Chronologie einer Erkältung (nichts für Zartbesaitete)

  • Themenstarter Fiete Langohr
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Fiete Langohr

Guest
Es ist morgens. Ich werde wach und stelle fest, dass mein Hals kratzt. Mist, denke ich, du wirst mal wieder krank. Irgendwie muss ich nachts durch den Mund geatmet haben. Das kann ich nun aber mal gar nicht gebrauchen, und frage mich gleichzeitig, wann man überhaupt eine Erkältung gebrauchen kann.
Übellaunig starte ich in den Tag und das Kratzen im Hals nervt schon tierisch. Ich mache mir Tee und binde einen Schal um. Ich erinnere mich, dass ich zu Hause noch eine Tüte mit Hustenbonbons herumliegen habe und mir davon keine eingesteckt habe. Mist, Kopfschmerzen stellen sich ein. Erst nur so leicht, dann aber immer stärker und in kürzeren Abständen ständig wieder kommend. Ich habe jetzt schon so keine Lust mehr auf die Erkältung, denke ich mir und nehme mir für abends vor, der Erkältung den gar auszumachen. Ich lasse mir also ein Erkältungsbad ein, Lutsche nun endlich einen Hustenbonbon und trinke ordentlich weiter Tee. Vorm Schlafengehen greife ich auf die Geheimwaffe eines Freundes zurück sich ein warmes Weizenbier reinzuziehen. Mit zugehaltenen Nüstern und in einem Zug leere ich das Glas und schaffe es gerade noch den Würgereiz zu unterdrücken. Die Nacht ist furchtbar. Ich schwitze wie Sau und fühle mich elend. Denke mir dabei aber gleichzeitig, das muss so sein und das ist bestimmt ein Zeichen, dass das wirkt.

Am nächsten Morgen fühle ich mich kaum besser. Der Hals kratzt immer noch und die Kopfschmerzen setzen am Vormittag auch wieder ein. Die Bier-Kur hat also doch nicht geholfen. Schade um das Bier! Da noch Wochenende ist, sage ich alles ab und verordne mir Ruhe. Mit einer Kanne Tee, Halspastillen und einer warmen Decke geht es vor den Fernseher. Zwischendurch schlafe ich etwas. So vergeht der Tag.
Beim Aufstehen von meinem Krankenlager tut mir plötzlich alles weh. Argh, na super, Gliederschmerzen, da gibt's doch auch was von Ratiopharm, kommt mir in den Sinn und verfluche gleichzeitig die Werbewirkung von Pharmaunternehmen. Sowieso fallen mir die ganzen Erkältungsmittel ein, die ja alle sofort und wunderbar wirken, damit man endlich wieder man selbst ist. Da erinnere ich mich plötzlich, dass ich im Bad noch ein paar Urlaubsmitbringsel von meinen Eltern habe: Medikamente aus Frankreich. Ich schaue sie mir an und stelle fest, dass es einmal Paracetamol als Tablette zum Schlucken und als Tablette zum in Wasser auflösen sind. Das ganze soll gegen Schmerzen und Fieber helfen. Bevor es ins Bett geht, mache ich mir also eine Schmerzlimo.

Tag 3: die Schmerzen in Hals, Kopf und Gliedern sind weniger geworden. Ich fühle mich etwas besser. Das ist gut. Damit das so bleibt, werfe ich noch eine Schmerztablette ein. Scheint ganz gut zu wirken, das Zeug. Anstatt zum Arzt gehe ich zur Arbeit. Ich fühle mich zwar nicht topfit, aber es geht. gegen Mittag bekomme ich einen Niesanfall. Der Rachen brennt und die Nüstern verstopfen. Mir gehen zusehends die Taschentücher aus. Da ich ein Büro für mich habe, bekommt kaum einer etwas davon mit, womit ich mich gerade herumschlage. Irgendwie überstehe ich den Arbeitstag und schaffe es einzukaufen. Vitamine, beschließe ich, sind das Gebot der Stunde, und so finden ein Netz Bio-Zitronen, etwas Ingwer und natürlich Äpfel und Bananen ihren Weg in den Einkaufswagen. Erschöpft zu Hause angekommen mache ich es mir gemütlich und setze eine Kanne Zitronentee mit geriebenem Ingwer auf. Dieser Vitamin-C-Schub macht sich in meinem Körper auf unbeschreibliche Weise bemerkbar. Ich habe das Gefühl, dass sich mein Immunsystem über die Unterstützung freut wie Soldaten über eine neue Waffenlieferung. Mit dem Gefühl mir etwas Gutes getan zu haben beginne ich mein abendliches Ritual vorm Schlafen. Die Nasendusche fördert die aus der Werbung bekannten grünen und gelben Schleimmonster aus den Nüstern zu Tage. Die zwischenzeitlich aufgelöste Paracetamol wird als nächstes getrunken. Zähne putzen und anschließendes Gurgeln mit Mundwasser sind eh Standard. Danach inhaliere ich noch etwas Wasserdampf mit China Öl. Zum Abschluss creme ich mir die geschundenen Stellen um die Nüstern und Oberlippe ein. Es geht mir wie Hund und erschöpft lasse ich mich in mein Lager fallen, Spucknapf und Taschentücher immer in Reichweite.

Die Tage 4 bis 6: Jetzt geht es richtig los. Die Halsschmerzen sind einem Husten gewichen, der den Schleim, der sich an meinen Bronchien angesammelt hat, den Rachen entlang nach draußen treibt. Mich friert immer mal wieder, trotzdem sitze ich auf Arbeit und verfluche mich gleichzeitig dafür, dass ich eine Aufgabe, die meine Anwesenheit erfordert, nicht schon längst vorher erledigt hatte. Da dies keinen weiteren Aufschub erlaubt, bin ich gezwungen da zu sein. Ich bin längst von diesen mickrigen Taschentuchpackungen auf Boxen umgestiegen und durchflute meinen Körper weiter mit Tee, Zitronensaft und Ingwerabrieb, fest daran glaubend, dass das hilft und die Erkältung schon irgendwie überstanden wird. Meine Geschmacksnerven sind betäubt und Appetit kommt sowieso kaum auf. Da stört es auch nicht weiter, wenn ich mit Brühe und Zwieback begnüge. Ich habe es so satt erkältet zu sein. Lustlos denke ich an die abendliche Prozedur vor dem Schlafengehen und ziehe sie missmutig durch.

Die Tage 7 bis 9: Erste Hoffnung keimt auf. Die letzte Nacht seit einer gefühlten Ewigkeit wieder gut durchgeschlafen und auch die ganzen Beschwerden haben in ihrer Intensität und Lästigkeit spürbar nachgelassen. Auch meine Lust auf normales Essen kommt wieder auf. Das Wochenende steht vor der Tür und, um keinen Rückfall zu riskieren, verschreibe ich mir Nichtstun, Entspannen und ein paar Spaziergänge an der frischen Luft. Alles Weitere wird abgesagt.

Montag, der Alltag hat mich wieder. Geschwächt aber nicht mehr erkältet geht der Trott wieder seinen normalen Lauf.
 

Arukino

Guest
Armer Fiete miau:3
Kann ich nachvollziehen dass das ätzt:D
Zumindest bist du wieder überm Berg?
Bei mir ist auch alles überstanden ^-^
 

Fiete Langohr

Guest
Freut mich, dass es dir besser geht. Ich bin aktuell bei Tag 6 meiner Erkältung, also noch nicht ganz durch mit der Chose. Ich habe die Thematik einfach mal als kleine Schreibübung verwurstet und denke mir, dass die eine oder der andere sich hier und da wiederfindet und schmunzeln kann.
 

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