Der fünfte Thron

Larc

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[h=3]Der fünfte Thron (WIP)[/h]
Mein neuestes Projekt, das sich gerade in der Mache befindet. Storyline, Charaktere und Setting stehen bereits und der rote Faden wurde stichpunktartig festgehalten und schreit nun nach lesetauglicher Ausarbeitung. Da ich aktuell meinen Writers Block mit dem Gefühl etwas geschafft zu haben aushebeln will, möchte ich euch vorab schon als Appetizer einen kleinen Prolog liefern, während ich an der Ausgestaltung der Geschichte arbeite. Vielleicht erzielt dieser ja den erhofften und angedachten Zweck, schon mal etwas Interesse zu schüren. Lang ist er nicht, aber ich bin zufrieden damit. Hier und da kommt vielleicht noch eine Ungereimtheit ans Licht. Gebe mir Mühe aber der Korrekturleser fehlt.
Die Ausmaße kann ich noch nicht voll einschätzen, aber mir geht es in erster Linie darum, wieder etwas Regelmäßigkeit reinzubringen. Vielleicht noch etwas früh um nach Kritik zu fragen, aber ich bin für jeden Schulterklopfer, Arschtritt oder kurzum allen erdenklichen Formen von Feedback dankbar, die mir helfen, in die Puschen zu kommen.


Worum es geht?

In einer jungen Welt begannen die verschiedenen empfindungsfähigen und aufrechtgehenden Stämme ihren Naturglauben zu praktizieren und die Elemente zu verehren. Die wilden Beschwörungsriten ihrer Schamaenen erzeugten versehentlich Risse zu den vier Elementarebenen und zogen Übergänger aus den Reichen, deren dominierende Spezies die Drachen und andere, niedere Elementare darstellten, in die fünfte Ebene. Verwirrt und ihrer Heimat entrissen fügten sich manche Übergänger in ihre neue Heimat ein. Andere brachten Zerstörung und dürsteten nach Eroberung. In den vier Reichen wurde währendessen gemeinschaftlich ein Orden gegründet, der das zufällige Verschwinden ihrer Artgenossen aufklären und den Riss erforschen, der allmählich zu kollabieren drohte. Gemeinsam gelang es ihnen zwischen den Welten einen Siegelraum zu errichten, der die unnatürlich entstandenen Übergänge hinter magischen Toren verschloss. Dieser Raum sollte dereinst den vier höchsten Wächtern als Thronsaal dienen Der Orden erhielt die Autonomie, die verbotene Kunst der Magie in der fünften Ebene zu unterbinden und die junge Welt vor machtgierigen Übergängern zu schützen. Die friedvollen Drachen der fünften Ebene hatten längst ein Zuhause in ihr gefunden und verlangten Mitspracherecht im Orden. Ein Jüngling sollte unter den vier Wächtern aufgenommen, von ihnen erzogen und gelehrt werden, um einst den fünften Thron einzunehmen.

Der Protagonist:

Amahr - Zwei Seelen... ein Pfad.



Sein Ei wurde an die vier Wächter übergeben. Seine Vorfahren blieben in den Aufzeichnungen unerwähnt. Amahr symbolisiert den Zwietracht zwischen Licht und Schatten sowie Anfang und Ende. Er bestand die Ausbildung seiner vier Lehrmeister und wuchs heran zum Diplomaten und Krieger. Vereint in ihm war das goldene Herz und die eiserne Faust. Die Geschichte beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem er innerlich zerrissen seiner Aufgabe müde geworden ist.

Illustriert von Kendel http://www.furaffinity.net/user/kendel-ventonda/

Musikalische Inspiritationen:

https://www.youtube.com/results?search_q…ween+two+worlds
https://www.youtube.com/results?search_q…e+be+your+armor
https://www.youtube.com/results?search_q…steps+from+hell
https://www.youtube.com/watch?v=-6uX0MWetHA

Changelog:

Hier wird künftig auf kleinere Änderungen im Text hingewiesen.
 
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Larc

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Der fünfte Thron


(c) Larc


Prolog: Ein König ohne Königreich





Amahr by Kendel (frühe Preview)


Prolog: Ein König ohne Königreich

Einst als die Welt noch jung war und lange bevor ihre Bewohner den aufrechten Gang erlernten, herrschte Frieden und ein natürliches Gleichgewicht. Eine Eintracht, die es der Vielfalt des Lebens ermöglichte, zu gedeihen und sich zu entwickeln. Im Laufe unzähliger Jahrtausende in denen sich das Rad der Evolution kontinuierlich weiterdrehte, bildeten sich erste Spuren von empfindungsfähigem Leben. Verschiedenste Arten, angepasst an ihre Lebensräume und ohne Wissen von einander parallel existierend, erlangten ein Bewusstsein und die Fähigkeit zu denken. Wilde Stämme mit ihren unterschiedlichsten Lebensstilen und Bedürfnissen, begannen ihre Welt zu erkunden und sich darin zurechtzufinden.

Es kam der Tag, an dem sie aufeinandertrafen. Die Jäger auf die Gejagten und die Angreifer auf die Verteidiger. Nicht gewöhnt daran, ihren Lebensraum zu teilen, war es eine Zeit der Konflikte zwischen den Stämmen. Naturverbunden, wie die Völker waren, verehrten ihre Schamanen und Druiden die Elemente. Ihr Naturglauben ließ sie heidnische Riten durchführen, als sie versuchten, mit den Geistern, die sie in den Elementen vermuteten in Kontakt zu treten. Ihre für lange Zeit fruchtlosen Bemühungen schienen vom Erfolg gekrönt, als es ihnen gelang, Wesen aus anderen Welten zu beschwören. Manche dieser Kinder der Elemente waren sanft und wohlgesonnen. Willens sich in ihre neue Umgebung einzufügen und deren Bewohner zu leiten. Manche suchten ihren Platz in ihrer neuen Welt. Neutral und abgeschieden von deren Völkern. Andere kamen und begannen zu unterwerfen und zu erobern.

Im Unwissen über die Tatsache, dass ihre Existenzebene nur eine der mittlerweile fünf bekannten Sphären darstellte, erzeugten die magischen Riten und Praktiken der Stämme einen Riss zwischen den Ebenen, der allmählich drohte, die Stabilität der Ebenen zu gefährden. Unsichtbar für das ungeschulte Auge und doch existent. Der Beginn der Vorfälle, läutete eine Zeit der Mysterien und gegenseitigen Beschuldigungen in den vier Elemtarsphären ein, die seit langem durch Portale in Verbindung standen. Deren dominierende Spezies waren wir Drachen. Alte Völker und Clans, reich an Traditionen und voller Stolz auf ihre Ahnen und individuellen Gepflogenheiten. Dennoch unwissend über die Existenz der fünften Ebene. Da sich diese stark unterschieden, war das Verhältnis zwischen den vier Reichen ebenfalls nicht immer reibungslos. Obwohl alle Reiche die selben Vorfälle vermeldeten, schürte die Tatsache, dass niedere Elementare und auch Angehörige unserer Art spurlos verschwanden, Unmut und den Verdacht, dass eine der anderen Gattungen unserer Art in sie verstrickt waren. Nahe stehend an einem weitreichenden Konflikt, suchten Gelehrte wie ich nach den wahren Ursachen des Problems und fanden die Antworten gerade noch rechtzeitig, bevor sich unsere Reiche ihrer geschürten Kriegslust hingaben. Drachen und ihr Jähzorn... Ich könnte Geschichten über dieses Klischee schreiben.

Der Orden der vier Elemente wurde gegründet und mit vereinten Kräften gelang es dem niveauvollen Teil seiner Angehörigen, die aus den vier Welten stammten, einen Siegelraum im Zwischenreich, das die Sphären verband, zu errichten. In diesem wurden der Riss und die sich geöffneten Zugänge zur fünften Ebene verschlossen. Dieser Raum sollte einst zum Thronsaal werden.

Vier Herrscher wurden einst erkoren...

...und ich war einer von ihnen. Nein, wir waren keine Könige und Königinnen. Viel mehr waren wir Torwachen und Oberhäupter über die kleine Schar des Ordens. Verdiente Persönlichkeiten und Respektspersonen aus den vier Nationen. Unsere Pflicht war es, die unfreiwilligen Übergänger aus der fünften Ebene in ihre angestammte Heimat zurück zu geleiten und man verlieh uns die Autonomie zu tun, was immer nötig wäre, um die Beschwörungsmagie der ansässigen Stämme und Völker zu unterbinden. Diese stellte eine Bedrohung des Gleichgewichtes des Gefüges der Welten dar.

Meine bescheidenen Verdienste zur Aufklärung der Vorfälle und die Mitarbeit am magischen Thronsaal und den Siegeltoren, brachte mir das Vertrauen meiner Heimat und bescherte mir einen der vier ehrwürdigen Posten. Mein Name ist Lung Tao Ning. Gelehrter, Dichter, Schreiber und Gesandter des Windreiches. Doch genug der selbstverliebten Lorbeeren.

Dem Thron des Wassers wurde Septis zugeteilt. Sie war ein schlangenartiges Wesen mit humanoidem Oberkörper. Sprichwörtlich ein stilles Wasser und Quell der Ruhe und Gelassenheit in unserer Runde. Sie war stumm. Oder sprach sie nur nicht? So lange ich sie kenne, hatte sie nie ein Wort gesagt und sich stets durch Gesten und Zeichensprache verständigt, die wir zunächst lernen mussten zu deuten.

Die Dritte im Bunde war Taira. Eine lebenserfahrene Erddrachin. Sanft, verständnisvoll und einfühlsam war sie in ihrer Art. Offen für Sorgen und Nöte, respektiert für ihr Verhandlungsgeschick und ihre fast mütterliche Fürsorge. Sie war das warme Herz und die gute Seele unter uns Vieren.

Die Feuerdrachen entsandten Fengar. Wie man es von ihnen erwarten konnte, war er ein starrköpfiger Grobian...
(Der einleitende Satz der Beschreibung wurde fast zur Unkenntlichkeit durchgestrichen und ersetzt mit einem neuen Ansatz.)
Ein kampferprobter Krieger. Eine Persönlichkeit gestählt und geschmiedet in den Feuern der Ascheberge seiner Heimat. Er wurde unser starker Arm und übernahm die militärische Führung über den Orden.

So unterschiedlich wie wir selbst, waren auch unsere Meinungen und Methoden, die wir zur Erfüllung unserer Pflicht durchführen wollten. Oft verstrickten wir uns in lange Debatten, doch nach zeitaufwändiger Phase der Gewöhnung, gelang es uns zusehends besser, uns gegenseitig zu ergänzen und unser Handeln zu koordinieren.

Als Angehörige des Ordens das fünfte Tor durchschritten, um sich ihren zugeteilten Aufgaben zu widmen, trafen sie in der neuen Welt auf Elementare und Angehörige unserer Arten, die gar nicht daran dachten, in ihre Heimat zurückzukehren. Manche hegten Gottkomplexe und frönten ihrem Einfluss und ihrer Macht über die schwach erscheinenden einheimischen Wesen. Andere Übergänger, die einst ihren Clans entrissen wurden, hatten sich friedvoll mit ihrer neuen Umgebung arrangiert und in ihr eine neue Heimat gefunden. Wie die weniger vorzeigetauglichen Angehörigen unserer Art, bestanden auch jene auf ein Recht zu bleiben, weil sie sich mittlerweile verwurzelt und zuhause fühlten.

Die Regeln und Gesetze des Ordens mussten erweitert werden, um der Situation, die sich uns bot, gerecht zu werden. Wir sollten die Rechte der Friedfertigen zu verteidigen. Ebenso war es unsere Pflicht, maßgebliches Beeinflussen der Geschicke und Entwicklung der fünften Ebene zu Gunsten der ehemaligen Angehörigen unserer Reiche zu unterbinden. Die Rechtschaffenen wandten sich mit dem Anliegen um Mitspracherecht an den Rat und forderten den Einsatz eines eigenen Vertreters. Wir akzeptierten und einigten uns darauf, dass dieser Anwärter beziehungsweise diese Anwärterin zu mehr bestimmt war als einzig und allein als Gegengewicht zu den restlichen vier Vertretern ihrer Heimat. Ein Ei wurde von den Übergängern in unsere Obhut gegeben, aus dem ein gesunder, kleiner Welpe schlüpfte.

Ich erinnerte mich an Tairas leuchtende Augen, als sie dem Moment beiwohnte. Ihr selbst war die Erfahrung Mutter zu werden bislang verwehrt geblieben und es schien sich von ersten Moment eine Verbindung zwischen ihr und dem jungen Leben zu bilden. Septis verhielt sich ihrer Art treu bleibend neutral und ruhig, doch selbst in ihren schwer lesbaren Zügen, schimmerte ein Funken Neugier und Aufgeschlossenheit für unseren Neuankömmling. Fengars Einwand, nicht als Kindermädchen herhalten zu wollen, war ebenso vorhersehbar. Er wollte seinen Teil der Ausbildung erst dann erfüllen, wenn der Jüngling dazu bereit wäre.

Der Kleine sollte zur Vorbereitung auf seine Aufgabe die Beschaffenheit und Eigenheiten der Reiche und deren Bewohner kennenlernen. Nur ein Auge, das die Gesamtheit der Verstrickungen überblickte, konnte jene neutral beurteilen. Als er heranwuchs, wurde er unser Lehrling. Taira gab ihm stets Halt und lehrte ihm Feingefühl, Tradition und diplomatisches Geschick. Septis zeigte ihm, wie man aus innerer Ruhe und Meditation Kraft schöpfen konnte, mit der man seinen Aufgaben gelassen entgegenblicken konnte. Zur Überraschung entwickelte sie auch ein Talent, mit ihrer Wassermagie, mit der Sie Formen und Spielereien erzeugte, zu begeistern und zu beruhigen. Lächelnd möchte ich erwähnen, dass sie dies nur in Momenten tat, in denen sie sich unbeobachtet fühlte.

Meine Aufgabe war es, dem Jungen Wissen und Weisheit zu vermitteln, also nahm ich meinen Platz als Lehrer ein und unterrichtete ihn. Ein paar Grundlagen des motorischen Geschickes fielen ebenso in den Bereich meines Unterrichts. Ich mag wie ein alter, verstaubter Bücherwurm wirken, doch bin ich noch längst nicht gänzlich eingerostet. Vielleicht nicht mehr ganz so beweglich wie einst, aber das ist eine andere Geschichte.

Als der junge Drache sich der Schwelle des Erwachsenenalters näherte, begann der härteste Teil seiner Ausbildung. Er sollte lernen, Situationen zu überleben, in denen Worte und Diplomatie versagten. Fengar wurde sein Kampfmeister. Die Worte des Feuerdrachens waren selten reich an Lob, doch nach langer Phase der Abneigung begründet durch die hohe Messlatte, die er seinen Adepten vorgab, sprachen seine Augen Bände über die Tatsache, dass seine niedrigen Erwartungen übertroffen wurden. Es erfüllt mich mit Stolz festzuhalten, dass der Fünfte im Bunde durch Beharrlichkeit und Training auch diese Hürde meisterte und seinen strengen Ausbilder zufriedenstellte. Über die Jahre begann ich in ihm eine Art Neffen zu sehen. Ihn Sohn zu nennen, wäre eine Übertreibung. Ich bin zu beschäftigt für solch tiefgehenden familiäre Bande.

Die Lehrzeit war abgeschlossen und er nahm seinen Platz als wertgeschätztes Mitglied in unserer Runde ein. Für jene, deren Rechte er vertrat, wurde er zum strahlenden Licht. Die, die bereit waren zu verhandeln, schätzten den galanten Umgang mit Worten und für jene, deren Gier und Machthunger er Einhalt gebot, verkörperte er die Dämmerung. Manche sahen in ihm einen Boten, andere ein Symbol der Einheit der fünf Ebenen. Für manche weniger Verhandlungsbereite war er der Jäger, dessen Schrecken die verbotene Kunst langsam in Vergessenheit geraten ließ. Mythen und Legenden rankten sich um seine Taten, doch kannte kaum einer seinen Namen. Ein Name erwählt von uns Vieren und seiner würdig. Wir tauften ihn Amahr.

Sein Platz und seine Aufgabe schien ihm Erfüllung zu bescheren, doch waren seine wahren Emotionen ebenso schwer zu deuten wie die von Septis. Auf seiner letzten Mission in der fünften Ebene, schien er mit etwas konfrontiert worden zu sein, das ihn nachhaltig veränderte. Seit seiner Rückkehr wirkt er innerlich zerrissen und in sich gekehrt. Selbst unsere Gewohnheit des gemeinsam Schachspiels schlug er seither aus, da ich ihm zu berechenbar sei. Voller Sorge beobachte ich die Veränderungen in seinem Verhalten. In murmelnde Selbstgespräche vertieft, erwähnt er immer wieder, er habe jemanden zurückgelassen und vertieft sich in Vorwürfe. Ebenso scheint sich seine sanfte Seite der Seele gegen den Krieger in ihm aufzulehnen und er wirkt, als wäre er innerlich im Konflikt mit sich selbst. Einst erwähnte er eine Schwester. Kann es sein, dass er auf seiner Reise einer Angehörigen seiner Brut begegnete? Ich bin nicht sicher!

Während Fengar und Septis uns verließen, um persönlich nachzuforschen, blieb ich und Taira zurück. Sie beklagte mangelndes Wohlbefinden, bevor sie sich zur Rast zurückzog, doch beteuerte sie, dass sie bald wieder auf den Beinen sei. Nach zahlreichen Versuchen Amahrs Wall der Verschlossenheit zu durchbrechen, erhielt ich endlich Kunde von unseren Ermittlern. Die Neuigkeiten waren nicht erbaulich und stachen in mein Herz wie die kalte Klinge eines Dolches. Noch konnte ich die Zusammenhänge nicht gänzlich entwirren, doch ein Verdacht drängt sich mir auf. Erneut werde ich Amahr aufsuchen. Ich bin mir nicht sicher, was ich tun soll, doch beschleicht mich das Gefühl, dass die Zeit zu handeln gekommen ist.


Auszug aus Lung Taos Aufzeichnungen
der Aktivitäten des Ordens






#1 Zwiespalt


In sich gekehrt und konzentriert saß er auf einem einfachen Holzschemel an einem ebenso unscheinbaren, kleinen Tisch. Frei und einsam im Zentrum eines von Dunkelheit erfüllten, großen Raumes, dessen Wände im undurchsichtigen Schatten lagen, was ihn endlos und leer wirken ließ Zwei einzelne Kerzenhalter standen zu seinen Seiten und die sanft lodernden Flammen der Dochte beleuchteten einen prunkvoll verzierten Spiegel, der sich nahe der gegenüberliegenden Tischkante befand. Sanft geneigt stehend auf einem daran befestigten Bügel.


Ein dimmer Lichtkegel lag um den Platz an der Tischfläche, deren Oberfläche kariert war. Schwarz und weiß wie ein Schachbrett auf dem die Figuren verteilt waren wie nach einer lange andauernden Partie. Der Lichtschein, der den Tisch umgab, enthüllte Linien auf dem Boden. Eingearbeitet in den Boden und farblich abgehoben vom hellen Marmor erstreckten sie sich um den Sitzplatz in deren Zentrum und verliefen sich in den Schatten. Wie ein Auge mit ovaler, reptilischer Pupille wirkte das Symbol, das seinen Tisch umgab.


Den Ellenbogen auf das Knie gestemmt, welches durch die niedrige Sitzposition auf dem Schemel stark angewinkelt war, brütete der goldene anthromorphe Drache statuenhaft über dem Spielbrett.
Das Kinn in den Zwischenraum von Daumen und Zeigefinger gebettet und nach vorne gebeugt, zeugte nur gelegentliches Zucken seines Schwanzes von seiner Lebendigkeit. Die fledermausartigen Schwingen welche sich unter seinen Armen spannten, schienen ihn in seiner Position wie ein lose fallender Mantel zu umhüllen. Sein Blick wirkte nachdenklich angespannt und seine Augen zuckten analysierend, als er die Spielfiguren überblickte, die wie die ausgedünnten Reihen zweier sich gegenüberstehender Armeen wirkten. Die weiße Streitmacht stand vor ihm. Die Schwarze dem Spiegel zugewandt. Zögerlich und dabei mit den Augen den Spiegel fokussierend, machte er seinen nächsten Zug.


„Wie schmeckt die Leere?“, fragte eine Stimme wie aus dem nichts. Ein knurrendes, zischendes Flüstern. Emotionslos und kalt. Er antwortete nicht, griff stattdessen nach einer der schwarzen Figuren und machte einen Zug für die Gegenseite, während er seinem Spiegelbild stechend in die Augen starrte. Dunkel wirkte es. Wie ein verzerrtes, schattenhaftes Abbild seiner selbst.


„Kalt...“


Seine Lefzen hoben sich in einem leisen Knurren, bevor sein Gesicht sich wieder zu edlen, statuenhaften Zügen beruhigte, als er wieder begann, über seinen nächsten Zug zu brüten.


„...und bitter?“, Hohn triefte aus den geflüsterten Worten und Spott lag in der unheimlichen Stimme als sie fortfuhr:


„Wie lange thronen wir schon auf dem Platz, der keines Königs würdig ist?“




„Es ist deine Schuld!“, knurrte der Goldene mit erbost angeschwollener Stimme und räumte dabei mit Unterarm und Flügelhaut in einer jähzornigen Bewegung die Figuren vom Spielbrett. Klappernd fielen diese auf den Boden, während der Luftzug seiner Schwinge die Flammen zum Zucken brachten und drei der auf dem fünfarmigen Ständer angebrachten Kerzen zu seiner Rechten löschte. Der Lichtkegel schrumpfte und sein goldener Glanz wirkte nun dimm und matter in der anwachsenden Dunkelheit, während er vom Stuhl aufgestanden beide Pranken auf die Tischfläche stemmte und nach vorne geneigt verächtlich und erbost auf sein dunkles Ebenbild im Spiegel herab sah, das seinen Blick erwartungsgemäß widerspiegelte.


„Unser Schuld...“


Mund und Lippen des Spiegelbildes bewegten sich unabhängig von den seinen und ein böses Lächeln zeichnete das Gesicht der schattenhaften Reflektion. Es neigte sich langsam zur Seite ohne den Blick zu lösen und begann mit sachtem pusten die Abbilder der Kerzen zu löschen, die im äußersten Winkel des Spiegels zu sehen waren. Die realen Flammen erloschen zur selben Zeit. Eine nach der anderen und ließen den Drachen im spärlichen Schein der verbliebenen Beiden zu seiner anderen Seite zurück.


„Wie lange dauert es, um zu verstehen?“ Das geisterhaft zischende Flüstern verstummte und ein knurrig böses Lachen erklang, das durch den scheinbar leeren Raum hallte. Er starrte auf sein schemenhaftes Abbild, dessen Züge blanken Hohn und Spott ausstrahlten. Unmut und blanke Verachtung stiegen in ihm, doch sein Blick blieb würdevoll. Nach der Kante greifend, begann er den Tisch an seiner Seite anzuheben, so dass sich dieser immer weiter neigte, bis Spiegel und Kerzenständer langsam zu rutschen begannen und letztendlich zu Boden fielen. Mit Genugtuung lauschte er dem Klirren des Glases und dem Poltern der beiden anderen schweren Gegenstände, während das Restlicht auf dem Steinboden erlosch. Mit kleiner Kraftanstrengung stieß er den Tisch nach vorne um, was ein erneut lautes Geräusch erzeugte. Dann wurde es still, fast beängstigend geräuschlos. Nur sein Herzschlag und die von Zorn erhöhte Atemfrequenz sowie sein verächtliches Schnauben war zu hören, bis er sich langsam beruhigte. Er liebte diese Ruhe, mit sich allein und geschlossenen Augen in allumfassender Finsternis.




Die fünf Ältesten


Vier Herrscher wurden einst erkoren.
Der Zwietracht war in der Welt geboren.
Sie wollten das Gleichgewicht erhalten,
doch der fünfte Thron war gespalten.

Erde, Feuer, Wasser und Wind,
wachten über das Zwielichtkind.

Liebe, Sanftmut, Hass und Lust.

Zwei Seelen wohnten in seiner Brust
.
 
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Zalasus

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Gut, Schulterklopfer kannst du haben.

Ich finde du bist sehr talentiert mit Worten. Ich habe eigentlich gar nichts zu beanstanden; da scheint eine großartige Story im Entstehen zu sein. Es wäre schön mehr davon zu sehen.

Verglichen mit dem was ich bisher von dir gelesen habe stört mich hier noch die Tatsache dass die Handlung mangels einer Fortsetzung recht abstrakt ist. Für einen Prolog ist das natürlich kein Problem.

Eine Kleinigkeit wäre noch zu erwähnen: An der Zeile "[...]brütete der goldene anthromorphe Drache statuenhaft[...]" stoße ich mich etwas. Das Adjektiv "anthropomorph" ist unter Furries ja recht geläufig. Für den alltäglichen Sprachgebrauch ist das durchaus akzeptabel, schließlich gibt es nicht wirklich viele alternative Bezeichnungen. Letzenends ist "anthropomorph" aber ein wissenschaftlicher Begriff und stört den Sprachfluss einer Geschichte ungemein,wenn sie den Leser nicht gerade in eine Position versetzt in der wissenschaftliche Sprache zu erwarten ist.

Wie genau man jetzt ein anthropomorphes Tier in einer Geschichte beschreibt muss man entsprechend der Situation entscheiden. Kann man vorraussetzen das es im Verlauf der Geschichte Menschen gibt, dass der Leser dies weiß und die Geschichte nicht darauf abzielt dem Leser eine Identifikation mit dem Tier zu ermöglichen kann man einen Bezug zum realen Menschen und seiner Form herstellen. In allen anderen Situationen muss man Beschreiben was Anthropomorphismus heißt, ohne auf Menschen zu sprechen zu kommen.
Das ist jedenfalls mein Eindruck. Es kann sein, dass Andere sich da weniger dran stören.
 

Larc

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Ich kann deine Aussage nachvollziehen und gebe dir da durchaus Recht. Zunächst hatte ich das in unseren Kreisen umgangssprachliche "anthromorph" verwendet und wurde von einem Leser auf einer anderen Seite darauf hingewiesen, das zur Korrektheit der "po" fehlt.:p
Ja es sind Wörter, die man kennen muss, wenn man wissen soll was sie bedeuten. Humanoid ist vielleicht eine Alternative. Auch ein Fremdwort, aber vielleicht auch Außenstehenden geläufiger. Ich werde das noch einmal überdenken.;)

Im nächsten Part wird ein wenig mehr darauf eingegangen, worum es hier überhaupt geht, ohne alles zu verraten. Ich baue bewusst so auf, dass sich das Ganze langsam entfaltet, denn sonst funktioniert die Idee dahinter nicht. Werde mich ranhalten und versuchen, den Part die Tage fertig zu bekommen.

Danke für deinen lieben Kommentar und fürs Mitlesen! Freut mich immer sehr, wenn sich "Freiwillige" finden!;)
 

Shayania

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Ich habe mir den Prolog schon vor ein paar Tagen durchgelesen, aber habe doch glatt vergessen, etwas dazu zu schreiben. :shock:

Der Anfang der Geschichte liest sich wirklich gut und spannend. Er weckt die Neugierde auf mehr. Über die Beschreibung "anthropomorph" war ich auch schon gestolpert, und kann mich da nur Zalasus anschließen. Wenn jemand, der nicht zum Fandom gehört, deine Geschichte liest, weiß der sicher nichts damit anzufangen, und wird dann richtig im Lesefluß gebremst, weil er es erst nachschlagen muss. Ich glaube, "Humanoid" wäre da ein ähnlicher Stolperstein. Humanoid heißt ja "dem Menschen ähnlich" in Aussehen, Körperbau, etc. Die Na'vi aus dem Film "Avatar" sind humanoid, oder Steven Spielbergs Aliens, aber eher weniger ein Anthro-Drache.

Ich weiß nicht, wie deine Geschichte weiter verläuft, und in wie weit die Figur des Drachen genauer vorgestellt wird. Ich kenne es aus anderen Geschichten, dass Anthrocharaktere mit einer kurzen Beschreibung eingeführt werden. Da wird in der Beschreibung des Aussehens dann halt erwähnt, dass die Figur auf zwei Beinen geht oder spricht (beispielsweise). Vielleicht wäre das ja noch eine Alternative, die du in Betracht ziehen kannst. Es bedeutet für dich nur geringfügig mehr Aufwand, erspart dem Leser aber einen Stolperstein ;)


Auf jeden Fall bin ich auf die weitere Geschichte gespannt :)
 

Larc

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Im Vergleich zum zweiten Charakter der im nächsten Part vorgestellt bin ich verhältnismäßig kurz auf das optische Äußere des späteren Hauptprotagonisten eingegangen. Vielleicht lege ich noch einmal nach oder gehe zum späteren Zeitpunkt noch näher darauf ein. Werde morgen mal drüber nachdenken, wie ich diese erwähnte Stelle umformuliere.

Auch dir Shayania ein herzliches Dankeschön für den lieben Kommentar! Freut mich immer sehr und von dem her danke fürs Zurückkommen nach dem Vergessen. Man ist ja geduldig.
Mehr oder weniger!;)

Werde schauen, dass ich den nächsten Part bald abliefern kann.
 

Larc

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Part 2 - Sinn des Lebens


Leises Klatschen drang an sein Gehör. Ein langsamer Rhythmus, der fast an den Takt einer Uhr erinnerte. Die Augen noch fest verschlossen, lag ein zufriedener Ausdruck auf seinem Gesicht, bis das Geräusch die Ruhe störte. Die Zeit vergessen hatte er, in der er stillstand und die Ruhe in sich aufnahm. Minuten oder Stunden? Er wusste es nicht. Seine Züge wurden ausdruckslos, als er der langsamen Tonfolge lauschte.

„Bravo!“, sagte eine Stimme. Sie klang amüsiert und sehr vertraut, doch war es nicht das Flüstern, was ihn zuvor heimsuchte.

„Welch illustres Schauspiel! Dieses Esprit und diese Energie! Fantastisch!“

Ein Knurren entstieg seiner Kehle. Tief und grollend. Verärgert über den Spaß auf seine Kosten, riss er die fest zugekniffenen Augen auf. Bunte Lichter tanzten in seinem Sichtfeld und die stechende Helligkeit zwang ihn zu blinzeln. Zwei Feuerschalen vor ihm, aus denen blaue, magisch anmutende Flammen züngelten, tauchten den Raum in ein kühles, aber ausreichend helles Licht. Er kannte diesen Saal nur zu gut. Viel Zeit hatte er hier verbracht. Ein Thron, nein deren vier waren in quadratischer Anordnung und mit exakt gleichen Abständen an den runden Außenwänden platziert. Ausgerichtet so, dass der Blick des Sitzenden in das Zentrum des Raumes gerichtet war. Rechts dieser Position befand sich je ein großer Torbogen mit schweren Eisentüren, die stets verschlossen waren. Vier Schalen weiter im Raumesinneren und in sanft versetzter, aber ebenso geometrisch korrekter Anordnung platziert, beleuchteten sowohl Innen- und Außenbereich mit ihrem Lichtkegel. Wand und Boden waren im schlichten Weiß gehalten. Eine Oberfläche, die wirkte wie Marmor. Die einzige farbliche Abhebung im eintönigen Raum waren die roten Linien auf dem Boden, die das große Augensymbol im Zentrum formten, auf dem nun ein umgeworfener Tisch und Schachfiguren verstreut waren. Die beiden Plätze, die er sah, waren leer. Die Stimme erklang aus dem Bereich in seinem Rücken.

„Wie lange bist du schon hier, Poet?“, fragte er ohne sich dem Gast zuzuwenden. Sein goldener Glanz schien matter zu werden, als sich die Emotion der Ärgernis, die er zu unterdrücken versuchte, in seine Stimme mischte und einen rauen Unterton erzeugte.

„Lange genug, Amahr!“

Noch immer lag dieses unerträgliche Amusement in der Stimme des ihm bekannten Besuchers. Amahr holte tief Luft,als wolle er sich auf eine harsche Antwort vorbereiten. Zeitgleich wendete er sich dem Zweiten im Raum zu, der hinter ihm auf seinem angestammten Platz saß. Dieser war ein östlich anmutender Drache von schlanker und drahtiger Statur. Seine schuppenartige Haut war schlicht grau bis auf Unterkiefer, Kehle und Bauch, die eine matt weiße Farbgebung besaßen. Strähnen seiner langen, ebenfalls weißen Mähne, aus der zwei kurze Hörner mit geweihartigen Auswüchsen ragten, hingen ihm ins Gesicht und verliehen ihm gemeinsam mit seinem sonstigen Äußeren eine weise, aber dennoch verwegene Erscheinung. Lässig hing er in seinem Thron. Ein Bein wippte angewinkelt über die Armlehne, während er die Arme verschränkt vor der Brust hielt und den Kopf leicht seitlich neigte. Das zugewandte, leuchtend blaue Auge allerdings wirkte aufmerksam und beobachtend. Ein amüsierter Glanz schien sich darin widerzuspiegeln und ein Lächeln lag auf seinem Gesicht.


„Lung Tao, ich...“, mehr brachte Amahr nicht heraus, bevor ihm sein Gegenüber ins Wort fiel.
„...möchte wissen wie lange ich noch verharren muss!“, beendete der Lung den Satz mit einer Unschuldsmiene. Wohl wissend, dass er mit dem Verhalten den Unmut seines Gesprächspartners schürte.
Nicht all zu lang zu deiner Beruhigung. Aber ich, nein wir glauben, dass du nicht bereit bist für das, was vor dir liegt.“

„Bereit für was und wo sind die Anderen überhaupt? Keiner von ihnen hielt es für nötig, mir in meinem Gefängnis eine Audienz zu gewähren!“ Amahrs Stimme klang hart. Ein sanfter Unterton geprägt von Wut und Enttäuschung lag in seinen Worten und der metallische Glanz seiner Schuppen schien erneut zu schwinden. Wie Kohle, deren Kern erkaltet, während sie an den Rändern noch leuchtete wie geschmolzenes Metall. Als er die Emotionen niederrang, schwand die Schwärze wieder aus seiner Haut.

„Fengar ist dort draußen und kämpft gegen einen Gegner, dem er nicht gewachsen ist. Taira ist erkrankt an der Plage, die uns heimsucht und...“
Eine bedeutungsschwere Pause folgte und ließ die vorangegangenen Worte des Lungs verhallen. Sein Gesicht wurde ernst und er straffte sich. Die bequeme Haltung aufgebend, wirkte er nun fast anklagend.
„Wir haben Septis verloren.“ Die Stimme wirkte trocken und sachlich. Seine Miene bitter und die eingenommene nach vorne geneigte Sitzposition nachdenklich und vorwurfsvoll.

„Verloren? Was ist passiert?“ Der Goldene hielt dem stechenden Blick nicht stand, senkte den Kopf und seufzte mit geschlossenen Augen.

„Fragen über Fragen! Antworten, die du bereits kennst! Du weißt, was passierte und du kennst sie, die Abtrünnige! Du ließt sie eins zurück!“


„Das ist nicht wahr!“, knurrte Amahr erbost und schloss die Pranken je um zwei der Beine des auf der Fläche liegenden Tisches, als wolle er Halt suchen. Aus einer jähzornigen Bewegung heraus warf er diesen zur Seite, so dass das Möbelstück einige Meter mit der Fläche auf dem Boden schabend über den glatten Untergrund rutschte.
„Das ist nicht wahr!“, wiederholte er zornig, beinahe knurrend und bewegte sich dabei seitlich zu seinem Gesprächspartner ohne den Blickkontakt zu lösen. Wie ein pirschendes Raubtier, das seine Beute stellte.
„Es war nicht meine Schuld! Es war...“

„Er?“ Lung Tao klang zynisch und angreifend, während er sich langsam erhob und den scharfen Blicken unbeeindruckt trotzte.
„War er es, der mit Tischen warf? War er es, der den Spiegel zerbrach und mit welchem der Beiden spreche ich jedes Mal, wenn ich anwesend bin?“ Er ließ die bartartigen Auswüchse an seinem Kiefer durch seine Finger streichen, um seiner Nachdenklichkeit Ausdruck zu verleihen. Der bestimmte Tonfall brachte sein Gegenüber zum Schweigen.
„Wir alle haben zwei Gesichter,Amahr!“

Die Stimme wurde ruhiger und als hätte er es vergessen, hob der Lung seine zur Faust geballte Pranke und öffnete sie. Umschlossen hielt er darin eine goldene Münze, die er demonstrierend und geschickt über die Fingerkuppen wandern ließ, bevor er sie zwischen den letzten beiden senkrecht und sichtbar hielt.


„Wir alle haben die Kraft zu schaffen und zu zerstören. Jeder Poet, der unzufrieden die Seite Papier zerknüllt dem Wind übergibt. Jeder Zeichner, der...“

„Verschone mich mit deinem haltlosen Geschwätz, Lung Tao! Du kennst mich nicht! Du weißt gar nichts!“ Amahrs Haltung wirkte angespannt und er gestikulierte abfällig mit Arm und Flügelhaut, während er sich abwendete und den Blick in die Leere des Raumes lenkte. Eine schwarze Schachfigur, den König zu seinen Füßen, trat er weg und knurrte im Versuch die Contenance zurück zu gewinnen.

„Vielleicht kenne ich dich besser als du dich selbst. Das ist der Grund, warum ich dir Vertrauen schenke. Und du weißt,warum man mich den flüsternden Poeten nennt. Ich beobachte und weiß viele Dinge, aber niemand scheint mir je zuzuhören!“
Tao stampfte erbost und schmiegte in einer beleidigten Geste die Handrücken an seine Hüften, während er sich stehend sanft nach vorne neigte und die Lippen zu einem geraden Strich verzog.

„Warum keiner hört? Weil du verrückt bist, Weiser des Windes!“
Die Antwort klang bissig und provozierend. Der Blick des Lungs richtete sich auf die Scherben. Temperament und Zorn brodelten in ihm, doch er legte sich seine Worte geistig weise und durchdacht zurecht.

„Das macht unsere Gesellschaft speziell, nicht wahr?“, sagte er im ruhigen Ton und zupfte nachdenklich an seinem Bart, bevor er zur entspannten Haltung zurückkehrte und begann, herzhaft zu lachen.

„Selbst wenn du wolltest, könntest du mich nicht aus meinem Gefängnis befreien. Wir brauchen vier,um das fünfte Siegel zu öffnen.“ Amahrs Blick war auf die roten Linien gerichtet, die das Augensymbol formten.

„Es ist kein Gefängnis, es ist ein Thronsaal! Du kennst die Bedeutung des Raumes! Erbaut auf dem Riss zwischen den fünf Sphären, soll er die Letzte schützen, vor dem, was hinter diesen Toren liegt. Das ist unsere Aufgabe und du bist hier aus einem gewissen Grund. Aber die Zeit des Handelns ist gekommen. Ja es ist wahr, aber jeder fühlt sich bedeutssamer, wenn man ihm das Gefühl gibt, gebraucht zu werden.“

Tao umspielte das Reizthema und lenkte die Aufmerksamkeit bedacht auf ein anderes. Ein fast selbstgefälliges Lächeln zeichnete sich auf sein Gesicht,als er an seinen Thron zurück trat und davorstehend die Arme verschränkte. Ein sanfter Windhauch schien durch den Saal zu ziehen. Wie ein Wirbel, ausgehend von seiner Position. Schemenhafte Abbilder seiner Selbst schienen sich vor den anderen drei Plätzen zu bilden. Geisterhaft und transparent. Er senkte einen Arm und betätigte einen Druckschalter an der Armlehne und die Abbilder taten es ihm synchron gleich, bevor sie verschwanden und sich der Wind legte.

„Verrückte werden häufig unterschätzt!“, grinste er und deutete mit der Schnauze auf die roten Linien, die energetisch gespeist gleißend zu leuchten begannen, während der weiße Boden zwischen ihnen durchlässig und wabernd erschien.

„Warum tust du das?“, fragte Amahr ungläubig, die Freiheit vor Augen und den Drang verspürend durch das Portal zu schreiten, ohne die Antwort zu erlauben.

„Weil Verrückte in Zeiten der Not zusammenstehen müssen! Schau dich an! Das was du verleugnest, ist ein Teil von dir. Alles was er möchte ist Balance. Du musst wieder lernen zu akzeptieren, wer du bist.“
Er seufzte leise im Gedanken an all die vorangegangenen Gespräche und Debatten mit seinem Gegenüber, die zu nichts geführt hatten.

„Worte werden einst vergehen,
um zu lernen musst du sehen.“

Tao räusperte sich, um die Emotion in seiner Stimme zu unterdrücken.
„Und ich hoffe du lernst schnell. Bevor du gehst, habe ich noch eine Frage an dich. Was ist der Sinn des Lebens?“

Amahr trat an das Portal, senkte den Kopf. Ein fast schmerzverzerrter Ausdruck zeichnete sich auf sein Gesicht als er nach einigen zäh verstreichenden Momenten antwortete: „Es zu beginnen, es zu leben und zu sterben. Es gibt keinen tieferen Sinn dahinter.“

„Das ist der Grund, warum die Anderen dir nicht trauten.“
Seine Worte verhallten bevor sein Gegenüber durch das Portal schritt und verschwand. Der Lung sah auf die Münze in seiner Hand, drehte und wendete sie, um beide Seiten eingehend zu betrachten. Beide zeigten einen identischen Drachenkopf, der sich nur durch die Mimik unterschied. Sanft und zornig.

„Und so beginnt alles mit einem Münzwurf“, hauchte er im leisen Ton an sich selbst gerichtet, bevor er sich in seinen Thron zurücksetzte.
 
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Nimiras

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So ich habe ja mal auch schon vor so mancher Zeit den Prolog gelesen, aber auch wie Shayania nichts dazu gesagt. Dann habe ich mir das zweite angeschaut. Und ich muss sagen, das es eine gute Entscheidung war, anthropomorph NICHT zu erwähnen. Eine kurze Beschreibung reicht schon aus.
Was mir noch positiv aufgefallen war, ist das du alles sehr gut beschreiben kannst. Dein Sprachduktus passt perfekt zur Geschichte und gibt ihr irgendwie einen Scharm.
Ich würde auch gern so einen guten haben wie du:cry:.
Aber na ja, mich würde zuletzt noch eines interessieren, wie bereitest du die Kapitel vor. Bevorzugst du es wie ich, erst eine art Skrip zu schreiben und das stichpunktartig, oder schreibst du einfach drauf los. Oder was völlig anderes?
Na gut, wir sehen uns dann und ich hoffe ich konnte dir helfen
Bis dahin
Nimiras
 

Larc

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Zunächst einmal Danke für den netten Kommentar und das Kompliment Nimiras! Ich freue mich über jegliches Feedback das ich bekomme! Die Anzahl der Klicks ist ja enorm! Traut euch ruhig! Ich beiße keinen, selbst wenn kritischer bewertet wird.;)

Wie ich es angehe? Das ist unterschiedlich. Ich mache viel aus dem Kopf, aber oft liegt zwischen der Ideefindung und dem Schreiben einiges an Zeit. Da bietet sich wie du sagst so eine Notizdatei, in der man grobe Eckpunkte festhält wirklich an. Meist bilden sich markante Charaktere und einzelne Szenen geistig zuerst und nicht selten sind inspirierende Musik oder auch stimmige Bilder aus dem Fandom ein Impuls der Fantasie. Besonders bei gewissen Songs, läuft vor dem geistigen Auge eine Szene ab.

Am Ende gilt es eben, die ganzen Bruchstücke zusammenzusetzen. Der unbeliebteste Teil am Schreiben sind für mich die "Erklärbärparts"
Von dem her möchte ich probieren, vieles in die Wahrnehmung, Gedanken und Dialoge der Charaktere einzubinden.
 
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Nimiras

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Zunächst einmal Danke für den netten Kommentar und das Kompliment Nimiras!
Jaja, wohl war. Mir fiel das schon auf, das du die Formulierung immer gut triffst. Da bin ich eher so der meist sachliche, bzw. setzte ich mehr auf Farben und Erscheinungsbild, du mehr so auf Gefühle und Emotionen.

Ich freue mich über jegliches Feedback das ich bekomme! Die Anzahl der Klicks ist ja enorm! Traut euch ruhig! Ich beiße keinen, selbst wenn kritischer bewertet wird.;)
Also ich hab noch nicht auf die Aufrufe geschaut. Ich glaube auch das es damit zusammen hängt, das deines eher kurz geschrieben ist, meine Geschichte geht mehr so über zwei bis drei Posts. Da macht es schon einen unterschied. Wenn man nicht viel Zeit oder lust hatt, liest man mal was kürzeres.

Wie ich es angehe?
Ja, wie du es angehst.

Das ist unterschiedlich.
So so? ^^

Ich mache viel aus dem Kopf, aber oft liegt zwischen der Ideefindung und dem Schreiben einiges an Zeit.
Das kenne ich nur zu gut, vor allem, wenn man sich in eine art, nennen wir es mal Sackgasse (Ich hoffe du weißt was ich mein) geschrieben hat. Dann weiß man oft nicht wie es weiter geht, oder besser gesagt weiter gehen soll.
Aber da muss man halt durch.

Da bietet sich wie du sagst so eine Notizdatei, in der man grobe Eckpunkte festhält wirklich an.
Genau! So bevorzuge ich es auch. Ich nimm einen Collegeblock und schreib da je nach länge und lust, eine Seite oder gleich zwei mit Rückseite. Ich lasse aber immer noch genug platz, um dazwischen noch jede menge nette Kleinigkeiten einfließen zu lassen, so das ich noch beim Schreiben und abarbeiten eine große Freiheit habe.

Meist bilden sich markante Charaktere und einzelne Szenen geistig zuerst und nicht selten sind inspirierende Musik oder auch stimmige Bilder aus dem Fandom ein Impuls der Fantasie. Besonders bei gewissen Songs, läuft vor dem geistigen Auge eine Szene ab.
Da gebe ich dir recht, ich glaube das ich mindestens fast bei achtzig Prozent meiner arbeiten, nur Musik, meist passende gehört habe. Dann kann man es sich gleich viel besser und auch manchmal Epischer vorstellen.

Am Ende gilt es eben, die ganzen Bruchstücke zusammenzusetzen. Der unbeliebteste Teil am Schreiben sind für mich die "Erklärbärparts"
Von dem her möchte ich probieren, vieles in die Wahrnehmung, Gedanken und Dialoge der Charaktere einzubinden.
Mit dem Erklärbär finde ich eigentlich ganz gut. Denn in diesen teilen, bin ich meist sachlich und kann meinen kleinen "detailwahn" ausleben. Das sorgt dann auch für mehr tiefe. Denn ganz ehrlich. Eine Fantasywelt ist immer besser, wenn von ihr viele Berichte stammen und man immer was neues von ihr lernen kann, oder gar selbst in ihr Forschen kann. Das muss auch das Erfolgsrezept von Tolkien gewesen sein^^.
Na ja, ich hoffe ich konnt dir helfen und mal schauen was du zu meiner Meinung, deiner Meinung von meiner Meinung XD sagst.
Bis dahin
Nimiras
 

Larc

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Mit dem Erklärbär finde ich eigentlich ganz gut. Denn in diesen teilen, bin ich meist sachlich und kann meinen kleinen "detailwahn" ausleben. Das sorgt dann auch für mehr tiefe. Denn ganz ehrlich. Eine Fantasywelt ist immer besser, wenn von ihr viele Berichte stammen und man immer was neues von ihr lernen kann, oder gar selbst in ihr Forschen kann. Das muss auch das Erfolgsrezept von Tolkien gewesen sein^^.
Na ja, ich hoffe ich konnt dir helfen und mal schauen was du zu meiner Meinung, deiner Meinung von meiner Meinung XD sagst.
Bis dahin
Nimiras
Am meisten Spaß macht es mir, Charaktere interagieren zu lassen und von dem her probiere ich die Infos zur Welt in Dialogen unterzubringen und selbst als Erzähler eher den Rahmen zu zeichnen. Das gibt viel Raum zu ihrer Ausgestaltung und es ist vielleicht auch interessant, ihre Meinung zu gewissen Dingen zu erfahren. Ich habe ein paar liebe Tips bekommen von einem Leser und versuche diese zu berücksichtigen. Da ging es eben auch um die Erzählweise, die beispielsweise in "das Lied von Eis und Feuer" benutzt wird. Eine Romanreihe, die ich leider noch nicht kenne, aber eine solch charakterbezogene Erzählweise würde zu Amahr passen. Mit seinen inneren Konflikten und Monologen, die vielleicht noch kommen könnten.^^
 

Nimiras

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Am meisten Spaß macht es mir, Charaktere interagieren zu lassen und von dem her probiere ich die Infos zur Welt in Dialogen unterzubringen und selbst als Erzähler eher den Rahmen zu zeichnen.
Interessant. Mir ist so etwas einerseits und andererseits gelungen. Meist ist es bei mir der Fall, das entweder die Namen genannt wurden, und dann nichts erklärt wird. Na gut ein paar kleine anstupser gibt es. Dann gibt es noch die Dialoge, in denen der "Protagonist" nichts davon gehört hat, und es sich von seinem Freund, Verbündeten oder Gefährten und so weiter erklären lässt und in den Stoff eingebunden wird. Und dann noch das, wo der Name genannt wird, und darauf eine kurze Geschichte in der Geschichte erzählt wird.
Beispiele rauszusuchen in deinen meinen Geschichten fehlt mir grad die Zeit dazu.

Das gibt viel Raum zu ihrer Ausgestaltung und es ist vielleicht auch interessant, ihre Meinung zu gewissen Dingen zu erfahren.
Das ist glaube ich auch der große Pluspunkt bei solch einer erzähl weise. Obwol es manchmal auch so sein kann, das der Protagonist einfach alles daran schlecht findet, obwohl es eigentlich eine gute sache für alle ist, aber man davon nicht erfährt, da er alles im schlechten sieht.

Ich habe ein paar liebe Tips bekommen von einem Leser und versuche diese zu berücksichtigen. Da ging es eben auch um die Erzählweise, die beispielsweise in "das Lied von Eis und Feuer" benutzt wird.
ACH GOTT. Das lied von Eis und Feuer, von George R. R. Martin und der voreiter zur Serie Game of Thrones. Ich hatte mir vorgenommen erst es zu lesen und mir dann die Serie zum Buch anzuschauen.

Eine Romanreihe, die ich leider noch nicht kenne, aber eine solch charakterbezogene Erzählweise würde zu Amahr passen. Mit seinen inneren Konflikten und Monologen, die vielleicht noch kommen könnten.^^
Oh ja, das könnte ich mir vorstellen. So weit ich es mir sagen lassen hab (ist das grammatikalisch richtig?^^) soll der größte erfolg der Romanreihe der sein, das die Konflickte der Charaktere und ihren Tot, das spannendste sein sollen. Dabei hat Martin auch auf Puren Realismus gesetzt und das ganze Setting ind Westeros ähnelt dem, des 14ten bis 15ten jarhundert im Mittelalterlichen Europa.
Na ja, die Zeit läuft mir weg, ich muss aufhören.
Wir sehen uns
Bis dahin
Nimiras
 

Larc

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Naja Realismus... Ich bemühe mich um die Glaubhaftigkeit der Charaktere aber habe mich im letzten Moment doch für ein weniger modernes Setting in der fünften Ebene, sprich der Realität entschieden, weil es mir auf die Art leichter fällt, die Geschehnisse der Geschichte im weitergedachten Verlauf der Welt in den Bereich der Mythologie rutschen zu lassen.

Part drei ist noch in Arbeit und ich bin noch am Glätten. Werde sehen ob ich ihn nächste Woche abliefern kann.
 

Larc

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Part 3 - Der Schatten der ihm folgt
© Larc


Als er auf das gleißend leuchtende Auge trat, spürte er die Beine im wabernd, durchlässig gewordenen Boden versinken. Ein energetisches Zucken auf der Haut spürend, verschwand er langsam im Portal, streckte den Hals und hob den Kopf um einen letzten Atemzug zu nehmen, bevor das rote Licht ihn gänzlich umschloss. Die Augen geschlossen, die Arme vor der Brust verschränkt und die Flügelhäute eng an den Körper geschmiegt, spürte er das Gefühl des Fallens. Einen Augenblick lang, dann spürte er das kribbelnde Gefühl und das Licht, das durch seine geschlossenen Lider drang, schien zu schwinden. Die Augen öffnend und die Arme instinktiv ausbreitend um den Fall zu bremsen, trafen seine Füße auf massiven Boden. Mit den Beinen federte er den Aufprall ab und ging in die Hocke. Ein schnell gesenkter Arm verhinderte, dass er das Gleichgewicht verlor und sein Blick war noch gesenkt, als Schachfiguren, die ebenfalls im Radius des Portals lagen, klackend auf die Steinplatten zu seinen Füßen trafen, aufsprangen und letztendlich ruhig ausrollten, bevor Stille ihn umfing.


Während er sich langsam und in einer geschmeidigen Bewegung aufrichtete, musterte er seine Umgebung. Eingehüllt vom roten Schimmer, erkannten seine Augen nur schemenhafte Umrisse von Gebäuden und Wege die vom Platz wegführten, der von Form und Ausmaß stark an den Innenbereich des Thronsaals erinnerte, in dem er so viel Zeit verbracht hatte. Ein Blick nach oben, ließ ihn Lung Tao erkennen, der am Rande des Portals auf der anderen Seite stand, auf ihn herab sah und mit einer galanten Handbewegung in eine Richtung deutete. Trotz stieg in ihm und sein Blick wurde ernst. Warum sollte er dem Fingerzeig folgen? Was hinderte ihn daran einfach davonzufliegen ohne einen Blick zurückzuwerfen? Ein Mundwinkel hob sich zu einen herausfordernden Lächeln, als er den Blickkontakt brach und den Lichtkegel provokant in die entgegengesetzte Richtung verließ.


Das Gefühl, das seiner rebellischen Natur Genugtuung verschaffte, schwand als er abseits des roten Scheins in nebelverhangene Gassen blickte. Es schien die Zeit kurz vor der Morgendämmerung zu sein. Erste Sonnenstrahlen schienen über den Grat der Berge zu scheinen, doch lange Schatten und der Schleier des Nebels trotzten dem ersten Licht. Er kannte diesen Ort und konnte sich an Form und Anordnung der schemenhaft sichtbaren Gipfel erinnern. Dennoch wirkte seine Umgebung so fremd und verändert. Um den einst entlegenen Ritualsplatz von wandernden Schamanen war eine Siedlung entstanden. Wo sich früher unberührte Natur und Wald erstreckte, wurden Behausungen geschaffen. Anders als die primitiven Hütten und Zelte, die er von den einheimischen Wilden gewohnt war, wirkten diese massiver und aus Stein gemauert. Rustikal, doch zeugte es von fortgeschrittener Baukunst.


Der runde Platz, über dem das rote Portal schwebte, schien eine Art Versammlungsort im Zentrum zu sein. Der Boden fühlte sich kühl und etwas feucht an. Glatter bearbeiteter Stein. Er sah vier sanft leuchtende Bodenplatten, die das geöffnete Auge mit Energie zu speisen schienen. Er kannte die Anordnung, deren Ausrichtung sich an den Himmelsrichtungen orientierte und die darauf eingravierten Symbole. Die nördliche Platte zierte ein Wirbel, der den Wind symbolisierte, die stliche eine Flamme. Am Weststein symbolisierte ein Tropfen das Wasser und am Südlichen mehrere geschwungene Linien, aus denen sich eine Knospe erhob, die Erde.
Zwei Gegensätze getrennt von den Neutralen. Er schnaubte beim Gedanken an dieselbe Sitzordnung im Thronsaal und der Unterschiedlichkeit der Charaktere, die dort vertreten waren. Dieser Steinplatz war einst nur einer von vielen seiner Art. Lange bevor Beschwörungsrituale untersagt und der Riss der Sphären durch den Bau des Saals und deren Pforten versiegelt wurde. Viele Konflikte hatten er und die Vier gesehen. Der Zwist der wilden Stämme und jenen der Gerufenen aus den vier Ebenen, die unerlaubt in die Geschicke dieser jungen Welt eingriffen. Verehrt wurde seine Art. Die Einheimischen nannten sie die Kinder der Elemente. Manche von ihnen gierig und selbstsüchtig in ihrem Tun. Andere auf der Suche nach Hoffnung und einem neuen Zuhause. Es herrschte immer Zwietracht in dieser Welt, doch Zeiten ändern sich.


Er schluckte schwer beim Gedanken an die Worte des Poeten. Eine der Vier verloren? Der Zustand der anderen ungewiss. Was hatte sich geändert und wie viel Zeit war verronnen, seit er das letzte Mal in dieser Ebene war? Der Lung erklärte ihm einst, dass die Zeit außerhalb des Thronsaals schneller verging, solange die Siegel geschlossen blieben. Er hatte das Gefühl verloren für die Spanne, die er alleine dort verbrachte. Nur spärlich besucht und versorgt von seinem Kameraden, der ihn stets mit rätselhafter Sprache und Belehrungen in Aufruhr versetzte. Alleine mit ihm. Der Reflektion seiner selbst. Dem Spiegelbild, das zu ihm sprach. Der Gefangene war nun frei und Herr seiner Wege, doch seine Flucht vor diesem Ort sollte etwas warten. Amahr fühlte den Drang, diese Ansiedlung zu erkunden. Wie magnetisch angezogen von den leeren Gassen, folgte er leise und lauschend dem Weg in südlicher Richtung. Kunstvoll angelegte Grünflächen umgaben den zentralen Platz und erstreckten sich zu beiden Seiten seines Weges, bis er die ersten Gebäude hinter sich ließ und der Hauptstraße folgte. Verlassen scheinende, aus Stein gebaute Häuser waren entlang des Weges erbaut worden. Schatten verhangene Gassen führten tiefer in die Siedlung, die größer wirkte als alle die er bisher sah hinein.


Wer immer diese Stadt erbaute, hatte sie wie es schien in Hast verlassen. Er sah Holzverschläge und Stände auf denen Nahrungsmittel ansprechend angerichtet und vermutlich angeboten wurden. Früchte und Gemüse verschiedenster Art. Die Nüstern des goldenen Drachen zuckten, als er die verschiedensten Gerüche in sich aufnahm. Süß, angenehm und wohlriechend. Sogar den an Haken hängenden Fischen haftete kein Duft der Fäulnis an, was darauf deuten ließ, dass die Bevölkerung den Ort nicht lange zuvor verlassen hatte. Es war kein Anzeichen des Lebens auszumachen, aber er fühlte sich auf eine unangenehme Art und Weise beobachtet. Seine Blicke wanderten in die Pfade und Seitenstraßen, die in die Viertel hinein führten. Jedes mal als er eine von ihnen passierte. Stets gefasst darauf, belauert und überrascht zu werden, doch er fand nur Stille. Ein Geräusch in der Ferne fing seine Aufmerksamkeit. Ein Scheppern, das klang wie ein Behältnis aus Ton, das zu Bruch ging. Irgendwo abseits der Marktstraße. Die Sinne geschärft und den Kopf etwas in gesenkter Haltung, bog er in die nächste Gasse, die ihn in die Richtung der Geräuschquelle führte. Lang und schmal war diese. Gesäumt von dicht stehenden Häusern und deren Fronttüren und Fenstern die zum Weg zeigten.


Ummantelnde Stille und die düstere, nebelverhangene Enge ließ nur wenig der ersten gedämpften Sonnenstrahlen auf seinen Weg fallen. Im Augenwinkel sah er eine Bewegung. Seine Reflektion im Glas der Fenster? Amahr wusste, dass er da war. Der Schatten, der ihm folgte.
Alleine?"


Das knurrende Flüstern schien direkt in seinem Kopf zu entspringen. Wissend, in jeder spiegelnden Fläche in das Gesicht des dunklen Abbildes zu starren, war sein Blick stur nach vorn gerichtet.
„Ich mag es!", schnaubte er verächtlich und mit zynischen Unterton. Fast gewohnt an das Zwiegespräch mit dem Schatten.


Schwach und alleine..."



Amahr beschleunigte seine Schritte und beobachtete im Augenwinkel die Fenster zu seinen Seiten, sah ihn seine Bewegungen imitieren wie ein normales Spiegelbild und im Nächsten stillstehend und mit verschränkten Armen wartend.
"Ich brauche dich nicht mehr!", knurrte er ohne den direkten Blickkontakt zu suchen
Ich bin deine Rüstung! Wer bist du?"


Eindringlich, fast bedrohlich klang die Stimme zu Beginn, während die letzten Worte in ein Hauchen übergingen. Erinnerungen erfüllten seine Gedanken. Teils Dinge die er festhielt und andere die er verdrängte. Aufgewachsen und erzogen von den Vieren. Ausgebildet und trainiert. Sein ganzes Leben unter ihnen. Ein Gefühl der Wärme erfüllte ihn, als er an Taira dachte. Die Erddrachin war wie eine Mutter für ihn als er noch jung war. Mit der sanften und beharrlichen Art ihres Elementes. Tao hätte erwähnt, dass sie erkrankt sei. Er erinnerte sich daran, wie sie von den Anderen durch das Tor hinter ihrem Thron zurückgebracht wurde, um sich in ihrer Heimatebene zu erholen. Bevor sie ihn verließen. Sie strotzte stets vor Leben und er war sich sicher, dass sie bald wieder genesen würde.


War er das wirklich? Die Nachricht über den Verlust von Septis erschütterte ihn innerlich. Die Seeschlange hatte nie gesprochen. Sie war stumm, doch ehrwürdig und stolz in ihrem Auftreten. Sets der ruhige Pol und die personifizierte Ausgeglichenheit in der Runde. Sie lehrte ihn Kraft aus der Stille und Meditation zu schöpfen und er erinnerte sich gern daran, wie sie ihn in seiner Jugend mit bewegten Figuren, die sie magisch aus Wasseroberflächen erhob, amüsierte und zum lachen brachte. Bitterkeit lag in seinem Ton, als er flüsternd antwortete:
„Das Licht, das den Weg weist."


Du weißt wer wir sind! Jäger... Richter."


Die Stimme in ihm antwortete direkt und klang bestimmter und härter als zuvor. Noch immer mied Amahr den Seitenblick, während er dem Weg folgte, um dem Starren in den spiegelnden Flächen der Glasscheiben nicht trotzen zu müssen. Verloren im Gedanken und in Erinnerung an die verbliebenen beiden Thronhalter. Tao schulte seinen Geist und füllte ihn mit Wissen. Er musste sich eingestehen, dass der Lung es verstand, mit Worten umzugehen, auch wenn er sich ihm gegenüber heute noch oft wie ein rebellischer Schüler verhielt. Irgendwie mochte er die illustre Lyrik und Geschichten seines einstigen Lehrers, auch wenn er es ihm gegenüber nie erwähnt hatte. Ebenso schulte dieser bereits früh in seiner Jugend Amahrs Reflexe und Geschicklichkeit im verspielten Sparring, als der Jüngling seine liebsten Helden aus den Erzählungen im Spiel verkörperte. Die neckenden, weisen Zitate, mit denen er seinen Schüler provozierte, als er seinen ungestümen Anstürmen mit Leichtigkeit entging und ihn zum Stolpern brachte. Der, der den Wind vertrat, war weit mehr als ein Bücherwurm und Quacksalber. Er zeigte ihm bereits im Spiel, dass es mehr erfordert als pure Kraft, um einen Gegner zu besiegen. Alles in Allem genoss er seine Jugend, auch wenn das Lernen das meiste seiner Zeit verschlang. Oft durfte er in Begleitung die verschlossenen Türen durchschreiten und in die Heimat seiner Lehrer reisen. Wälder voller Leben, ein Ozean, der endlos schien und ein wolkenverhangener Horizont und fliegende Inseln, in dessen Höhen er sich frei und unbekümmert fühlte, als er den Wind unter seinen Flügeln spürte.


Du kennst unseren Feind! Du ließt sie zurück als sie geschwächt war!"


Das unheimliche Flüstern riss ihn aus den angenehmen Erinnerungen, die sich binnen weniger Sekunden vor seinem geistigen Auge abspielten und lenkten seine Gedanken auf die harten und unangenehmen Erfahrungen, die er in seinem Leben durchlaufen hatte, seit der Zeit als er das junge Erwachsenenalter erreichte. Die Zeit als er den vierten König traf. Seinen härtesten Lehrmeister. Fengar, ein grimmiger Krieger aus der Ebene des Feuers. Sie sagten er habe eine warmherzige Seite, aber er zeigte sie nur allzu selten, als er ihm lehrte zu kämpfen. Erbarmungsloser Drill und harte Worte stählten ihn in dieser Zeit und bereiteten ihn auf die Aufgabe vor, die ihm angedacht war, doch hinterließen sie auch Spuren in der sanften Seite seines Wesens.
„Sie ist meine Schwester!", hauchte er leise und beinahe entschuldigend.


Sie war erfüllt von Neid! Wollte unseren Platz!"


Sein ganzes Leben war er geschult und trainiert worden für eine Aufgabe. Als die Welt jung und wild war, herrschte steter Konflikt zwischen ihren vielen Völkern. Manche, deren Lebensart sich glich, formten Allianzen um sich zu verteidigen. Andere jagten und rissen. Dennoch waren sie alle denkende und fühlende Wesen, die sich allerdings ihren Urinstinkten hingaben. Aufrecht gehend und sozial unter den Ihren.


Sie verehrten die Elemente und ihre Schamanen versuchten durch Rituale mit der Seele und Essenz, die sie in ihnen vermuteten, Kontakt aufzunehmen. Irgendwie gelang es ihnen sogar, was als unangenehmen Nebeneffekt die Risse zwischen den Ebenen erzeugte. Er verstand nicht viel davon und dachte mit Grauen an die Geschichtsstunden zurück, in welchen der weise Tao versuchte, ihm magische Bewandtnisse und Einzelheiten zu erklären und dabei der Klang seiner Stimme mit der Konstanz eines lauen Herbstwindes an sein Gehör drang. Die Vorgehensweise bei der Erbauung des Thronsaals erschloss sich ihm ebenfalls nicht gänzlich. Ein komplexer Vorgang bestehend aus magischen Unsinn, den er nicht gänzlich verstand. Der Lung brüstete sich immer damit, dass seine Sphäre die erste war, die eine Lösung dafür fand, den Riss ungerufen zu durchschreiten, um mit den anderen drei Ebenen in Kontakt zu treten. Der Saal und seine Tore wurden geschaffen, um den Riss hinter den magischen Pforten zu versiegeln und seinen Missbrauch durch die Unwissenden zu unterbinden.


Vier Herrscher wurden einst erkoren.
Der Zwietracht war in der Welt geboren
Sie wollten das Gleichgewicht erhalten,
Doch der fünfte Thron war gespalten.



Sie waren mehr Wächter als Könige, doch des Poeten Hang zur Übertreibung und Beschönigung war allseits bekannt. Und er? Er war ein Geschenk.
Sein Ei wurde von seinen wahren Vorfahren als Zeichen guten Willens den vier Wächtern übergeben. Tao sagte ihm als er alt genug dafür war, dass seine Eltern Drachen waren, die durch den damals noch geöffneten Riss gezogen wurden, als diese Wilden der fünften Ebene ihre Rituale durchführten. Sie gehörten zu jenen seiner Art, die den Einklang und Frieden mit ihrer neuen Umgebung suchten. Namenlose Fremde! Er spuckte auf den Boden.


Ich will das nicht mehr!", schnaubte er in einem Ausbruch seiner Gefühle und senkte dabei mit finsterer Miene den Kopf, während er langsamen Schrittes weiterhin der Gasse folgte.
Der Lung hatte ihm auch erklärt, dass das Verhältnis zwischen den vier Elementarebenen gereizt und angespannt war, und dass ein Eingreifen in die Geschicke ihrer Übergänger schnell als kriegerischer Akt gewertet werden konnte. So fassten sie gemeinsam den Plan, jemanden den Posten des fünften Wächters anzuvertrauen, der neutral zu den vier Reichen steht. Jemand, der die Natur, Sitten und Gebräuche aller verstand und in sich vereinte.


Er schnaubte verächtlich. Die noble Aufgabe, die ihm zuteil wurde, entpuppte sich als Drecksarbeit und er war dazu bestimmt, jene zu jagen, die in der neuen Welt ihre Gottkomplexe über die Schwächeren auslebten und in ihrer Gier und Selbstsucht Schande über ihre Heimat brachten. Über jene zu richten, die im Verdacht standen, gegen die neu erlassenen Gesetze der fünf Throne verstoßen zu haben. Trainiert und vorbereitet. Allerdings nicht auf jene Situation, die ihn einst unerwartet traf. Er ließ sie zurück und hasste Politik mit tiefer Inbrunst.


Verloren in seinen Gedanken, wurde ihm erst nach einigen Momenten bewusst, dass die Stille zurückgekehrt war. Keine hämischen Fratzen, die in den Fensterscheiben reflektierten. Kein Flüstern, das in seinem Kopf widerhallte. Er fühlte sich allein. Es war das erste mal in seinem Leben, dass dieser Zustand Unbehagen in ihm auslöste. Kein Geräusch, kein einziges Anzeichen von Leben. Nicht einmal der Wind sang durch die Gasse. Die Stadt schien mit dem Leichentuch bedeckt und ihres Atems beraubt. Da war ein Geräusch! Leise, kaum wahrnehmbar und dennoch von seinem Gehör aus der Totenstille zu filtern. Wie nackte Füße auf blanken Stein. Er wirbelte herum und sah angespannt in die Richtung, in der er den Ursprung vermutete, doch dort war nichts als ein leerer Pfad und sich eng gegenüberstehende Häuserfronten mit noch schmaleren Wegen dazwischen, die die Gebäude voneinander trennten. Seine Sinne schärften sich und erwachten. Die Nüstern zuckten, als er in kurzen Atemzügen die Luft nach einer Fährte prüfte. Sein Blick, wild und konzentriert, als seine grünen Augen und die durch die Lichtverhältnisse zu schmalen Schlitzen geformten Pupillen jeden Winkel in seinem Sichtfeld abtasteten. Selbst die Zunge schien die Luft aus sanft geöffneten Lippen abzutasten, als wolle er sie schmecken. Der Geruch von abgestandenen Wasser aus den Abflüssen an Straßenrand, dominierte seine Wahrnehmung.


Und wieder leise Schritte in seinem Rücken. Näher und präsenter als zuvor. Schnell drehte er sich in seine vorherige Laufrichtung und erhaschte wieder keinen Blick auf die flinke, unbekannte Kreatur, die ihm folgte. Oder waren es gar Mehrere? Wurde er flankiert? Die Erkenntnis traf ihn hart. Er schien gejagt zu werden. Angespannt und alarmiert tastete er sich voran, drehte sich mehrfach und umsichtig um und versuchte, seine aufgeregte Atmung zu beruhigen. Sein linker Arm gesenkt. Die fledermausartige Spannhaut seines Wyvernflügels formte eine sanfte Wölbung und er spreizte seine klauenbesetzten Finger. Die andere Pranke mit nach hinten angewinkelten Ellenbogen auf Schulterhöhe erhoben und deren Fingerknöchel angewinkelt, nahm er eine Pose ein, die ihn einst Lung Tao zeigte.
 
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Larc

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Sein Instinkt trieb ihn dazu, rasch zur Seite zu blicken. Stehend vor einem weiteren Fenster, sah er kurz sein goldenes Gesicht, bevor das Glas sich nach außen zu wölben schien. Lautes Klirren, gefolgt vom kehligen Knurren des Biestes, das sich ohne Rücksicht auf eigene Verletzungen auf ihn stürzte. Die Fänge weit geöffnet, das graue Fell gesträubt. Kleiner als er. Einen Blick erhaschte er, bevor er den Aufprall spürte und das Gleichgewicht verlor. Den erhobenen Arm klemmte er instinktiv unter den Hals der Kreatur, bevor er das Gleichgewicht verlor und zurückfiel. Der Aufprall auf den Rücken, presste die Luft aus seiner Lunge. Der Angreifer über ihm, den er als zweibeinig, aufrecht gehenden Wolf identifizierte, schnappte wie wild nach seinem Hals. Einzig zurückgehalten von seinem Unterarm.


Einstudierte Bewegungen und Instinkt steuerten sein Handeln. Amahrs langer Schwanz peitschte seitlich aus, schlang sich in einem Haken um den Torso des Mondsängers. Mit Schwung riss er seinen Schweif in die andere Richtung, was seinen Angreifer für einen Moment anhob. Ein Wimpernschlag, der reichte um seinen Arm zu befreien. In einer blitzschnellen Reaktion packte er die Schnauze und schloss die beängstigenden Fänge mit Druck beider Pranken. Eine Handfläche auf die kühle Nase gepresst, hielt er den Kiefer mit der anderen Hand fest geschlossen und wälzte sich seitwärts, um sich mit Schwung über den Angreifer zu erheben, und ihn mit seinem Gewicht niederzudrücken.


Er fühlte den Sog des Schnaufens an seiner Pranke, während er die Atemwege verschlossen hielt. Der Wolf knurrte und wehrte sich. Wilde Augen...
Amahr erschauderte als er die Augen sah. Trüb und ausdruckslos, fast milchig und grau. Ein dunklerer Ton als das Fell. Er fühlte einen Schnitt im unteren Bereich seines Flügels, als eine Kralle des wild zappelnden und um sich schlagenden Gegners sich in die Membrane hakte. Er brüllte auf im Schmerz, hob den Kopf des Graupelzes vom Boden an und stieß in mit Wucht zurück auf den harten Stein. Den Griff lösend, schlug er einmal kräftig mit den Flügeln, um mit einem Satz zurück etwas Abstand zu gewinnen. Er landete auf seinen Füßen, warf einen kontrollierenden Blick nach unten und sah Blut. Ein wenige Zentimeter tiefer Schnitt in der Flügelhaut. Er schmerzte als er diesen spannte und wieder seine Kampfpose einnahm um sich auf den Ansturm vorzubereiten.
Benommen durch den Aufschlag, richtete sich sein Gegenüber langsam auf. Wackelig und bemüht um Balance war er, bevor der Wolf wieder zu sich kam und wie von Sinnen, mit dem selben animalischen Verhalten in gebückter Haltung auf den Drachen zustürmte. Amahr wartete auf den rechten Moment und führte einen geraden Schlag nach vorne.


Der Handballen traf mit Wucht auf den Nasenrücken. Ein Knacken ließ das Blut des Drachens fast gefrieren und den Verrückten winselnd rückwärts taumeln. Im Reflex folgte Amahr ihm mit einem geschmeidigen Schritt vorwärts und holte mit der zurückgehaltenen Pranke zum sauberen, diagonalen Schlag von unten nach oben aus. Er fühlte seine Krallen in das Fell tauchen und in die Haut schneiden. Vom Schlüsselbein schräg über den Hals. Drei Striemen begannen rot durch das graue Fell zu sickern als er seinen Gegner betrachtete, der röchelnd stehen blieb. In einer Reaktion fing er diesen, legte seine Pranke auf dessen Hinterkopf und geleitete ihn in die Hocke gehend zu Boden. Sein Blick war die ganze Zeit auf diese unnatürlichen Augen fixiert. Der Wolf blinzelte und schnappte nach Luft.
„Warum?", fragte der Drache im emotionalen Ton.


Er kannte die Mondsänger als stolzes ursprüngliches Volk, das hier im Norden lebte. Friedfertig, sanft und naturverbunden in ihrer Art. Er konnte das Verhalten nicht begreifen. Der Wolf blinzelte und der Schleier in seinen Augen schien zu weichen. Eisblau und tief wie der Ozean wurden sie. Voller Furcht im Todeskampf. Die bestialischen Züge wichen einem Ausdruck der Furcht, als er versuchte zu sprechen und nur ein Röcheln über seine Lippen kam.


„Shhh..."


Amahrs Lippen bebten und der beruhigende Laut kam nur zitternd hervor. Die zweite Pranke lag auf der Brust des Wolfes. Er fühlte die krampfende Atmung, bis langsam Stille einkehrte. Erfüllt mit Trauer und über den Toten gebeugt, schloss er seine Augen.
„Finde Frieden!", hauchte er leise. Er fühlte den Drang zu schreien und verstand den Grund der Aggression nicht. Etwas stimmte nicht. Diese Augen...


„Öffne die Augen!"


Er ignorierte die knurrige Stimme und hob schwermütig und mit geschlossenen Augen den Kopf. Er fühlte erneut einen harten Aufprall der ihn niederriss. Es war ein Fehler zu glauben, dass Wölfe alleine jagen. Die Augen weit geöffnet, sah er zwei Weitere von hinten anpirschen, während er ein gruseliges Würgen von dem über ihm vernahm. Bevor er reagieren konnte klatschte eine Flüssigkeit in sein Gesicht. Zäh, klebrig und ekelerregend. Es verklebte seine Nüstern, zwang ihn durch das Maul zu atmen. Ein Tropfen gelangte auf seine Zunge. So bitter...
Er hörte ein Brüllen. Die Stimme eines Drachens, den er kannte, bevor das Gewicht des Angreifers von seiner Brust verschwand und seine Sicht verschleierte und er langsam das Bewusstsein verlor.
 
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Larc

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Die begrenzte Zeichenanzahl ist etwas ungeschickt für Schreiber, aber ich denke so geht es.

Ich habe ein paar Fehlerlein entfernt. Vielleicht finden sich ja noch welche...
 
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Larc

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Part 4 – Kenne deinen Feind

© Larc

Amahr fühlte Kälte, die von seinem feuchten Gesicht ausgehend, langsam seinen Hals und Brustkorb hinab kroch. Sein Atem war unregelmäßig und stockend. Fast so als würde etwas seinen Hals zudrücken. Der kalte Reiz auf seiner Haut schien intensiver. Der bittere Geschmack auf seiner Zunge noch immer deutlich wahrnehmbar und abstoßend. Er keuchte nach Luft und versuchte durch das Mund zu atmen. Dieser füllte sich mit einer Flüssigkeit. Fast geschmacklos und kalt. Seine Augen weiteten sich in Schock und starrten hinein in tiefste Dunkelheit, als er zu sich kam und die Flüssigkeit in seine Lunge drang.

Wild scharrend und ins Nichts greifend, verfiel er in Panik. Seine Position hatte sich verändert. Er fühlte den Rand eines Gefäßes an seinem Brustkorb und seine umher tastenden Krallen, schabten an dessen runder Außenseite. Er versuchte sich daraus zu erheben und fühlte einen Widerstand in seinem Genick. Ein starker Griff, der ihn festhielt. Der Druck auf ihn ließ nach und erlaubte ihm sich kurz aufzurichten. Hustend und blinzelnd über ein Fass gebeugt, rang er gierig nach Luft

„Nicht das Wasser es könnte...“
Da war ein Flüstern in der sanften Prise die ihn streifte. Der Lung tat dies bevor. Zu ihm durch den Wind zu flüstern, während er auf seinem Platz saß und meditierte, während er das Portal nur so weit geöffntet hielt, um seinen Geist schweifen zu lassen, ohne dass etwas anderes hinein oder hinaus konnte.

Eine Pranke wischte über seine Schnauze. Grobschlächtig und wenig rücksichtsvoll.
„Es ist Regenwasser! Ich weiß was ich tue!“
Die Stimme Hinter ihm klang hart und aufgebracht. Sehr bestimmt und tief. Er fühlte wieder den kraftvollen Druck auf seinen Hals, der seinen Kopf in das Fass senkte.

„Hör auf!“, knurrte er, bevor sein Gesicht wieder in das Wasser tauchte, während er versuchte, sich mit Klauen und peitschendem Schwanz zu wehren. Der Andere hatte sich allerdings geschickt positioniert, so dass die Angriffe ihn nicht treffen konnten. Amahr fühlte einen starken Griff am rechten Handgelenk und wurde unsanft aufgerichtet und herumgewirbelt. Ein starker Stoß in den Rücken brachte ihn ins Torkeln und er verlor das Gleichgewicht. Den Sturz fing er mit den Pranken ab und begann nach vorne gebeugt, hustend und schnaubend das Wasser auszuspucken.

„Fengar...“, knurrte er zischend und mit harschen Worten im Gedanken, die er sich zurecht legte, um sie seinem früheren Lehrmeister entgegenzuwerfen, doch ein angedeutetes Brüllen brachte ihn zum Schweigen. Nach Luft ringend verharrte er noch gebeugt, ohne aufzusehen und versuchte sich von seinem unsanften Erwachen zu erholen. Der Geschmack auf seiner Zunge war verschwunden. Ausgewaschen von dem Wasser, das er noch immer ausspieh.

„Spuck es aus!“, brüllte Fengar harsch. Amahr kannte seine herrische und temperamentvolle Art, die selten Widerspruch erlaubte. Die Erinnerung an das harte Training unter ihm, drängte sich in seinen Geist. Drill und Worte so hart wie der Hammer eines Schmiedes, lehrten ihm Respekt und Disziplin. So beschrieb der Feuerdrache seine Art oft selbst, mit der er den Charakter eines jungen Adepten formte. Es war kaum Sanftmut in den Worten zu hören, die klangen wie ein Befehl und der goldene Drache schien die scharfen Blicke, die auf ihn gerichtet waren förmlich zu spüren, als er sich zögerlich aufrichtete und immer noch nach Atem rang. Seinem früheren Lehrmeister den Rücken zugekehrt, galt seine Aufmerksamkeit dem toten Wolf, der nur wenige Meter entfernt von ihm und dem Fass, in welchem er von der ekelhaften Substanz gesäubert wurde, auf dem Boden lag. Eine Mixtur aus Trauer und Zorn, verband sich in seinem Inneren, als er die ersten Schritte tat.

„Ich glaubte, ich hätte dich gelehrt auf eigenen Beinen zu stehen, aber ich habe mich geirrt!“, keifte Fengar und sein Unmut schien sich durch die mangelnde Aufmerksamkeit des Goldenen weiter anzuheizen.
„Sieh mich an, wenn ich mit dir spreche, Junge! Ist es das, was du gelernt hast?“
Fengars Stimme schien immer lauter und erboster zu werden, während Amahr über dem Toten stand. Den Blick gesenkt und mit starrer Miene, lenkte er die Augen von der Wunde am Hals, indem er den Kopf neigte. Ein leises Seufzen entsprang seiner Kehle, als er etwas auf dem Boden liegen sah, dass er in der Hitze des Kampfes nicht bemerkt hatte. Nahe des Wolfes lag ein kleiner Anhänger. Der dünne Faden war wohl von seinen Klauen durchtrennt worden, hing aber noch an dem Stein daran. Er ging in die Hocke und griff danach. Den kleinen Stein lag auf seiner Pranke und er verharrte gebeugt, während er ihn fokussierte.

Er kannte die Bedeutung dieses Schmuckstückes bestehend aus weißem, reinen Chalcedon. Ein kleiner Mineralstein der rund und glatt geschliffen war und der den Mond symbolisieren sollte. Als Geschenk wurde dieser dem Stammesführer der Mondsänger übergeben. Bei Geburt des ersten Sohnes, wurde der Stein mit einem primitiven Werkzeug geteilt, aufbewahrt und jenem überreicht, den der Anführer als Nachfolger ernannte. Erst nach dessen Abtreten oder Tod ging auch die zweite Hälfte in dessen Besitz über. Ein traditioneller Neubeginn unter dem Vollmond. Oft war es der Sohn. Manchmal allerdings auch jemand der sich besser eignete.

Oft fühlte er Neid auf ihre Art zu leben. Karg und bescheiden, jedoch stolz und frei von jeglichen Ketten. Fernab aller anderen Völker und unter den ihren. Den Respekt, mit dem sie ihn begegneten, als er sie im Auftrag der Vier aufsuchte und das Verständnis für die Bitte, Naturmagie zu unterlassen, die unwissentlich das Gefüge der Ebenen gefährdete. Manche waren ebenso kooperativ, doch weit nicht alle. Das galt auch für Seinesgleichen, die diese Späre als neue Heimat betrachteten.

„Halte die Augen offen! Immer! Selbst im Tode! Überrannt von schwächlichen Flohsäcken? Das ist euer Einfluss Windie! Ihr habt ihn weich und zahm gemacht!“

Die Worte des Feuerdrachens weckten erneut Bilder aus seiner Vergangenheit in ihm. Dieser hatte ihn stets angeheizt und gestählt. Fengar respektierte Mut und Stärke.

„Wer steckte Schläge ein? Wer schützte das weiche Herz? Die ganze Zeit...“

Er erinnerte sich daran, wie er einst die Anerkennung seines Lehrmeisters gewann und umschloss den Anhänger im eisernen Griff, als er sich langsam aufrichtete. Die Stimme, nein seine andere Seite war sein Schutz, sein Schild und seine Rüstung. Gestählt und abgehärtet durch die harten Prüfungen, die er in seinem Leben durchlief. Distanzierter und unantastbarer durch seine Erfahrungen. Er wollte seine andere Seite akzeptieren, doch fürchtete er sich selbst zu verlieren, wenn er diese dominieren ließ. Verloren im Gedanken, weckte das Flüstern des sanften Windes, das ihn umspielte seine Aufmerksamkeit. „Geduld Fengar! Es ist etwas viel für ihn...“

Der Angesprochene hinter ihm wollte gar nicht daran zu denken, sein Temperament zu zügeln. Wahrscheinlich fühlte er sich gar herausgefordert durch den sanft gehauchten Widerspruch und schien endgültig die Fassung zu verlieren.
„Geduld? Glaubst du wir haben Zeit dafür? Ihr hattet genug davon, um über philosophischen Unsinn zu reden und in Spiegel zu starren. Ich hätte das Ding über seinem Schädel zerbrochen, um ihn zu Vernunft zu bringen! Eine Ohrfeige lehrt manchmal mehr als tausend Worte! Junge Drachen brauchen das manchmal!“

Fengars Redefluss schien in seiner verärgerten Erregung kaum enden zu wollen und Zorn schien das Gefühl der Wehmütigkeit in Amahrs Inneren langsam aufzufressen und zu verdrängen. Er fühlte ein inneres Aufschreien in sich, dass sich fast in einem Brüllen entlud, welches er allerdings schluckte und unterdrückte. Der Glanz schien aus seiner schuppigen Haut zu weichen. Das scheinende Gold seiner Haut, verdunkelte sich langsam zu matt schwarz, gemeinsam mit seinem Gemüt. Die helleren Hautpartien von Hals, Brust, Bauch und Flügelhäuten färbte sich zu einem dunklen, asphaltarigen Grauton und er schloss die Augen im Versuch, seine Emotion zu bändigen.

„Und wer glaubst du eigentlich zu sein, um solche Entscheidungen alleine zu treffen, Lung? Sein kleines Spielzimmer zu öffnen, in dem er sich und andere nicht gefährdet. Wie...?
Wir brauchen einen Krieger und keine Münze, die auf der Kante kreist!“

Amahr wendete sich langsam, aber in einer fließenden Bewegung zu dem erbosten Feuerdrachen herum. Die noch immer geschlossenen Augen öffneten sich und fokussierten seinen alten Kampfmeister mit einem weißen, leeren Schein in ihnen. Dieser stand ihm abgewendet und mit Blickrichtung zum sanften Wind, als wolle er ihm die Stirn bieten und herausfordern. Ein wahrer Hühne war er. Fast einen Kopf größer als er. Dunkelrote Schuppenhaut spannte sich über Nacken, Kopf, Beine, Gesicht und seine breiten Schulter. Darunter zuckte seine imposante Muskulatur mit jeder seiner wilden Gestiken, mit denen er seine Worte begleitete. Schwarze Hörner ragten aus seinen Hinterkopf und ebenso dunkle Klauen zierten seine je vier Zehen und Finger. Hals, Brust und Unterleib besaßen einen grauweißen Ton wie verbrannte Kohle und Amahr erinnerte sich an seine stechend goldenen, katzenartigen Augen, in denen stets ein Glanz der Wildheit, des Stolz und der Selbstgefälligkeit zu leuchten schien.

Eine Narbe zog sich über die linke Wange des Feuerdrachens und Amahr erinnerte sich an den ersten Angriff nach Monaten des Trainings, mit dem er den Veteranen überraschen konnte. Wie er damals blutend dastand und herzhaft zu lachen begann, bevor er seine Fortschritte lobte. Fengar scherzte oft, dass ein Schlag ins Gesicht, auch eine Methode wäre, um sich näher zu kommen. Er war hart und gestählt, aber nicht grausam. Sein raues Auftreten schien sich ihm gegenüber zu ändern. Zumindest außerhalb der Arena und in Momenten, in denen sie unter sich waren. Der Rote hätte sich die Wunde auf magische Weise heilen lassen können, doch er trug sie als Zeichen des Erfolges seiner Arbeit. Sein Stolz verbat es ihm, jedem Schwäche und Sanftmut zu zeigen. Er hatte einen Ruf zu verlieren und fürchtete auch um den Respekt, mit dem man ihn entgegentrat.

Amahr hatte einst seine Anerkennung erlangt und würde es erneut schaffen. Mit gesenktem Kopf und schnellen Schritten näherte er sich seinem früheren Meister und stieß mit der Schulter an die Seine, während er ihn mit einem provokanten Blick zurück passierte und einige Meter vor ihm innehielt. Der Stoß war kräftig genug, um selbst den starken Fengar sanft ins Wanken zu bringen. Dieser knurrte verärgert: „Für wen hältst du dich...Kleiner?“
Der scharfe Ton wich dem der Verwunderung und die letzten Worte wirkten fast sachte ausgesprochen, ruhig und nachdenklich, als er die Veränderung bemerkte.

„Ich bin nicht mehr euer Schüler und außerdem nicht in der Stimmung für euren Zank! Beantwortet mir meine Fragen. Auf den Punkt und direkt. Wer baute diesen Ort? Was passierte mit Septis und was zur Hölle geht hier vor?“, knurrte der nun schwarze Drache im härteren Tonfall.

„Zumindest hört er zu...“, flüsterte der Wind zu Fengar und sein verärgertes Gesicht wich einem triumphanten Lächeln, als wolle er stumm ausdrücken, er habe es doch gesagt. Wissend, dass dies das Höchstmaß an Zustimmung des Lungs zu seinen Methoden darstellte und wie schwer es ihm über die Lippen gehen musste.

„Du kennst die Region. Sie nannten sie das flüsternde Tal. Friedlich und abgelegen. Wiege der Hoffnung für diejenigen, die die Stammeskriege leid waren. Jene die hier siedelten, kamen um einen sicheren Hafen zu finden und was sie fanden... naja man könnte sagen andere, die die selbe Idee hatten. Aller Art und von überall her. Es dauerte Generationen. Erst loser Handel, dann Bündnisse und... Ihr sich entwickelndes Sozialverhalten ist faszinierend...“

Amahr hob eine Hand um ihn Einhalt zu gebieten. Im Wissen, dass solch ein Satzbeginn meist den Damm brach, der den Redefluss eines Gelehrten staute. Er sah über die andere Schulter zurück zu Fenger, der bereits jetzt begonnen hatte, ungeduldig von Seite zu Seite des Weges zu laufen, während sich sein scharfer Blick in den Rücken des Schwarzen bohrte und diesen stets fokussierte.

„Was mit Septis passierte? Dasselbe wie mit deinem kleinen Freund da und vielen Anderen! Berührt von...“, knurrte der Feuerdrache und unterdrückte den Drang es auszusprechen. Gewarnt und informiert von Tao, dass dieses Thema Amahrs Verwirrung verstärkte und jedes Mal aufs neue weckte. Bemüht um den ruhigsten Tonfall, den er sich abringen konnte, sprach er weiter.
„Und du hattest die Chance, das Problem zu lösen, bevor es zu einem wurde.“

Der jüngere Drache wendete den Blick ab und sah nach vorne. Gedankenverloren starrte er in die leere Gasse. „Sie ist meine...“, hauchte er leise und blinzelte. Das weiße Leuchten in den Augen schien zu schwinden und die normale, grüne Farbe zurückzukehren.

„Nein ist sie nicht und du weißt das!“, fauchte Fengar und wurde vom Wind an einem erneut impulsiven Ausbruch gehindert.

„Fengar, bitte! Gib mir einen Augenblick mit ihm!“, flüsterte Taos Stimme von weit her. Der Rote wendete sich mit einer abfälligen Handbewegung ab und entfernte sich ein paar Schritte von Amahr.
„Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!“, brummte er und schien aber einverstanden. Sentimentales war nie seine Stärke.

„Drachen weinen nicht. Du hast es getan. Letztes Mal als du in diese Welt gingst, um die Mondsänger aufzusuchen, ließt du auf deinem Weg nach Hause etwas zurück. Du schmecktest die Freiheit und das Gefühl zurückzukehren, zerbrach etwas in dir.“

„Es war nur eine Träne. Wie sollte ich wissen...?“, flüsterte Amahr mit gesenktem Blick.

„Wie könnte es irgendwer erahnen? Unbemerkt und voll deiner inneren Leere muss sie gewesen sein. Der Dämon, der an deinem Herzen nagte. Ein Teil von ihm oder ihr bliebzurück, wo der Tropfen auf die Erde fiel. Schwach und unscheinbar. Es dauerte eine Weile, bis es sich verbreitete. Gefressen von den grasenden Herden, weitergegeben durch ihr Fleisch an die Jäger. Ich glaube Septis wurde von etwas oder jemandem überrascht, als sie am Bergsee nach innerer Ruhe suchte. Es war ihr liebster Ort in diesem Land. Ich denke du spürtest, dass etwas nicht stimmt, als sie nicht zurückkehrte und das Gefühl verstärkte sich, als Fengar ebenfalls ging. Das Ganze brach in zwei Hälften auf deiner inneren Suche nach Schuld. Es ist ein Teil von dir, aber nicht deine Schwester. Du weißt das, aber ich glaube du suchtest nach einer Rechtfertigung, um nicht mehr zu kämpfen.“

Amahr seufzte leise. Nicht wissend ob die Nachricht, dass Septis am Leben war erfreulich oder beängstigend sein sollte. Unter dem Einfluss seines dritten Aspekts, der sich von ihm löste, war sie eine gefährliche Waffe, die dazu beigetragen haben musste, die graue Träne durch das Wasser zu verbreiten. Er erinnerte sich an den Tag, an dem er von den Mondsängern zurück in den Thronsaal kam und Taira seinen bedrückten Gesichtsausdruck bemerkte. Sie leckte tröstend seine Wange, wie sie es immer tat, wenn er Halt brauchte. Ihre ruhigen und stets aufbauenden Worten waren immer ein Quell der Kraft für ihn. War sie ebenfalls befallen und war dies alles seine Schuld? Nein!

„Es ist eure Schuld!“, knurrte er und starrte erbost ins Leere.
„Ihr konntet euren Pfad wählen! Ich wurde dafür geboren! Keiner fragte, ob ich wollte! Mein Weg war vorbestimmt und...“, sagte er mit sanft bebender Stimme, die geprägt war von seiner sanften Seite. Ebenso lag viel Zorn und Unmut in seinen Worten. Selbst Fengar blieb still und abgewendet stehen, verbarg seine Augen und begann letztendlich, sich langsam zu entfernen.

„...und es war ein Fehler! Wir hatten nicht rechtzeitig erkannt, was dich plagt. Wir versuchten zu dir durchzudringen, aber du warst so vertieft in deine eigene Welt.
Fengar? Wo gehst du hin?“, Taos Stimme klang sorgenvoll und bedrückt.

„Nach Norden! Dort ist eine Brücke, die über den Fluss Myrr in den nördlichen Teil der Stadt führt. Der Ort an den es all die grauäugigen Bastarde zieht! Die unberührten versuchten dort eine Blockade zu errichten, um ihre Leute zu schützen. Ich muss tun, was ich plante, bevor er meine Hilfe brauchte!“, knurrte er. Der Feuerdrache klang entschlossen und bereit, zum Äußersten zu gehen, als er sich immer weiter entfernte.

„Ich kann verstehen, dass du böse auf uns bist. Worte können diesen Schmerz nicht heilen, aber ich bitte dich: Bewahre ihn davor, etwas Dummes zu tun. Du verstehst die Natur unseres Feindes. Wir brauchen deine Hilfe! Ein letztes Mal!“

Amahr zögerte mit seiner Entscheidung. Es gab Zeiten in seinem Leben, in denen er Fengar verachtete, doch irgendwo unter dessen harter Schale, steckte ein guter Kern, den es zu bewahren lohnte. Zudem war er nicht bereit, einen weiteren Kameraden zu verlieren.

„Ein letztes Mal!“, sagte er leise und folgte seinem früheren Kampfmeister.
 

Larc

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Ich habe einen Prolog verfasst, den ich standesgemäß vor Part 1 im ersten Post der Story eingefügt habe. Nachgereicht soll er den Einstieg in die Geschichte und deren Welt erleichtern und im Vorfeld ein paar Verhältnisse klären. Ich hielt es für eine stimmige Idee ihn wie eine Art Eintrag in Lung Taos (einer der Hauptcharaktere) Journal zu schreiben und auf diese Art bereits im Vorfeld erklärend auf die Charaktere einzugehen. Quasi ein Schritt zurück zum Anfang, bevor es weitergeht. Die meisten Reaktionen bislang waren positiv, aber über die Stimmen, die erwähnten, dass es anfangs etwas schwer ist, die Zusammenhänge zu sehen, haben mich dazu gebracht, einen Schritt zurückzugehen.

Amahrs Erinnerungen in Part 3 wirkten mir etwas zu dünn, um der Komplexität der ungeschriebenen Hintergrundgeschichte gerecht zu werden. Demnächst folgt eine Illustration von meinem Protagonisten.

Ebenfalls gibt es eine kleine Preview auf die Illustration, die demnächst mit der Vollwertigen ersetzt wird.
Ich freu mich drauf, wie auch auf jegliche Form von Feedback!


Noch immer bin ich sehr verwundert über die hohe Anzahl der Klicks hier.
Fortschritt gibt es bald. Der fortführende Part ist gerade in Arbeit und bald fertig sein.
 
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Zalasus

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Das hat sich ja richtig gelohnt mal wieder vorbei zu schauen.

Du hast einen echt genialen Schreibstil, muss ich schon sagen. Sprache und Story sind großartig, darauf kannst du echt stolz sein. Freue mich schon auf die nächsten Teile :)
 

Larc

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Vielen Dank!
Es freut mich, dass dir meine Geschichte gefällt! Solches Lob geht runter wie Öl!:lol:
Werde mein Möglichstes tun um dranzubleiben. Ohne zu spoilern, kündige ich an, dass es im nächsten Part einen kleinen Wechsel der Perspektive gibt, der den Nebenplot zur Drachengeschichte um Amahr und seinem einstig inneren Dämon erzählt. Der geschichtlich betrachtet junge Stadtstaat und seine Bewohner, die im Angesicht der Bedrohung durch die Berührten vor einer Feuertaufe stehen, wird auch eine Rolle spielen.

Wichtige "Nebenrollen" werden beleuchtet. Darunter eine engagierte Katzendame, ein junger Wolf, der mit den Traditionen brach, um sich selbst zu verwirklichen. Ich möchte einfach noch eine andere Perspektive aufs Geschehen geben, bevor ich die Stränge zusammenführe. Vielleicht etwas viel Buildup, aber ich möchte meine Charaktere etwas beleuchten, bevor es dann zur Action kommt.^^

Der Titel des Parts wird lauten:

Augen die nicht sehen
 

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