Eine Flamme in der Düsternis

MarleyWolf

Gesperrter Benutzer
Mitglied seit
19 Okt 2010
Beiträge
357
(Mal eine kleine Einsicht in eine der Erzählungen, die ich über die Zeit hinweg geschrieben habe. Es ist nur der erste kleine Teil und es ist etwas gekürzt, damit man es im Forum besser lesen kann... )

Draußen, vor den derben Brettern und halbierten Stämmen der massigen Türe, beschlagen mit roh bearbeitetem Eisen, der winzigen Blockhütte tobte der Wintersturm mit all seiner gewaltigen Macht.
Er kreischte und klagte, brüllte und donnerte, wisperte und pfiff wie ein lebendiges Wesen. Furchteinflößend und grausam, als wolle er all sein Können dafür verwenden Angst und Schrecken zu verbreiten. Schnee peitschte gegen die Wände und die aus gewachsenen Bäumen getriebenen Dachbalken, welche ächzend ihre Last aus Geäst, Moos, Dachschindeln und mit Wasser vollgesogenem Gras trugen. Tage zuvor plagten mich die Sorgen ob diese Konstruktion wohl der Belastung des Schnees zu widerstehen vermochte. Und nun, da der Schnee hinfort geweht wurde, zitterte ich und erschrak bei jeder Windböe und sah mich in meiner Vorstellung unter einem Berg aus Holz und Gras begraben liegen, sterbend und verloren.

An der Stirnseite meines ach so zerbrechlichen Unterschlupfs befand sich das einzig tröstliche Ding in diesen dräuenden Stunden. Mit unbeschreiblicher Mühe und nach wochenlangem quälenden Fußmarsch hatte ich es vollbracht einen kompletten gusseisernen Kanonenofen in mein Exil zu schleppen. Wie wahr doch der Spruch der Trapper nun in meinen Ohren klingt: „All das was Du getragen hast, wirst Du lieben Dein eigen Fleisch und Blut“.

Dieses eiserne Ding, ein hässliches unförmiges Ei aus dem ein Rohr hervor ragte, war mir Spende der Hoffnung und Zuversicht geworden, wenn ich des Abends halb erfroren heimkehrte.
Alleine diese Wortwahl befriedigte mich, als ich sie das erste Mal aussprechen konnte: „Heimkehren“, in mein Heim. All die mühevollen Plagen des Sommers, vergessen und fort gewischt. Auch so manche unheimliche Begegnung, manch dräuendes Unheil, waren damit aus dem Sinn. Obwohl sie von einer so großen Merkwürdigkeit zeugten, das sie mir dennoch nicht gänzlich aus dem Verstand wollten. So manche Nacht verbrachte ich ruhelos und grübelte. Es war mehr die Analyse, denn Frucht, die mich dazu trieb. Es ließ mir keine Ruhe, nicht ergründen zu können welcher Art dieser Schrecken war, welcher mich dort befiel und was es war, das mir jenes Gefühl in das tiefste Mark meiner Knochen legte.
Seit jeher erzählt man sich die Geschichte eines übermenschlichen Wesens, eines Tiermenschen, oder Menschtieres. Schauermärchen, mag man meinen. Hirngespinste eines verwirrten Geistes, der über die Jahre und Jahrzehnte der Einsamkeit in der Wildnis menschenähnliche Wesen ersinnt. Vielleicht aus dem Drang heraus diese Lebensart zu verfluchen, oder aber um einen triftigen Grund zu haben und sich seiner nicht schämen zu müssen, vor den Augen der anderen Fallensteller.
Doch zu all dem zähle ich mich nicht und ich bin bei weitem nicht lange genug in dieser Wildnis um mich ernsthaft als verrückt bezeichnen zu können. Zumindest sehe ich bei der Beobachtung meiner Handlungsweisen eine gewisse Logik vorherrschen. Zudem ich mit jener Furcht nicht erreichen möchte, meine Seele zu beruhigen und meine Selbstaufgabe zu rechtfertigen. Im Gegenteil, es liegt mir daran in meinem neuen Domizil zu verweilen.

Nein, diese Angst ist wahrhaftig und sie existiert aus einem Grund. Es muss existieren wovor ich mich fürchte, denn Hirngespinste und böse Märchen haben mich selbst als kleines Kind nicht schrecken können. Mir war jeher die Natur ein Trost und ein Ort des Friedens, selbst in Zeiten zu denen ich ihre Macht zu fürchten habe. Man spürt die Winzigkeit des eigenen Seins und hierin liegt auf eine absurde Art und Weise eine Hoffnung begraben.
Doch nun, da ich seit drei Tagen meine Hütte nicht zu verlassen wagte, schwand selbst diese Hoffnung und auch jene Freude über das knistern und knacken der verbrennenden Holzscheite. Die Wärme war erbaulich für die Seele und nahm die Angst vor dem tosenden unaufhörlichen Geschrei des Sturms. Doch, so meine Angst, was wird sein wenn die kostbaren Flammen verlöschen?
Als die letzten Reserven des Feuerholzes angebrochen waren, rückte der Augenblick näher zu dem ich hinaus in den Sturm musste, um aus einem meiner Holzlager, in vielen mühevollen Gängen, Brennmaterial heranzutragen.

Eine weitere Nacht verging und der Sturm ließ ein wenig seine Waffen sinken. Immer noch biss er mit roher Gewalt in meine Behausung und schüttelte sie wie einen Würfel. Doch waren nun Schneefall und Sturmböen weitestgehend abgeklungen.

Gerade zur rechten Zeit, wie mir auffiel. Denn just als der Morgen fahl und unbeschreiblich langsam dämmerte und das erste diffuse Licht durch den aufgewirbelten Schnee schimmerte, füllte ich meinen Ofen das letzte Mal. Der Vorrat in meinem Hause war aufgebraucht.
Da saß ich nun, und blickte scheu und verschreckt regelmäßig durch die kleine Ritze zwischen zwei Stämmen der Außenwand meiner Behausung, welche ich absichtlich ohne Füllmaterial beließ, als das ich eine Möglichkeit hatte rund umher nach draußen zu spähen. Ein Fenster, abgesehen von der Unmöglichkeit solches hier in die Einsamkeit zu transportieren, hätte keinem Sturm widerstanden und wäre es 2 Zoll dick gewesen.

Nun war mir bewusst das ich hinaus musste und zwar baldigst. Denn kühlte mein kleiner Raum einmal aus, würde sofort das kriechende Eis beginnen Zoll um Zoll meines Lebensraumes einzuschließen. Die Temperatur pendelte schon seit einer Woche um -40° Fahrenheit. Trapper berichteten mir das sie Winter erlebten, in denen das Thermometer bis auf -50°, ja sogar sprach einer von -65° Grad Fahrenheit, fiel. Die Temperatur ist eines der beliebtesten Gesprächsthemen, trifft man denn in dieser Wildnis einmal jemanden der ebenso lebt wie man selbst. Es gibt auch nicht viele Gemeinsamkeiten über die man lange Reden schwingen könnte. Vielmehr beschäftigt man sich mit dem Austausch vom Notwendigen. Zumeist redet man über das Angeln, Jagen, Fallenstellen, besagte Wetterphänomene und im allerhöchsten Fall über kulinarische Genüsse, wie etwa gebratenen Biber oder Wildente.

So begann ich also mich gegen die Kälte zu wappnen. Kleidete meine Beine und Füße in Hosen aus dickem Pelz, an jene die Stiefel, wenn man sie so nennen möchte, direkt angenäht waren. Auch die Jacke war so gut es eben ging ohne Nähte gehalten und die Handschuhe waren direkt mit den Ärmeln vernäht. Darunter trug ich drei Lagen Unterwäsche. Umso erstaunlicher mag dieser Aufzug wirken, da er schon seinen dritten Besitzer wärmte, wobei zwei davon in ihm gestorben waren. Der eine aus Altersschwäche und der andere erschoss sich während eines Anfalls von Wahnsinn selbst. Aber glücklicherweise direkt in den Kopf, so blieb die Kleidung verschont. Ich für meinen Teil hatte nicht vor diese Schicksale zu teilen, allerdings bin ich auch niemals abergläubisch gewesen.
Mein Gesicht war das am beschwerlichsten zu schützende Körperteil. Ich schmierte mir dick Biberfett auf die Gesichtshaut und bedeckte dann alle offenliegenden Stellen mit einer Maske aus dünnem Leder, so das nur zwei kleine Schlitze blieben, für die Augen. Hinzu kam eine dicke Fellmütze, welche sich wie ein Turban aufbäumte.

Niemand mag in seiner warmen Stube, der diese Zeilen liest, ahnen, welche Macht die Kälte ausübt. Und vermutlich noch weniger kann jener Leser erahnen wie gewalttätig diese Kälte wird, wenn der Wind Stärken erreicht welche ausreichen einen erwachsenen stämmigen Mann von den Füßen zu reißen. Augen frieren binnen Sekunden zu und man ist blind. Die Atemwege vereisen, die Nase und der Rachen sind schlagartig mit einem beißenden Schmerz erfüllt. Der Kehlkopf kann sich tatsächlich dadurch zusetzen, weshalb erfahrene Trapper stets eine kleine Flasche starkem Whisky in der Unterhose umher tragen. Nicht um in aller Gemütlichkeit unter irgend einem Baum einen auf ihr Wohl zu trinken, sondern eben um sich in jenen Situationen das Leben damit zu retten.
Voller Bange stand ich so vor der noch verschlossenen Türe meiner Behausung.

Ich nahm die Axt die neben der Türe lehnte, ein kurzes Stück Seil und mein Messer. Mit dem Heft des Messers schlug die Keile aus den Spalten des Türrahmen und gab so die Türe selbst frei. Mit großer Kraftanstrengung presste ich nun die Tür aus ihrer Verankerung und kaum bildete sich der erste sichtbare Spalt, pfiff auch schon der beißende und nach einem grapschende Wind herein. Immer weiter schob ich die Tür gegen die Massen aus Schnee die sich vor ihr angehäuft hatten. Nach einer scheinbaren halben Ewigkeit vollbrachte ich das Kunststück sie soweit zu öffnen, dass an der Unterseite ein keilförmiger Durchgang entstanden war. Hier blies nun der stetige Wind, vermengt mit Eis und Schnee hinein, aber mir gelang es dennoch auf allen Vieren heraus zu kriechen. Als ich mit aller Gewalt und dem Gewicht meines Körpers die Tür zurück in ihre Verankerung schob, sah ich noch wie im Inneren meiner Hütte eine weiße Spur aus Schnee angehäuft worden war. Und das, obwohl ich lediglich wenige Sekunden einen Zugang geschaffen hatte.
Der Wind peitschte mir um das Gesicht. Die Kälte fraß an meiner Kleidung. Binnen Sekunden bildeten sich dicke Eisklumpen im Fell meiner Jacke. Ein Gebilde, ähnlich einem Eiszapfen, wuchs mir aus der Atemöffnung unter der Nase, durch die Maske hindurch. Es dauerte keine lange Zeit und ich war ebenso weiß wie alles um mich. Man sah nicht weiter als drei oder vier Fuß.
Es gab nichts zu unterscheiden, keinen Himmel, keine Erde. Alles war absolut einheitlich weiß.

Ich stand breitbeinig gegen den Wind gelehnt, nahezu so schräg das ich ohne dieser Kraft die mir entgegen wirkte flach auf den Boden gefallen wäre. Meine schwere Axt wirbelte hin und her, da ich sie wie sonst mir eigen an ihrem Fangseil über die Schulter gehangen hatte. Wie eine Fahne im Wind, wedelte sie umher. Ich atmete schwer und keuchte bei jedem Schritt vorwärts. Große Angst befiel mich als ich an den Rückweg dachte. Wie würde ich nur je zurück finden?
Ein erfahrener Trapper hatte mir geraten niemals bei einem Sturm den Unterschlupf zu verlassen. Aber dieser Rat war mir nun auch keine Hilfe mehr. Nun musste ich für meine Dummheit und den Übermut bezahlen. Ich flehte mein Schicksal an das es mir keine zu hohe Rechnung dafür ausstellte. Und so hielt ich, so gut es mir möglich war, eine gerade Linie ein, in Richtung des Holzhaufens. Ursprünglich wollte ich diesen direkt in einen Verschlag neben meiner Hütte einbringen, doch überraschte mich der frühe Winter und es war ein heftiger Wintereinbruch.
So gelang es mir nicht mehr jenen Verschlag zu errichten und einen Durchgang zum Inneren meiner Behausung zu fertigen. Wiederum ein Fehler den ich nun bezahlte.

Ich erreichte den Holzhaufen, welcher an seiner Spitze etwa zwölf Fuß hoch war. Dort angekommen, schnürte ich ein dickes Bündel mit dem Seil aus den etwa drei Fuß langen Scheiten und wollte es so zurück in meine Hütte schleifen. Zu Anfang gelang es mir gut, aber meine Hände verloren durch die schneidende Kälte ihre Kraft und das Seil glitt mir immer wieder durch die Handschuhe. So sehr ich mich mühte und mich quälte die Finger zusammen zu pressen, es gelang mir nicht. Mit einem Schrecken fuhr mir der Gedanken durch den Kopf, das ich niemals wieder mit diesen Händen die Tür meiner Behausung zu öffnen vermochte. Ich saß eine Minute machtlos vor meinem Bündel aus Holz und war dabei zu resignieren. Der Wind wehte wieder in Böen und eine warf mich beinahe sitzend längs in den Schnee. Die Stärke des Sturms nahm wieder zu.
Ich gab das Holz auf und bewegte mich zurück zu meiner Hütte. Kriechend auf allen Vieren.

Mit letzter Kraft erreichte ich die Türe, aber wie ich es befürchtete, konnte ich sie nicht öffnen. Die Riemen aus Leder waren mir mit meinen kraftlosen Händen nicht zu packen.
So saß ich vor die Tür gekauert, schluchzend und wartete auf den Tod. Ich hieß mich noch einen Dummkopf und nach diesem Moment umfing mich Stille und Dunkelheit.


Als ich erwachte lag ich auf meiner eigenen Schlafgelegenheit, warm gebettet mit meiner Jacke und allen Stofffetzen die ich nur besaß. Das Feuer im Ofen knisterte, ich hörte es. Ich betrachtete meine Hände und fand sie verbunden vor. Ich blickte wirr umher und sah nur schemenhafte Schatten.
Doch von allen dieser Schatten erschreckte mich einer, namentlich der Größte, am meisten.
Die kleine Ölleuchte war entfacht worden und war so ein Licht quer durch den kleinen Raum.
An der unförmigen Wand sah ich nun die Umrisse einer gewaltigen Kreatur, offenbar behaart am ganzen Körper. Der Kopf eines Raubtiers, mit langer Schnauze, Ohren wie die eines Hundes oder besser die eines Wolfes. Spitz, aufrecht stehend und sie drehten sich, als ich mich zu bewegen begann, hin und her, als lausche ihr Besitzer aufmerksam nach mir.
War dies einer der berühmten Todesträume? Lag ich immer noch vor der Türe im Sturm und mein Hirn versuchte sich durch diese Wunschträume eine Hilfe zu ersinnen? Oder war es wahr und ich war in der Gewalt eines der furchterregendsten Kreaturen die mir je zu Gesicht gekommen waren?
 

Lupinoč

Guest
jaa
das ist ein wort
und wenn nicht, dann wäre es halt neologismus
aber es ist ein anerkanntes wort müssteste auch im dudenfinden
lies doch einfach die geschichte und fertig


finde die ist gut geschrieben nur halten paar zuviele adjektive^^
 

MarleyWolf

Gesperrter Benutzer
Mitglied seit
19 Okt 2010
Beiträge
357
:lol: na hier kriechen ja Sprachkünstler umher *lol*
Es lebe die Deutsche Sprache

Ach ja und zum Thema Adjektive:
Herman Melville - moby Dick schrieb:
An einem der nicht ganz trostlosen, wenn auch noch reichlich grau verhangenen Morgen schoß das Schiff bei günstigem Wind in trotzigen Stößen schwermütig und unaufhaltsam dahin.
... nicht das es mir nahe läge meinen literarischen Unsinn mit weltberühmten Werken gleich zu setzen, dennoch sollte eines klar sein: Ein Text ohne ausreichender 'Farbe', ist ein toter Text und hat keine Wirkung.
Mag sein das ich das ab und an übertreibe. Aber man nimmt sich nunmal am besten 'die Großen' als Vorbilder.
Es wäre jedenfalls das erste Mal in meinem Dasein als Laienschreiberling das mir jemand meine Farbigkeit vorwerfen würde *g*... nunja.

Ich empfehle hier zu Studienzwecken die Lektüre von Mary Shelley, Bram Stoker, J.R.R. Tolkien und Aldous Huxley.

:cool: Peace -
und habt Dank fürs Lesen!
 

Lupinoč

Guest
ohne adjektive isses auch scheiße jo
aber :
Draußen, vor den derben Brettern und halbierten Stämmen der massigen Türe, beschlagen mit roh bearbeitetem Eisen, der winzigen Blockhütte tobte der Wintersturm mit all seiner gewaltigen Macht.
27 wörter
7adjektive
1 adverb (wenn ich mich nicht täusche)

nix gegen eine gedehnte syntax
aber das blockiert auch teilweise den spannungsaufbau

nicht das ich tolkien unterstellen will keine spannenden bücher geschrieben zuhaben, nein aber meiner meinung anch sollte man auch nciht übertreiben.
so ist die geschichte an sich wirklich gut.
mein tipp:
benutz hypotaxe für entspannende abschnitte.
und parataxe für abschnitte in denen du spannung auf bauen willst.
 

MarleyWolf

Gesperrter Benutzer
Mitglied seit
19 Okt 2010
Beiträge
357
... ein bisschen konstruktive Kritik schadet nie sag ich mir.
Aber wenn ich das so Mittel betrachte, passt das schon.
Trotzdem Danke :)
 

Similar threads

Oben