Die Ziege

Möhre

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Okay, hier ist dann mal mein erster Versuch, hier eine Story zu positionieren. Weiterschreiben oder nicht, was ist die Meinung? :)


Die Ziege (Weil mir auf die Schnelle kein besserer Titel einfiel)

Und du meinst, die merken wirklich nichts?“ fragte Paula etwas besorgt.


Pff“, entgegnete ihr Paul, „es ist ja nicht so, als würde ich das zum ersten Mal machen.“


Ja schon... aber wir sind hier nicht zuhause.“ Sie blickte sich um, als müsste sie befürchten, belauscht zu werden.


Aber warum eigentlich? Ihre Eltern waren mit ihren Bekannten zusammen zu einem Ball runter in die Stadt gefahren. Das einsam gelegene Ferienhaus am Rande des norwegischen Bergtals war nun ganz allein in ihrer Hand. Und ebenso der schwarze Land Rover ihrer Eltern.


Paul und Paula waren Kaninchen. Ein Zwillingspärchen, beide seit ein paar Tagen 15 Jahre alt.
Paula war wenige Minuten älter als ihr Bruder, und gänzlich anders gefärbt. Wie so oft bei Kaninchen, konnte man unmöglich sagen, welches Fellmuster die Kinder einmal bekommen würden. Sie auf jeden Fall hatte ein dreifarbiges Fell, das hauptsächlich weiß war. Über den Rücken und die Nase zogen sich hellbraune Muster, während die Partie um die Augen und die Ohren eher dunkelbraun waren. Paula war auch etwas kleiner als er, nur etwa 1,55 Meter – die jetzt entspannt angelegten Ohren nicht mitgerechnet. Zwischen den Ohren und um den Nacken hatte sie eine wuschelige Mähne, und wie fast alle Kaninchen hatte sie dunkle, braune Augen.
Paul dagegen hatte ein sehr dunkles braunes, ja fast schwarzes Fell, welches nur an der Brust, am Nacken, an Augen, Schnauze, Nase und an den Ohren durch ein helleres Braun unterbrochen wurde. Seine Augen waren hellblau und hoben sich sehr vom sonst dunklen Fell ab. Mit 1,65 Metern war er zudem ein wenig größer als seine Schwester.


Ihre Eltern waren beruflich erfolgreich, der Vater leitete ein großes Tiefbauunternehmen und konnte mit der Familie so mehrmals im Jahr an den verschiedensten Orten Urlaub machen. Die Mutter arbeitete ebenfalls mit im Unternehmen und trug ihren Teil zum Wohlstand der Familie bei.


Doch all dieser Wohlstand konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Geschwister mehr und mehr vernachlässigt fühlten. Die Eltern lebten recht abgeschottet auf einem einsam gelegenen Gutshof auf dem Land, so dass es schon frühzeitig an Spielkameraden mangelte. Und je besser es der Firma der Eltern ging, um so weniger Zeit hatten sie für ihre Kinder.


Schon mit 13 hatte Paul gelernt, wie man Auto fährt. Erst heimlich, dann, nachdem er den Wagen nicht mehr unter Kontrolle bekam und fast in den Dorfteich gefahren wäre, unter Anleitung seines Vaters. „Zur Schadensbegrenzung“, wie Papa sagte.




Also, was ist nun?“ grinste er seine Schwester an und warf den Schlüssel abwechselnd von einer Pfote in die andere. „Wohin soll es gehen?“


Hmm.“ Sie dachte nach und schaute in den frühlingshaften Abendhimmel. „Ziegen.“ Sie drehte sich zu ihm um und lächelte ihn an. „Lass uns zu Ziegen fahren! Aber nicht durch den Tunnel, sondern oben drüber!“


Deal!“ Paul fing den Schlüssel mit der rechten Pfote auf und drückte den Entriegelungsknopf. Es klackte am Wagen und die Türen waren auf. „Zieh dir was warmes an, es ist da oben recht kühl. Besonders Nachts.“


Er hatte Recht. Es war Ende März, und an den Bergflanken lagen überall noch Schneefelder. So zwängten sie sich in ihre Anoraks und los ging es.


Einsteigen bitte, das Anschnallen nicht vergessen, und gut festhalten. Es geht los!“


Die Ziegen hatten sie Tags zuvor gesehen. Eine große Herde weidete auf der Hochebene, etwa 25 km von hier. Sie waren durch einen langen Tunnel gefahren und hatten kurz angehalten um zu rasten. Dabei kamen die neugierigen Ziegen schließlich immer näher und kletterten schließlich sogar in den Wagen, und ihr Vater hatte große Mühe, die störrischen Hornträger wieder zu vertreiben, sehr zur Belustigung der Geschwister.
Da der Tunnel aber langweilig war, beschlossen sie, die alte Passstraße zu nehmen, die sie auf der Straßenkarte gesehen hatten. Von den Einheimischen benutzte sie keiner mehr, da der Weg durch den neuen Tunnel viel schneller und sicherer war. In vielen Serpentinen schlängelte sie sich den Berg hinauf, wo sie hofften die Ziegen zu finden. Und natürlich einen schönen Sonnenuntergang.


Relativ schnell hatten sie die Hütte hinter sich gelassen und Paul steuerte den schweren Land Rover sicher über die Bergstraße. Nach wenigen Kilometern hatten sie das Tunnelportal erreicht, hier zweigte die alte Passstraße links von der Fahrbahn ab. Der Asphalt hatte Risse und zeigte deutlich, dass hier nur noch sehr selten jemand entlang fuhr. „Verringert auch das Risiko, erwischt zu werden,“ kicherte Paul seiner Schwester zu und trat auf das Gaspedal. Paula hielt sich fest und wurde in den Sitz gepresst, als Paul die erste Serpentine mit quietschenden Reifen umkurvte. Nun konnte sie hinunter in das Tal blicken, dass sich einsam und unbewohnt neben ihnen eröffnete. Tief unten rauschte ein Fluss durch sein felsiges Bett.


Wieder eine steile Kurve, noch höher ging es. Paula spürte ein Knacken in ihren Ohren und sie glich den Druck aus. Die Landschaft, die sie von hier sehen konnten war atemberaubend. Und sie waren noch lange nicht am Scheitelpunkt. Rechts ragte steiler Fels auf, und nach links ging es über Schnee und Fels schroff nach unten. Nur vereinzelt ragten weiter unten einsame Bäume aus dem Weiß.


Diese Straße ist echt cool, nicht so langweilig wie die Landstraßen bei uns.“ Paul schaute zu seiner Schwester hinüber, die fasziniert auf einen teilweise gefrorenen Wasserfall schaute. Plötzlich schrie sie auf.


Die Ziege!“


Reflexartig riss Paul den Kopf herum und sah das Tier vor sich auf der Straße stehen. Sofort trat er auf die Bremse und verriss gleichzeitig das Steuer. Jetzt ging alles sehr schnell. Es knallte, und das tonnenschwere Auto durchbrach fast ungebremst die kleine Schutzmauer zur Schlucht hinunter. Irritiert trottete die kleine Ziege weiter über die schmale Straße und blickte den Abhang hinab, über den das Auto krachend und polternd weiter hinab stürzte.
 

Todai

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Gefällt mir soweit.

Es erinnert mich fast durchgängig an Tolkien, der mir immer rigoros damit die Nerven raubte, auf vier Seiten eine Szenerie zu beschreiben und die Handlung völlig außer Acht zu lassen, aber sei's drum. Das hast du, wie ich finde mit dem Ende gekonnt ausgeglichen.

Einen Kritikpunkt muss ich allerdings anbringen, Gesetz des Falles, du möchtest diesen Text wirklich als Kurzgeschichte handhaben.
In der Kurzgeschichte gibt es ein offenes Ende. Das ist bei dir da. Allerdings der offene Anfang ist nicht wirklich so offen, wie er sein sollte. Du bietest zu viel Informationen, so dass mich das schon eher an die Exposition des Theaters erinnert. Auch die Personen in Kurzgeschichten sollten nicht beschrieben werden. Höchstens ein kurzer, prägnanter Umriss ihres Aussehens. Denn im Regelfall versetzt die Kurzgeschichte einen Leser in ein Szenario, dass den Wendepunkt im Leben des Protagonisten markiert, ohne dass wir dessen Vorgeschichte kennen, oder die exakten Folgen des Geschehenen.

Und etwas in eigener Sache...Also Paul und Paula. Nichts für ungut, aber die Namen sind steriotypisch für Kindergeschichten und da passt das Ende dann nicht mehr ganz dazu.
 
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Shayania

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Der Text ist echt gut. Ich wäre wirklich gespannt, wie es weiter geht. Von mir aus ein definitives "Weiterschreiben", bitte. :)

Über Paul und Paula bin ich auch erst gestolpert, aber irgendwie sind es doch passende Namen für Kaninchen-Zwillinge.
Die Beschreibung der beiden fand ich gar nicht mal so schlecht, ich hatte sofort ein Bild der Beiden vor Augen. Aber war der Stopp so gewollt? Du steigst mit einem Dialog ein (find ich persönlich übrigens ganz klasse) und bringst damit eine gewisse Dynamik in die Geschichte. Dann beschreibst du die zwei Charaktere sowie ihren Hintergrund sehr anschaulich und ausführlich, nimmst dadurch aber wieder Dynamik raus. Und dann geht es mit der Dynamik voll weiter, indem du wieder voll in den Dialog springst. Versteh mich nicht falsch, ich fand das nicht schlimm, ich bin nur neugierig, ob das beabsichtigt ist. Kann ja durchaus auch ein gewollter Effekt sein.
 

Minki

Obermodz/Cheffchens rechte Pfote
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Wenn du nicht sofort weiter schreibst muss ich dich Sexuell belästigenxD Also... hopp hopp ans Werk

Nee echt find die Geschichte echt Lesenswert und möchte gern wissen wie es weiter geht.
 

Möhre

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Keine Bange, es geht weiter. Aber nicht heute. :)

@Todai: Ich mag Details. Mich stört es z.B., wenn eine Story lieblos runtergerattert wird, ohne das man den oder die Protagonisten überhaupt lieben lernen kann. Also geb ich dem Leser gerne ein wenig Hintergrundwissen mit, das dann aber gerne portionsweise in Form von Rückblenden.
Kinderbuchnamen? Nun ja. Die Namen sind erstmal nur Arbeitsnamen. Platzhalter sozusagen. Wenn du aber jemals den Film "Paul und Paula" gesehen hättest (der nichts mit meiner Story zu tun hat), dann wüsstest du, dass diese Kombination nicht unbedingt für kindliches Publikum gedacht sein muss. :)

@Shayania: Ja, das ist so gewollt, und so geht es in vielen meiner Stories zu. Da kommt mitunter auch noch mehr.

@Minki: Auch dir Danke. :)

Schreiben ist bei mir leider ne ganz große Motivationssache. Wenn ich Motivation habe, fehlen mir leider meistens die Ideen und die Zeit. Habe ich Zeit, starre ich oft nur frustriert aufs leere Blatt. Gestern allerdings hatte ich da diesen gewissen Schub, und ich hoffe den Schwung in den nächsten Nächten weiter nutzen zu können.

Wer Lust hat, kann mir ja per PM schreiben, was als nächstes passieren könnte - bin neugierig auf eure Ideen. :)
 

Todai

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Das Genre hilft dir ja anhand der Kriterien für dich entscheiden zu können, wie du die Geschichte am Besten aufbaust, was dir später auch Kunstgriffe ermöglicht, wie z.B. die Verknüpfung von Form und Handlung. Siehste echt gut bei Büchern wie Lenz oder aber auch Nathan der Weise.

In diesem Sinne lass dir einfach'n Rat geben und versuch dir wenigstens die spezifischen Kriterien der Genre anzuschauen und danach zu arbeiten und das ganze nich gleich mit Individualismus abzutun. Is' ja schön und gut, dass du gerne ausschweifend erzählst, aber in Kurzgeschichten ist das unangebracht. Von daher empfehl ich dir, die Geschichte wesentlich umzustrukturieren und das sag ich dir jetzt, da du einer der wenigen hier zu sein scheinst, die sich allen Ernstes Mühe mit einer Geschichte machen können, und nicht, weil ich dir liebend gern' auf'n Sack geh'.
 

Möhre

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@Todai: Wenn die Story wirklich so kurz bleiben sollte, wie sie jetzt ist, sind das in der Tat viele überflüssige Infos. Aber wie schon angedeutet, da wird noch mehr kommen. :)
 

Rattengift

Frischling
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Is' ja schön und gut, dass du gerne ausschweifend erzählst, aber in Kurzgeschichten ist das unangebracht.
Sei mir bitte nicht böse, aber ich widerspreche und verweise auf die sehr populären Kurzgeschichten von Stephen King. Er hält sich zwar in den Kurzgeschichten mit Beschreibungen kürzer am Riemen als in seinen 500-Seiten-plus-Wälzern, aber trotzdem beschreibt er immer noch sehr viel.

Bescheribungen finde ich allgemein sehr gut, mitunter kann es die Atmosphäre betonen. Wobei du in meinen Augen schon etwas zu arg ins Detail rutschst, Chandra-Ravi. Mit Zentimeterangaben! Aber so lange es nicht wie in einigen Pornoseiten endet mit "ich sehe ansehlich aus, meine Oberweite ist so und so", kann man drüber hinweg sehen.

Die "Paul-und-Paula-Reminiszenz" brachte mich zum Schmunzeln. Tiefbauunternehmen. Bei Kaninchen. Der Humor ist köstlich!

Du hast uns wortwörtlich einen Cliffhanger vor die Nase gesetzt. Ich befürchte Schreckliches. Hoffentlich wird es nicht zu schlimm. Weitermachen!
 

Fiete Langohr

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Ich habe mich mal auf die Suche nach einer deiner Geschichte begeben, Chandra-Ravi, weil ich von dir lesen musste, dass du nicht groß Kritik bekommen hättest. Ich will nicht den Wahrheitsgehalt deiner Aussage überprüfen (wobei ich Feedback von 4 Leuten schon für beachtlich halte, heißt es doch, dass sich 4 Leute die Zeit genommen haben, einen längeren Text zu lesen und anschließend sich noch hinsetzen und etwas dazu scheiben; bei anderen Geschichten mag das Feedback wohl geringer ausgefallen sein, die konnte ich aber nicht im allgemeinen Bereich finden), vielmehr bin ich neugierig auf deinen Schreibstil und deine Geschichte.

Der Anfang deiner Geschichte gefällt mir schon einmal sehr. Sie hebt sich deutlich von dem allgemeinen Niveau hier ab und ich bedauere, dass sie mir damals ungesehen durchgerutscht war. Sonst hätte ich schon viel früher etwas dazu geschrieben. Aber vielleicht ist es ja auch gut, dass ich mich erst jetzt dazu äußere, weil es dir möglicherweise den Anschub gibt die Geschichte dir erneut anzusehen, zu überarbeiten oder sogar fortzuschreiben. Ich wünsche es mir zumindest.

Der Aufbau ist dir großartig gelungen und dir gelingt es sehr gut den Leser bei Laune zu halten. Sprachlich, stilistisch gibt es kaum etwas auszusetzen. Es klingt einfach rund. Einzig im Abschnitt mit den Beschreibungen von Paul und Paula hatte ich das Gefühl, dass du da noch etwas umformulieren könntest. Die beiden Sätze mit der jeweiligen Größe der beiden würde ich z.B. so nicht stehen lassen, sondern bei Paul dann etwas schreiben wie, er ist 10 cm oder eine Pfote breit größer, anstatt seine Größe auch noch einmal explizit zu nennen.

Ansonsten hast du damals ja gefragt, was dann passieren könnte.
Ich sehe da in erster Linie 3-4 Szenarien: beide sterben (A), beide überleben (B) oder einer von beiden überlebt (C Paula, D Paul).

zu A) die Eltern kommen abends zurück, merken, dass die Kinder samt Auto fehlen, Sorgen, Suchen, Finden das Wrack (oder auch nicht -> große Ungewissheit, Mutter wird in ihren Träumen immer wieder von einer Ziege heimgesucht), große Tragödie

zu B) das Auto bleibt irgendwie noch hängen oder beide können noch rechtzeitig rausspringen, Auto ist definitiv Schrott, keiner bemerkt das und beide kämpfen in der Nacht ums überleben bis sie morgens von Rettungskräften halb erfroren gefunden werden, Vater mega sauer über Verlust des Autos, Mutter nur froh, dass beide überlebt haben

zu C/D) wie bei B, schafft es aber nur einer aus dem Auto, Nacht und Rettung auch wie bei B, Paula wäre vielleicht dann traumatisiert und stammelt nur noch vor sich hin "die Ziege..., die Ziege...", Eltern sind ebenfalls am Boden zerstört; Paul wäre einfach nur fertig und würde unter den Vorwürfen der Eltern auch allmählich zugrunde gehen.

Vielleicht ist ja was für dich dabei, bediene dich gerne.
 

Silvana

die Trolljägerin
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Letztes Jahr hieß es, es geht weiter.
*setzt sich hin*
Nun? Was passiert mit den kleinen Häschen?
Überleben sie den Sturz?
Wie?
Ich hab nicht wirklich Kritik, eher ausnahmsweise das Bedürfnis digital eine Geschichte zu lesen.

Vorschläge via pm folgen^^
 

Möhre

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Hallo und danke für die zwei späten Antworten. :)
Leider ist mir in der Zwischenzeit viel dazwischen gekommen und hat mich vom Schreiben abgehalten. In der Folge ist der Text dann völlig aus dem Fokus gerutscht - ich habe die Geschichte komplett vergessen.

Eure Vorschläge sind echt toll und überlegenswert, daraus eine ganz eigene Story zu machen. Mein ursprünglicher Plan war ja, die Story so weiter zu spinnen, das sie im weiteren Verlauf eh in den Ü18-Bereich müsste. Ich weiß aber noch nicht, ob ich dieses Jahr noch dazu komme... ich versuchs aber mal.
 

Möhre

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Es war kalt. Bitter kalt.

Sie kam als erstes wieder zu Bewusstsein, vielleicht durch den stechenden Schmerz in ihren Beinen. Bis zu den Waden stand das kalte Wasser im Auto, und ihre Beine mittendrin. Es wehte ein schneidend kalter Wind durch die geborstenen Scheiben des Autowracks, das, soweit sie es auf die Schnelle erkennen konnte, quer in der Mitte des Gebirgsbaches zum stehen gekommen war. Erste Schneeflocken wirbelten in den Innenraum.

Paula blickte hinüber auf ihren Bruder, der regungslos kopfüber in den Gurten hing. Blut tropfte aus seiner Nase auf den erschlafften Airbag.

Mit einem Mal traten die Schmerzen in den Hintergrund. Sie sagten ihr lediglich, dass sie ihre Beine noch spürte. Und das war gut. Sie hatte Kopfschmerzen, vielleicht eine Gehirnerschütterung. Aber nichts schien gebrochen zu sein. Prellungen, Schürfwunden. Aber ihr Bruder. Lebte er noch? Sie löste den Gurt und zog die nassen Beine aus dem eiskalten Wasser. Die Sitze waren zum Glück noch trocken geblieben.

Vorsichtig berührte sie ihn am Arm, doch dieser hing nur schlaff an seiner Seite herunter. Auch seine Beine standen im Wasser. "Paul", flüsterte sie heiser. Er reagierte nicht. Ihr Herz schlug rasend schnell. "PAUL!" Sie schrie ihn an.

Seine Ohren zuckten einen Moment und stellten sich dann schlagartig auf. Ein Stein fiel ihr vom Herzen, als er reflexartig seinen Kopf hochzog und mit schmerzverzerrtem Gesicht die Beine aus dem eiskalten Wasser zog. Er konnte alle Gliedmaßen noch bewegen, also hatte auch er wohl großes Glück gehabt.

“Was ist passiert?” fragte er leise und blickte seine Schwester an, die nun zusammengekauert auf dem Beifahrersitz hockte und zitterte.

“Wir sind den Abhang runter, in die Schlucht. Das ging alles so schnell Paul… mein Gott. Der Wagen muss sich überschlagen haben, und dann weiß ich nichts mehr.”
Paul schaute sich um. Das Dach des Autos war eingedrückt, die Scheiben geborsten. Die Türen klemmten und ließen sich nicht mehr öffnen. “Wir müssen hier raus und hoch zur Straße.” Dabei fiel sein Blick resignierend auf die fast senkrechte, 30 Meter hohe Felswand.

Paula schaute in die selbe Richtung und teilte den selben Gedanken mit ihm. Aussichtslos. “Wir müssen Hilfe rufen” sagte ihr Bruder schließlich und suchte nach seinem Handy. Es lag am Boden, 40 Zentimeter tief im Wasser. “Scheiße!” fluchte er und hielt das nutzlose Gerät in den Pfoten. “Hast du deines noch?”Geistesgegenwärtig hatte sie schon nach ihrem Telefon gesucht, und es in ihrer Westentasche gefunden. Es funktionierte noch, doch die fehlenden Balken in der Ecke rechts oben sagten nur eines: Kein Netz.

“Scheiße Scheiße Scheiße!” Paul fluchte jetzt noch lauter und machte seiner Schwester Angst. Sie hatte ihn noch nie wütend oder laut erlebt. Sofort bemerkte er seinen Fehler, als er in ihr angsterfülltes Gesicht blickte. Sie klapperte mit den Zähnen und zitterte, vor Kälte und Schock. “Entschuldige Paula… ich… ich…” Er blickte sich verzweifelt um.

“Wir müssen hier raus. Irgendwo hin wo es windgeschützt und trocken ist. Ich hab da vorhin einen alten Tunnel gesehen, vielleicht ist es da drin etwas geschützt. Aber wir müssen auf die andere Seite, auf den Bahndamm.” Auch er zitterte inzwischen. Sicher, der Schock machte auch ihm zu schaffen, aber die Kälte fraß sich langsam und unerbittlich das nasse Fell und die Hosenbeine hoch.

Paula schluckte und schaute nach rechts, wo der Bach sprudelnd am Autowrack vorbeifloss. “Wir müssen durchs Wasser.” stellte sie nüchtern-resigniert fest. Er nickte ausdruckslos.

“Ich ziehe mich zuerst durchs Fenster und helfe dann dir raus, okay?” Doch noch bevor sie etwas sagen konnte, ließ er sich durch den Rahmen gleiten und platschte auf der anderen Seite in das eiskalte Wasser. “Fuck!” Schrie er auf und biss sich auf die Zähne. Dann watete er hinüber, gegen die Strömung ankämpfend, und half seiner Schwester heraus. Auch sie kreischte auf, als ihr Körper in der kalten Flut landete und ihr Puls begann zu rasen. Sofort löste die Kälte schreckliche Schmerzen wie durch tausende Nadeln aus.

“Schaffst du es ans Ufer?” fragte er sie mit klappernden Zähnen. “Ich hol noch den Erste-Hilfe-Koffer und ein paar Decken aus dem Kofferraum… sofern die trocken geblieben sind.” Sie nickte und kämpfte sich durch die Strömung ans andere Ufer, wo sie sich in den frischen Schnee fallen ließ und mit ansah, wie er zitternd den Kofferraum durchwühlte. Wie durch ein Wunder lag er oberhalb der Wasserlinie, wahrscheinlich lag das Auto auf einem großen Fels im Wasser. Er zog zwei dieser grauen Decken hervor, wickelte den Erstehilfekasten damit ein und stopfte alles in eine Plastiktüte. Dann holte er noch den Ersatzkanister hervor und stapfte ebenfalls durch das teilweise hüfthohe Wasser. Die Kälte nahm ihm fast den Atem.

Am Ufer nahm ihm seine Schwester die Sachen ab und half ihm aus dem Wasser. Er schlotterte regelrecht. “Gleich da oben ist ein Tunnel,” sagte sie zittrig und deutete auf eine Stelle etwa 3 Meter höher am Hang, vielleicht 20 Meter entfernt. “Wozu das Benzin?”

“Feuer.”, antwortete er, schnell atmend. “Wir müssen uns wärmen, sonst erfrieren wir.” Paul begann sogleich, die Böschung nach einem Aufstieg abzusuchen. Das Schneetreiben hatte inzwischen weiter zugenommen, und man konnte kaum noch weiter als 10 Meter sehen. “Hier, an den Zweigen da können wir uns hochziehen.”

Das war leichter gesagt als getan. Inzwischen waren sämtliche ihrer Gliedmaßen ausgekühlt und taub. Jeder Zentimeter ihrer Körper schmerzte. Aber aufgeben war keine Option. Unter größter Anstrengung erreichten sie den ehemaligen Bahndamm und stolperten über die zugewucherten, zugeschneiten Gleise zum alten Tunneleingang. Tiefe, dunkle Schwärze gähnte ihnen entgegen, doch das war jetzt egal. Eine umgestürzte, alte Tanne lag halb davor und erschwerte die Zuflucht noch einmal, doch schließlich standen sie in der Dunkelheit und keuchten. Paul leuchtete mit seiner kleinen LED-Taschenlampe am Schlüsselbund herum.

“Hier, wo geht das hin?” Paula deutete auf eine Nische in der Wand, gut 15 Meter vom Eingang entfernt. “Ist das wichtig?” Ihr Bruder schlotterte, “Wir müssen Holz sammeln. Im Eingang liegt eine Menge davon.”

“Und dann?” Sie klang niedergeschlagen und verzweifelt. Es zieht hier drin wie Hechtsuppe. Vielleicht ist da ja ein Seitentunnel oder sowas. Oder auch nur ne windgeschützte Nische. Irgendwas!”

Ihm war klar, dass sie Recht hatte. Nachsehen konnte nicht schaden. Über den knirschenden alten Gleisschotter humpelten sie zu der Nische. Eine rostige, rußgeschwärzte Tür war zu sehen. Und sie stand einen Spalt offen. Ein kleiner, in den Fels gehauener Raum befand sich dahinter, mit morschen alten Regalen voller verrosteter Gegenstände. Große Schrauben und Werkzeuge, wie es aussah. Aber, und das war das wichtigste, es war trocken und windstill.

Schnell hatte Paul eines der Regale abgeräumt und den Schrott in die Ecke geworfen. Das Holz zerbrach er in kleinere Stücke und schichtete einen Stapel auf, den er zittrig mit etwas Benzin aus dem Kanister übergoss. Paula hatte sich wieder ans Tageslicht getastet und sammelte aus dem Eingang allerlei Äste und Stöcker. Als sie wiederkam, brannte das Feuer bereits und nahm ihr den Atem, als dichter Qualm durch die Tür quoll. “Bück dich, unter dem Rauch ist die Luft gut!” rief er ihr zu, als er sie husten hörte. “Sobald der Rauch weg ist, kann man auch wieder stehen.”

“Ich hab die alten Kartons auf dem Boden ausgebreitet, dann können wir uns hinlegen wenn es länger dauert.” Er zeugte auf ein paar ausgeblichene Pappen mit Stockflecken und Schimmelspuren. Aber es war sicher besser als der kalte Steinfußboden.

Das Feuer brannte nun, und die Wärme breitete sich angenehm aus. “Paula, du musst raus aus den Klamotten.” Er sah, wie sie kauernd auf der Pappe saß und immer noch schlotterte. Schockiert sah sie ihn an, während er den Inhalt des Erstehilfekastens auskippte und die Decke aus dem Auto ausschüttelte. Danach knöpfte er sich seine nasse Jacke auf und warf sie neben das Feuer. Als er seinen Sweater abgestreift hatte, saß Sie immer noch regungslos da. Ihr durchnässter Anorak dampfte durch die Wärme des Feuers.

“Paula! Bitte zieh die nassen Sachen aus!” rief er ihr energischer zu. Und wieder regte sie sich nicht. Sie starrte ihn nur entsetzt an.

“Jetzt. Sofort!” sagte er, sein Oberkörper war bereits nackt und das nasse, zerzauste Fell glänzte im Feuerschein. “Schwesterherz, bitte! Du bist kurz vorm erfrieren. Du musst die nassen Sachen loswerden, sonst holst du dir sonstwas… oder schlimmeres.” Er schluckte, und seine Stimme überschlug sich.

Langsam und mit peinlich berührtem Blick drehte sie sich schließlich um und begann den Reißverschluss ihres Anoraks zu öffnen, während Paul sich aus seinen Stiefeln und den triefnassen Socken quälte. Als er soweit war, sah er wie sie gerade dabei war, sich ihr Oberteil auszuziehen, doch der nasse Stoff klebte quasi an ihrem Fell und sie kämpfte damit, den Pulli über ihren Kopf zu bekommen. Kurzerhand half er ihr und zog ihn mit einem Ruck von ihr weg.

“Was machst du da?” fragte sie ihn böse und warf ihm einen finsteren Blick zu.

“Na was werd ich wohl machen?”, bellte er zurück, “Ich helfe dir beim ausziehen.”

“Danke, das kann ich auch alleine”, erwiderte sie schnippisch. “Wenn du dich jetzt bitte umdrehen würdest?”

“Na dann weiter so.” schnippte er zurück und warf ihr die zwei Decken zu. “Hier. Rubbel dich damit trocken und nimm die andere dann zum einrollen.”

“Was ist mit dir?”, fragte sie.

“Ich werd mich einfach nah ans Feuer setzen.”, antworte er, leicht schlotternd.

Schweigend zogen sie sich weiter aus. Widerstrebend entledigte sich Paula auch ihres durchnässten BH und des Slips, aber sie wusste, dass ihr Bruder Recht hatte. Schnell zog sie sich die letzten Stücke aus und rubbelte so gut es ging ihr Fell in der einen Decke trocken, bevor sie sich blitzschnell in die noch trockene Decke hüllte.
Dann drehte sie sich um, und es verschlug ihr den Atem. Paul stand mit dem Rücken zu ihr, so nah es ging am Feuer. Sein nasses Fell dampfte. Er war komplett nackt, und der erste nackte Kerl, den sie jemals in echt sah. Ganz automatisch wanderte ihr Blick die kräftigen Schenkel hinauf, über seinen runden Hintern mit dem Puschelschwanz und weiter hoch zu seinem kräftigen, muskulösen Rücken.

Paul hörte ihren plötzlichen Atemaustoß und drehte sich halb um.

“Paul! Du bist nackt!”, quiekte sie.

“Nun, du hast die einzige trockene Decke.”, erwiderte er trocken. “Ich glaube die kleine Thermodecke aus dem Erstehilfekasten taugt nicht zum abtrocknen.”

Paula tat, was wohl jedes pubertäre Mädchen tun würde, wenn sie zum ersten Mal einen nackten, gut gebauten und gutaussehenden Jungen vor sich hätte. Sie starrte. Ihre Augen stierten in seinen Schritt, wo sein Penis schlaff herunterbaumelte. Dahinter hingen ein paar Hoden, von denen das Wasser tropfte. Sie hatte zwar keinen Vergleich, aber ihr kam es so vor, als wäre er gut ausgestattet. Er drehte sich nun ganz zum Feuer.

“Du solltest näher zum Feuer kommen und dich aufwärmen. Und bring die nassen Kleider mit, die legen wir drumrum, damit sie trocknen können. Und die Decke zum abrubbeln hätte ich dann auch mal ganz gerne.” Sie tat wie ihr geheißen und lächelte scheu, als sie ihm die klamme Decke gab. Danach sammelte sie ihre Klamotten auf und verteilte sie neben der Feuerstelle, während Paul sich versuchte etwas abzutrocknen und danach neues Holz in die Flammen legte.

Stille trat ein, nur unterbrochen vom prasseln des Feuers und vom Pfeifen des Windes im Tunnel.

“Was wird jetzt aus uns, Paul? fragte sie schließlich leise.

“Wir werden warten müssen”, seufzte er nachdenklich. “Bei dem Schneesturm wird niemand die Passstraße benutzen. Die werden erst bemerken, dass da was passiert ist, wenn die ersten Räumfahrzeuge kommen. Hoffentlich.”

“Wann wird das sein?”, schluckte sie.

“Morgen früh wahrscheinlich.”, antwortete Paul. “Und der Rauch aus dem Tunnel führt die Retter dann sicher hier her.” Dann legte er sich mit dem Rücken auf die alten Kartons neben dem Feuer und streckte seine schmerzenden Glieder.

Sie sagte nichts. Durch die Flammen hindurch konnte sie wieder einen Blick auf sein Glied nehmen. Durch die Schatten des Feuers schien es zu tanzen, fasziniert beobachte sie das Schauspiel und versank in Gedanken. Sie waren dutzende Kilometer von der Zivilisation entfernt, in einer muffigen alten Kammer. Und da, nur einen Meter von ihr entfernt war ein nackter junger Mann. Wie absurd das doch alles war. Irgendetwas in ihr schien zu kribbeln, zu kitzeln.

“Paula, was soll das?” Er hatte es bemerkt, klappte ruckartig seine Beine zusammen und harrschte sie an. “Was zur Hölle machst du da?”
 
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Minki

Obermodz/Cheffchens rechte Pfote
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Öhmmm... Ich will mehr!?!
Richtig gut und packend geschrieben und "noch" sehe ich keinen Grund für den ü18. Aber eins weis ich^^
ICH WILL MEHR!:D
 

Silvana

die Trolljägerin
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23 Aug 2014
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Wieder spannend zu lesen ^-^
Nur dachte ich immer die meisten Mädchen würden rot werden und sich weg drehen, oder die Geschwister gewohnt sein, da man öfters mal zusammen baden musste oder ähnliches.
Definitiv nicht das man in den Schritt starrt xD
Auch die Art der Beschreibung des Bruders ließ mich kurz überlegen ob du jetzt eine Geschichte über "Geschwisterliebe" schreibst ^^'
 

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