Eine Geschichte mit drei Autoren.

Opiumkatze

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Es ist schön, am Morgen durch einen Sonnenstrahl geweckt zu werden, und nicht durch Hitze, Lärm oder einen Wecker. Jedenfalls war genau das bei mir der Fall, an diesem einen Tag, dem dritten Tag auf unserem Festival. Ein kurzer, verschlafener Blick auf die Uhr verriet mir, es war 9:12. Der Geruch meiner neuen Decke, aus Hanf gefertigt, durchströmte meine Nase, es war ein schöner, angenehmer, ein feiner Geruch. Kurz genoss ich noch die Bettruhe, bevor es in der Räumlichkeit, die ich zum Schlaf gewählt hatte, zu heiß wurde. 9:19. 24° C. So beschloss ich also, mich aufzurichten, mich umzusehen, nach draußen zu sehen. Ace schlief noch wohligst neben mir, wie er das ja immer tut, um diese Uhrzeit; Ich aber war mittlerweile wach und wollte mich erst etwas pflegen, ich brauchte Wasser, an und in mir. Auf unserem Nachttisch, zusammengeschustert aus einem Holzbrett und einem Computergehäuse, stand noch kalter Tee in einer weißen Tasse mit linearen, blauen Verzierungen. Der erste Schluck bereitete einen unendlichen Genuss, es war Minztee, gesüßt mit etwas Honig, unmittelbar nach diesem fühlte ich mich gleich etwas aktiver, und auch wohler, mein etwas eingetrockneter Hals wurde aufgeweicht und mit angenehmen Nass benetzt. Ich verließ das Bett, das eigentlich nichts weiter als eine Matratze war, die auf dem Boden lag, zog rasch meine unlängst erworbene Pluderhose an, öffnete die Heckklappe, stieg aus unserem Barkas B 1000 und streckte mich durch. Ein letztes Mal krabbelte ich in den Bus, um meinen Sewak zu holen. Nachdem ich dann den gröbsten Schmutz aus meinem Fell entfernt hatte, ging ich nach dem Teiche, welcher sich eine winzige Wegstrecke von etwa 40 Metern von unserem Bus entfernt befand. Auf dem Weg kaute ich eifrig auf dem Stocke herum und säuberte meine Zähne anschließend. Am Wasser angelangt wurde das Gehölz beiseite gelegt, alle Kleidungsstücke entfernt, meine Uhr abgelegt, und vorsichtig suchte ich, diesen Teich zu betreten. Das Ufer war bewachsen, doch einen flachen Stein, der ins Wasser ragte, fand ich recht schnell. Ich tat also die nötigste Pflege, um mich halbwegs frisch zu fühlen, schwamm ein paar Male auf und ab und setzte mich dann auf ebendiesen Stein. Andere Gäste fand ich ebenfalls vor, diesen Teich zu benutzen, doch fiel mir auf, dass zur ein relativ kleiner Teil des Gewässers frequentiert wurde. Die Mitte, ja, das gegenüberliegende Ufer, wurden nie angeschwommen. Es war sehr bewachsen, sah auch sehr schön aus, blau blühende Schlingpflanzen kletterten am Schilf hoch, in welchem zahllose Vögel ihre Nester bauten. Mir fiel auf, dass kaum eine andere Katze hier zu finden war. Die meisten Besucher waren Hunde oder Wölfe, die die meiste Zeit damit verbrachten, entweder im Wasser rumzublödeln, oder im Wasser auf dem Grunde zu sitzen und zu sprechen. Es roch süßlich. Verträumt in die Gegend blickend, bemerkte ich gar nicht, dass man sich von hinten anschlich. Es war ein Unbekannter, ein Husky, doch voller Freude erhielt ich sogleich einen Ofen in die Hand gedrückt. Ich tat ein, zwei, drei Züge und reichte ihn zurück, bedankte mich ausführlich, und zog meine Hose wieder an.

"Dich hab ich noch nicht wirklich hier gesehen, kann das zustimmen?" wurde ich neugierig gefragt.
"Durchaus, das Festivalgelände ist erstens eher groß, zweitens bin ich erst seit drei Tagen hier."
"Ich bin mit meiner Freundin, jener Katze mit dem silbrig-grauen Fell, hier, wir sind vor einer knappen Woche angereist. Es ist einfach jedes einzelne Mal ein unendliches Vergnügen, die Musik, die Leute, purer Lebensgenuss.", sprach er und reichte mir das Gerät wieder.
"Bei mir ists das erste Mal, dass ich hier bin. Bin mit einem Kumpel raufgefahren, gleich da hinten steht unser Bus.", sprach ich, den von mir eben entlanggegangenen Weg deutend.
"Na, das klingt doch fein. Schläft dein Freund noch?"
"So wirds wohl sein, bin selber vor etwa 20 Minuten aufgestanden und hab ihn seither nicht mehr gesehen.", erklärte ich ihm, und gab ihm den Ofen zurück. "Rauch aus.", meinte ich ergänzend.
"Ich müsste mich dann ums Feuer kümmern, man sieht sich!", stieß er aus, sprang auf und rannte davon. Als ich ihm, etwas verwirrt, hinterherblickte, stürmte auch besagte Silberkatze an mir vorbei, sodass meine Haare gerade zu im Winde flatterten.

Hinterher etwas verwirrt, durch dieses Gespräch, sammelte ich den Stummel auf, den mein unbekannter Freund hinterließ, und suchte unseren Bus auf. Darinnen sah ich Ace, aufrecht sitzend, in seiner spärlichen Schlafkleidung, mit einer grünen Schere in einer blauen Box herumstochern und -schnipseln. Wir hatten das Autoradio an, auf dem Festival irgendwo gab es wohl einen kleinen Sender, der die umliegenden Empfänger mit Musik versorgte. Das Lied, das gespielt wurde, war mir zwar unbekannt, ich hörte allerdings den unverkennbaren Gesang von David Byron raus. Es war ein schöner Gesang, der mich, kaum konnte ich ihn klar hören, in seinen Bann brachte und mich verzauberte. Ich setzte mich an den Kofferraum und lauschte mit geschlossenen Augen der Musik.

"Hast mal 'n Tip?" wurde ich gefragt. Etwas in Gedanken versunken, baute ich das Papierröllchen aus meines Freundes aus besagtem Gerät aus und reichte es ihm. Weiterhin genoss ich die Musik, die Augen geschlossen, die Luft genießend.
 

DonFuzzyEars

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"Und? Wie ist's draußen?", fragte ich beiläufig. Meine Hauptaufgabe, in die ich mich in diesem Moment mit absoluter Präzision und Konzentration reinkniete, bestand darin, gute Rauchware für den Morgen in ein Long Pape zu verpacken und bereit zum Anzünden direkt in unsere kleine 2 Personen-Gruppierung zu verschicken.
"Warm, angenehm, ein Tag wie er im Buche steht!" antwortete mir Kasumi.
Es dauerte nicht lange, und mir stieg ein angenehm süßlicher Geruch in die Nase. In meinem Kopf begann sich langsam dieses Gefühl breit zu machen, mit Cola und Chips auf einer Couch, und es lies mich denken: "Den Tag gehst du gemütlich an...". So wie gestern. Und vorgestern. Und die letzten Tage eigentlich auch.
"Oh, als ich eben am Teich war um ein wenig zu baden, lernte ich einen recht netten Husky kennen. Er war wohl mit seiner Freundin dort, ich konnte allerdings nicht viele Worte mit ihnen wechseln, da sie schnell wieder los mussten.", berichtete Kasumi.
"Klingt gut. Wie hießen denn die Beiden?", fragte ich, während mir bereits neue Fragen durch den Kopf schossen.
"Das...das waren...ich glaube, danach habe ich gar nicht gefragt. Ich war vermutlich zu überrascht, um daran zu denken. Wir werden ihnen aber sicher nochmal begegnen."
"Hast schon Recht. Und, was machen wir heute noch so? Wer spielt eigentlich auf der Hauptbühne?", wollte ich wissen, um nicht länger nach dem Festivalplan kramen zu müssen.
Nach einigen Sekunden der Busdurchsuchung vernahm ich ein leises "...kann ihn nirgends finden... Keine Ahnung, Mann." von Kasumi.
"Konfus. Lass uns halt später nochmal danach gucken." antwortete ich.

So kam es, dass sich meine müden Knochen aus dem "Bett" erhoben. Ich griff nach meiner Baggy, einem frischen Shirt und setzte mich in den Türrahmen des Busses, wo ich meine Sneakers anzog.
Mein Kopf war wach, das Fell durchgeschüttelt, die Augen leicht gerötet. Bereit, diesem Tag viel Spaß und Enthusiasmus zu widmen, stand ich stolz vor unserem Bus.
Ich sah mich um und bemerkte, dass noch nicht allzu viel los war. Die Meisten Festivalbesucher lagen noch in ihren Betten, müde vom letztem, kraftraubendem Abend.
 

Opiumkatze

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"Hey! Wisst ihr zufälligerweise, wer heut so spielt?", rief ich lautstark den erstbesten Passanten zu, welche uns Bands mit Namen Mosaic Lizards und Bhakrad nannten, außerdem noch eine Gruppe, die klassische Stücke covert. So weit, so gut, ich packte meine Pfeife, ein Döschen mit meinen Kügelchens drinnen, Zigarettenpapier, Tabak, Streichhölzer und eine gläserne Flasche, gefüllt mit Wasser, in meine Tasche. Flugs zog ich noch ein T-Shirt über, schnappte die Tasche, zog Stiefel an und ging mit meinem Dude, der seine Sachen auch schon auf den Schultern hatte, los, "stadt"einwärts. Mittlerweile dürfte es an die 10 Uhr sein, es war warm, die Böden angenehm erdig, gerade perfekt, um darauf zu laufen. Nach etwa fünfzehn Minuten waren wir in einer der üblichen Bars angelangt, der sogenannten Green Cave. Nach einer kurzen Absprache bezüglich der Sitzplätze setzten wir uns an einen der eher außen gelegenen Tische. Es waren bequeme Sesseln, alle verschieden, der Tisch bestand aus schwerem Nussholz, eine stabile Unterlage. Die ganze Green Cave bestand mehr oder weniger aus einem Holzgerüst, wild und durcheinander, das mit einem dünnen Leinentuch überdeckt war. Innen waren noch bunte Tücher befestigt, zeitweise waren Risse in dem weißen Leinentuche, einzelne Sonnenstrahlen fielen herein und machten den Rauch aus Pfeifen, Shishas und Zigaretten der anderen Gäste gut sichtbar. Das in Kombination mit den Kerzenhaltern verlieh dieser Bar einen ganz besonderen Flair. Wir holten uns eine Kanne grünen Tees, zwei Tassen und einen Aschenbecher, und mein liebster Freund begann sofort mit erneuter Bastelarbeit. Ich holte meinen Tabaksbeutel, Rauchware und Papier, und begann, es ihm gleichzutun. Den bis dahin leeren Aschenbecher benutzte ich, um alles kleinzuschneiden, auf eine Art, die er mir unlängst erklärt hat, und drehte ein nicht unbedingt ansprechendes, aber potentes Produkt. Bevor dieses jedoch angebrannt wurde, musste ich an einen Trick denken, den mir einer meiner frühen Freundinnen beigebracht hatte; ich brannte damit etwas von der Reibefläche meiner Zündholzschachtel an und drückte es auf meinen Schuh. Muss aus der dritten Person schon lustig ausgesehen haben, das Streichholz am Schuh zum aufflackern zu bringen. Ich gab der verfeinerten Zigarette Feuer und rauchte sie, alle paar Züge tat ich einen Schluck aus meiner Tasse.

"Es ist nicht die Präsenz von Opium, die mich produktiv macht, vielmehr ist es die Abwesenheit. Doch diese Abwesenheit setzt zeitweilige Präsenz vorraus." Es war ein Zitat eines Fremden aus einer entfernten Stadt, mit dem ich vor einigen Wochen geraucht habe. Da ich diese Worte im Moment begeisternd fand, musste ich sie aussprechen. Ace schien sie zur Kenntnis zu nehmen, ich merkte ihm das auch an, doch hat er mit keiner noch so kleinen Bewegung seine Arbeit unterbrochen oder verzögern wollen. Ich nahm ein Lederband, welches um meinen Arm gewickelt war, zur Hand, um damit meine Haare zusammenzubinden. Ich hatte keine Kopfbedeckung, das empfand ich als störend, da ich früher immer mit einer Wollmütze rumgelaufen bin. Schnellstens musste Ersatz her, sofern es der Zufall erlaubte. Meines Freundes Rucksack entnahm ich einen Zeichenblock und einen Kohlestift, und begann, irgendwas darauf los zu malen. Alle paar Atemzüge sah ich zu Ace auf, wie weit er denn mit seiner Arbeit sei. Fast fertig. Gut. Ich vollendete meine Zeichnung, es erinnerte mich im entfernten an einen Baum, einen Nadelbaum, der merkwürdigerweise von Tieren bewohnt war, die es in der Gegend, in der er wuchs, nicht gab.

Ich schob ihm das Blatt unter die Augen, als er gerade seine Bausachen beiseite gelegt hatte und gerade dabei war, die letzten Feinoptimierungen vorzunehmen, und wartete auf seine Reaktion.
 
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DonFuzzyEars

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Während ich den Klebestreifen des Longpapes anleckte, warf ich meinem Gegenüber einen musternden, leicht verdutzten Blick zu. Ich sah hinunter, um dieses leicht feuchte Papier mit angereichertem Tabak zu einem kleinen Meisterstück zu verwandeln. Nachdem ich mein Haupt wenige Sekunden später wieder erhob, zeichnete ein ernster Ausdruck mein Gesicht. Wieder musterte ich sie für einige Sekunden. Ich zündete den Spliff an, fing schließlich an zu grinsen und sagte: "Mkay, is' cool!"

Ich nahm ein paar kleine Schlücke des Minztees und streckte meinen Arm aus, um die Rauchware weiter zu reichen. Wieder sah ich mich um, betrachtete diese kuriosen Individuen, welche es sich in den Sesseln gemütlich machen, redeten, rauchten und lachten.

Nach einiger Zeit und einem immer voller werdendem Aschenbecher betraten zwei weitere, bereits ziemlich fertig wirkende Fellträger den Raum, ein Dobermann und ein Frettchen. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich, wie Letzterer auf unseren Tisch und die freien Sessel deutete.
"Wir kriegen Gesellschaft, wie es scheint, huh?" fragte ich misstrauisch.
"Schon, aber die sehen recht entspannt aus. Dreh' mal fertig, vielleicht wollen die ja auch was."
Dies erschien mir als recht wahrscheinlich, daher ging ich dem Vorschlag Kasumi's nach. Da standen sie bereits vor unserem Tisch, mit breitem Grinsen, weiten Pupillen und allem was dazugehört.
"Könn' wir uns vielleicht hier bei euch 'n bisschen breit mach'n?"
Mit einem warmen "Sicher, setzt euch!" begrüßte Kasumi unsere neue Gesellschaft.
"Jo, macht's euch gemütlich. Wollt ihr vielleicht was..." Gerade, als ich den Satz vollenden wollte, blickte ich auf den Tisch, auf dem ich bereits alles Zubehör zum Bauen eines Ofens vorfand. Damit beschäftigt war der Dobermann, welcher mich kurz darauf ansah, und fragte: "Was wollen wir denn vielleicht?"
"...mitrauchen. Wie ich jedoch sehe, seid ihr auch nicht allzu schlecht versorgt. Wollen wir 'ne Runde machen?"
"Wir Vier? Klar, warum nicht? Ich heiß' übrigens Malte, das is' mein Kumpel Kalle. Und wer seid ihr zwei?"
"Kasumi mein Name, und mein guter Freund hier trägt den Namen Ace. Es freut mich euch kennen zu lernen!"

Nachdem alle Pfoten geschüttelt waren, wurden die Rauchgeräte angezündet, Gespräche gestartet und viel Schwachsinn erzählt. Hauptsache war, es gab was zu lachen. So vergingen die Minuten, welche schon zu Stunden wurden, und doch schienen sie uns nur wie Sekunden. Und so kam auch der Punkt, an dem unsere neu gewonnenen Freunde sich wieder auf den Weg zu ihren Wohnwägen machten, "Vorräte nachfüllen und 'n bisschen knacken." meinte Kalle. Man verabschiedete sich und hoffte auf ein baldiges Wiedersehen, wir setzten uns nieder und sie schritten immer weiter in die Ferne des Zeltkomplexes.

So waren wir wieder unter uns, und ich begann erneut mit dem, was ich am besten konnte. Während ich mir Papes und Filter bereit legte, überflog ich die Bar und ihre Gäste. Ein Tisch stach mir besonders ins Auge, da eine recht bunt gemischte Truppe daran saß. Sie bestand aus einem Leopard, einem Husky, einer Katze und einem Waschbären.

"Hey...der Husky und die Katze da drüben, hast du von denen gesprochen?"
 

Opiumkatze

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"Und wie das die beiden sind!", stieß ich voller Euphorie aus, gab ihnen auch gleich einen Deut, sich zu uns zu setzen. Sie leerten ihre Gläser, packten ihre Siebensachen und kamen schnellen Schrittes die paar Meter rüber zu uns. Wie wir erfuhren, sind sie gerade am Aufbruch: "Guten Tag, man kennt sich doch, wenn auch ohne Namen, wenn ich mich vorstellen darf, der meinge lautet Sam, und das hier ist Janis." Kaum waren diese Worte ausgesprochen, stürzte sich die Silberkatze auf mich, sodass ich von meinem Platz kippte und zu Boden stürzte, so sehr ich Leute auch kenne, selten wurde ich mit solcher Inbrunst und Aktivität begrüßt. Ich bemühte mich, ihr selbiges nachzutun, drückte meinen Körper gegen den Ihrigen und wuschelte einmal grob durch ihr Fell.

"Wir sind gerade am Aufbruch, wollten etwas den Hauptweg hinablaufen, um anschließend zur Festivalwiese zu gelangen. Bhakrad wird in Kürze auftreten, um 14:30, wir wollen sie keines Weges verpassen.", meinte Janis, nachdem sie sich wieder halbwegs beruhigt hatte.
"Gerne begleiten wir euch, gibt bestimmt noch vieles zu sehen ... "

Ab diesem Zeitpunkt bekam ich vom Gespräch nicht mehr viel mit. Ich wollte aufstehen, um meine Sachen zu packen, sackte aber sofort wieder nieder und bleib erstmal ruhig sitzen. Ich schloss die Augen und hörte Musik in meinen Ohren, es war basslastig, schwere bleierne Riffs, aber nicht mit Gitarren, vielmehr mit einer Orgel, umhüllten meinen berauschten Geist. Ich versank langsam aber kontinuierlich in Meditation, ich fand Ruhe, obgleich ich sie finden wollte oder nicht. Es war alles so friedlich, wie mit sonst kaum einem Wort auszudrücken. Als ich also dasaß, im Schneidersitz, wie ich fast immer dasitze, die Arme auf den Knien, locker, begann ich, meine Haut zu spüren, ich spürte meinen Körper durchwegs und vollständig, das Gefühl war unglaublich.

"Ey, kommst du oder was?", unterbrach mich Ace, der wohl sehr in das Gespräch mit besagten Leuten vertieft war. Ohne groß ein Wort zu sagen, schüttelte ich mich einmal durch, um fit zu werden, nahm meine Sachen, stand des Weiteren wortlos auf und ging ihnen nach. Der Hauptweg war voll, an den Rändern saßen Leute, die allerlei Sachen zum Verkaufe anboten, Musik machten, zeichneten, quatschten, tranken, rauchten. Ein Leopard mit ewigst langen Haaren saß an einem großen Holzkasten, einem Computer, wie sich später herausstellte. Er hat ihn wohl selber gebaut und programmiert. Man konnte sich echt zuhause fühlen. Die Gespräche vor mir drehten sich wohl nur um Musik, allen Bands voran um jene, die in wenigen Minuten auftreten werde.

"Stoner Rock. Hauptsächlich. Wir haben aber auch schon recht abgespacete Nummern gehört von ihnen, bestimmt werden sie euch gefallen!", sprach Sam, mir einen sympathischen Blick zuwerfend. Sofern möglich, versuchte ich zu antworten:

"Klingt doch wirklich fein, freue mich schon drauf." war wohl der Worte alles, was ich rausbrachte. Im Wissen, ich würde später sitzen wollen, überlegte ich, Leute zu fragen, mir einen Sessel, einen Stuhl, oder wenigstens ein Kissen auszuleihen, doch dafür war ich zu faul. Ich fühlte mich merkwürdig dumpf und langsam, das eheste Mittel dagegen, das mir unmittelbar einfiel und auch anzuwenden war, war Wasser. Ich trank einen Großteil der Flasche leer, mit jedem Schluck öffnete sich mein Gehirn, meine Gedanken wurden komplexer. Fertig getrunken, reichte ich Janis die Flasche weiter. Wie aus einem Traum gerissen, fühlte ich mich, als wir direkt vor der Bühne standen, auf einmal, als gäbe es den Weg nicht, als wäre es eine Reise durch die Zeit, die die innere Uhr, ummantelt von Räucherwerk, vorzugeben schien. Ich sah mich um und bemerkte erst nach vermutlich und vergleichsweise recht später Zeit, dass alle schon am Boden Platz genommen haben. So sank auch ich nieder, an Sams Seite, und nahm meinen guten, alten Schneidersitz ein.

Janis borgte sich, ohne zu fragen (es war eine Selbstverständlichkeit, dass sie meine Sachen benutzen durfte), meinen Tabak und mein Papier aus, um daraus einen Trichter zu formen, und ihn sofort anzuzünden. Sie schien sich bestens mit Ace zu verstehen, ich hingegen quatschte mit Sam; Ich sprach ihn an, als er einen angebotenen Ofen ablehnte.

"Rauchst du nicht?"
"Danke, kann ich mir nicht erlauben, hatte vorhin starke Schmerzen in der Lunge und möchte deshalb vorrübergehend auf diesen Genuss verzichten."
"Das erscheint mir vernünftig. Geht mir meist auch ähnlich, wenn mich, zum Beispiel, einen Infekt, nein, Danke!", unterbrach ich das Gespräch, als mir der Ofen angeboten wurde, "... mir zugezogen habe, dürstet mir nichtmal nach einer Zigarette. Der Genuss des Rauchens bleibt wohl doch den Gesunden erspart."
"Siehst du richtig. Es gibt jedoch auch andere Methoden, sich zu erfreuen!" Während er diese Worte sprach, entnahm er seinem Feldrucksack einen Keks und mampfte ihn gänzlichst und voller Leidenschaft. Mir fiel auf, dass ich eigentlich fürchterlichen Hunger haben sollte, doch nach einer solchen Menge Wasser konnte ich beim besten Willen nichts zu Essen vertragen. Ace machte sich auf, um Brot für uns zu holen, da wurde ich von Janis angequatscht.

"Warum bist du so still? Du sprichst ja fast gar nicht!"
"Nicht wahr. Ich habe wohl nur schon genug geraucht, dass ich mich erst wieder sammeln musste. Vorhin habe ich, eben wie dein Freund, abgelehnt, zu rauchen.", sprach ich und holte mein Stöckchen hervor, um die Zähne zu bürsten.
"Was ist das?", wurde ich von den beiden gleichzeitig, in fast dem selben Tonfall, gefragt.
"Dieses wird Sewak genannt, eine Geäst, dessen Fasern sehr grob, fast bürstenartig sind, auch enthält das Holz eine Reihe Mineralstoffe, welche, weiß ich auch nicht, die sehr zahnreinigend wirken."
"Möchtest du mir davon was abgeben?", meinte Sam, der sich fast schämte für diese Frage. Ich brach also zwei Drittel meines Zweiges ab, nur für den Fall, dass Janis später auch kauen möchte, und erklärte ihnen die Prozedur der Reinigung, als Ace mit einem Laib Brot, umschlagen von einem Tuch, wieder zu uns kam und auf unheimlich elegante Art gegenüber von unserem Halbkreis platz nahm, sodass wir einen Kreis bildeten. Die Andern standen etwa 20 Meter von uns entfernt, eher offen, lauschten der Musik. Wir nutzten sie für den Hintergrund, um unserem Gespräch einen Grundton zu verleihen. ... "Also, wie gesagt, in diesem Buch steht alles drinnen, was es zu wissen gibt. Ich leih' es euch." Und damit war meine erklärende Rede zu Ende.
 
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DonFuzzyEars

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Während ich mich um Futter gekümmert hatte, schoss mir das recht eigenartig wirkende Verhalten Kasumi's durch den Kopf. Auch über unsere neuen Begleiter dachte ich nach.
Der Weg zur Bühne schien mir bereits unendlich lang, jener zum Stand und wieder zurück noch länger. Das Gespräch, welches noch bis vor kurzem geführt wurde, beschäftigte mich. Die Hälfte davon hatte ich jedoch bereits wieder vergessen, sodass ich mich auf den Rückweg begab, in Gedanken darüber versunken, ob ich heute nicht vielleicht schon genug geraucht hätte.

So traf ich, nachdem ich mich einige Zeit lang erstmal danach umsehen musste, wieder an dem Platz mit den mir vertrauten Gesichtern ein. Etwas verdutzt nahm ich Platz, schaute kurz in die Runde, die sich dort vor meinen Augen auf einer großen Decke lang machte, und bemerkte, dass mich alle ansahen. Ich blickte überrascht zurück, senkte meinen Kopf jedoch wieder, da mir einfiel, worauf diese Blicke warteten.
Ich zog ein Brotmesser aus meinem Rucksack hervor, legte das Tuch und das Brot vorsichtig auf die Decke und begann zu schneiden.
Nachdem ich etwa den halben Laib in präzise geschnittene Scheiben verwandelt hatte, legte ich sie griffbereit in die Mitte unseres momentanen Grund und Bodens.
Während sich Kasumi mit den Worten "Eigentlich hatte ich ja gar keinen Hunger, aber das schmeckt einfach sooo gut!" bereits daran zu schaffen machte, sahen mich Sam und Janis wieder an, doch diesmal mit einem fragendem Gesichtsausdruck.
"Was'n? Bedient euch. Oder mögt ihr kein..."
Meine Frage hatte sich bereits erledigt. Nicht gierig, doch eifrig griff jeder nach einer Scheibe dieses köstlichen Werkes der Bäckerskunst.
"Sorry. Wir haben heute noch nichts gefuttert, waren einfach die ganze Zeit unterwegs. Und, verdammt, dieses Brot verursacht einfach einen unglaublich Heißhunger auf mehr.", erklärte mir Sam.
"Oh ja!", fügte Janis mit einem breiten Grinsen hinzu.
Das stellte mich zufrieden, zumindest für den Moment. Irgendetwas fehlte. Ich sah mich um, betrachtete die Stände, die Leute, die Bühnenarbeiter, welche noch immer mit dem Aufbau des Equipments beschäftigt waren. "Moment mal, fangen Bhakrad nicht gleich an?" Und da wurde mir auch wieder bewusst, was irgendwie nicht dort war, wo es sein sollte.

Erneut widmete ich mich also dem Verpacken von Rauchware in Blättchen. Die Rauchschwaden vor der Bühne waren kaum zu übersehen, riechen konnte sie sowieso jeder. Trotzdem wollte ich ihr noch ein paar weitere süße Aromen hinzufügen, um die nächste Gruppe so zu begrüßen, wie es sich gehörte. Lange würde es nicht mehr dauern, und die Leute winden sich vor musikalischer Ekstase. Ja gut, und dem Trip. "Was sagtest du war der Musikstil von Bhakrad?", wollte ich wissen.
"Stoner Rock. Also super zum entspannen und rauchen.", meinte Sam.
"Na, dann ist die Hälfte wohl wieder auf Pilzen... irrelevant. Wie oft wart ihr nun eigentlich schon hier auf'm Festival?"
"Also mit Janis bin ich jetzt zum zweiten Mal hier. Ich kam jedoch früher schon, drei Jahre, sofern mich nicht alles täuscht, in den Genuss der hiesigen Atmosphäre. Somit wäre das mein fünfter Besuch bisher.", erzählte mir Sam stolz.
"Ja, er ist schon ein kleiner Festivalveteran, huh?", kicherte Janis und fing an zu lachen.
"Vielen Dank, Schatz. Wirklich. Wie oft warst du denn schon hier? Kasumi erzählte mir bereits, dass es für sie das erste Mal ist. Wie sieht's bei dir aus?"
"Ich zähle 7 Jahre, in denen ich mich jeden Sommer auf den Weg in diese Lande begab, um Musik, Spaß und gute Gesellschaft aufzusuchen."
"Wow, aber du rauchst nicht schon so lange, oder? Ich meine, du bist doch nicht älter als 20...oder?" Sam sah mich verblüfft an.
"16. Das erste Mal nahmen mich meine Eltern mit, als ich 7 war. Leider musste ich seit dem 2 Jahre aussetzen. Und dem Konsum von Rauchware gehe ich erst seit etwas mehr als anderthalb Jahren nach.", erklärte ich mit einem Lächeln.
"Und wie alt bist du?", fragte Janis neugierig, während sie Kasumi anstarrte.
 

Opiumkatze

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"Beim besten Willen, und so Leid es mir tut, ich weiß es nicht. Über meine Kindheit weiß ich generell nicht viel, alles verschwimmt im Nebel. Wobei ich sagen muss, dass mir das Rauchen dabei hilft, diese Erinnerungen wieder ins Diesseits meines Bewusstseins zu kramen, zumindest teilweise. Ich wachse aber kaum noch, so schließe ich, etwa achtzehn, neunzehn Jahre alt zu sein. Und dein Alter?"
"Vierundzwanzig Jahre. Sieht man das nicht?", antwortete sie etwas offensiv. Als wolle sie auf irgendeine körperliche Erscheinung hindeuten, aber außer einem zerfetzten Ohr konnte ich nichts erkennen, das auf ein solch relativ hohes Alter schließen ließe.
"Verzeih, ich erkenne nichts. Du siehst nicht aus, als hättest du schon vierundzwanzig Winter erlebt."
Ohne verbal zu antworten, lockerte sie ihr Halstuch und nahm es ab. Darunter kamen Narben zum Vorschein, etwas Fell fehlte, die ganze Halsgegend war ergrauter als der Rest, farblos, mittelgrau, kein volles Silber wie jenes, das sonst ihren Körper ziert. Ich warf einen kurzen Blick darauf und wusste nicht, wie ich mich verhallten sollte.
"Du musst entschuldigen. Es macht mich ungehalten und etwas geringschätzend", meinte sie, ihre Rauchwerke im Sinn habend. Ich formte aus meiner rechten Hand eine Faust, legte die an ihre Schulter und stieß sie leicht von mir, es war eine gemütliche Geste, die Freundschaft symbolisieren sollte. Sie schien es auch so aufzufassen, wobei ich fast Bedenken hatte.

Inzwischen kaute Sam auf dem Stocke herum, eher experimentell als zweckorientiert, Janis wechselte ihren Platz rüber zu Ace, der auf alle Fragen mit Erzählungen antwortete, beiderlei fiel sehr üppig aus. Er berichtete von seiner Herkunft, einer Stadt, weit entfernt, wieso er diese verlassen hatte, auch die anderen ergänzten den Trialog und ich versank abermals in Gedanken, in beinahiger Depression. Wo kam ICH her? Wer war ICH? Mir blieben wohl zwei bis drei Eindrücke aktiv und konsistent im Gedächtnis, die ich auf eine Zeit, ungefähr fünfzehn Jahre in der Vergangenheit, datierte. Öfters hatte ich schon eingesehen, darauf keine Antwort zu finden; Ich war nur froh, die Erkenntnis getroffen zu haben, wo ich zuhause war; Überall. Wo auch immer ich war, ich fühlte mich zuhause, und, wenn es die Umstände der Dunkelheit zuließen, sonderbar geborgen. In der Nacht konnte ich recht gut sehen, andere wiederum weniger, das verschaffte mir Sicherheit. Wieso, wusste ich nicht. Um jetzt nicht gleich wieder in einer Manie zu versinken, betrachtete ich das Bühnenspiel. Da wir auf einer kleinen Anhöhe saßen, war die ganze Situation recht überschaubar, auch saßen die meisten. Selbst die Bandmitglieder spielten im Sitzen. Der Gitarrist, Carter, wie ich später erfuhr, spielte auf einer ungewöhnlichen Gitarre, zwei Hälse, sehr kleiner Körper, eher bauchig gehalten, primitivste Elektronik. Doch klang die Farbe dieser Gitarre sehr periodisch und hell, man hörte jeden Anschlag mehrmals, undifferenzierbar, raus. Der Bassist schien sich kaum halten zu können, er lehnte sich an einen Verstärker an und spielte zart die schnellsten Stücke. Die derzeitige Darbietung war irgendwie anders, irgendwie interessant, doch nur mit einfachsten Instrumenten zusammengestellt. Ohne weiter die Musiker zu betrachten, richtete ich mich nach den anderen und sammelte Gesprächsfetzen auf, es ging um einen Tod in jemandes Familie. Ohne die Umstände zu kennen, empfand ich Trauer. Um abermals eine Manie zu vermeiden, sprang ich auf, quetsche mich zwischen Ace und Janis und lehnte mich an Letztere an. Ich lauschte den Gesprächen, hörte gespannt zu, als das Ganze aber seinen Kurs in Richtung Sentimentalität nahm, unterbrach ich auf unverschämte Weise den Fluss an Worten und warf Sam eine Frage zu:

"Ich schätze dich so ein, als wärst du ein talentierter Handwerker, darf ich fragen, welchem Handwerk zu nachgehst?"

Auch Ace sah ihn interessiert an, Janis machte einen Gesichtsausdruck, als kenne sie jedes Wort der Antwort, würde sich aber trotzdem darauf freuen, es nochmals zu hören.
 

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