Die Suche

Mystic_wolf

Frischling
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29 Jan 2013
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Hohe Bäume beschatten das dichte Unterholz. Der Boden laubbedeckt und feucht nach Erde duftend. Große Sträucher bieten mit ihren ausladenden Zweigen Schutz und Deckung. Dunstschleier ziehen sich wie Fäden durch das Dickicht. Er enttarnt die Kunstwerke, welche Spinnen zwischen Ästen geschaffen haben, mit feinen Tröpfchen. Vögel stimmen zum Abendgesang und die Sonne färbt die Luft golden.

Doch plötzlich herrscht Aufruhr. Lautes Rufen der Vögel stört die Idylle, Rehe durchbrechen in ihrer Flucht das Dickicht. Dann herrscht Stille. Leises Knistern und Knacken von Ästchen am Boden ist zu hören, immer lauter werdend. Und langsam zeigt sich eine Gestalt, welche langsam durch das Dickicht streift. Geschickt durchstreift es die Hindernisse des Waldes, als wäre es schon immer dort zu Hause gewesen und tritt in das Abendlicht. Ein Wolf, mit schwarzem Fell welches in der Sonne glänzt. Den Kopf schnuppernd auf den Boden gerichtet. Langsam streift er weiter durch den Wald bis zu einer kleinen Anhöhe, von der man in ein großes weites Tal blicken kann. Die Anhöhe ist von Blumen bedeckt und vereinzelnd suchen Schmetterlinge noch nach etwas Nektar.


Der Wolf tritt an den Rand der Anhöhe, welche dann steil in das Tal abfällt. Er streckt stolz die Brust hervor und blickt in das Tal, welches durch die Sonne in allen Braun und Goldtönen leuchtet. Er legt sich hin und verschränkt seine Pfoten unter seinem Kinn, den Blick immer in das Tal gerichtet.


Ein gutes halbes Jahr ist es her, als er sich über sich bewusst wurde. Als er erkannte das er das ist was er äusserlich nicht zeigen kann. Ein halbes Jahr ist vergangen seit seinem Erwachen, gefolgt von einer wilden Fahrt durch sein Innerstes. Nichts ist mehr wie früher, alles neu, alles anders. Er spürt den Wind, der durch sein Fell streicht. Er fühlt sein Wesen so stark, so voller Kraft und Energie. Sein Leben davor hat er abgelegt, hat geendet. Alles was er kannte war nicht mehr, konnte er nicht mehr erkennen. Sein Rudel hat ihn ausgestoßen, als er sich bewusst wurde. Und so begab er sich auf die Suche.


Es war sein Herz was ihn trieb, aber er wusste nicht warum. Er ging einfach und mit der Zeit erkannte er was er suchte. Es war die Einsamkeit, welche ihn immer weiter trieb. Ein Gefährte war es nachdem er verlangte, was ihn suchen ließ. Sein früheres Leben war nicht einfach gewesen. Verfolgung, Unterdrückung, Verrat und Gewalt bestimmten sein Leben. Vergiftet für viele Jahre, belogen und getäuscht unendliche Male.


Er war misstrauisch und vorsichtig geworden, aber die Welt hat sich verändert. Hat sich für ihn verändert. Diese neue Welt ist fremd für ihn, besitzt keine Erfahrung mit den alltäglichen Dingen, kann sie nicht erkennen. Nur der Wald, dort kennt er sich aus, dort schöpft er Kraft für seine Reisen.


Doch sein Herz ließ ihm keine Ruhe. Wild schlug es in ihm, drängte ihn, trieb ihn an. Bis hierher, zu dieser Lichtung, welche ihm die neue Welt so prachtvoll zeigte. Aber er hat Angst und ist unsicher. Nichts kommt ihm bekannt vor, alles ist neu und dann noch dieses tiefe Verlangen. Er hatte noch niemals so etwas gefühlt, hat nie die Zeit gehabt Gefühle zu empfinden. Ständig bereit, immer in Erwartung auf den nächsten Angriff, hatte er nie die Möglichkeit gehabt jemanden zu finden, jemanden zu suchen. Er kennt diesen Bereich des Lebens nicht, nur Schmerz und Leid waren seine bisherigen Empfindungen, Angst und Hilflosigkeit seine Begleiter.


Langsam steht er auf und stellt sich kraftvoll und stolz an die Kante. Wind durchstreift sein Fell und lässt es aufglänzen in der Abendsonne. „Das alte Leben ist vorbei, der Schmerz und die Folter vorüber, nun beginnt ein neues Leben.“ Er hebt leicht den Kopf und blinselt in die Sonne und denkt: “Ich bin zu dem geworden, der ich immer schon war und nun will wen finden. Mich stellen dieser Angst vor dem Unbekannten, vor der Nähe, vor der Berührung, vor der Liebe.“


Langsam senkt er den Kopf und blickt auf den Boden. Aber wie? Er hat keine Erfahrungen darin wen zu suchen, nur zu kämpfen. Er weiß nicht wie man sucht, kennt die Signale nicht welche den Weg zeigen. Er kennt Drachen, Katzen und viele andere Tiere, aber er sucht nach seinesgleichen. Nur ein Wesen seines Stammbaumes kann ihn erkennen und er ihn. Nur solch einen weiß er zu richtig zu berühren, sich richtig zu verhalten.


Er hebt wieder den Kopf und blickt in das Tal hinab. „So schön ist es hier. So frei fühle ich mich, aber glücklich bin ich noch nicht“ denkt er sich. Dann lässt er sich zur Seite fallen und dreht sich auf den Rücken. Leise winselt er auf und reibt sich in der Wiese. „ Ich bin da und ich suche Dich, wo auch immer Du bist. Ich werde nicht aufhören, bist ich Dich gefunden habe. Ich stelle mich meinen Ängsten und werde viele Opfer bringen um Dich zu finden. Ich will an Deiner Seite wandern, mein Gefährte, will lernen alles über diese neue Welt, aber vor allem will ich eines. Ich will Dein Herz erwärmen, mit einer Kraft welche nur sehr wenige kennen. Mit der Kraft des Waldes.“ Entspannt reibt er sich weiter in der Wiese und schließt verträumt die Augen. Er stellt es sich vor. Wie es so wäre, dieses Gefühl zu empfinden, diese Glücklichkeit in der Zweisamkeit.
 

Spike Johns

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24 Jan 2013
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Sehr schön. Ich für mein Teil kann mich gut in diesen Wolf hinein denken, weil mein Leben ähnlich im moment verläuft. Suchend nachdem was alls nächstes kommt.
 

Mystic_wolf

Frischling
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29 Jan 2013
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Freut mich das Dir diese Geschichte gefällt. Jemand sagte mal zu mir, ich solle einfach das was ich fühle, als Wolf aufschreiben. Tja und das mach ich auch^^
 

odin

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12 Sep 2013
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Roman

Liest sich gut und flüssig hat schon potenzial für einen Roman würde ich sagen /// frage: giebt es richtige furry Romane?
 

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