Ein paar Gedanken zu Pegida und Co.

Fiete Langohr

Guest
Ach, da nutze ich nach über einem Jahr auch einmal die Blogfunktion dieses Forums, um mal ein paar Gedanken zum Besten zu geben.

Vorab, ich bin nicht besonders gut im Geschichten erzählen, was mich an eine Liedzeile aus einem Song erinnert (und all die guten Geschichten passieren immer nur denen, die sie erzählen können). Aber sei es drum, ich versuche es einfach mal.

Auf meiner Arbeit habe ich vor allem mit Studierenden des Fachs Geographie zu tun und auch meine Kollegen, die mich bei meiner Arbeit unterstützen studieren Geographie. Wie das dann so ist, kommt man dann ja auch mal ins Gespräch über aktuelle Themen. So war es auch gestern, dass ich mich mit einer Kollegin über diese Montagsdemonstrationen der Pegida in Dresden unterhielt. Wir kamen da zu einem recht interessanten Konsens und haben Dinge festgestellt, die ich gerne an dieser Stelle mit euch teilen möchte.


Was mich an dieser Gruppierung stört, ist die Richtung, gegen die sich diese Bewegung richtet, bzw. es wundert mich einfach, dass der Motivation dahinter einfach solide Grundlagen fehlen.

Die Unzufriedenheit dieser Menschen kann ich vollkommen nachvollziehen. Nur richtet diese sich einfach gegen die Falschen, sprich gegen Leute, die kaum einen Anteil an deren Unzufriedenheit haben. So ist es doch hauptsächlich die Politik, die mit ihren Entscheidungen dafür sorgt, dass so viele Leute unzufrieden sind. Dass Großkonzerne durch EU-Gesetze so gut wie keine Steuern zahlen müssen (diese Mrd. fehlen an allen Ecken z.B. Bildung, Forschung, Infrastruktur, Gesundheitswesen, Sozialsysteme etc.), dass von der Riester-Rente hauptsächlich die Versicherungsunternehmen profitieren und die Hartz-Gesetze die systematische Verarmung zur Folge haben, daran hat doch in erster Linie die Politik schuld, die hauptsächlich Gesetze für die Wirtschaft macht, und die soziale Verantwortung gegenüber den Schwachen der Gesellschaft grob vernachlässigt. Die Zugeständnisse, wie Mütternrente, Elterngeld usw. sind ein Witz und gehen zu Lasten künftiger Generationen.

Statt aus diesen Gründen auf die Straße zu gehen, wird in Sachsen, einem Bundesland mit 2% Ausländeranteil, von denen nur ein Bruchteil muslimischen Glaubens ist, gegen die Islamisierung des Abendlandes protestiert. Mal ehrlich, wer geht daran kaputt, dass der Weihnachtsmarkt plötzlich Wintermarkt heißt? Das hätte zudem den Vorteil, dass die Buden auch noch nach Weihnachten munter Glühwein ausschenken könnten. Von Wirtschaftsflüchtlingen kann bei den ausländischen Bürgern überhaupt nicht die Rede sein. Zahlen belegen, dass diese Bevölkerungsgruppe sogar anteilig einen größeren Teil zum BIP liefert als der Durchschnitt. Von daher muss man sogar von einem positiven effekt auf unsere Volkswirtschaft sprechen.
Natürlich möchte niemand einen Islamistischen Gottesstaat mit den Gesetzen der Sharia in Europa haben, aber davon sind wir ewig weit entfernt, und auch ich betrachte das Vorgehen einiger Extremisten mit Sorge. Auf so ein Problem dennoch aufmerksam zu machen ist wichtig und richtig.
Aber, und das ist der ganz entscheidende Punkt, man kann den Islamisten nicht die Schuld für den Mist geben, den unsere Politik verbockt hat, und das ist doch hauptsächlich die Quelle der Unzufriedenheit in diesem Land.
Von daher ist politische Bildung so wichtig, um nicht solchen braunen Rattenfängern mit ihren Parolen auf dem Leim zu gehen, die die Unzufriedenheit für ihre eigenen faschistoiden Ziele missbrauchen wollen.
 

Todai

Guest
Das was politische Kritik heute ist, ist lediglich ein schlechter populistischer Witz dessen, was früher einmal Kritik selbst bedeutet hat. Mir ist noch keiner begegnet, der über das System des Landes, die sogenannte Politik oder ihre Akteure klagt und gleichzeitig weiß, wie es in diesem Regime überhaupt zugeht.
Natürlich sind die politischen Entscheidungen der verganenen Jahre niemals mit dem, was sie im Endeffekt bewirkt haben in güldenem Licht erstrahlt, aber dennoch sehe ich niemanden, der mir politisch eine Alternative bietet. Die heutige Alternative heißt AfD und ist lediglich eine Rückbesinnung auf sozial-nationalistische Werte, die zwar keinen Rassissmus mit sich bringen muss, dennoch aber glorreich an ihn heranreichen.

Ich sage es mal so. Wir sehen, dass wir derzeit eine Regierung haben, hinter der sich rein statistisch, die Wähler der Bevölkerung versammeln und dennoch klagt jeder darüber und fordert wieder Eliten. Soll das nun Realsatire sein, oder möchte man Sophokles doch in zeitlosen Ehren halten?

Wer die Politik des Landes mitbestimmen möchte, dem ist real gesehen immer die Möglichkeit gegeben. Also geht raus und tut was für die Ideale die ihr einfordert.
 

Mack-Up

Guest
Ich kann deinen Gedanken nur zustimmen, Pegida ist eine Veranstaltung von Leuten die schon immer Ausländerfeindlich gewesen sind, und jetzt der Meinung sind (garnichtmal zu Unrecht anscheinend), daß sie jetzt auf breite Unterstützung in der Bevölkerung angesichts der Gräueltaten einiger Islamisten rechnen können.
Für mich sollten diese Leute am besten in den Irak gehen und dort direkt gegen die Islamisten kämpfen (wie ich im Falle von einigen Rockergruppen schon gehört habe), sollte ihnen der Kopf dabei abhanden kommen, macht nichts -den brauchen sie sowieso nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:

Fiete Langohr

Guest
Einen interessanten Beitrag von Sascha Lobo habe ich heute dazu noch auf Spiegel online gesehen, der zu folgendem Schluss kommt:

"Wir haben uns in einer Gesellschaft der Realitäts- und Ressentimentverleugnung eingerichtet, und Pegida ist die unappetitliche Folge davon. [...] Pegida ist ein Symptom für die jahrzehntelange Verleugnung von Ressentiments quer durch die Gesellschaft."

Quelle: Lobo, Sascha: Pegida: nichts sehen, nichts hören, viel sagen. Online Ressource:
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/sascha-lobo-ueber-pegida-der-latenznazi-a-1008971.html . Abruf: 18.12.2014, 17 Uhr
Damit geht es in die gleiche Richtung, dass Leute aus dem, was sie sagen, nicht die Konsequenzen ziehen, wie es in dem Thread http://www.happyfurry.de/showthread.php?9620-Das-Eine-sage-das-Andere-denken-und-wiederum-etwas-anderes-machen beschrieben wird.
 

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