Eine unendliche Geschichte xD

Kitsunaki

Guest
Ich hatte wenn mir langweilig war, ja schon immer mal Geschichten verfasst aber nie zu Ende geführt xD
Aber jetzt werde ich mal eine zu Ende schreiben:)
Also unendliche Geschichte, weil ich denke, sie wird mal sehr lang ;-)
Hier ist Kapitel 1:

Akt 1 Reise in eine magische Welt

Kapitel 1 - Verschlafen!

Der Wind heulte unter den Rahmen des Fensters hindurch und die Sonne war verdeckt von der trüben Wolkendecke, als Jan an diesem Morgen die Augen aufschlug. Er lag in seinem, mit einem vor Mücken und dergleichen schützenden Baldachin überdeckten Wasserbett, am Ende seines großen Zimmers unterm Dachstuhl. Zwei stählerne Pfeiler hielten die Decke, welche von Kleiderschränken und Vitrinen ummantelt, die Mitte des Zimmers bildeten. Einige Teppiche und Läufer jeden Zeitalters Lagen auf dem hellen Laminat und ein weiteres Bett für Gäste stand zwei Meter weiter zu Jans Rechten. Er blinzelte noch ein paar Mal und sah nach links, dort waren einige Haufen Kuscheltiere aus seiner Kindheit von denen er sich nicht trennen konnte, aber keinen passenderen Platz fand. Sein Blick galt dem aufgeklappten Handy. Dann blickte er geradeaus in Richtung Tür, zum Schreibtisch, seiner Sitzecke, dem Laptop, der über Nacht angelassen worden war um einen Film herunter zu laden. Es war erstaunlich hell für fünf vor sechs, wo sein Handy ihn immer mit Strandmusik weckte. Aber Moment mal, Jan war alleine aufgewacht. Das Handy klingelte nicht wenn es aufgeklappt war, dann vibrierte es nur. Das hörte Jan sicher nicht. Hatte er verschlafen? Gestern Abend war er damit beschäftigt eine SMS zu schreiben und war anscheinend direkt danach eingeschlafen und hatte vergessen das Handy zu zuklappen. Er sah nach rechts auf den grauen Nachtschrank. Auf dem Funkwecker stand 10:08. Jans Augen weiteten sich, er rief einen Fluch aus und starrte zur Decke, so faul er auch war, so oft er auch schon verschlafen hatte, nie war er später als eine Viertelstunde im Unterricht erschienen. Nun sprang er auf und sah sich um, dann zog er sich in Rekordzeit an und packte die Sachen. Seit einem Jahr hatte er immer eine Gürteltasche und eine Bauchtasche mit allen möglichen Dingen dabei. Er meinte dass er irgendwann einmal etwas davon brauchen würde. Nun rannte er erst einmal ins Badezimmer um seinen Bedürfnissen nachzukommen.

Erstaunlicherweise hatte er noch genug Zeit für seine Peeling-Creme, das war wohl so, wenn man so eitel war. Nachdem er sich frisch gemacht hatte rannte er wieder in sein Zimmer und belud sich mit Ranzen und Co. Dann rannte er zu seiner Balkontür, an die kein Balkon grenzte, sondern nur ein Sims. Etliche Male war er hierdurch geflüchtet, vor allem nun würde es ihm peinlich sein, wenn ihn unten jemand sehen würde. Aber es kam keiner auf die Idee ihn zu wecken. Jan schüttelte den Kopf, heute war er nicht in der Stimmung für Action, es war Freitag, also ein gefühlter Sonntag. Eigentlich wie jeden Tag. Schließlich entschloss sich Jan dazu, hinunter zu schleichen und die Hintertür zu benutzen. Ein Kleiderständer stand davor und ließ nur wenig Platz. Als er versuchte hindurch zu schlüpfen verhing sich ein Befestigungsband des Rucksacks in den Querstreben des Kleiderständers und sorgte für ein paar gut hörbare Geräusche. Grummelnd hörte Jan seinen Namen durch die Luft hallen und er näherte sich der Stube als er sich gelöst hatte. Dort saß nur der frisch mit Schweinegrippe erkrankte und gegen alles allergische Sohn der imperialistischen und fundamentalistischen Freundin seines anachronistischen und pädagogisch verwerflichen Vaters. „Jan wieso bist du nicht in der Schule, hast du heute frei?“, fragte der halb tot aussehende blonde Jungspund. Jan lächelte sein breitestes und unrichtigstes Lächeln, „Nein, aber mein Handy hielt es nicht für nötig mich heute zu wecken. Aber nun gehe ich in die Schule.“ Mit einem Nicken schnürte er sich die Schuhe zu und packte vorsichtshalber seinen Regenschirm. Gegessen hatte er noch nichts. Als der Regenschirm aufgespannt wurde und er das Logo eines bekannten Einkaufsladens darauf erkennen konnte, ging er hinaus in die kalte und harte Welt, auf dem Weg zur Schule, an diesem ganz normalen Freitagmorgen. Mit dem Gedanken heute Nachmittag anstatt nach Hause, zu seiner Großmutter zu gehen und später zusammen mit ihr und seiner zu Besuch kommenden Tante einkaufen zu fahren.

Es plitschte als er die Baustelle überquerte und wenn er wieder im Matsch stecken blieb, löste er sich ärgerlich mit einem schmatzenden Geräusch. Die Chucks waren nicht mehr als solche zu erkennen und auf der dunklen Jeans war der braune Dreck ein toller Kontrast. Ja so erinnerte es an Camouflage. Schimpfend strich er sich seinen blau-schwarz gemusterten Pullover gerade als er vor der Haustür seiner Großmutter stand und sich aufschloss. Sein Handy zeigte 10:52. Er betrat das Foyer und schloss die Tür. Von da aus ging es in den Salon und schließlich ins Wohnzimmer. Dort im Ohrensessel saß die Großmutter mit ihrer Dauerwelle und der Hornbrille. Sie trug eine schwarze Bluse mit Blumenmuster und wie immer einen einfarbigen dunklen Rock über zwei paar Gummistrumpfhosen. Sie war dabei Strümpfe zu stricken, schwarze Strümpfe und daneben lag ein unfertiger gestrickter Pullover. Eine großschirmige Stehlampe erleuchtete die Sitzecke. Ein paar Sessel und ein Sofa in grün und zwei Teewagen standen um einen vieleckigen Marmortisch. Wie immer war dieser mit einer selbstgehäkelten Tischdecke geziert und an Oma Annelieses Seite lagen Stapel von Illustrierten, in denen die Kreuzworträtsel aufgeschlagen waren. Darauf lagen Fernbedienungen und ein Kreuzworträtsellexikon. Der Raum war mit Eichenschränken besetzt und vor den Fenstern hingen wuchtige braune Gardinen über weißen selbstgehäkelten normalen Gardinen. Der Raum war vollgestopft mit allerlei Ramsch, den Anneliese sicher zu wahnsinnig günstigen Preisen auf einigen ihrer Butterfahrten ergattert hatte. Der Boden war mit drei Schichten mehr oder weniger bunten Teppichen und Läufern gepflastert. Anneliese trug wie immer ihre alten abgetragenen Gartensandalen, die mittlerweile mehr grün als weiß waren. Ein breites Grinsen gefolgt von einem Erstaunen durchfuhr sie, „Was tust du hier und nicht in der Schule?“ meinte sie mit unheimlich alt klingender Stimme. Jan schüttelte den Kopf und seine schwarzen für einen Jungen langen Haare flogen ihm durch sein Gesicht, „Nein also eigentlich sollte ich schon da sein, aber ich habe verschlafen weil mein Wecker nicht geklingelt hat.“ Besorgnis und Schuldbewusstheit machten sich auf Jans schmalem Gesicht breit als er seine zusätzlich um den Hals gehängte blaue Kühltasche, ein altes Werbegeschenk desselben Supermarktes, den auch der Regenschirm publiziert hatte, absetzte. Anneliese nickte, „Ich habe mich schon gewundert dass du gar keine Tasche in den Windfang gestellt hast wie sonst immer. In meiner ganzen Laufbahn als Mutter von drei Kindern ist mir nie so etwas vorgekommen wie dass ich so verschlafen habe.“ tadelte sie ihn und dann wippte er auf und ab, „Ja Oma ist ja gut, ich weiß. Aber nun muss ich schnell los um den Bus noch zu erwischen, sonst verpasse ich noch mehr als jetzt schon.“ Sie nickte und griff nach ihrem braunen Gehstock mit dem Gummifuß als Jan dann meinte, „Schon gut, bleib‘ ruhig sitzen, ich bin ja gleich wieder da. Bis gleich“ lachte er sarkastisch und ging zur Tür. Sie warf ihm noch ein Tschüss hinterher und vertiefte sich wieder in ihre Arbeit.
Jan rannte also zur Haltestelle und rechtfertigte sich in der Schule vor Lehrern und Schülern die schon an die Schweinegrippe glaubten, weil diese in seinem Haus war. Jan vertraute aber auf seine Abwehrkräfte und jene hatten an diesem Wochenende frei, weil er seine Oma besuchte und aus diesem Brutkasten für Krankheiten aller Art herauskam. Als Jan in der Schule ankam wurde er mit Applaus empfangen, aber nur um ihn zu ärgern, mit Sätzen wie, „Hast du es doch noch geschafft.“ Der verspätete Schulbesuch war allerdings wenig von Erfolg geprägt, da die letzten zwei Stunden nicht viel mehr los war, als das Kontrollieren einer Eingangsrechnung.

Die zweite Stunde war dann bei Herrn Pestling Kunst, ein dürrer alter Greis der immer vor Ort war wenn Schabernack getrieben wurde. Der Kunstraum war eher schlicht als bunt. - wie man es eigentlich erwartet hätte - Mit dämonischer Geschwindigkeit und wedelnden Gesten umfahrend, schritt er an den Lehrerpult und meinte leise aber hart, „Einen kurzen Moment der Sammlung bevor ich euch wieder eurem Elend überlassen kann. Gestern wurde das Schloss eurer Klasse manipuliert mit einem Mini-Bohrkopf aus dem Werken- oder Technikunterricht. Ihr musstet in der Bibliothek weiter Unterricht zelebrieren. Es wird ein Nachspiel haben aber ich möchte jetzt keine Mutmaßungen hören, schweigt und arbeitet, denn ohne Fleiß keine gute Zensur. Soviel zur Ansage von eurer Schulleiterin. Unser Hausmeister wird den Weihnachtsbaum aufbauen, allerhöchste Zeit. Gebt acht auf eure unegalen Futtfüßchen oder ihr werdet euch wohlmöglich verletzen.“ Er ließ seine Wörter wirken und fuhr fort mit einer eisigen Stimme, „Los nun tummelt euch, ich will nur das Kratzen eurer Bleistifte hören ihr Nichtsnutze!“ Sechzehn Jahre alt war Jan und dies war eine schulische Ausbildung zum Wirtschaftsinformatiker. Und so ging die Zeit dahin und schnell war es auch geschafft, seine Handy-vergessen-zu-zuklappen-Theorie verkaufte sich gut. Allerdings war sein Handy im Stumm-Modus gewesen. Als er den Alarm einstellte fragte das Handy bei der Melodieauswahl: Soll dieses Stück im Stumm-Modus wiedergegeben werden? Er drückte nein weil er im Bett vor dem Schlafen gehen nicht vollgedröhnt werden wollte und das Handy verstand es aber wahrscheinlich so, dass es überhaupt keine Töne von sich geben sollte bei diesem Alarm und das fand Jan erst heraus als er schon allen die Handy-vergessen-zu-zuklappen-Theorie erzählt hatte. Schulterzuckend ging er weiter in Richtung Bushaltestelle und redete mit Marcel über die neuesten Gruselschocker im Kino. Marcel trug immer 08/15 Jeans, einen 08/15 Pullover, 08/15 Schuhe und hatte eine Elvis-Frisur nur etwas kleiner als Elvis die Tolle trug. „Deine Haare sehen aus als wäre irgendein komisches Tier auf deinem Kopf gestorben.“, meinte Jan scherzend. Marcel meckerte in ruhigem Ton, „Jaja, danke, das weiß ich auch. Ich gehe ja bald zum Friseur.“ Über den Köpfen der beiden Konversierenden schwebte wie eine schützende Wolke der riesengroße Regenschirm, auf dem die Werbung dieser Einzelhandelskette stand. Es schüttete aus Eimern, verzweifelt versuchte der Herbst nun nachzuholen, was der Sommer versäumt hatte. Der Wind fegte von unten nach oben unter der Autobahnbrücke, zum Glück hatte keiner einen Rock an. Der zwischen den Beinen umher wehende Wind transportierte Tröpfchen für Tröpfchen des Regens an die Jeanshosen der Beiden. Da war nun auch schon der Bahnhof und es führte eine schmale Gasse in den Untergrund, dort sammelten sich alle Menschen die zwischen den Gleisen hin und her liefen. Ein Brutkasten für Schweinegrippe. Nicht sehr lange und Marcel verabschiedete sich, Jan ging noch weiter und wieder hoch zum Busbahnhof. Dort wartete schon geduldig der Busfahrer auf ihn. Und vielleicht noch auf ein paar weitere Fahrgäste. Wind und Regen vermischten sich zu einem abstrakten Gemälde an den großen Busfenstern. Die Fahrt war schnell vorüber. Jan war der einzige Passant gewesen. Um nicht noch nasser zu werden, beeilte er sich und erreichte nach Durchquerung des halben Dorfes, das Haus seiner Großmutter.

Er wühlte in seiner Hosentasche und zog das Schlüsselbund heraus, mit dem er sich aufschloss. Drinnen stellte er den Schirm zum Trocknen ins Foyer und hing die Jacke nebenan in den Heizungsraum auf eine Wäscheleine. Der Rucksack wurde an die Treppe nach oben gestellt und der Weg führte Jan ins Wohnzimmer, wo er dann auch erst mal, nach dem er seine Großmutter per Umarmung gegrüßt hatte, auf seinem Lieblingsohrensessel Platz nahm. Mit seiner rechten Hand spielte er am Saum der selbstgestrickten Kissen und mit der anderen nahm er die Zeitung auf, die auf dem vieleckigen Holztisch mit den Marmorfliesen lag. Der Staub verwandelte das Holz des einen breiten Standbeines in eine graubraune Masse, Erinnerungen an Antiquitätengeschäfte kamen auf. In der Zeitung wurde über Attentate in Schulen berichtet, über die zunehmende Jugendkriminalität und dass die Welt noch an der jetzigen jungen Generation zu Grunde gehen wird. Kopfschüttelnd legte Jan die Zeitung beiseite und warf seine Beine über eine der Lehnen, dann musterte er seine Großmutter Anneliese und fragte, „Wie lange möchtest du denn noch an deinem Pullover stricken?“ Diese schaute über die betonend dicken Ränder ihrer sandfarbenen Hornbrille hinweg zu Jan und meinte, „Nun, bis er fertig ist. Nein im Ernst, ich hoffe noch vor Weihnachten damit fertig zu werden.“ Jan nickte. Anneliese sah sauf und runzelte die Stirn, „Hast du den Müll schon an die Straße gestellt?“ Daraufhin schüttelte Jan seinen Kopf, „Nein aber das werde ich heute Abend tun.“ Die Familie teilte ihm die ehrenvolle Aufgabe des Müll Herausbringens zu. Schon war Jan dabei seinen Laptop herauszuholen und ihn hochzufahren. Dann beugte er sich über die Lehne hinweg um aus der Ecke zwischen Sofa und Teewagen den Flüssigkristallbildschirm hervor zu holen. Den stellte er mit dem Rücken an seinen Laptop und schloss ihn an diesen an, so konnte jeder etwas sehen. Es lief wie jeden Freitag darauf hinaus, dass die beiden Wartenden einen Film schauten bevor Tante Karin anreiste. Anneliese schaute nur manchmal hoch, sie strickte lieber, das sei nutzbringender wie sie meinte. Also doppelklickte Jan einen Film und lehnte sich entspannt zurück. Wartete dass die Zeit verging.

Muss dieses Kapitel in zwei Teile teilen ^^
 
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Kitsunaki

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Kapitel 1 Teil 2/2

Und das tat sie auch relativ schnell, denn schon war es drei nach drei und es klingelte drei Mal an der drei Mal drei Meter entfernten Tür. Drei Sekunden später sprang Jan dreiunddreißig Zentimeter nach vorn um mit mindestens dreißig Kilometern pro drei Stunden zur zwei Meter dreiundvierzig hohen Tür zu rennen. Genug der Dreien. xD So kam Karin also doch noch an. Stolz setzte sie sich auf ihr sogenanntes „Erbstück“, einen der grünen Ohrensessel und meinte bis über beide Ohren grinsend, „Mein Chef war heute sehr zufrieden mit meiner Arbeit.“ Damit meinte sie eine Kurzgeschichte über das Leben, dass sie nebenbei schrieb als sie an einem Artikel über den Schweinegrippekomplott schrieb. Sogleich holte sie diese Geschichte heraus und drückte sie uns in die Hand, jedem eine Kopie, während sie sich eine Tüte Katjes Lakritzpfötchen herausholte und naschte.

Das Leben ist wie eine Reise im Zug: Man steigt oft ein und aus, es gibt Unfälle, bei manchen Aufenthalten angenehme Überraschungen und tiefe Traurigkeit bei anderen. Wenn wir geboren werden und in den Zug einsteigen, treffen wir Menschen, von denen wir glauben, dass sie uns während unserer ganzen Reise begleiten werden: unsere Eltern. Leider ist die Wahrheit eine andere. Sie steigen bei einer Station aus und lassen uns ohne ihre Liebe und Zuneigung, ohne ihre Freundschaft und Gesellschaft zurück. Allerdings steigen andere Personen, die für uns sehr wichtig werden, in den Zug ein. Es sind unsere Geschwister, unsere Freunde und diese wunderbaren Menschen, die wir lieben. Manche dieser Personen die einsteigen, betrachten die Reise als kleinen Spaziergang. Andere finden nur Traurigkeit auf ihrer Reise. Und es gibt wieder andere im Zug, die immer da und bereit sind, denen zu helfen, die es brauchen. Manche hinterlassen beim Aussteigen eine immerwährende Sehnsucht. Manche steigen ein, und wieder aus, und wir haben sie kaum bemerkt. Es erstaunt uns, dass manche der Passagiere, die wir am liebsten haben, sich in einen anderen Wagon setzen und uns die Reise in diesem Abschnitt alleine machen lassen. Selbstverständlich lassen wir uns nicht davon abhalten, die Mühe auf uns zu nehmen, sie zu suchen und uns zu ihrem Wagon durchzukämpfen. Leider können wir uns manchmal nicht zu ihnen setzen, da der Platz an ihrer Seite schon besetzt ist. Macht nichts, so ist die Reise: voll von Herausforderungen, Träumen, Fantasien, Hoffnungen und Abschieden - aber ohne Rückkehr.

Also, machen wir die Reise auf die bestmögliche Weise. Versuchen wir mit unseren Mitreisenden gut auszukommen, und suchen wir das Beste in jedem von ihnen. Erinnern wir uns daran, dass in jedem Abschnitt der Strecke einer der Gefährten schwanken kann und möglicherweise unser Verständnis braucht. Auch wir werden öfter schwanken und es wird jemanden geben, der uns versteht. Das große Mysterium der Reise ist, dass wir nicht wissen, wann wir endgültig aussteigen werden und genauso wenig wann unsere Mitreisenden aussteigen werden, nicht einmal der, der gleich neben uns sitzt. Ich glaube, ich werde wehmütig sein, wenn ich aus dem Zug für immer aussteige. Ja, das glaube ich. Die Trennung von einigen Freunden, die ich während der Reise traf, wird schmerzhaft sein. Meine Liebsten allein zu lassen, wird sehr traurig sein. Aber ich habe die Hoffnung, dass irgendwann der Zentralbahnhof kommt, und ich habe das Gefühl, sie ankommen zu sehen, mit Gepäck, das sie beim Einsteigen noch nicht hatten. Was mich glücklich machen wird, ist der Gedanke, dass ich mitgeholfen habe ihr Gepäck zu vermehren und wertvoller zu machen. Ihr meine Freunde, schauen wir darauf, dass wir eine gute Reise haben und dass sich am Ende die Mühe gelohnt hat. Versuchen wir, dass wir beim Aussteigen einen leeren Sitz zurücklassen, der Sehnsucht und schöne Erinnerungen bei den Weiterreisenden hinterlässt.

Denen, die Teil meines Zuges sind, wünsche ich „Gute Reise!“

Jan nickte nur, „Wofür soll das sein? Für einen Esoterik-Zirkel?“ fragte er seufzend und daraufhin hob seine Großmutter nur eine Braue und erwiderte, „Ein ähm, netter Vergleich.“ Karin nickte, „Ja damit habe ich mir meinen Weihnachtsbonus gesichert.“ Wie immer schlug sie die Beine über die Lehne des alten Möbelstücks und steckte sich einen Sargnagel an. Als sie so in die Luft paffte fragte sie nun wieder in ruhigem Tonfall, „Und wie war euer Tag?“ Oma schüttelte missmutig den Kopf, „Scheiße, wie immer.“ Jan antwortete nur, „Noch nicht lange.“ Karin lachte, „Du hast wieder verschlafen?“ Kopfschüttelnd stand Jan auf und seufzte, „Lass uns lieber einkaufen fahren.“ Damit schienen dann doch alle einverstanden und so löschte Karin ihren Glimmstängel und sprang auf. Oma Anneliese hatte ihre Schuhe schon an und suchte ihre Nachkriegzeitsmütze und ihren fußbodenlangen Mantel aus dunkelblauem Filz.

Schließlich saßen wir in Karins rotem Polo, der braune mit dunklerem Samt gefütterte Mantel von Jans Tante lag zusammen mit den Kappen, auf denen Firmenlogos aufgedruckt waren, auf der Kofferraumablage und die Großmutter schmiss sich noch ein paar Mal gegen die ächzende große Tür um zu prüfen ob sie auch wirklich abgeschlossen war. „Musst du immer verschlafen?“, widerholte Karin und steckte den Schlüssel in den Zünder. Jan seufzte, „Ach Karin das ist jetzt egal.“ Der Motor sprang an und wurde so gleich wieder abgewürgt als Jan meinte, „Zeit ist nur eine Illusion.“ Karin lachte, „Woher her hast du das? Aus AstroTV? Warte, ich habe einen Spruch aus der gleichen Sendung. Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen. Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.“ Jan machte eine abwinkende Bewegung mit der Hand und dann sprang der Motor doch noch an. Die Beifahrertür wurde geöffnet und Oma lästerte, „Wieso quälst du die Karre so? Ist der Führerschein schon zu lange her?“ Karin entgleisten die Gesichtszüge bevor sie den Rückspiegel richtete und im Handschuhfach kramte, „Von wegen, ich würde auch noch mit glühendem Kopf fahren.“ Die Fünfundvierzigjährige holte eine Tüte Lakritzpfötchen heraus und naschte, als Oma Anneliese ächzend ins Auto stieg und meinte, „Hatten wir alles schon einmal weißt du noch, der Polizist der dich anhielt als du mit fast einem Promille gefahren bist?“ Sie verstaute ihre Handtasche und den Gehstock. Karin gab einen angewidertes Pah! von sich und meinte grummelnd, „Ich würde auch noch mit drei Promille fahren.“ Anneliese knallte die Tür zu und Karin legte den Gang ein. „Das schlimme daran ist“, meinte Jan mit skeptischem Blick, „dass ich dir das sogar Glaube, aufs Wort.“ Mit ein paar Rucken fuhr die Karre dann rückwärts, bei der die Abwrackprämie sicher von Vorteil gewesen wäre, auch wenn der Staat sich das Geld im selben Atemzug durch die Märchensteuer des Neuwagens wieder eingeholt hätte.

Während eingekauft wurde und Anneliese an der Kasse wie jedes Mal meinte, „So viel haben wir noch nie bezahlt.“ wurde es langsam dunkler. Die Sonne kuschelte sich in die Wolken am Horizont ein und begann im Schlaf der Nacht zu versinken, während sich der Mantel der Dunkelheit wie ein schützendes Zelt über dem Himmel spannte. Langsam begannen die Sterne zu funkeln und der Mond leuchtete schon fast in voller Pracht. Der Polo schlängelte sich durch den dichten Verkehr der Dorfmitte, der wegen einer Autobahnsperrung entstanden war. Nachdem ausgeladen wurde, saßen die beiden Ältesten in der Küche und räumten aus, während Jan im Wohnzimmer seine Schätze verstaute. Karin aß an ihrer siebten Tüte Lakritzpfötchen, natürlich ohne Fett. Nicht lange hielt es Jan und er wollte den Müll raus stellen, also musste er nach Hause gehen und zwar im Regen, denn der brach aus heiterem Himmel ins Land. Nach einer kurzen Verabschiedung schlüpfte Jan in seine Schuhe und schnappte einen Regenschirm, „Bin gleich wieder da.“ Und da war er auch schon hinaus.

Puh -.-
Das war erst mal Kapitel 1 :p
 
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