Die verbotene Stadt

Möhre

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"Verbotene Stadt", so wurde der Standort des Oberkommandos der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) genannt. Denn "Normalsterbliche" hatten hier bis 1994 keinen Zutritt.
Im Wald verborgen lebten einst bis zu 75.000 sowjetische Militärangehörige. Vom Generaloberst bis hinunter zu den bemitleidenswerten Wehrpflichtigen. Der Standort war der letzte Militärposten, der von Russland im September 1994 an die BRD übergeben wurde. Zurück blieb eine 260 Hektar große Militärbrache, eine nahezu unvorstellbar große Fläche, wenn man den direkt benachbarten und namensgebenden Ort mit seinen seinerzeit nur etwa 2700 Einwohnern betrachtet.

Und mitten drin: Das Haus der Offiziere. 1918, noch im letzten Kriegsjahr als "Militär-Turnanstalt" erbaut. Bis 1943 wurde es als militärische Sportschule genutzt. Die Armeeausbilder lernten und lehrten hier alle bekannten Sportarten. Mehrere Turnhallen, zwei Schwimmbäder (Frei- und Hallenbad) sowie unzählige Klassenräume und ein Stadion bildeten den eindrucksvollen Komplex.
Nach 1943 war es vorbei mit Fitness. Das Gebäude wurde zum Kriegslazarett. Erst als die Rote Armee bereits in Sichtweite war, floh das Personal und die wenigen verbliebenen Soldaten, ihre verwundeten und kranken Kameraden ließen sie zurück.
Die Sowjets ließen die Turnanstalt lange Zeit unbeachtet. In den benachbarten Gebäuden der ehemaligen Wehrmachtsführung bauten sie ihr eigenes Hauptquartier auf, erst in den 50er Jahren begann der groß angelegte Umbau. Aus der Sportschule wurde ein Kulturpalast, der größte im ganzen besetzten Raum. Die großen Turnhallen bauten sie zu Kinos und Theatern um, selbst aus dem Speisehaus wurde ein Theatersaal. Das Hallenbad wurde nach wie vor als solches benutzt, nun aber zur Bespaßung der höheren Dienstgrade. Das riesige Hauptgebäude wurde zu einem Museum. In die ehemaligen Klassenzimmer wurden Ausstellungen und Installationen eingebaut. 1974 kam dann ein monumentales Rundgemälde hinzu, die "Schlacht um Berlin". Eigens dafür wurde auf dem Innenhof ein futuristisches Rundgebäude geschaffen, das über eine Brücke mit dem Haupthaus verbunden ist. Stand man in der Mitte der Halle, reichte das Gemälde 360° um einen herum. An den Füßen der Leinwand waren originale Trümmerteile aus der Stadt, altes Kriegsgerät und verlorene Stahlhelme installiert, eine ausgeklügelte Beschallung mit Kriegsgeräuschen verstärkte den monumentalen Eindruck zusätzlich.

1994 markierte das Ende. Der russische Staat als Eigentümer des Inventars bot der Bundesregierung an, sämtliche Kunstschätze des Hauses für pauschal 100.000 Deutsche Mark kaufen zu können. So wäre das Gebäude in seiner einmaligen Art erhalten worden, Russland bot sogar an, die laufenden Kosten eine Zeit lang zu übernehmen. Doch Deutschland lehnte ab. So wurde alles, was sich entfernen ließ, nach Russland transportiert und dort an Museen verteilt. Für das Rundgemälde wurde sogar eigens ein neues Museum gebaut.
Nachfolgend ließ die Gemeinde das komplette Gebäude von ABM-Kräften entkernen, um durch das Ausschlachten der erst frisch vorher eingebauten Heizkörper die klamme Gemeindekasse aufzubessern... In der Folge verfällt das nun nicht mehr beheizbare Gebäude seit 1995 nahezu unaufhaltsam. Doch während die Gebäude aus der Kaiserzeit stur dem Verfall trotzen, ist der Rundbau aus den 70ern - vom DDR VEB Spezialhochbau errichtet - bereits stark einsturzgefährdet.

Die gesamte Anlage steht unter Denkmalschutz, und das Land sucht seit mehr als 15 Jahren verzweifelt nach einem Käufer für die Immobilie. Nur - was will man damit machen?













Und... wie man ganz nach oben kommt? So! :krank:

 

Möhre

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Der Pionierpalast:


Eine Übersicht... vom Dach des Pionierpalastes:


Im Pionierpalast, Blick von der Bühne:


...und Blick zur Bühne:


Der Eingang zum Saal neben dem Saal:


Direkt daneben: Die Schwimmhalle. Interieur und Gestaltung größtenteils noch von 1918,




Das Sprungbrett trägt noch.


Die Bahnbegrenzungen hängen seit Ewigkeiten in der Luft...
 

Möhre

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Lust auf Duschen?






Das heiße Wasser für Schwimmbad und Fernwärme muss ja irgendwo herkommen, daher ein Blick auf und in das Heizhaus.






...als nächstes geht es dann mit dem Entertainment-Bereich weiter... stay tuned. :)
 

Möhre

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Ein paar Schritte weiter über den grün überwucherten Innenhof...

...der "Rundbau" . in den 70ern durch den VEB Spezialhochbau errichtet. Er beherbergte ein 360°-Gemälde der "Schlacht um Berlin". Das Diorama wurde durch Licht- und Soundeffekte unterstützt und war in seiner Art einmalig in Deutschland. Leider wollte es nach der Wende niemand haben. Die Russen haben es sorgfältig ausgebaut und es im kleinen Städtchen Zhukov in einem eigens dafür errichteten Museum wieder aufgebaut.
Der Rundbau ist seitdem nur ein dunkler und leerer Raum, seit einiger Zeit auch einsturzgefährdet.


Eines der Treppenhäuser - die winzige Ü-Kamera fällt erst auf den Zweiten Blick auf:


und von innen:


Wo man schon mal im Hauptgebäude drin ist... unzählige leere Räume, aber in manchen finden sich noch die Relikte des Siegesmuseums...




Auch für die KInder gab es was:



Preußische Architektur.


Hier nochmal der Bau von Außen... mit der Richtfunkantenne auf dem Turm.


Da ich keinen guten Zoom hatte, hieß es klettern.
 

Möhre

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Und bei der Gelegenheit kann man ja auch mal zu Lenin runtergucken.


Achja, so ne fette Antenne... da muss es ja auch irgendwo das Sendestudio geben. Japp, unterm Dach.


So, nochmal schnell zur Toilette, bevor es ins Bolschoi-Theater geht... gleich. :)


Folgen wir den Schildern...


...zum Eingang des Bolschoi-Theaters. Das berühmte Moskauer Theater unterhielt hier tatsächlich eine offizielle Filiale.


Im Foyer sind noch die alten Garderobenständer, nun im Kopfstand.


Der Liegenschaftsfonds versucht seit fast zwei Jahrzenten, das Gebäude zu verkaufen. Aufgrund des Denkmalschutzes und der schier gigantischen Größe ein aussichtsloses Unterfangen. Aber potentielle Investoren wollen sehen was sie kaufen, also gibt es zumindest in einigen Teilen noch Licht...


...künstlich wie natürlich.


Das große Foyer:


Die Türen links führen in den Ballsaal. Hier fanden Konzerte und Gala-Abende für die hohen Offiziere statt.
 

Möhre

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Rechts des Foyers öffnen sich dagegen die Türen zum Bolschoi-Theater. Ein paar einzelne Baustrahler an den Wänden machen den Raum nicht wirklich hell. Eine Herausforderung. :)







Hinter den Kulissen:




Auf dem Dachboden dann noch Belege für eine duale Nutzung als Theater und Kino: Filmrollenschränke.
 

Möhre

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Und damit verabschiedet euch Genosse Lenin. Es ist 5 vor 12 - also noch nicht zu spät!:)

 

Roslarb

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O_O mau da fehlen mir echt die worte, das ist atemberaubend.


sehr schöne aufnahmen und wunderbar in szene gesetzt.
 

Sanctum

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Die Fotos sind echt der Hammer und absolut sehenswert^^
 

Furry Jacko

Frischling
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Hammer!

Hammer Bilder pass aber in Zukunft auf dass du dich beim bildermachen nich in Lebensgefahr begiebst,so wie beim letzten.
Das Holz könnte morsch gewesen sein!

Alles in allem eine geile Idee,aber schon viel zu veraltet für den Wiederaufbau das würde min 10 Jahre dauern oder länger.
Wir sind ja keine Profis.

Da würde ich lieber in dieses Gebiet ne neue Kleinsiedlung fürs erste hinbauen.

Kann man ja dann noch erweitern!

Aber nochmals geile Fotos,muss ich mal meinem Vater zeigen der is auch ein guter Hobbyfotograf
 

Laena

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Einfach genial dein Hobby. Schon deine anderen Bauwerksbesuche haben mich ja beeindruckt, aber das hier ist wiedermal eine Nummer besser geworden.

Um das Hobby und auch die Fähigkeiten solch Gebäude ausfindig zu machen und dir Zugang zu verschaffen kann man dich nur beneiden :S
 

Romeo Delta

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Ich glaub wir müßten mal in den Berg gehen, Schwalbe 5 weiß ich jetz auch den Standort...
 

Möhre

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Bei Interesse... es werden ganz offiziell Führungen dort angeboten. Auch zum "Auf eigene Faust"-erkunden.

PM an mich. :)
 

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