Furry Anthro Realms

Winterkitsune

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19 Jan 2009
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So, das ist mal alles, was ich bisher geschrieben habe, spielt komplett in den Vergessenen Reichen/Forgotten Realms.

Forgotten Anthro Realms

Es schneite mal wieder, als die stämmige Waschbärin Gerlinda aus dem Schankraum trat um die kalte und klare, aber vor allem rauchfreie Luft durchzuatmen. In der Schenke selbst, der einzigen im Umkreis vieler Meilen, versammelten sich zu jedem Zehntag die Holzfäller, Jäger und Brauer um ihre neusten Errungenschaften feilzubieten, alte Bekannte zu treffen, wegen Bier und Met und um nebenbei die selben alten Geschichten zum zwanzigsten Male zu erzählen, wobei sie natürlich immer wieder anders klingt.
„Gerlinda! Komm rein, die Gäste bedienen sich nicht von selbst...“ schallte Gunnars brummige Bärenstimme nach draußen.
„Doch, könn' wa auch!“ rief noch jemand hinaus.
„Ja ja, ich komm schon...“ blaffte sie zurück und holte noch ein paar Mal tief Luft, bevor sie sich wieder den Pozwickern und Busengrabschern stellte. Noch bevor sie die letzten Schneeflocken von den Schultern gewischt hatte, war die Pfote eines Wiesels an ihrem Po.
„Herman!“ maulte sie laut und verpasste dem Grabscher eine schallende Ohrfeige, die ihn fast vom Hocker fegte. Die Schankmaid sah zwar mit ihrer langen blonden Mähne und üppiger Oberweite nicht gerade schlecht aus, aber ihre kräftigen Oberarme zeugten davon, dass sie nicht bloß Humpen stemmen könnte, sondern auch, wie der Dorfschmied erfahren musste, ordentlich zulangen konnte. Lautes Lachen erklang und hallte durch das verschneite Bergdorf, als sich der Geschlagene mit hochrotem Kopf und ziemlich kleinlaut entschuldigte, was ihm einen weiteren Schlag auf den Rücken einbrachte.

Obwohl das Dorf, Kleinbach, im Weltrandgebirge lag, fürchtete sich niemand vor Goblins, Orks oder Drachen und vor allem nicht vor irgendwelchen Lawinen. Letztere hatte es schon seit langer Zeit nicht mehr gegeben, die Gründe lagen zwar im Ungewissen, aber Geschichten der Dorfältesten erzählten von einem mächtigen Zauber, der den Schnee davon abhielt, abzugehen und damit die Gemeinschaft zu verschütten.
Trotzdem löste sich aus seltsamen Gründe hoch oben an den höchsten Gipfeln etwas Schnee und sank gen Tal, wobei er auf dem Weg nach unten immer mehr mit sich riss. Bei den Häusern hatte die Schneewand bereits eine Höhe von fast 10 Schritt und war etliche breit. Ohne einen einzigen Ton zu verursachen riss die Lawine die Bewohner von Kleinbach in einen eisigen, aber meist schnellen Tod.


Strahlender Sonnenschein erhellte die flimmernde Wüste der Desserin. In einer der Oasen balgten und tollten Koyotenwelpen unter einer schattenspendenden Palme. Warm lächelnd beobachtete die Mutter ihren Nachwuchs und knurrte ab und an, um ihre Meute zu beruhigen, wenn es etwas zu wild wurde.
Die kleinen Koyoten tobten schon fast eine Stunde lang, wobei sie immer wieder von ihrer Mutter ermahnt wurden. Ihr Vater arbeitete direkt im Haus vorm Garten als Wirt und warf hin und wieder einen Blick auf seine Nachkommen um nach dem Rechten zu sehen.
Da die Kleinen langsam aber sicher ihre Lust verloren, wunderte es die Mutter nicht, dass eins der Kinder, der Jüngste, anfing zu winseln, selbst sein Blick in den gleißenden Himmel verwunderte die Koyotin nicht weiter, aber um nicht als Spielverderberin zu gelten, tappte sie langsam und betont desinteressiert zu ihm herüber und leckte ihm Staub aus dem Fell.
„Was ist denn mit dir, hast du dir etwa weh getan?“ Während sie fragte musterte sie die anderen Kinder, streichelte das vor sich zärtlich.
„Mama, da... da ist wa-wa-was in den Wolk'n.“ fiepte eine verzweifelte Antwort.
„Was soll da schon sein, mein Klei....“ der Rest des Wortes blieb ihr im Hals stecken, denn nun hatte sie es auch gespürt, aber vor allem auch gesehen. Doch anders als ihre Kinder winselte sie nicht, sondern legte die großen Ohren an den Kopf und knurrte tief und kehlig, wie aus einem Reflex ihrer wilderen Vorfahren heraus.
Durch den spontanen Mangel an Lärm aufmerksam geworden, marschierte nun auch der Vater der Brut aus der Schenke hinaus und legte im Garten angekommen seine kräftigen Arme um seine Frau.
„Liebes, was ist denn hier los?“ behutsam rieb er seinen Kopf an dem seiner Geliebten. Diese antwortete allerdings nicht, sondern griff nur nach seiner Schnauze und dirigierte seinen Blick zur schwarzen Wolkenfront, die eiskalte Luft vor sich her schob.
„So etwas hab ich ja noch nie gesehen....“ hauchte sie ihm nach einiger Zeit in die ebenfalls angelegten Ohren. Er nickte nur schwach und zuckte dann heftig zusammen, als kalter, weißer Niederschlag auf seiner Nase landete und dort langsam zu Wasser wurde.


Obwohl das Grüngras-Fest schon lange hinter der Stadt lag, war es dank des Flusses noch immer angenehm warm in Niewinter. So weit die Stadtbewohner und auch die Archive zurückdenken konnten, hatte der Fluss, der der Stadt ihren Namen gegeben hatte, nie Eis geführt oder war gar zugefroren.
Viele Leute waren dem großen Marktplatz unterwegs, um ihr schwer verdientes Geld auszugeben, um sich Lohn schwer zu verdienen oder um es anderen zu stehlen. Barden sangen Lieder aus allen Teilen Faerûns, selbst wenn sie nie dort gewesen waren und Zauberlehrlinge zeigten ihre Tricks, während ihre Meister Interessierten die Vorzüge der arkanen Kunst näher brachten. Die Stadtwache verfolgte ertappte Diebe, welche ihrerseits in den dunklen Gassen lauerten, um unbedachten Abenteurern ihren Sold abzunehmen.
Mitten in der Unruhe und dem Chaos der fast schlaflosen Metropole gab es aber auch kleine Inseln der Ruhe. Tavernen, Schenken und Freudenhäuser, Orte an denen reichlich Geld und Bier und Wein flossen, nicht selten aber auch andere Körperflüssigkeiten.

So auch an jenem frühen Morgen in einem Ableger der „Mondsteinmaske“ im Dockviertel.
Ein exotischer Söldner, ein gut gerüstetes Känguru aus fernen Landen lag mit seiner Dirne, der besten des Hauses, einer Siamkatze, nach einer langen und harten Nacht im 'gemeinsamen' Bett.
„Yeah, Mädel, des wa' ma' 'n gut's Ding!“ genüsslich kraulte er die auf seinem Bauch liegende Katze, die ihm seine Zuneigung mit einem zufriedene Schnurren quittierte.
Mit einem Mal legten beide die Ohren an und erschauderten stark, um in den anbrechenden Tag hinaus zu lauschen. Obgleich die Heimaten von Söldner und Dirne tausende Meilen trennten, reagierten sie sehr ähnlich. Beider Rückenfell sträubte sich als sie eng umschlungen, um sich gegenseitig Trost und Wärme zu spenden, zum Fenster schlichen und wie alle anderen, die zu solch frühen Stunden wach waren, zum Himmel starrten.
„Wat kommt'n da 'uf uns zu?“ er reckte einen Arm in die Nacht und zog ihn nach kurzer Zeit wieder ein, so dass die Katze das Fell ablecken konnte.
„Schnee...“ maunzte sie verwirrt, aber noch immer erregt klingend.
„Na, wenn's mehr net is'....“ breit grinsend zog er die Katze wieder ins Bett, um die Welt um sich herum zu vergessen.


Tief in den Wäldern der Talländern stand ein kleiner, einsamer Tempel des Windschreiters Schaundakul. Der 'Vorsteher', er war einfach der älteste und auch einzige, stand draußen im Morgengrauen und betrachtete den hartnäckigen Nebel, der sich trotz des leichten Schneefalls hielt. Ein lautes Gähnen, gefolgt von Schnauben, entkam seiner pferdegleichen Gestalt als sich der Nebel schlagartig auflöste.
„Wo bin ich denn jetzt wieder gelandet??“ Die Stimme klang aus einem Baum. Das war eigentlich nicht sonderlich ungewöhnlich, abgesehen von der Frage selbst.
„In einem Baum.“ erklärte der Kleriker dem Wald im allgemeinen und einem Baum in seiner Nähe im Speziellen und ging gemächlich durch den tiefen Neuschnee über die Lichtung.
„Dass seh' ich auch!“ fauchte ihm die noch gesichtslose aber eindeutig weibliche Stimme entgegen. Er war sich schließlich sicher, dass er unter dem richtigen Baum stand und blinzelte hinauf. „Wir sind in den Talländern, mehr brauchst du erstmal nicht zu wissen, meine werte Tochter.“ Noch während er sprach, krachte es einige Schritt hinter ihm und für einen Moment lang war ein gefauchter Fluch zu hören, der aber plötzlich verstummte. Ohne Hast, aber mit zuckenden Ohren, drehte sich der Priester hin diese Richtung. Vom Sprecher war nicht viel mehr als ein paar Beine zu sehen, der Rest steckte wohl kopfüber in einer großen Schneewehe. Mit einem amüsierten Kopfschütteln, welches ein paar Flocken aus seiner ergrauten Mähne trieb, packte der Hengst die zappelnden Beine und zog die weiß gepuderte Gestalt heraus.

„Danke, Vater.“ jappste sie und schüttelte Schnee aus ihrem noch immer weißen Fell, um sich dann fast schon genießend die letzten Flocken von der recht kurzen Schnauze zu lecken. Nachdem sie noch paar Strähnen langen weißen Haaren mit seltsam blau gefärbten Spitzen aus den eisblauen Augen gestrichen hatte, verneigte sie sich knapp.
„Daeta'ess, Wanderklerikerin des Schaundakul.“ Die Schneefüchsin, soviel bedeutete auch ihr Name, rückte als sie zum Pferd hinauf sah, was fast 2 Kopf größer als sie war, die Rückenscheide eines schlanken Zweihänders zurecht.
„Ich weiß, Euer Weg wird von vielen beobachtet.“ Er lächelte sie breit an und verrieb eine Hand voll Schnee auf dem gefütterten Kragen ihres Umhangs. „Auch wenn viele dich für eine Anhängerin der Frostmaid Auril halten.“ Als der Name ausgesprochen wurde, fegte eine Böe einen Schneebrocken aus den Ästen, der auf dem Kopf der Frau landete und ihre Ohren verstopfte.
„Hab ich mich verhört!?“ knurrte sie und schüttelte ihren Kopf, um sich anschließend mit den Krallen den gefrorenen Niederschlag aus den Gehörgängen zu kratzen.
„Mit Nichten. Deine Vorliebe für die Kälte ist kaum zu übersehen.“ Er hob leicht zittrig eine Hand und deutete an ihr herab.
Sie trug nur eine Tunika und eine weite Hose, darüber eine leichte Lederrüstung und ihren Umhang, alles in den toten Farben eines Winterwaldes gehalten. Er hingegen trug dicke und wohl nicht allzu warm haltende Kleidung.
„Doch lass uns das lieber drinnen besprechen.“Ohne weitere Worte wand er sich um und ließ die Kitsune mit vor Frust starrem und buschigen Schweif in dem stärker werdendem Schneefall stehen.


Er hatte es sich noch nicht ganz gemütlich am Kamin gemacht, da wurde die Tür, die das Heiligtum vom Wald trennte, aufgestoßen.
„Vater...“ begann sie, wurde aber von einer erhobenen Hand aufgehalten.
„Enrico reicht aus.“
Leise fauchte sie ob der Unterbrechung, fuhr dann aber fort. „Enrico, warum sollte ich der Frostmaid dienen? Nur weil ich lieber in den Bergen als in den den Tälern bin? Denk nach! Die Bergkämme bieten doch soviel mehr Wege für uns, die erforscht werden könnten. Sind denn unsere Seefahrer gleich Umber...“
Erneut unterbrach eine gehobene Hand und diesmal auch das Klacken seiner unbeschlagenen Hufe ihren Redefluss.
„Meine Liebe...“ sie knurrte ihn ihren Namen entgegen, „Daeta'ess, es ist nicht nur das. Deine Hitzköpfigkeit und Ungeduld fallen alles andere als positiv auf. Dann noch deine Ansage, man solle doch den Winter willkommen...“ Diesmal unterbrach sie ihn ungehalten „Aber nur weil der Frühling folgt!“ Sie klang zwar halbwegs überzeugend, schien aber selbst nicht an ihre Worte zu glauben. „...heißen sollte.“ Mit einem tadelnden Blick wurde die Schneefüchsin noch kleiner und zog den Schweif ein.
„Ich kann doch nichts für meine Natur.“ fiepte sie kleinlaut, bevor es ihr heraus platzte. „Außerdem kann es dir und euch allen doch egal sein, solange ich Schaundakul diene!“

Ihre letzte Aussage hatte sie in den Wald hinaus gerufen, welcher ihr mit einem großen Schneeball ins Gesicht antwortete. Noch bevor sie mehr als ein überraschtes Keuchen von sich geben konnte, spürte sie eine kräftige Hand im Nacken und an der Hüfte. Sie konnte ihr freudiges Jauchzen kaum unterdrücken als sie mit der Brust voran in eine große Schneewehe gesteckt wurde. Nur die Pranke, die in ihrem Nacken war, half ihr einen halbwegs kühlen Kopf zu bewahren.
Der Druck auf ihrem Körper verminderte sich rasch und sie drehte sich schnell um, wobei sie es sich nicht nehmen lassen konnte, sich tiefer in den Schnee zu drehen. Blinzelnd sah sie zu der über ihr hockenden Gestalt auf. Ein stattlicher, jung aussehender Grauwolf kniete auf ihren Armen und erwiderte ihren Blick mit schelmisch blitzenden gelben Augen.

„Geh von mir runter!“ fauchte sie ihm entgegen und wand sich unter ihm. Er seufzte nur und setzte sich auf ihre Hüfte und musterte sie interessiert. Da nun ihre Arme wieder frei waren, versuchte sie ihn irgendwie zu packen, was er aber wohl schon geahnt haben musste. Er griff nach ihren Handgelenken und rieb mit der anderen Pranke einen Haufen Schnee über ihre Schnauze und Gesicht. Zufrieden keuchte sie auf und ließ ihren Widerstand fahren. Mit einem amüsierten Jappsen packte er ihr Haupt dick mit Schnee ein, bevor er sich erhob.

„Enrico, du hast Recht. Sie liebt es.“ Langsam drehte sich der Wolf um und wollte zum Hengst gehen, als er laut auf jaulte und nach seiner Rute griff. Daeta'ess hatte kräftig hinein gebissen, aber gleich wieder losgelassen, als sie aufstand und nun ihrerseits dem Wolf einen Schneeball zwischen den Ohren verrieb.
„Hast du davon!“ kicherte sie vergnügt und überließ den winselnden Wolf sich selbst. „Wo bei allem was heilig ist, ist der Kerl?“ Noch während sie zum Tempel stapfte, hatte sich der Gebissene erholt.

„Ander ist mein Name und ich soll dich begleiten.“ Erst jetzt musterte die Kitsune ihn aufmerksamer. Er trug ähnliche Kleidung wie sie selbst, aber seine Rüstung wirkte stabiler und sein Umhang ging gerade bis an die Knie während ihrer fast bis zum Boden reichte. „Ich bin Waldläufer des Windschreiters.“ Nach einer knappen Verbeugung legte er einen sanften Finger an den Unterkiefer, kraulte sie sachte mit einer Kralle und schloss ihr Maul dann „Wie ich sehe, hat der alte Zosse keine Lust mehr auf uns.“ Und tatsächlich war von Enrico nichts mehr zu sehen.

„Aber, aber...“ stammelte Daeta'ess. „Wobei sollst du mich begleiten und wohin?“ Sie starrte ihn noch immer fassungslos an.
„Das weiß nur der Wind.“ erwiderte Ander und sah zum nun einsamen Schrein hinüber.


Lange verweilten Wolf und Fuchs nicht mehr dort, ein inneres Gefühl und pure Wanderlust, die fast allen Anhängern des Windschreiters teilen, trieb sie an und durch die wie gepudert aussehenden Wälder.

„Du hast hast also keine Ahnung warum und wohin du mich begleitest?“
Der Wolf schüttelte seinen massigen Kopf und schob die Kapuze aus den Augen.
„Ich bin genau so ratlos wie du. Aber immerhin...“ er streckte sich genüsslich, „scheinen wir das selbe Ziel zu haben...“
„Wo auch immer dieses sein mag.“ Beendete sie diese Weisheit und strich geistesabwesend mit der Hand durch die Sträucher und Farne um die Flocken in ihrem Fell in ihrem Nacken zu verteilen.
„Hilft dir das beim Denken?“ neugierig musterte er seine kleine Begleiterin, die langsam und bedächtig nickte, dann blitzschnell herum fuhr um dem Wolf ebenfalls eine solche Denkhilfe zu verpassen.
„So läuft's aber nicht!“ Lachend packte er ihren Arm und wirbelte sie einmal herum, seifte sie dann mit dem für ihn bestimmten Schnee ein. Verspielt schnappte sie nach seinem Unterarm und biss leicht hinein als er sie nicht hinderte. Sanft umarmte er sie, strich über den dünnen Stoff ihrer Tunika und schnupperte an ihren Haaren, verlor sich in ihrem Geruch.

Dieser verschwand allerdings schnell, als kalter Schnee seine Nase verstopfte, Mit einem heftigen Niesen löste er sich von ihr und leckte sich einmal um die Schnauze, beobachtete missmutig die sich vor Lachen den Bauch haltenden Schneefüchsin.
„Na warte!“ Mit einem Knurren sprang er sie an, doch diesmal war sie schneller und ließ sich zur Seite fallen, so dass Ander ins Leere und damit in einen dick verschneiten Busch sprang. Lachend hopste sie ihm auf den Rücken und rieb soviel Schnee ins Nackenfell, bis es von alleine stand. Erst dann hörten auch seine verzweifelten Befreiungsversuche auf, stattdessen knurrte und murrte er vor sich hin und ließ es über sich ergehen.

Mittlerweile war Daeta'ess dazu übergegangen ein Schneemännchen zwischen seinen Ohren zu bauen.
„Sag doch mal was, Ander.“ Neckend zupfte sie an seinen zuckenden Ohren.
„Doch mal was, Ander.“ knurrte er leise, während seine Zunge immer wieder um sein Maul herum leckte. Mit einem kräftigen Ruck schaffte er es nun doch sich hoch zu stemmen. Mit einer fließenden Bewegung drehte er sich um und warf sich auf sie, so dass er nun auf der Füchsin hockte, welche sich im selben Moment hoch stemmte, so dass sich beider Schnauzen zum Kuss berührten. Ob nun zufällig oder mit Absicht wollten sich beide im selben Moment die Schnauzen abschlecken.

Innerhalb weniger Augenblicke standen beide stocksteif fast drei Schritt von einander entfernt und starrten peinlich berührt vor sich in die aufgewühlte weiße Decke.
„Wir...“ begann Daeta'ess.
„Ja...“ stimmte Ander ihr zu.
„Lass uns gehen!“ schlugen beide gleichzeitig vor, nickten einander zu und marschierten los, ohne sich für die nächste Zeit anzusehen oder gar zu unterhalten.
Nur der konstante Schneefall, der leise Wind und das Knarzen der Pfoten im Schnee waren zu hören, ansonsten schwiegen sich die Beiden hingebungsvoll an.
 

Winterkitsune

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„Ähem....“ wollte immer wieder von beiden anfangen, doch ein Augenkontakt beendete jede Spur von Gesprächsbeginn.

Einige Stunden vergingen ohne wirkliche Unterhaltung, bis es endlich wieder etwas gab, über das man reden konnte, was auf der anderen Seite aber auch nicht so erfreulich war.
Ein Baum war auf den Weg gefallen und beide griffen schnell zu ihren Waffen. Die Klerikerin hielt ihren Zweihänder fest im Griff, während der Waldläufer seine Zweililie eher lässig führte.
„Der Baum ist hier noch nicht lange, er ist noch ganz weiß.“ Daeta'ess nickte leicht bei seiner Feststellung und sah sich aufmerksam um.
„Wir wurd'n wohl erwartet.“ knurrte eine tiefe Stimme aus dem Wald rechts von ihnen.
„Stistimmt Ch-ch-ch-chefchen!“ stotterte eine zweite, welche sich kurz darauf zu erkennen gab. Insgesamt 3 Gestalten, allesamt verwahrloste Wölfe versperrten den Weg.

„Gegegeld o-o-oder...“ Der 'Chef', ein imposanter Vertreter seiner Art in Kettenhemd, verpasste dem Stotternden einen Schlag auf den Hinterkopf. Die beiden Sprecher trugen Schwerter, der Stumme eine Armbrust, die auf Ander zielte.
„Windschreiter, Gott der Wanderer, Schaundakul...“ intonierte die Füchsin leise und faltete die Pfoten um den Griff der Waffe zum Gebet, während sie weiterbetete.
„Wa-wa-was wird'n-n-n dadas??“ die Stimme überschlug sich fast, ebenso wie sein ausgestreckter Arm stark zitterte. Eine Antwort ließ nicht lange auf sich warten, der Schütze jaulte auf einmal laut auf und schoss blindlings los, traf aber nicht viel mehr als einen Ast.

Nun nicht mehr in direkter Gefahr sprang der Waldläufer in die Räuber, seine Doppelwaffe wirbelte über seinem Kopf und mitsamt seines kräftigen Leibs webte er ein Netz aus blitzendem Stahl um sich herum, welches die kurzen Schwerter der beiden Gegner nicht zu durchdringen vermochten. Das Blitzen im Kopf des Dritten war wohl wieder abgeklungen, doch er kam nur dazu einen weiteren Bolzen frei zu machen, bevor Daeta'ess' Zweihänder sein linkes Knie mit einem schmerzhaft klingenden Krachen traf.
Knurren und Winseln und die Geräusche von scheppernden Kettenringen, aufeinander treffenden Klingen und schließlich ein Gurgeln waren die Geräuschkulisse des anderen Kampf, welcher schon zu Ende war, als sich die Klerikerin dort hin drehte.

Hinkend, fluchend und sich den Arm haltend flüchtete der Stotternde und zog dabei den Schützen mit sich, welcher stark humpelte.


Schwer atmend und hechelnd stand Ander über dem Anführer und zog schmatzend seine Waffe aus dem toten Leib, jaulte dann leise auf und sank auf ein Knie, presste eine Pfote auf seinen linken Oberschenkel. Blut färbte sein grauschwarzes Fell und floss zwischen seinen Fingern das Bein entlang.
„Lass mal sehen.“ Ohne groß auf Anders Reaktion zu warten, nahm sie seine Pfote von der Wunde.
„Ist nur'n Kratzer...“ knurrte er und jaulte dann laut auf, als sie eine Kralle in den vermeintlichen Kratzer drückte.
„Spiel hier nicht den großen Helden.“ fauchend rieb sie beide Pfoten aneinander und legt sie mit einem melodischen Summen auf sein Bein, welches an der Wunde mitsamt ihrer Pfoten dort leicht zu leuchten begann. „Das könnte jetzt etwas kühl werden...“ erklang gesummtes Murmeln, während sie seine Wunde vorsichtig und zärtlich massierte.
Noch immer leise vor sich hin winselnd entspannte sich der Wolf allerdings merklich unter der angenehmen und tatsächlich kühlen Massage.

„Ich hasse so was, musst du wissen.“ maulte er leise, legte dann aber beide Tatzen auf ihre, ließ seine Krallen dabei sanft durch ihr Fell fahren, während sie noch mit der Wunde beschäftigt war. Angenehme Kühle durchströmte sein Fleisch und ließ ihn nur im Hintergrund bemerken, wie sich Blutgefäße neu bildeten, Muskeln sich wieder zusammensetzten und seine eigene Regeneration extrem angekurbelt wurde, zumindest für einen kleinen Moment.

Leicht sackte Ander in sich zusammen, als die Anspannung und der Schmerz nachließen. Auch Daeta'ess' sanfte Massage, welche sein Bein hinauf wanderte, trug zu seiner Erleichterung bei. Sachte und mit leichten, kreisenden Bewegungen glitten ihre Tatzen sein Bein weiter hinauf bis sie schließlich zaghaft und vorsichtig über sein Gemächt strichen.
„Huh... gehört das auch zur Heilung?“ Ein enttäuschtes, ja schon missmutiges Murren bekam Ander auf seine Frage, dicht gefolgt von einer dicken Pfote voll Schnee in seinem Schritt.
Aufheulend sprang einen großen Satz zurück und klaubte sich die Flocken aus dem Schritt. Währenddessen stand die Schneefüchsin murrend auf.
„Lass uns weiter, wir sollten irgendwem Bescheid geben, dass hier ein Baum umgeknickt ist.“ Noch während sie sprach, durchsuchte sie die Leiche und steckte sich schließlich eine pralle Geldkatze in den Gürtel.
„Und hör auf so rum zu jammern, das hält doch kein Ohr aus! War doch nur etwas Schnee...“


Dies waren auch die letzten Worte für die nächsten Stunden, welche die beiden damit verbrachten, der Straße zu folgen, welche sie schließlich, schon fast in der Nacht, zu einer herunter gekommenen Schänke führte.
„Tonnenschänke? Das klingt irgendwie komisch...“ Nachdenklich betrachtete Ander das einfache Schänkenschild.
„Tonnenschänke??“ Daeta'ess blinzelte verwirrt. „Das ist die Taverne zum vollen Fass! Wie kommst du bitte auf 'Tonnenschänke'?“
„Äh...“ stammelte der Grauwolf, „ja richtig! Hatte grad 'ne Schneeflocke im Auge! Zum vollen Fass, ja, doch, das klingt nach etwas anständig süffigem.“ hastig sprach er, öffnete schnell die Tpr und verschwand im rauchgeschwängerten Inneren des Gebäudes.
Perplex und irritiert blieb die Schneefüchsin noch ein paar Momente draußen stehen, bis ihr gerufener Name sie aus der Verwirrung riss.

Die Taverne repräsentierte ihre Zunft absolut perfekt. Dunkle Gestalten tuschelten in den Ecken, Barden und Bänkelsänger lobpreisten die Holden und besangen Helden, Wirt und Schankmaid bedienten die Gäste, welche würfelten, Messer auf Zielscheiben, zum Teil auch lebende, warfen und sich leidenschaftlich dem Suff hinaben.

Ander stand bereits am Tresen und unterhielt sich mit dem stämmigen Braunbärwirt, als Daeta'ess auch eintrat. Nur wenige beachteten den neuen Gast, doch als eine Windböe den Kamin und Laternen flackern ließ und Schnee hineintrieb, waren 23 Augen auf sie gerichtet. Im ersten Moment erschauderte sie ob der Aufmerksamkeit, schnaubte dann aber abfällig und stapfte zu ihrem Begleiter rüber.
„...habt ihn wirklich getötet?“
„Ja.“ Ander unterbrach den Wirt, bevor dieser noch eine Frage stellen konnte. „Sie bekommt das selbe wie ich, auf seine Rechnung.“ Oberflächlich freundlich legte er den Arm um die Gestalt auf seiner rechten Seite, es war der stotternde Wolf, der versucht hatte, sie auszurauben.
„J-j-j-ja. D-d-das sch-sch-sch-stimmt.“ Heftig nickend legte er noch ein paar Silbermünzen auf die Theke.
„Zu gütig, der Herr.“ brummte der Wirt und wendete sich den Schaundakul-Anhängern zu. „Soll ich das Essen zum Zuber bringen?“
Nickend bejahte Ander und berührte die noch immer verwirrte Schneefüchsin am Oberarm, deutete dann auf eine Tür nahe dem Tresen.
„Kommst du mit?“ Nach einem Blinzeln nickte sie und folgte Ander in den Zuberraum.

Heißer Dampf und die Gerüche von nassem Holz, frisch gebratenem Fleisch und warmen Met umschmeichtelten die Nasen von Ander und Daeta'ess, welche gemeinsam, wenn auch sich gegenüber im Zuber saßen. Zwischen ihnen war, halb von der Decke hängend und halb im trüben Wasser schwimmend, die Theke mit einem üppigen Mal.
„War dass nicht...“ fing die Klerikerin an
„Ja, er war es.“
„Sollten wir nicht...“
„Nein, warum auch? Der Boss ist tot.“
„Aber sie sind...“
„Mitläufer.“
„Die aber noch...“
„Nein, sie haben...“
„Lass mich ausreden!“ fauchte die Schneefüchsin und erhob sich halb aus dem Wasser.
„Deinebrüstesindzusehen...“ brabbelte Ander und starrte intensiv in seinen Metkrug.
„Na und? Du lässt mich nie ausreden, führst mich hier herum....“ verwirrt blinzelte sie ihn an. „Was ist los??“ Dann sah sie an sich herab, legte sich hastig die Tatzen auf ihre entblößte Oberweite und ließ sich bis zum Kinn ins Wasser sinken. „Lüstling...“ brummelnd schob sie langsam einen Arm aus dem Wasser um etwas Honigwein zu trinken.
„Aberdubistaufgestanden.“ noch immer murmelte Ander kleinlaut mit angelegten Ohren und entschuldigendem Blick.
„Entspann dich und benimm dich nicht wie ein Welpe...“ Langsam und lächelnd setzte sie sich wieder auf. „Wir sollen ja gemeinsam etwas machen und dafür müssen wir uns ja auch vertrauen können.“
Vorsichtig nickte er und richtete sich vorsichtig wieder auf. „Stimmt... da hast du wohl Recht...“ skeptisch musterte er sie dabei, dann aber rückten beide bedächtig, zögerlich, im warmen Wasser näher zusammen, bis sich zusammenzuckten, als sich ihre Finger berührten. Doch dann hakten sie sich ineinander und sie kamen sich immer näher, blickten sich lange und tief in die Augen, bis Daeta'ess auf Anders Schoß saß und ihm zärtlich über die Schnauze leckte, was er erwiderte, wobei er ihren nassen Rücken streichelte.


Nicht viel bekamen die beiden vom Lärm in der Schänke mit, viel zu sehr konzentrierten sie sich auf die Nähe und die Zärtlichkeiten des Partners.
Auch das laute Krachen an der Tür brachte sie nicht aus der Ruhe. Erst als die Tür mitsamt eines Eber-Abenteurers in den Raum und gegen den Zuber flog, sprangen sie auf.
Nackt, aber immerhin schon bewaffnet stürmten sie in den Schankraum und sprangen gleich wieder in Deckung.

Mitten im Raum stand, viel mehr schwebte eine weiß berobte Gestalt, welche von Eis und Schnee umweht war.
„Ah, da ist sie ja...“ hauchte der Unbekannte und näherte sich der hinter einem Tisch verschwanzten Daeta'ess. Sie hockte nur da, umklammerte krampfhaft ihren Zweihänder und schnappte immer wieder schnell nach Luft.
Verwünschungen ausstoßend sprang Ander hinter dem Tresen auf und schwang sein Doppelklingenschwert gegen den Schwebenden, doch seine Klinge fand kein Ziel, da sein Körper wie von unsichtbarer Hand noch vor dem Eisschleier gepackt und aus der Schänke hinaus geschleudert wurde.
„Sie sollte rauskommen, bevor er ihr wehtun muss.“ Die Gestalt stand direkt vor dem schnell zufrierenden Tisch, der die Schneefüchsin deckte.
„Nein!“ fauchte sie ihm entgegen und sprang auf und einen Schritt zurück, die Spitze ihrer Waffe auf den Gegner gerichtet. „Was willst du?“
„Sie weiss, was sie wollen. Ihre Träume werden gesehen, ihren Wünschen nachgegeben.“ Der Schneesturm um den Vermummten nahm an Stärke zu und vereiste der Kitsune immer weiter das Fell.

„Ich diene Schaundakul!“ schrie sie ihm entgegen und warf sich nach vorne, ihren Zweihänder durchbohrte ihren Gegner nahezu ohne Widerstand, ihre Nase war dicht vor dem vermummten Gesicht. „Du kannst ihnen sagen, dass ich nicht zu ihnen gehör', verstanden!?“ Beim letzten Wort riss sie die Klinge nach unten aus dem Körper heraus.
„Er wird es ausrichten, aber sie wird es nicht erfreuen, was sie bestimmt wissen wird.“ Mit diesen Worten zerfiel die Gestalt und hinterließ einen festen Schneehaufen, in dem Daeta'ess bis zum Bauchnabel steckte, jede Menge Schnee im Schankraum und überall stöhnende Gäste.

Nach und nach rappelten sich alle wieder auf, auch Ander war mittlerweile zurück im Raum und kratzte und schabte an dem Eisklotz herum um ihn zu zerkleinern.
„Wer war dass eigentlich grade? Und was wollte er?“ Die Schneefüchsin steckte nur noch bis knapp über die Knie fest und beide hatten schon wieder etwas angezogen.
„Hier, damit geht’s besser.“ Die tiefe Stimme kam vom Bären, dem Wirt, welcher zwei große Eimer vom Zuberwasser in den Pranken hielt.
„Danke.“ Vorsichtig goß der Grauwolf das warme Wasser übers Eis. Risse erschienen knackend und mit einem kurzen Kraftaufwand war die Klerikerin schließlich befreit. Ander und Daeta'ess fielen sich in die Arme und er streichelte sie, wärmte sie auf.
„Ich... ich weiß es nicht.... hab ihn zum ersten Mal gesehen.“ stammelte sie noch immer etwas zittrig. Während die Kitsune etwas warmes zu trinken und noch eine Decke über gelegt bekam, kümmerte sich die Schankmaid, ein junges Frettchen, um den viel zu langsam schmelzenden Schnee und die Gäste.

Die beiden anwesenden Heiler hatten alle Pfoten und Tatzen voll zu tun um den Frostbrand der etwas zu mutigen Söldner und Abenteurer zu versorgen, die versucht hatten, die seltsame Gestalt zu vertreiben. Von den insgesamt knapp 2 Dutzend Anwesenden waren neben dem Schankpersonal und den beiden Schaundakul-Priestern nur wenige Gäste ohne Blessuren davon gekommen, hauptsächlich jene die sich ins Freie geflüchtet hatten.


Zu gleichen Zeit auf einer einsamen Bergspitze irgendwo im Weltrandgebirge...
Zwei vermummte Gestalten standen sich gegenüber und betrachteten nachdenklich einen zugefrorenen See, welcher das trübe Tageslicht schwach reflektierte, doch da war noch mehr zu sehen... wenn man genau hinsah, konnte man einen Schankraum sehen, in welchem aufgeregt hin und her gelaufen wurde, hier und dort wurden Verwundete versorgt und in mitten des halbwegs organisierten Chaos standen zwei Gestalten. Auf die richteten die Vermummten ihre Aufmerksamkeit. Denn die kleinere von beiden hatte vor ein paar Momenten ihre Marionette ausgeschaltet.
„Das war unerwartet....“ hauchte die eine Gestalt nachdenklich.
„Ja, das war es wirklich....“ erwiderte die selbe Stimme, welche aber von der anderen Person kam.
„Aber es hat uns geholfen...“
„Ja, es zeigt uns, dass wir sie nicht unterschätzen sollten...“
„Aber sie wird trotzdem kommen...“ Damit endete der monotone Dialog und die Beiden verschwanden mit einem Windhauch, welcher Eis über die Bergspitze blies.
 

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