Das Kind und der Fuchs

Mystic_wolf

Frischling
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Ich habe mal in einer "schweren" Phase eine Geschichte geschrieben. Ich bin jetzt wirklich kein Schriftsteller, aber sie hat Bezug zu Tieren und so will ich sie Euch nicht vorenthalten. Es dürfte so 2011 gewesen sein, als ich sie schrieb.
Das Problem ist, dass ich den Text als Eintrag leider nicht passend gliedern kann. Oder ich bin zu blöd dafür^^
Naja, vielleicht gehts auch so.

Das Kind und der Fuchs
Es war einmal eine wohlhabende Familie, welche am Rand einer großen Stadt in ihrem Haus wohnte. Das Haus war modern gebaut, hatte einen ersten Stock, große Glasfenster und ein flaches Dach. Die Räume waren hell und freundlich eingerichtet. Eine edle Küche mit basaltschwarzem Bodenfließen und moderner Edelstahloptik. Ein Wohnzimmer mit echtem Parkett, dunkler Ledercouch und moderner Hi-Fi Anlage. Ein Lesezimmer mit vollen Bücherregalen und gemütlichen Leseecken. Einem ausgebauten Keller mit Fitnessraum, Solarium und Sauna. Sogar eine kleine Werkstatt war eingerichtet, in der der Vater seiner Bastelleidenschaft nachging. Das Zimmer für das junge Kind der Familie, war im ersten Stock, neben einem prachtvollen Badezimmer komplett in weiß. Das Kinderzimmer hatte einen Vollholzschreibtisch. Ein Bett mit vielen Stofftieren. Überall waren Spielsachen am Parkettboden verstreut. Legoburgen wachten von den Kleiderschränken und kleine Raumschiffe hingen im Raum. Auch der Junge hatte die Modelleidenschaft seines Vaters geerbt. Poster schmückten die Wand, auf denen ganze Heerschaaren von fantastischen Fahrzeugen zu sehen waren. Generell war das gesamte Haus passend mit Bildern und Dekorationen geschmückt. Die Mutter liebte es, mit neuen Ideen in der Einrichtung zu spielen. Das Haus mit seiner weißen Fassade, war von einem großen Garten umgeben. Ein grüner Rasen mit einem automatischen Rasenmäher, ein großer Schwimmteich mit einem kleinen Wasserfall, Beerensträucher und großen Bäumen. Eine ausladende überdachte Granitsteinterrasse mit Gasgriller, Hängematte und Sitzbereich. Ein kleines Gartenhäuschen, versteckt hinter Blumensträuchern. Die Familie lebte hier in Zufriedenheit und Geborgenheit. Der Vater hatte eine hohe Position in der Finanzwirtschaft inne und die Mutter leitete eine medizinisch wissenschaftliche Abteilung in einem Institut in der Stadt. Beide waren oft bis spät in der Nacht in der Arbeit und so war es das Kind gewohnt alleine zuhause zu sein. Der Junge, welcher bald in ein Gymnasium kam, vertrieb sich die Zeit mit seinen Freunden oder mit seinen Spielsachen. Er wurde schon früh auf Selbstständigkeit erzogen und hatte Freude in seiner Freiheit. Eines Abends kam der Junge erschöpft nach Hause. Er war oft mit seinen Freunden im nahegelegenen Wald, bei ihrem Lager. So manches Mal musste der Vater den Jungen holen, weil er auf das Essen vergaß. Aber es hatte auch etwas Gutes, denn auch die Eltern wünschten sich an manchen Tagen etwas Ruhe nach der Arbeit und so war es ihnen willkommen, wenn sich der Junge richtig austoben konnte. Die Eltern bereiteten gerade das Abendbrot zu und der Junge begann den Tisch zu decken. Während dem Essen erzählten sie von ihrem Tag, lachten und waren zufrieden. Der Junge erzählte von seinen Erlebnissen im Wald und die Eltern hörten gespannt zu. Ein gewisses Funkeln in den Augen des Vaters, ließ seine Frau immer wieder erkennen, dass auch er noch am liebsten mit seinem Sohn im Wald spielen würde. Die Eltern sorgten sich sehr um ihr Kind. Sie waren immer da, wenn man sie brauchte, erklärten, hörten zu. Wenn es ihre Freizeit zuließ, spielten sie mit ihrem Kind, gingen spazieren, machten Ausflüge. Der Vater beriet sich oft stundenlang mit seinem Sohn über neue Basteltechniken und die neuesten Modelle. Die Mutter verstand es ihrem Sohn Geschichten zu erzählen, mit ihm zu zeichnen und zu träumen. Der Junge fühlte sich geborgen und geliebt. Es war eine friedliche und harmonische Familie. Nach dem Essen brachte der Junge der Mutter das Geschirr und räumte den Tisch ab. Anschließend bekam er noch von jedem einen Gute Nacht Kuss und ging in sein Zimmer. Nach dem Zähne putzen wurde der Junge auch schon sehr müde, sodass er sich schnell in sein Bett zu seinen Kuscheltieren kuschelte. Bald schlief er ruhig ein. Plötzlich wurden seine Träume unruhig, gar hässlich. Er wachte auf und war verwirrt. Als er das Licht anschalten wollte bemerkte er eine Gestalt vor seinem Zimmerfenster. Sie war nicht recht groß, doch deutlich zu erkennen. Die Dunkelheit der Nacht und die Wolken, welche den Mondschein trübten ließ ihn nicht mehr erkennen. Das war jetzt aber zu viel für den Jungen und er verkroch sich unter die Bettdecke. Kein Auge brachte er mehr zu, ständig die Angst im Nacken, was denn da draußen saß. Nach einer Weile blinzelte er vorsichtig durch den Rand der Decke. Die Gestalt war immer noch da. Keinen Zentimeter hatte sie sich gerührt. Schnell schloss er den Spalt wieder. Er wartete wieder ein bisschen und blinzelte erneut. Keine Veränderung. Jetzt nahm der Junge seinen ganzen Mut zusammen und ging Richtung Fenster. Zuvor sprang er noch zum Lichtschalter, denn im Licht war es nicht mehr gar so unheimlich. Als er sich dem Fenster näherte, blickten ihn zwei silbrig funkelnde Scheiben an. Nicht größer als eine Münze. Am liebsten hätte der Junge laut losgeschrien, aber er verdrückte sich seine Panik. Langsam näherte er sich. Die Gestalt hebte sich immer mehr von der Dunkelheit der Nacht ab. Ohren waren zu erkennen. Feuchte Tropfen auf der Fensterscheibe. Aus dem Schwarz wurde ein Grau. Aus dem Grau ein Weis. Es war ein Fuchs, welcher da vor seinem Fenster saß. Verwundert betrachtete der Junge das Tier durch die Scheibe. Wie kam es hier rauf? Warum läuft es nicht weg? Langsam griff er nach der Fensterklinke. Der Fuchs rührte sich nicht. Er verfolgte nur jede Bewegung des Jungen. Vorsichtig zog er das Fenster zu sich bis es vollständig geöffnet war. Warme Spätfrühlingsluft strömte herein. Ein angenehmer Geruch von Feuchtigkeit und Erde lag in der Luft. Der Fuchs rührte sich nicht, sondern schaute den Jungen nur an. Er schaute ihm direkt in die Augen. Der Junge empfand keine Angst mehr, er erwiderte den Blick. Er fühlte eine tiefe Ruhe in sich. Plötzlich, aber ohne Hast, richtete sich der Fuchs auf und sprang durch das Fenster auf den Boden im Zimmer. Jetzt sah der Junge sein prächtiges rotbraunes Fell. Seinen buschigen Schwanz. Sein weißes Brustfell. Der Fuchs hinterließ kleine feuchte Abdrücke auf dem Parkettboden. Geschickt umging er die Hindernisse, welche ihm die Spielsachen bereiteten. Mit einem elegant sanften Sprung blieb er auf dem Schreibtischsessel sitzen. Der Junge überlegte kurz, ob er das Fenster schließen solle, ließ es dann aber doch offen. Er empfand die Luft als angenehm und wollte seinen Besucher nicht einsperren. Langsam ging er zu seinem Bett und setzte sich an dessen Kante. Der Fuchs ließ ihn keinen Moment aus den Augen. Der Sessel war unweit von ihm entfernt und so musterte er den Fuchs genauer. Stolz reckte der Fuchs seine Brust hervor, so als wüsste er was der Junge tat. Sein schneeweißes Brustfell war leicht bräunlich schattiert. Kaum zu erkennen, aber doch deutlich. Sein rotbraunes Fell wies keine Spur von Schmutz auf. Es spiegelte sich leicht im Licht. Die schwarzen Schnurrbarthaare und ein bisschen seiner scharfen Zähne waren zu sehen. So als würde er fast grinsen. Die Krallen seiner Vorderläufe, unscheinbar aber dennoch sehr gefährlich. Die großen Ohren, mit ihren ins beige gehenden Innenfell. Die schwarze kleine Schnauze glänzte matt im Licht. Und die braunen Augen. Diese Augen, welche ihn ebenso genau musterten. Dieser gestochen scharfe Blick seiner Linsen. Hier spiegelte sich das Licht deutlicher. Der Junge empfand Respekt vor diesem Tier. Und auch war er ein bisschen stolz, von so einem edlen Tier besucht zu werden. Aber er verstand noch immer nicht, was das Alles sollte. Warum besuchte ihn ein Fuchs, mitten in der Nacht und schaut ihn an? Warum kommt ein wildes Tier, hier in sein Zimmer ohne Anstalten zu machen ihn anzugreifen oder zu flüchten? Warum empfand er so eine Gelassenheit und Sicherheit im Blick des Fuchses? Und dann auf einmal, ohne dass sich der Fuchs rührte, hörte er diese Stimme. Er hörte eine Stimme in seinem Kopf, welche so klar zu ihm sprach, dass er keine Angst verspürte. Er war erfüllt von einer Ruhe und Wärme, welche er noch nie gefühlt hatte. Die Stimme sagte:“Gehen wir?“ Als ob es das Natürlichste auf der Welt wäre, stand der Junge auf, ging leise hinunter zur Garderobe, holte Schuhe und Jacke und öffnete die Haustür. Die Eltern schliefen tief und fest, kurz noch ein Griff zum Hausschlüssel und er verließ mit dem Fuchs an seiner Seite das Haus. Draußen vor dem Haus war die Luft noch angenehmer als im Zimmer zuvor. Alles war in Dunkelheit gehüllt. Der Junge verstand es die Lichtsensoren des Hauses auszutricksen, denn es war nicht sein erster Ausflug in der Nacht. Nach dem Gartentor ging der Fuchs vor. Der Himmel war klar geworden und der Mond tauchte alles in ein mystisches Silber. Am Horizont war schon ein Anschein von Morgenröte zu sehen. „War es nicht gerade noch Mitternacht?“ fragte sich der Junge. Die Zeit ist wie im Flug vergangen. Sie gingen Richtung Stadt einen schmalen Weg entlang am großen Fußballplatz vorbei. Mittlerweile begann es schon deutlich zu dämmern, als sich der Weg durch zwei Häuser zwängte und auf eine belebte Straße traf. Der Junge kannte diese Abkürzung, da er schon oft Modelkleber für seinen Vater kaufen musste, wenn dieser ihm ausgegangen war. Es war ein gewohntes Bild für den Jungen. Autos welche stockend vorwärtskamen. Menschen welche entlang der Gehsteige hetzten, die Blicke auf das Handy oder Zeitung gerichtet. Starr liefen sie die Straße entlang. Der Geruch zeugte von Schmutz und Abgasen in der Luft. Die Menschen waren so wie die Straße meist in grau gekleidet. Jedes mal wenn der Junge in die Stadt kam, überkam ihm zu Beginn diese Abscheu. Es war nicht stark, aber er fühlte sich hier nicht wohl. Der Fuchs blieb kurz vor dem Gehsteig, in der Deckung der Häuser sitzen. Der Junge tat es ihm gleich. Niemand merkte die Anwesenheit der beiden. Eine Weile verging und der Junge schaute fragend zum Fuchs, dieser schaute auf die andere Straßenseite. „Warte“ sagte diese sanfte Stimme dem Jungen. Ein weiterer Moment verging. Der Fuchs blickte weiter auf die andere Straßenseite, da plötzlich hörte der Junge jemanden schreien. Er schaute ebenfalls zur gegenüberliegenden Seite und sah einen Mann zusammenknicken. Seine Knie knickten ein und er sackte zusammen. Der Junge riss die Augen auf, wollte schon losstürmen, da rief ihn die Stimme „Halt! Bleib stehen! Schau zu!“ Verwirrt über seine Gefühle, gar zerrissen, blickte er zum Fuchs, dieser schaute ihn an. Der Junge blieb stehen, auch wenn es ihm schwer fiel und der Fuchs blickte wieder zu dem Mann. Mittlerweile hatte sich eine Traube von Menschen um den Mann gebildet, aber wie durch einen Zufall blieb genau in seine Blickrichtung ein Spalt frei. Der Mann lag am Boden, schrie aus Leibeskräften, riss die Arme hilfesuchend nach oben. Er zerrte an Hosenbeinen, aber die Menschen traten zurück. Sie diskutierten wild miteinander. So laut das man es sogar der Junge hörte. Der Junge erschrak, als ihn der Mann anschaute. Wie konnte er wissen, dass er hier war? Und obwohl sicher mehr als zehn Meter zwischen ihm und dem Mann lagen, konnte er seine Augen genau sehen. Hilflosigkeit und Angst erkannte der Junge in seinem Blick. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals, aber er konnte sich nicht mehr bewegen. Er war starr vor Angst. Blut lief dem Mann aus der Nase und dem Mund. Er begann zu Husten und spuckte Blut und Schleim. So viel, dass sich sogar ein Rinnsal davon in einen nahe gelegenen Abfluss erstreckte. Der Blick der Menschen war hilflos, noch immer diskutierten sie heftig, ja sogar zum streiten fingen sie an. Das Gesicht und die Kleidung des Mannes waren mittlerweile komplett mit Blut überdeckt. Der Junge war kreidebleich geworden. Er zitterte am ganzen Körper. Schweiß trat auf seiner Stirn hervor, obwohl er noch so jung war. Der Fuchs blickte weiter auf den Mann. Dieser röchelte und gurgelte immer leiser. Und dann war Stille. Die Menschen hörten schlagartig auf zu diskutieren, so als hätten sie mit einem Ohr ständig dem Mann zugehört. Verdutzt schauten sie sich um, zogen ihre Köpfe tiefer in ihre Mäntel. Und dann ging sie weg, mit einem Ansatz von Peinlichkeit in ihren Augen. Nun blickte der Fuchs zum Jungen und dieser rannte los. Fast wurde er von einem Auto niedergestoßen, aber wie als wäre er ein Athlet galoppierte er über die Motorhaube. Als er dem Toten näher kam, schlug ihm ein Geruch von Blut, Schweiß, Urin und Kot entgegen. Er hielt kurz inne, da er sah, dass das Haar des Toten weis geworden ist. Die Augen weit aufgerissen und voller Angst. Der Mann kämpfte eine furchtbare Schlacht und er verlor sie. In diesem Moment überkam den Jungen ein solcher Hass und er rannte los. Direkt auf eine Person zu, welche zuvor bei dem Toten stand. Dieser kleine Junge, dieses kleine Kind riss mit einer so derartigen Gewalt an dem Mantel, dass die Person hart aufschlug. Der Junge erkannte, eine Frau. Schön geschminkt, wahrscheinlich gerade auf dem Weg zur Arbeit. Schmerzverzerrt öffnete sie die Augen und sah den Jungen an. Dieser kniete auf ihrer Brust, beide Hände zu Fäusten geballt. Die Frau wollte gerade zum Schreien ansetzen, als sie sich ihrer Lage bewusst wurde. Die Augen des Jungen, waren so scharf wie die des Fuchses und sie wusste würde sie in Panik geraten, wäre sie tot. „Ruhig. Beruhige Dich.“ sagte sanft die Stimme zum Jungen. Er blickte zum Fuchs, welcher jetzt neben ihm stand und ihn anschaute. Er beruhigte sich und stieg von der Frau. Diese richtete sich auf, wollte eigentlich schon zum Lauf ansetzten, da fragte sie der Junge, mit einer Reinheit in seiner Stimme: „Warum? Warum habt ihr ihm nicht geholfen?“ Der Frau lief ein kalter Schauer über den Rücken, denn der Junge, welcher ihr in die Augen sah, hatte einen reinen Blick. Sie wusste, sie konnte nicht ausweichen. „Angst. Ich hatte Angst.“ Der Junge sah sie noch einen Moment an und wendete dann seinen Blick abschätzig ab. Die Frau ging schnell ihrer Wege. Als der Fuchs und der Junge weitergingen, hörte man die näherkommende Sirene eines Rettungswagens. Sie gingen entlang der Straße. Beide Seiten waren von Häuserfronten begrenzt. Geschäfte und Wohnhäuser reihten sich endlos aneinander. Reges Treiben belebte diesen Ort. Man hörte das Piepen von Kassen, Handygespräche, sah Menschen mit Einkaufstaschen. „Der Verkehr ist ruhiger geworden.“ Dachte sich der Junge und blickte zur Sonne: „Es dürfte jetzt kurz vor Mittag sein.“ gar nicht mehr verwundert, über das Rasen der Zeit. Er empfand es sogar als angenehm um die Trauer zu überwinden. Kurz hielt er an einem Kiosk und blickte sich um. „Kein Mensch merkt, dass hier ein Fuchs herumläuft.“ dachte er sich. Als er weiterging, merkte er wie die Menschen ihnen unbewusst auswichen. So als wäre alles normal. Aber der Junge wunderte sich nicht weiter darüber und folgte dem Fuchs, der jetzt wieder vorausging. An einer Kreuzung bogen sie in eine Seitenstraße ein. Es war ein Vergnügungsviertel und nicht mehr Kaufhäuser sondern Bars und Discotheken folgten der Straße. Auch dort waren viele Menschen, nur in einem zumal unwürdigen Zustand. Angetrunkene Nachtschwärmer lehnten an Häuserfronten. Ein Geruch von Bier und Erbrochenem durchzog die Straße. Dem Jungen war diese Gegend sonderbar, aber irgendwie verspürte er so eine Sicherheit durch den Fuchs, dass er einfach weiterging. Niemand sprach sie an, keiner schaute sie an. Dem Jungen war nicht bewusst, dass es eine ungewöhnliche Zeit war, in der sich so viele Leute hier aufhielten. Es war gerade erst Mittag geworden, was man am Glockenschlag hörte. Nach ein paar hundert Meter bog der Fuchs erneut ab. Sie kamen in eine dunkle Gasse, welche sich am Ende zu einem Park weitete. Viele Menschen lagen auf den Wiesenflächen. Auf Parkbänken wurde gelesen und studiert. Große Bäume spendeten Schatten vor der doch schon starken Sonne. Einzelne Paare gingen schlendernd die Kieswege entlang. Es war ein angenehmes, ruhiges Klima hier. Der Duft von frischen Blütenknospen und Wiesenblumen lag in der Luft. Bienen und allerlei fliegende Insekten surrten herum. „Zum Glück, gibt’s noch keine Mücken“ dachte sich der Junge. Erst letztes Jahr wurde er im Spätsommer von hunderten Mückenstichen heimgesucht. Mit Schaudern dachte er an den Juckreiz. Der Fuchs ging in die Mitte einer Rasenfläche und setzte sich. Der Park war mit hohen mehrstöckigen Häusern eingekreist, aber die Bäume brachen diese harten Kanten und Ecken der Häuserfronten. Plötzlich roch es anderes. Irgendwie metallisch. Der Junge, welcher sich zuvor neben den Fuchs saß, blickte sich um. Auch andere Menschen suchten die Umgebung ab. Dann rannten ein paar Leute aus dem Park. Sie schrien: „Es brennt! Dort brennt es!“ Wie als hätte jemand eine Bombendrohung ausgesprochen, setzten sich die Besucher des Parks in Bewegung. Immer schneller, bis sie liefen. Mütter mit ihren Kindern, Alte Menschen, Jugendliche. Alle liefen sie, in eine Richtung. Der Junge blickte zum Fuchs, dieser stand auf und ging langsam in dieselbe Richtung. Der Junge folgte ihm und sie verließen den Park. Es war genau genommen die Grenze des Parks wo aus einem Haus, im obersten Stock Flammen aus einem Fenster schlugen. Dichter schwarzer Rauch stieg aus den Nachbarfenstern. Als der Junge bei jenem Baum anhielt, an dessen der Fuchs Halt machte, merkte er was geschehen war. Jene Menschen welche zuvor in diese Richtung liefen, liefen nicht vom Brand weg sondern dorthin. Schaudern erfüllte den Jungen, denn er ahnte was passieren würde. Ein Knall durchfuhr den allgemeinen Lärm. Ein Hausbewohner hatte die Hintertür, welche zum Park zeigte, aufgebrochen. Die Leute liefen aus dem Haus, aber sie kamen nicht weit. Die Menschen aus dem Park waren so dicht gereiht, dass die Hausbewohner nicht weiter konnten. Es wurde geschrien und gebrüllt, aber irgendwie geschah nichts. Der Junge, sah diesen Menschenknoten und wollte dorthin eilen. Er war gut fünfzig Meter entfernt. Die Menschen standen viel weiter vorne. Aber da war sie wieder, diese klare Stimme:“Warte! Bleib stehen.“ Wieder verspürte er diesen Drang, aber er blieb stehen und schaute zur Türe. Der Rauch quoll mittlerweile auch schon leicht durch die Türe nach draußen. Der Junge hielt den Drang nicht mehr aus und brüllte: „Lasst sie raus! Geht zur Seite!“ Doch seine Stimme war die Stimme eines Kindes, zu leise um bei solch einem Lärm gehört zu werden. Fassungslos schaute er hoch zu dem Feuer. Aus drei Fenstern schlugen schon die Flammen. Ein Fenster einen Stock unterhalb wurde geöffnet und ein Mann beugte sich heraus. Es schien so als rief er den Menschen etwas zu, machte rudernde Handbewegungen. Schnell quoll auch von dort der schwarze Rauch empor. Der Mann hielt sich ein Tuch vor den Mund und gestikulierte wild weiter. Im Türebereich war mittlerweile völliger Stillstand eingetreten. Menschen hielten Handys hoch und schauten zum Mann. Der Junge war starr vor Entsetzen. Warum durfte er nicht helfen? Warum musste er tatenlos zusehen? Es zerbrach im fast sein Herz. Ein Schreien fuhr durch die Menschenmenge. Der Mann, welcher zuvor noch das Tuch vor sein Gesicht hielt, hing jetzt schlaff mit beiden Händen ausgestreckt aus dem Fenster.
 
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Mystic_wolf

Frischling
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Fortsetzung

Sirenen ertönten. Feuerwehrwägen rasten durch den Park, am Jungen vorbei. Feuerwehrmänner in Atemschutzmasken stiegen aus und begannen die Menschenmenge zu ordnen. Sie brauchten schnell Verstärkung, denn die Menge rührte sich kaum. Schläuche wurden ausgerollt. Polizisten liefen herbei. Endlich setzte sich die Menge in Bewegung, die Handys hoch emporgestreckt. Schnell zerlief sich die Menschenmenge. Nur Einzelne blieben in einigem Abstand entfernt stehen. Der Junge sah jetzt direkt zum Eingang. Feuerwehrleute zogen Schläuche in das Haus. Ein Leiterwagen baute sich auf. Feiner Wasserstaub benetzte die Haut des Jungen. Er schaute zum Fuchs, dieser hatte sich nicht gerührt. Schnell war der Brand gelöscht und es roch nach Asche und kalter Glut. Schwarze Wägen fuhren vor.


Und dann sah er es. Leichen. Es müssen sicher zehn oder mehr gewesen sein. Tote, welche erstickt sind, bevor sie flüchten konnten. Ihre Gesichter waren schwarz vom Rauch. Wie eine endlose Reihe, kamen die Feuerwehrmänner zu zweit mit immer einem Toten aus dem Haus. Der Junge spürte einen Stich in seinem Herzen, es war gebrochen. Er wandte sich ab und ging wieder zurück zum Park. Die Wiesenflächen waren durchzogen von den Reifen der schweren Löschfahrzeuge. Als der Junge an jener Stelle ankam, wo er zuvor gesessen war, traut er seinen Augen nicht. Jene Menschen welche zuvor zum Brand gelaufen waren, saßen jetzt wieder auf den Parkbänken und Wiesenflächen. Nur es war anders als zuvor. Es wurde auf Handys getippt, diskutiert. Ganze Gruppen saßen beisammen und redeten. Der Junge ging durch die Menschen, als er plötzlich Inne hielt. Eine Gruppe hatte sich zusammengefunden und es schien als wären die Beteiligten sehr aufgelöst.

Weinend umarmten sich die Menschen. Trauer lag in der Luft. Da fuhr der Junge hoch. Er sprang regelrecht in die Luft und schrie: „Ihr widerlichen Feiglinge!“ Erschrocken sahen ihn die Menschen an. Ihr Blick war verachtend. Der Junge schrie einen der Mann aus der Gruppe an: „Warum? Warum habt Ihr nicht geholfen?“ Diesmal jedoch wendete sich der Mann ab von ihm. Man hört ihn nur etwas Leises murmeln. Da wurde der Junge zornig, er spürte wieder diesen Hass. Er holte mit seinen Fuß aus und schlug ihn mit voller Wucht gegen den Kopf des sitzenden Mannes. Die Gruppe stand erschrocken auf und schüttelte die Köpfe. Der Mann empfand den Schlag als nicht schwer und stand ebenfalls auf. Er blickte abschätzend zum Jungen und schwieg.
Der Junge suche seinen Blickkontakt, aber der Mann wich ihm immer wieder aus. So schaute er noch einmal die Gruppe an und wandte sich verachtend ab. Das Schweigen war ihm genug Antwort. So gingen der Fuchs und der Junge weiter. Es dämmerte bereits und sie verließen die Stadt. „Es dürfte heute wieder eine klare Nacht werden.“ dachte sich der Junge, als er zum Himmel blickte. Die Sonne verwandelte bei ihrem Untergang die Umgebung in goldenen Glanz. Das Abendgebet der Vögel hatte eingesetzt. Sie gingen entlang einer Straße, welche durch einen kleinen Wald führte.

Dunst stieg vom Asphalt auf und es roch feucht und erdig. Der Fuchs blieb plötzlich regungslos im Straßengraben stehen und blickte nach vorne. Der Junge machte ebenfalls Halt, wusste aber nicht wovor. Da tauchte vom linken Waldrand eine Ente auf. Es war eine Stockente in ihrem klassischen Federkleid. Sie war wegen des Dunstes schwer zu erkennen, aber ihr folgten fünf kleine Küken. Der Fuchs machte sich ganz flach und blieb regungslos. Der Junge beobachtete wie die Enten die Straße querten. Mühsam setzten sie Schritt an Schritt. Der ungewohnte Untergrund kostete ihnen einiges an Mühe bei der Fortbewegung. Im Hintergrund ertönte ein leises Donnern. Der Junge merkte erst als das Donnern zum Dröhnen wurde, dass etwas kommt. Durch die Baumreihen blitzten Scheinwerfer. Ein Auto näherte sich. Der Junge drehte sich um und stellte sich an den Straßenrand. Er merkte, dass das Auto mit hoher Geschwindigkeit fuhr. Er begann zu winken. Die Dämmerung und der Dunst sorgten für schlechte Sichtverhältnisse. Der Junge zog seine Jacke aus und winkte mit dieser. Das Auto, welches jetzt deutlich zu sehen war, wurde nicht langsamer. Es raste an dem Jungen vorbei und riss ihm die Jacke aus der Hand. Durch die hohe Geschwindigkeit wurde der Junge in den Straßengraben gestoßen.


Er hörte noch einen Schrei und Reifen quietschten, dann verlor er kurz das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam lief ein Mann auf ihn zu. Es dürfte der Fahrer gewesen sein. Mit Angst in den Augen starrte er auf den Jungen. „Ist dir etwas passiert?“ Der Junge hielt sich die Schulter und verneinte. „Gott sei Dank! Und ich dachte schon ich hätte dich angefahren.“ Da blickte der Junge auf die Straße. Dort wo zuvor die Enten gingen, lagen nur noch ein paar Federn. Blut und Gedärme waren auf dem Asphalt verstreut. Seine Jacke lag auf der anderen Straßenseite im Graben. Erschrocken blickte der Junge zum Mann.

Er schaute ihm direkt in die Augen und fragte: „Warum? Warum bist Du so schnell gefahren?“ Der Mann erwiderte, er hatte es eilig. „Du hast die Enten niedergefahren.“ Der Mann runzelte die Stirn: „Enten?“ Er sah den Kadaver und schaute wieder zum Jungen. „Ja, das ist Schrecklich, aber Hauptsache dir ist nichts passiert. Geht es dir auch wirklich gut? Soll ich dich zu deinen Eltern bringen?“ Der Junge stand auf und verneinte. Ein Brennen durchfuhr die Brust des Jungen. Sein gebrochenes Herz, war zu Stein geworden. Er holte sich seine Jacke aus dem Graben und ging zum Fuchs. Dieser war noch immer im Straßengraben. Der Fahrer rieb sich verlegen die Stirn und ging langsam zum Auto. Er stieg über den Kadaver mit angeekeltem Blick. Der Junge ging mit dem Fuchs weiter. Sie verließen den Wald und kehrten heim. Es war schon dunkel geworden als sie die Haustüre erreichten. Die Eltern des Jungen waren noch nicht zu Hause und so ging er durch jeden Raum und zog die Vorhänge zu. Er verdunkelte alle Räume, auch den seinen und legte sich in sein Bett. Der Fuchs kuschelte sich sanft zu ihm.

Der Junge fühlte sich gestört durch seine Stofftiere, so legte er sie aus dem Bett. Auch seine samtig weiche Decke und die herrliche Matratze empfand er als unangenehm. Alles war unangenehm, ausser das fell des Fuchses. So legt er sich auf den harten Parkettboden, nur mit dem Fuchs und schlief ein. Sein Atem wurde langsamer, immer langsamer, bis er letztlich anhielt. Als die Eltern von der Arbeit kamen, fanden sie Ihr Kind tot vor. In den Händen hielt es einen toten Fuchs. Der Notarzt war ratlos. Es gab keine Anzeichen. Es gab keine Begründung für den Tod des Jungen. Es schien so als wäre er einfach eingeschlafen. Sein Gesicht verriet Geborgenheit. Die Eltern waren geschockt. Alles hatten sie für ihr Kind getan. Alles geopfert. Trauer und Zorn erfüllten sie und sie riefen: „Warum? Warum musste unser Kind sterben?“
 
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Spike Johns

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24 Jan 2013
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eine schöne geschichte aber irgendwie ist da schon was wares dran, da sich viele menschen nicht für das schicksal anderer interesieren oder gar helfen wollen und sich eher denken das kann ja jemand anderes machen und dann isr es zu spät.ich weiss selbst wie das ist wen man hilfe braucht und keine bekommt auch wen man als beispiel einen unfal hatte und auto an dir vorbei fahren und manche einen auslachen obwohl es offensichtlich ist das man hilfe braucht.
 

Mystic_wolf

Frischling
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29 Jan 2013
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Wahrscheinlich hatte ich etwas so in der Art erlebt und niedergeschrieben. Zugegeben, bei "wegschauen wenn einer Hilfe baucht", sehe ich sehr schnell Rot, sodass der "Wegschauer" Hilfe braucht. ^^
 

LionMarozi

LÖWÄÄÄ of chaos and disharmonie
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Kurze Kritik: In meinen Augen schwer zu lesen, durch die fehlenden Absätze. Würde ich in der Zukunft ein bissel besser machen...^^
 

Mystic_wolf

Frischling
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Ja das mit den Absätzen ist so eine Sache. Im Word passen diese ja, aber hier im Forum hab ich das irgendwie nicht hinbekommen.
Aber danke. Kritik ist immer wichtig.
 

Gharren

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Von der Story her schöne Geschichte, überraschende Wendung zum Schluss. Die Kritik an der Gesellschaft kommt auch gut zum Ausdruck.
Wie schon zuvor gesagt musst du dich allerdings wirklich um die Absätze kümmern, denn so ein "wall of text" ist nach einer Zeit wirklich unheimlich anstrengend zu lesen. Wenn das Forum die Formatierung beim Copy & Paste nicht annimmt, dann musst du eben manuell die Absätze neu einfügen. Ansonsten ist mir bis auf ein paar Rechtschreib- und Kommasetzungsfehlern nichts gravierendes aufgefallen.

LG,
Gharren
 

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