Für die morgige Mission benötigte der General allerdings Verstärkung der Reserve und So'Rah hatte eine Auswahl getroffen. Sicher waren diese Nachzügler nicht darunter.


Nun erfüllt mit Entschlossenheit, trat der Lung zurück an seinen Arbeitsplatz und riss die begonnene Seite heraus. Das Gespräch mit Taira war vertraulich. Sie bat ihn, seine teils adlige Herkunft zu verschweigen und bei der Geschichte über die einsame Mutter und dem unbekannten Stählernen zu bleiben, der sein Blut in seinen Stammbaum einbrachte zu bleiben. Sie war der Meinung, dass es für Amahrs Entwicklung wichtig wäre, seinen eigenen Weg im Leben zu finden und dabei nicht aufgrund der Ahnen bevorzugt zu werden.
Einst würde die Zeit die Wahrheit offenbaren, doch nicht seine Schriften und ein unglücklicher Zufall sollten sie ans Licht bringen. Er entflammte die Seite an einer Kerze und beobachtete, wie sich das Papier schwarz färbte und sich die verbrannte Asche etwas wölbte. Als sich das Feuer seinem Finger näherte, ließ er das Stück Papier in seine leere Tasse fallen und lauschte dem leisen Zischen, als es mit den restlichen Tropfen des Tees darin in Berührung kam. Er genoss ihr Vertrauen und würde ihrem Wunsch entsprechend handeln.
 

Fiete Langohr

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Ein tolles Mittel den Lesern den Inhalt des Gesprächs zu vermitteln und dann anschließend diese Aufzeichnungen zu vernichten, um die Integrität Meister Lung Tao Ning zu zeigen. Sehr gelungener Abschnitt!
 

Larc

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Freut mich, dass es dir gefällt!:p

Vielen Dank für das nette Feedback und fürs Dranbleiben!;)
 

Larc

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Sooo... dieses Mal habe ich drei Gäste dabei! Das war der Grund, warum ich etwas friemeln und eine Szene gestalten musste, in dem alles zusammenpasst. Dauerte ein wenig, aber dafür gibt’s einen größeren Auftritt für alle drei!^^
Dabei sind:
Dyr, (Rev folgt) der schwarze Hirsch von Dahlia Felis als eine Art spirituell eingestellter Dorfschamane
Fiete Langohr (LINKals Bibliothekar des Dorfes
Shador, der schwarzrote Drache (LINK, als Anthro) als ein Offizier der Garde an Fengars Seite.


Starring: Fengar... mein raubeiniger Feuergrump in der Riege
http://www.furaffinity.net/view/18132485/




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Teil 1 – Schlaflose Nacht (2/?)

Spätabendliche Stille hatte sich über das idyllische Dorf gelegt, als der Bibliothekar sein Haus verließ. Fiete der graue Esel hielt kurz inne und füllte seine Lungen mit einem tiefen Atemzug der frischen Nachtluft. Gekleidet im einfachen Stoffhemd und Hose, spürte er den sanften, kühlen Wind und zog sich sein rotes Halstuch zurecht. Seine aufgestellten Ohren lauschten den Geräuschen der Natur, die vom Zirpen der Grillen untermalt, ein leises und harmonisches Orchester erzeugten. Nach einem langen, wenig ereignisreichen Tag in den Archiven des Ortes und den kaum enden wollenden Abschriften von Sach- und Märchenbüchern, schien ein kleiner Spaziergang das Richtige zu sein, um den Kopf frei zu bekommen. Er liebte diese Zeit, in der die Ruhe einkehrte und ließ den Blick über die benachbarten Steinhäuser mit ihren Strohdächern schweifen. Manche Nachbarn schienen noch ein paar geruhsame Stunden vor dem Kamin zu verbringen, doch die meisten Lichter waren bereits erloschen. Mal wieder hatte er die Zeit vergessen. Sein Hungergefühl und die Hoffnung noch eine Kelle von Mays Eintopf in der Schenke zu ergattern, lenkten seine Schritte in deren Richtung, als er die Türschwelle verließ.

Eine leise Stimme drang bereits an sein Ohr, als er von der östlich gelegenen Gasse Richtung Süden abbog und dem Pfad zum Ortsrand folgte, an dem die Schenke lag. Die Worte des Geschnatters waren noch nicht zu verstehen, als er es bereits dem Klang nach der Dame zuordnen konnte, die dafür bekannt war. Aus südlicher Richtung kam ihm auf dem spärlich beleuchteten Weg ein Pärchen entgegen. Zwei etwas untersetzte Gestalten, die eine etwas größer und weniger kernig gebaut als der andere und bekanntlich meist die Lautere von Beiden.


„Betrunken, laut und vulgär! Außerdem sind sie übergroß und haben ein Maul voller scharfer Zähne! Der alte Harold erlitt fast einen Herzinfarkt, als einer von denen auf einmal anfing, aus voller Kehle zu brüllen, um seine volltrunkene Demonstration verschiedener Kampfposen einzuleiten, die ihn wankend fast über den Tresen befördert hätte.“, hörte Fiete die Dame sagen und erkannte den Eber und seine Frau, die sich ihm näherten. Gekleidet in trachtenähnlichen Gewändern, wirkten die Beiden traditionell fein rausgeputzt und so, als würden sie von einem Fest heimkehren. Ein breites Grinsen lag auf dem Gesicht des Ehemannes, dessen Gattin ohne Unterlass auf ihn einredete.

„Einer von denen hat sogar versucht, Mays Tochter schöne Augen zu machen. Die kleine Maus ist ja kaum mehr als halb so groß wie dieser Rüpel und allein die Vorstellung, dass...“
Der Eber räusperte sich, um seine Gattin auf den entgegenkommenden Bibliothekar hinzuweisen und sie schwieg, als sie ihn bemerkte.
„Guten Abend Herr Bürgermeister!“, sagte dieser, als sich die Drei passierten.
„Herr Langohr...“, erwiderte der Eber im knappen Gruß und sie nickte ihm nur zu. Der Esel erkannte noch immer das angedeutete Grinsen. Sie hingegen wirkte entnervt und grummelig.
Es schien, als wäre eine Festlichkeit im Gange und von Weitem konnte er eine Gruppe an Leuten sehen, die offenbar vor der Schenke warteten, um Platz zu finden. Manche von ihnen schienen den Weg nach Hause einzuschlagen. Andere verblieben und behielten die Türe im Blick.

„Hast du sein Gesicht gesehen? Was immer die junge Dame gesagt hat... Sie ist so selbstbewusst und schlagkräftig wie ihre Mutter. Drachen mögen temperamentvoll sein, aber sie brachten junges Blut und Leben in unser Tal. Und nebenbei Geld in die Kassen. Sie versuchen sich zu integrieren. Einer hat sogar versucht, mein Schatz das güldene Gerstenkorn zu singen.“, hörte Fiete den Bürgermeister das Gespräch mit seiner Frau fortsetzten, während sie sich hinter ihm entfernten.
„In einer Stimmlage, die einem nachts im Traum verfolgen wird. Ist aber typisch, dass du oller Suffkopf solch Gegröhle auch noch amüsant findest.“ Hörte er sie noch antworten, bevor ihre Worte auf Grund der zunehmenden Entfernung unverständlich wurden. Mit einem Blick über die Schulter sah er die Beiden von der Hauptstraße abbiegen und konnte sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen.

An der Schenke angekommen, sah der Bibliothekar zwei schattenhafte Gestalten am Hauseck nahe eines der Fenster stehen, aus dem heimeliges Licht auf die Straße schien. Drachen von imposanter Gestalt. Dunkle Mäntel legten sich über ihre breiten Schultern. Der geflügelte Schwarze lehnte mit verschränkten Armen an der Hauswand neben den Fenster. Der andere schien eine rote Färbung zu besitzen, hatte allerdings die Kapuze tief über die Augen gezogen und wirkte auf Grund seiner Gestik unruhig und etwas aufgebracht. Beide schienen in einer Konversation verloren und schenken ihm keinerlei Beachtung, als er auf den hölzernen, überdachten Eingangsbereich trat und dabei klappernde Geräusche mit den Hufen erzeugte. Rechts neben der Eingangstüre saß ein schwarzer Hirsch auf einem verschlossenen Holzfass. Den Oberkörper aufgerichtet, die Beine im Schneidersitz überschlagen und die Augen geschlossen, wirkte er in meditativer Pose in seiner eigenen Welt verloren. Einzig das linke Ohr zuckte kurz, als er das Schrittgeräusch wahrnahm und der Esel versuchte so gut es ging, an ihm vorbei zu schleichen, ohne zu stören. Langsam öffnete er die Tür.

Die ohnehin schon deutlich wahrnehmbare Geräuschkulisse schlug ihm ungefiltert entgegen. Der Schankraum war erfüllt von lebhaftem Treiben. Mit einem flüchtigen Blick erkannte er ein paar Einheimische nahe des Eingangsbereich, deren Aufmerksamkeit dem großen Tisch am anderen Ende des Raumes galt, der für ihre Drachengäste reserviert war. Manche der Sicheltaler starrten kritisch hinüber. Andere schienen sich verdeckt und heimlich zuzuflüstern. Lautes Scheppern und Klirren, ließ Fiete ebenso hinübersehen. Ein junger Soldat hatte sich an seinen breitschulterigen Nachbarn gelehnt und ihm offenbar einen Spruch serviert, den dieser nicht komisch fand. Mit einem Stoß hatte der grauhäutige, hühnenhafte Drache ihn von seinem Stuhl befördert und im Versuch das Gleichgewicht zu halten, gingen mehrere Gläser und Flaschen herunterfallend zu Bruch. Gelächter schallte durch den Raum und die kleine Wirtin, deren Aufmerksamkeit gerade anderen Gästen galt, die sie bediente, wirbelte herum. Auf ihrem Weg zur entstandenen Sauerei, wanderte ihr Blick zur geöffneten Tür. Entnervte Resignation zeichnete ihr Gesicht, als sie mit einem Kopfschütteln und einer entschuldigenden Geste, auf den mangelnden Platz im Schankraum hindeutete. Der Esel sah ihr zögerliches Annähern, beobachtete die Szene für ein paar Momente, schloss dann die Tür und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Es schien als würden die Rekruten einen ausgelassenen Abend im Dorf verbringen. Tao erwähnte, dass die jungen Soldaten der Drachen sich stets über das verwässerte Bier ausließen, das ihr Quartiermeister einkaufte, streckte und in ihren Quartieren ausschenkte. Diese Gruppe schien reichlich getrunken zu haben und die Stimmung war dadurch offenbar im Laufe des Abends gestiegen.

Er bemerkte die rasche Bewegung des schwarzen Hirsches, der offenbar auch einen neugierigen Blick hinein riskiert hatte, bevor er schnell wieder seine statuenhafte, meditative Pose einnahm. Halb skeptisch und amüsiert betrachtete der Bibliothekar den Schamanen des Dorfes, der seine Hände mit den weißen Fingern, geöffnet über den angewinkelten Beinen hielt, während die weißen Geweihenden das gedimmte Licht reflektierten. Sicher hatte auch ihn die Neugier hergetrieben.
„Da hast du dir ja den besten Ort ausgesucht, um dem Flüstern der Natur zu lauschen, Dyr.“, sagte Fiete mit einem Lächeln und in der Vermutung, dass sein Gegenüber nicht so tief in spiritueller Trance versunken war, wie es schien. Dyr antwortete nicht und verharrte in seiner Position.
„Dem wachsamen Blick des Schamanen entgeht kaum ein Ereignis im Tal. Hab gehört, hier soll es recht lustig zugehen. Feiern ihre Rekruten irgendetwas?“, fragte er und sein Grinsen wurde etwas breiter bei der unterschwelligen Andeutung, dass manche in ihrer Gemeinde die Angewohnheit des leidenschaftlichen Beobachtens ihres Schamanen kannten.
Dyr schüttelte kaum merklich den Kopf und öffnete letztendlich ein Auge, um ihn von oben bis unten zu betrachten. Ohne sich zu bewegen, schloss er es wieder, seufzte und merkte knapp an.
„Sie ertränken ihre Aufregung. Seit ihr General ging, trinken sie noch ein wenig maßloser als zuvor.“
„Er war hier?“, fragte Fiete neugierig. Er selbst kannte das militärische Oberhaupt der Drachen nicht. Einzig Erzählungen von Tao ließen darauf schließen, dass der Gelehrte des Öfteren Differenzen mit dem stoischen und raubeinigen Veteranen hatte. Dyr nickte knapp und deutete mit der Schnauze in die Richtung der beiden imposanten Gestalten, die Fiete bei seiner Ankunft bemerkt hatte und flüsterte. „Er ist hier! Nur wissen sie das nicht.“
„Und warum sollte er vor der Tür stehen, während die Rekruten im Warmen sitzen?“, fragte Fiete leise mit einem beiläufigen Blick über die Schulter.

„Weil...“, begann der Hirsch und neigte sich sanft nach vorne, um seinem Zuhörer näher zu sein.
„...er einen Trupp der Garde für eine morgige Mission mobilisiert und seine Schwester hat eine Auswahl an Rekruten der Reserve für die Verstärkung getroffen. Er wirkt nicht gerade begeistert über die Ausgelassenheit von so manch einfachem Soldaten und hätte beim Aufmarsch gegen ein Basiliskennest im Gebiet der Mondsänger lieber Erprobte an seiner Seite. Was immer das heißt! Aufschlussreiche Dinge geschehen, wenn andere glauben man sieht nicht hin.“
Fiete reimte sich den Rest zusammen und vermutete so manch Erwählten unter den Trinkenden. Fengar schien also unbemerkt ein Auge auf seine Schützlinge werfen zu wollen.
„Ich dachte du meditierst! Belauscht du die Beiden da drüben etwa?“, flüsterte der Esel gespielt entsetzt und auf Dyrs entspanntes Gesicht legte sich für einen Moment ein düpierter Ausdruck, bevor er verschmitzt lächelte.
„Dachten sie auch aber psst!“, zischte er als er mit zuckendem Ohr aufmerksam bemerkte, dass sich die beiden imposanten Gestalten näherten.

 
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Larc

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* * *​


Minuten zuvor herrschte Schweigen zwischen dem General und einem seiner hochrangigen Offiziere. Shador, der pechschwarze Drache mit der roten Front lehnte mit dem Rücken links neben einen der äußeren Fenster an der Außenwand des Gebäudes. Die Arme über der silbernen Brustplatte verschränkt, legte er die finsteren Schwingen wie einen Mantel um sich, so dass sich die beiden spitzen Stacheln an ihrer Oberseite überkreuzten. Seine leuchtenden, roten Augen wanderten mit einem Blick über die Schulter hinein in die Schenke und dann hinüber zu Fengar. Er kannte ihn gut genug, um zu erkennen, dass der stumm beobachtende Magmarikrieger aufgebracht war und wie ein ruhender Vulkan vor dem Ausbruch wirkte.


„Warum bin ich hier, Shad?“, fragte Fengar mit bedrohlichem Unterton in der Stimme. Die rechte Pranke stemmte sich rechts neben den Fensterrahmen in die Wand und er platzierte sich so, dass man ihn von innen nicht sehen konnte. Die Linke ballte er zu Faust. Sein Blick war gesenkt. Goldene Augen funkelten unter dem Schatten der schwarzen Kapuze und verrieten seinen Unmut. Mit seinen roten Schuppen wirkte er wie ein vermummter Dämon. Angespannt und scharf beobachtend.
„Du bist nicht gemacht für das Leben am Hof von Stahlhain und noch nicht alt genug, um nur kleine Marker, die Truppen symbolisieren, auf Landkarten herum zu schieben.“, merkte Shador nüchtern an, als würde er den Satz auswendig gelernt haben. Unausgesprochen dachte er dabei auch daran, dass der General seiner Schwester und ihm wohl nicht den Spaß alleine gegönnt hatte.
„Sag das nochmal und ich glaube mir selbst vielleicht!“, brummte Fengar und sah flüchtig hinüber.
„Noch nicht bereit, Platz zu machen für die neue Generation, aber das Arbeiten mit Amateuren bringt mich meinem Grab näher! Vielleicht bekommt ihr eure Chance früher als erwartet!“


Er klang erbost und Shador wusste, dass die abgesprochene Sperrstunde näher rückte. Lieber hätte er den freien Abend vor dem Abmarsch gemütlich verbracht, doch Fengar bestand darauf, zum Schein früher zu gehen und verdeckt einen Blick auf die Wenigen in der verbliebenen Gruppe zu werfen, die der Mission zugeteilt waren.
„Was hältst du von den Anwärtern?“, fragte er sarkastisch, wissend, dass ohnehin nicht viel fehlte, dass der Magmari seine Meinung zum Besten gab. Dieser knurrte und scharrte dabei mit den Krallen an der Wand.


„In meiner Gegenwart verhalten sie sich wie zahme Welpen. Dreht man ihnen den Rücken zu, benehmen sie sich wie auf einem Kindergeburtstag! Mit weniger als dreißig Gardisten und Ehemaligen gegen den schlimmsten Abschaum unserer Heimat? Der Rest der Truppe besteht aus Saufbolden und Grünschnäbeln, die gerade dem Nest ihrer Mutter entstiegen sind und du fragst...“, knurrte er und biss sich auf die Unterlippe, während er verächtlich schnaubte. Shad verkniff sich ein Grinsen, während sein Gegenüber um Beherrschung rang.
„Der Windwurm und seine Denker haben noch keinen Weg gefunden, den Riss Richtung Heimat zu durchschreiten. Ginge alles schneller, wenn sie nicht damit beschäftigt wären, an unbekannten Blümchen zu schnuppern! Wir können nicht um Hilfe schreien und müssen sehen wie wir mit denen auskommen, die wir haben. Ich glaube die Wirtin hat mehr Kampferfahrung als manche von denen zusammen!“, fügte er noch immer aufgebracht, aber leiser hinzu.


„Ja! Vielleicht sollten wir ihre Tochter rekrutieren. Ihr linker Haken ist nicht ohne!“, scherzte Shador bissig im Gedanken an das Gesicht des betrunkenen Rekruten, der im Regen stehen gelassen und schallend ausgelacht wurde.
„Wer ist der Steinkopf da drüben?“, fragte Fengar und zeigte in den Schankraum ohne darauf einzugehen. Shads Blick folgte dem Finger zu dem grauen Drachen.
„Grent! Nicht der hellste Stern am Firmament, aber einer von denen mit Potential“, sagte er knapp.
„Auf der Liste! So voll wie der ist, hat er Potential, die Formation beim Abmarsch durcheinanderzubringen. Der schmälere Dunkelrote neben ihm?“
Shador schüttelte unwissend den Kopf.
„Sicher einer von jenen Feuerdrachen, die in verweichlicht, liberalen Verhältnissen aufwuchsen. Ich hab ein Auge auf die Beiden! Seit ein paar Minuten provozieren sie sich und ihre Körpersprache verrät, dass es bald...“
Scheppern, Klirren und Gelächter unterbrachen ihn und er sah mit einem Blick hinüber zu seinem Kameraden, der unmissverständlich signalisierte, dass der freie Abend für den Trupp hiermit beendet war.


* * *​


Dyr nahm schnell wieder seine meditative Pose ein und schloss die Augen, als die Beiden näher kamen. Er musste sich ein Blinzeln verkneifen als im Fengar im Vorübergehen wie einem Bettler eine Kupfermünze auf eine der ausgebreiteten Hände legte. Fiete huschte zur Seite.
„Guten Abend!“, grüßte er die beiden Offiziere höflich, doch die Tür war längst ins Schloss gefallen, bevor er das zweite Wort ausgesprochen hatte.
„Ich möchte nicht in der Haut der Streithähne stecken!, flüsterte er etwas eingeschüchtert und Dyr hüpfte von seinem Fass. Skeptisch betrachtete er die Münze in seiner Hand mit einem Kopfschütteln, schloss diese dann und ein Schmunzeln breitete sich auf sein Gesicht, als er sah wie sich bereits umstehende Schaulustige an die Fenster drängten, um das Geschehen zu beobachten.
„Wie kann man nur so neugierig sein?“, scherzte er und grinste.

Fengar betrat den Raum und blieb im Eingangsbereich stehen. Shador, der seine imposante Gestalt noch überragte, bremste ab, um nicht aufzulaufen. Das Gelächter hatte sich längst gelegt und der steingraue Hühne Grent hatte sich von seinem Platz erhoben.
„Du nennst mich dumm wie ein Stück Schieferstein?“, brüllte er und zertrümmerte sichtlich betrunken als Imponiergehabe eine Flasche über seinem harten Schädel. Fusel, dessen scharfer Geruch sich verbreitete, rann über seinen Kopf und tropfte zu Boden.
„Ich zeig dir wie es sich anfühlt, einen an die blöde Schnauze zu bekommen!“, brüllte er und fuchtelte mit dem Bruchstück, bevor er es auf dem Boden zerschmetterte und die Fäuste ballte. Zwei Rekruten versuchten ihn von seinem Gegenüber fernzuhalten, doch er rang sich Schritt für Schritt voran.


Fengar schnaubte mit gesenktem Kopf und näherte sich der Gruppe. Sein wilder Blick schweifte hin und her. Im Vorübergehen griff er den Hals einer Flasche, die zwischen anderen Gästen stand. Bevor diese sich beschweren konnten, landete eine weitere Münze aus seiner Innentasche auf ihrem Tisch. Knurrend schwenkte er den Rest des Inhaltes darin und goss ihn ohne lange inne zu halten, in einen leeren Krug auf einem anderen Tisch.
„Madame...“, zischte er so freundlich wie ihm möglich und brachte die zusammenschreckende Wirtin dazu, herumzuwirbeln und Platz zu machen. Manche der Soldaten hatten ihn nun endlich gesehen und erkannt. Der Schreck stand in ihren Gesichtern und jene die noch saßen hatten sich erhoben und standen stramm. Nur Grent rang noch mit jenen die ihn hielten. Mit einem Stoß donnerte einer von ihnen gegen den Tisch und bevor er sich vom Zweiten losreißen konnte, eilte der Magmari herbei, hob den Arm mit der Flasche und ließ sie mit einem dumpfen Ton auf seinem Kopf aufschlagen, ohne das Glas bersten zu lassen.
„Anschleichen wie ein Arschloch und einen Schlag wie eine Pussy!“, brüllte der Rekrut, drehte sich dabei um und erstarrte. Totenstille füllte den Raum, während auch er Haltung einnahm und schwer schluckte. Fengars Blick war starr gerichtet auf die Gruppe, die um den Tisch stand.


„Sehe ich aus wie eure Mutter? Glaubt ihr, es ist meine Aufgabe euch beizubringen, wie man sich als Gast verhält? Wollt ihr, dass ich euch Manieren beibringe? Ich bin hundert mal schlimmer als sie!“, keifte er und seine grollende Stimme schwoll mit jeder Frage weiter an. Die Flasche abstellend, schnellte seine Faust nach oben und sein Daumen deutete unmissverständlich zur Tür. Als der Trupp aufbrach wendete er sich den Unruhestiftern zu.
„Wie hast du mich genannt?“, fragte er den Rekruten scharf, dessen Kontrahent neben ihm stand.
„Sir! Ich...“, stammelte dieser sichtlich eingeschüchtert.
„Wie hast du mich genannt, Soldat?“, brüllte der Feuerdrache.
„Arschloch... Sir!“, sagte dieser kleinlaut und verlegen nach langem Schweigen.
„Sicher eine Verwechslung!“ Fengar Stimme klang ruhig, aber bedrohlich, als er den Soldaten wie ein pirschendes Raubtier umging.


„Du hieltest mich für jemand anderen, richtig? Ich bin sensibel, Soldat und schnell gekränkt! Du wolltest mich nicht kränken, richtig?“
„Nein Sir!“, sagte der Soldat mit zittriger Stimme und hielt kaum dem stechenden Blick des Generals stand, der seine Schnauze wenige Zentimeter vor seiner platziert hatte. Er sah die goldenen, katzenartigen Augen für einen Moment zucken und an ihm vorüber sehen.

„Gut...“, hauchte er zischend und bemerkte, wie die Kameraden der Truppe ihre Schritte zur Tür verlangsamten, um die Zeit zum neugierigen lauschen, verlängern zu können.
„Da unsere Zuhörer so aufmerksam lauschen, habe ich was Interessantes zu sagen: Der Nächte, den ich beim Verschwenden von Vorräten erwische, fegt für den Rest unseres Aufenthaltes unter dem Donnerbalken! Mit bloßem Schwanz! Verstanden? Bewegung, Bewegung! Oder soll ich euch in die Quartiere jagen?“
Einen tiefen Atemzug nehmend, baute er sich vor den beiden Verbliebenen auf.
„Ihr beide fragt nun freundlich nach Besen und Mob und beseitigt diese Sauerei! Ich will, dass ihr diesen Platz so sauber wie nie zuvor hinterlasst und ich möchte keine Beschwerden hören“, knurrte er und tauschte Blicke mit der Wirtin aus, bevor er die Beiden stehen ließ, sich Shador näherte und neben ihm kurz innehielt.
„Bin ich ein Arschloch, Shad?“, flüsterte er gespielt betrübt.
„Phänomen klingt respektvoller! Der Fengar, den ich kenne, hätte die Flasche...“, gab er zurück und wurde unterbrochen.
„Dieser hier hat keine Lust auf Belehrungen über das Thema, wie man Rekruten behandelt von Taira und ihren Verfechtern des Rechts! Schau ihnen auf die Finger und informiere den Korporal, dass er morgen früh beim Training schärfer mit ihnen ins Gericht geht. Die Rest ist am Sammelpunkt vor Morgengrauen! Der Andere gehört dir! Ich muss mit So'Ra sprechen!“


Damit verließ er den Offizier, öffnete die Tür und trat ins Freie. Seinem Blick war die Frage, was es so zu glotzen gäbe sichtlich anzusehen, als er die Leute sah, die versuchten, sich unauffällig zu verhalten.
„Ein Tisch ist frei geworden!“, brummte er stattdessen und verschwand mit gesenktem Kopf in der Nacht.
 

Fiete Langohr

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Sehr, sehr geil.
Ein paar klitzekleine Tippfehler, aber ansonsten eine sehr fesselnde Geschichte!
Fiete ist super getroffen und es macht großen Spaß ihn in der Geschichte auftauchen zu sehen :D.
 

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