Der Circus des Friedens

S. Cambion

Frischling
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20 Jul 2010
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17
Morgen zusammen!

So viele schöne Geschichten habe ich hier schon gelesen und da frage ich mich, ob meine Werke sich vielleicht auch einen Platz hier verdienen können.
Allerdings bin ich mir noch sehr unsicher, da es ansich das erste mal ist, das ich meine Geschichten nur auf einer rein deutschen Seite veröffentliche. Ich würde euch daher vielleicht bitten, ob ihr mir mit Kommentaren und Kritik meinen Schreibstil bewerten könnt, da ich mir eben noch sehr unsicher bin.
Aber weiter will ich euch auch nicht langweilen. Hier ist der Auftakt zu meiner ersten großen Geschichte. Wenn sie euch gefällt, schreibe ich sie weiter. :)

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Vorwort:
Die Geschichte "Der Circus des Friedens" handelt über eine turbulente Zeit in naher Zukunft, in der sowohl der Einzelne, als auch die Masse viel Leid, Kummer und Elend, aber auch Momente des Glücks und der Hoffnung durchleben müssen.
Die ganze Welt wird auf eine harte Probe gestellt, denn es geht um Krieg, Konflikt und Hass, aber auch um Zusammenhalt, Erkenntnis und Liebe...
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Der Circus des Friedens


Prolog



Flint, eine mittelgroße Stadt 95 Kilometer nordwestlich von Detroit (Michigan)
Mitte Juni 2025, früher Mittag

»Mrs. Josephine Ashbury! Hiermit beglückwünschen wir sie, sie als erfolgreiche Absolventin der Kettering-University im Bereich Computersciene und Computerengineering! Treten sie bitte vor, um ihre Urkunde entgegen zu nehmen!«
Die Worte des Universitäts--Präsidenten dröhnten laut in den Ohren der schwarzen Katze, als sie aufgerufen wurde und mit bebendem Körper aus der Reihe ihrer Mitstudenten nach vorne trat, um ihre Abschlussurkunde entgegen zu nehmen.
Ihre großen und grünen Augen staunten nicht schlecht über die versammelten Eltern, Familienangehörigen und Bekannten, die sich extra für die Abschlussfeier aus allen Teilen des US-Bundesstaates Michigan eingefunden haben, um ihre Sprösslinge für das bestandene Studium zu ehren und zu beglückwünschen.
Es kam Josephine wie ein Traum vor. Vier Jahre lang hatte sie für ihren Abschluss geschuftet und nun wurde es ihr neben der wichtigen Urkunde mit einem festen Händedruck des Präsidenten und dem schallenden Applaus der Zuschauer vergolten.
Obwohl sich die Zweiundzwanzigjährige eigentlich freuen sollte, hatte die ganze Sache einen bitteren Nebengeschmack. Aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise war es so gut wie unmöglich, mit einem durchschnittlichen benotetem Collegeabschluss eine Ausbildung als Computerspezialistin zu finden, weshalb sich Josephine von ihrem Vater auch zu etwas drängen ließ, was ihr überhaupt nicht gefiel: Dem Eintritt bei der United States Army!
Schon vor Wochen hatte sie ihren Einberufungsbescheid erhalten, in dem sie zu der 101. US-Luftlandedivision zugeteilt wurde.
Sie hasste ihren Vater dafür, denn obwohl sich eine neue internationale Friedenszeit ankündigte, mochte sie das Militär überhaupt nicht und deshalb hatte sie sich schon fest vorgenommen, nach ihrer Grundausbildung um einen Posten im Büro zu ersuchen. Immerhin wollte sie das beste aus ihrer Situation machen und außerdem bezahlte die Army nicht schlecht. Schließlich war alles besser, als arbeitslos irgendwo in der Stadt vor sich hin zu vegetieren.
Aber jetzt war nicht die Zeit, um sich über eine unschöne Zukunft Gedanken zu machen. Jetzt war erstmal der Tag, an dem sie für ihre Mühen entlohnt wurde und einen ordentlichen Grund zum Feiern hatte.
So verbeugte sich die Katze höflich vor dem klatschenden Publikum und reihte sich mit einem fröhlichen Lächeln wieder zwischen den anderen Absolventen ein.

Nach den offiziellen Feierlichkeiten suchte Josephine ihre Familie, die sich auch schon am Rand der Bühne postiert hatte, um sie mit Lob und Glückwünschen überhäuften.
»Hey, da ist ja unsere Hochbegabte!« rief die Mutter der College-Absolventin stolz und umarmte ihre Tochter freudig.
»Ach, Mom! So gut bin ich nun auch wieder nicht! Hat ja nicht mal für einen Ausbildungsplatz gereicht!« wehrte die schwarze Katze ab und erwiderte die herzliche Begrüßung.
»Nun mach dich mal nicht selber schlecht, Jo! Hier einen Abschluss zu erhalten ist schon etwas, worauf man wirklich stolz sein darf. Das es zur Zeit keine freie Stelle auf dem Markt gibt ist nicht deine Schuld!« hielt ihr Vater dagegen und und klopfte der Zweiundzwanzigjährigen anerkennend auf die Schulter.
»Du hast recht, Dad! Danke!«
»Und, was willst du jetzt machen? Immerhin ist heute dein Tag und du sollst bestimmen, was du machen willst.« fragte Josephines Mutter wieder und entließ ihre Tochter aus der Umarmung.
»Ich denke, ich möchte jetzt mit euch nach Hause fahren und heute Abend ganz schick essen gehen!« erklärte die schwarze Katze, die schon genau wusste, in welches Restaurant sie wollte.
»Aber was ist mit dem Abschlussball? Willst du denn nicht zu deinen Freunden gehen und mit ihnen Feiern?« fragte ihr Vater wieder und runzelte verwundert die Stirn.
»Ach, die Meisten die dort hin gehen sind Langweiler und Idioten! Ich will den Abend lieber mit euch verbringen!«
»Na schön, dann sollten wir jetzt nach Hause fahren und schon einmal einen Tisch vor reservieren.« Schlug Jo's Mutter vor und ließ ihre Tochter zwischen sich und ihrem Mann gehen.
Die Katze sollte einen ruhigen und friedlichen Abend im Kreis ihrer Verwandten verbringen.



Ungeachtet der Feierlichkeiten in den vereinigten Staaten herrschte auch im nordrhein-westfälischen Duisburg Partystimmung, denn für den 20 jährigen Marder Sebastian Voss war es der letzte Abend als Zivilist. Obwohl er ursprünglich in einer Werkstatt als KFZ-Mechatroniker arbeiten wollte, musste er wegen Rationalisierungsmaßnahmen leider aus dem Betrieb entlassen werden, weshalb ihm der Dienst bei der Bundeswehr gerade gelegen kam.
Er machte sich nicht viel aus dem Verlust seines Arbeitsplatzes, denn glücklicherweise hatte er seine Ausbildung bereits vollendet und freute sich auf seinen Dienst in der Armee.
»Basti! Was soll ich zuerst auf den Grill legen?« hallte die Frage seines Bruders durch die Balkontür, der bereits mit einer weißen Schürze und einer hölzernen Zange vor dem kleinen Kugelgrill stand und auf eine Antwort wartete.
»Schmeiß mir bitte mal ein Holzfäller drauf!« antwortete der Marder und bürstete sich das dunkelbraune Fell.
»Na, schon aufgeregt?« fragte der Freund seiner Mutter, der ebenfalls seit 10 Jahren bei der Marine war und ihn für die Entscheidung zum Heer zu gehen nur beglückwünschen konnte.
»Nö, nicht sonderlich! Augustdorf ist ja nicht allzu weit weg.« entgegnete der Jugendliche gelassen und legte die Fellbürste bei Seite.
»Hättest du auch keinen Grund zu! Bei den Panzergrenadieren macht das doch Spaß!« frotzelte Sebastians Gegenüber, der genau wusste, wie sehr ihn die Tatsache auf die Palme brachte, dass er nicht bei den Instandsetzern untergekommen war.
»Ach halt's Maul, Andre! Alle mal besser als so ein scheiß Heizer auf 'nem Fischkutter zu sein!« konterte der junge Marder und streckte dem grummelnden Schäferhund die Zunge entgegen.
»Hör auf, dich mit Andre zu streiten! Du weißt, das die Sicherung der Staatsgewässer seit Gründung der “EuroDem“ unerlässlich ist!« antwortete Sebastians Mutter, die hustend und schwer atmend aus dem Schlafzimmer dazu kam.
»Keine Sorge, mein Schatz! Diese dreckigen Commonwealth-Sympathisanten sollen bloß zusehen, dass sie in ihren Löchern bleiben!« prahlte der Schäferhund und reichte seiner an Grippe erkrankten Geliebten das Fläschchen mit dem Hustensaft.
Sebastian aber sah das ganze nicht so optimistisch. Es war erstaunlich, wie sich die Welt in den letzten drei Jahren gewandelt hatte...

Seit dem endgültigen Sieg über die Terroristen des nahen Ostens im Jahre 2015 war Frieden in der Welt eingekehrt. Die globale Stimmung war sogar so gut, dass sich China mit den anderen fernöstlichen Staaten und Ozeanien zu einer neuen Supermacht formiert hatte, die international als “United Republics of Eastern States“, oder einfach nur “URES“ bekannt war... sehr zum Ärger vieler westlich orientierter Nationen, wie die ehemalige europäische Union und die USA.
Die URES hatte nämlich die fixe Idee, nach dem Niederschlag der terroristischen Bedrohungen im nahen Osten eine einzige geeinte Weltregierung an die Spitze zu setzen, in der es nie wieder Armut oder Benachteiligung geben sollte.
Das Misstrauen über diese scheinbar friedliche Ideologie war vor allem in den wohlhabenden europäischen Ländern so groß geworden, dass sie die EU am Anfang des vergangenen Jahres auflösten und das “West-European-Commonwealth“ gründeten, um sich von den übrigen URES-sympathischen Staaten abzuschirmen, wozu neben den Beneluxländern und Schweden auch die Bundesrepublik Deutschland gehörte.
Die von ihren ehemaligen Verbündeten ausgeschlossenen Nationen gründeten darauf als Antwort die “European-Democracy“, um sich ein Beispiel an den friedfertigen Idealen der Ost-Asiaten zu nehmen und ihre Sache politisch, sowie wirtschaftlich zu unterstützen.

Somit stand für den jungen Sebastian fest, das er lieber auf der Seite der Friedens- und Freiheitskämpfer stehen wollte, als sich mit den zwielichtigen Franzosen oder Amerikanern einzulassen. So ganz hatte der zwanzigjährige Marder allerdings nie hinter diese ganzen Ränkespiele blicken können, weshalb er sich eine einfache Faustregel eingewöhnte: Schweden, Deutschland, die Beneluxländer und alles, was sich östlich von ihnen befand, harmonierte mit Ostasien, wogegen alles, was westlich von ihnen lag lieber an dem eigenbrötlerischen Einzel-Nations-Wahn fest hielt.
Die Vorteile zeigten sich schnell, denn die Wirtschaft der Euro-Demokraten stieg rasant mit dem Wachstum der politischen Beziehung zu den URES an, was sich in langsam sinkenden Preisen für alle Konsumwaren und der allmählich zurückgehende Arbeitslosenzahl zeigte.
Sebastian gefiel diese Entwicklung, denn endlich gab es eine Weltordnung, an die er glauben konnte und für die es sich sogar lohnte, zu kämpfen. Egal, wie viele Aufstände in einzelnen Städten aufkeimten, die mit dem internationalen Verhältnis zu Asien unzufrieden waren. Sie würden auch bald von der Falschheit ihres Tuns überzeugt sein und die Vorteile einer geeinten Welt akzeptieren.
Darauf, so nahm sich der Marder vor, wollte er heute Abend noch anstoßen!



Im australischen Brisbane war es inzwischen Drei Uhr morgens und der neunzehnjährige Dingo namens Charlie Axfield genoss seine erste Nacht Urlaub. Vor zwei Jahren war er der Royal Australian Navy beigetreten und hatte sich mit seinem Bruder dank besonderer Beziehungen dort bereits zu einem Corporal bei den Marine-Infanteristen hoch gearbeitet.
Nun genoss Charlie einen Blick in den winterlichen Nachthimmel und erfreute sich dabei an einer Tasse heißer Schokolade.
Die globale Entwicklung hätte in den vergangenen zwei Jahren nicht besser sein können! Dank dem Beitritt seines Landes in die URES florierte die landesweite Wirtschaft und mit China und Japan hatten Australien und Neuseeland neue mächtige Verbündete, die die in letzter Zeit sehr konservativ eingestellten USA ablösten.
»So spät noch auf, Charlie?« fragte plötzlich die vertraute Stimme seines Bruders Michael von hinten.
»Ist es nicht merkwürdig? In so kurzer Zeit hat sich ein so völlig neuartiges Weltbild entwickelt! China öffnete sich der Welt... Japan begrub seine alten Feindseligkeiten mit den übrigen asiatischen Ländern... und in weniger als 3 Jahren wird eine neue mächtige Weltmacht geboren.« beschrieb der Neunzehnjährige und schaute weiterhin gebannt in den Nachthimmel.
»Das stimmt, aber trotzdem müssen sich die westlichen Nationen mal wieder quer stellen... so, als ob sie vor uns Angst hätten...« begann Michael düster.
»... oder eifersüchtig sind!« fiel der Dingo seinem Bruder ins Wort und grinste souverän. »Jetzt, wo sich das Gleichgewicht verlagert hat, verreckt denen im Westen ihre Wirtschaft. Sie wollen natürlich auch etwas von unserem Kuchen ab haben, aber ihre Zeit ist nun endgültig um.«
»Weiß du irgendwas, das ich auch wissen sollte, Charlie?« fragte der andere Dingo ruhig und zog sich seine Jacke enger.
»Nur das, was viele bereits munkeln, Mike... Nur die üblichen Gerüchte...« murmelte der Neunzehnjährige abwesend und fixierte einen Punkt am Himmel
»Und, wie viel glaubst du von den Gerüchten?«
»Das kommt ganz darauf an, wer sie in die Welt setzt...« antwortete Charlie auf die Frage seines Bruders und beobachtete, wie einer der Sterne immer schwächer leuchtete, bis er schließlich verschwand.



© Skylar Cambion, ACRE-Corporation
 

MaleLion

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Ein schöner Anfang für eine lange Geschichte. Die Ausgangssituation ist interessant, daraus kann sich viel entwickeln. Es liest sich angenehm. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.
 

Kiaran

Guest
Hört sich gar nicht so schlecht an. Bin aufgedenfall gespannt wies weitergeht
 

S. Cambion

Frischling
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17
Danke, das ist sehr motivierend! Ich weiß zwar noch nicht, wann ich dazu komme, aber das erste Kapitel wird auf jeden fall noch diesen Monat kommem. :)
 

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