Arbeitstitel: "der goldene Panda"

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Hallo ihrs! Seit knapp einer Woche bin ich jetzt dabei meine ersten Gehversuche als Autor zu machen. Momentaner Arbeitstitel des Projekts ist wie gesagt-
"der goldene Panda"
Viel Spass beim lesen!
Konstruktive Kritik ist immer willkommen.
Gruesse, der Butch
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Prolog/Vorgeschichte

Was war das fuer ein Geraeusch?! Jin schlug die Augen auf. Kurz blendete ihn die untergehende Sonne, die sich grade hinter einen Bergruecken schob. Ein Vogel flatterte durch das Bambusgeaest- das musste ihn aufgeweckt haben. Das Bild vor seinen Augen wurde schaerfer. Er war noch mitten im Wald- in diesem feuchten Dickicht, in welches er sich geschlagen hatte, um seinen Verfolgern zu entgehen. Wie lange hatte er hier ausgeharrt?! Es mussten ein paar Tage gewesen sein. Offensichtlich hatten sie die Suche nach ihm ergebnislos abgegbrochen, sonst haette er sich schon laengst wieder auf dem Weg nach Peking befunden- zurueck in sein Gehege. Allein der Gedanke daran lies ihn erschauern. Nein, an diesen Ort wollte er niemals wieder zurueck! Die grauen Betonmauern, die dicke Panzerglasscheibe, durch die er tagein tagaus von den Zoobesuchern angegafft worden war! Das war jetzt fast ein Jahr her. Obwohl ihm der Begriff "Jahr" immernoch sehr abstrakt vorkam. Das einteilen der Zeit war seit dem Beginn seiner Flucht ein staendiger Begleiter gewesen- Tage, Wochen, Monate. Und nun ein ganzes Jahr. Ein wenig war Jin stolz auf das, was er geleistet hatte. 12 Monate, ohne dass sie ihn hatten fangen koennen. In dieser Zeit hatte er 4 Provinzen durchquert und dabei fast 2000 Kilometer zurueckgelegt. Er richtete sich auf- seine Hinterbeine trugen ihn wieder. Als er sich vor 3-4 Tagen in dieses Dickicht gefluechtet hatte,war er am Ende seiner Kraefte gewesen, doch nun ging es ihm wieder besser. Sein Magen meldete sich, er hatte Hunger. Er dachte an seine Artgenossen im Pekinger Zoo, die sich immernoch von Bambus ernaehrten. Mit dieser Diaet haette er es niemals so weit geschafft- keine Frage. Doch das Durchstoebern der Muellcontainer in den Wohngebieten der grossen Staedte in Zentralchina hatte ihn seinen Verfolger mehr als ein mal gefaehrlich nahe gebracht. Doch bisher hatte er sich ihrem Zugriff entziehen koennen. Seine schwarze Pandaschnauze formte ein grimmiges Laecheln.

Er war etwas Besonderes, soviel stand fest. Damals, kurz bevor er in Begriff war erwachsen, und somit zeugungsfaehig, zu werden, hatte es begonnen.
Eines Tages hatte er sich an der Panzerglasscheibe des Pandahauses im Pekinger Tierpark hochgestemmt und auf die Hinterbeine gestellt. Der erste Mal war noch sehr unbeholfen gewesen, und hatte eigentlich nur dem Versuch gedient an etwas Kraftfutter zu kommen, was der Tierpfleger auf einen Vorsprung in der Gehegemauer hatte fallen lassen. Mit jedem Versuch diesen Futterbrocken zu bekommen war er sicherer geworden, auf seinen Hinterbeinen zu stehen, und jedesmal hatten die Zoobesucher applaudiert und ein Blitzlichtgewitter entfacht bei dem Versuch dieses Ereigniss als Foto festzuhalten. Selbst eine Pekinger Zeitung hatte darueber berichtet. Mit der Zeit jedoch verloren die Besucher das Interesse an seinen Kunststuecken. In ihm jedoch hatte eine seltsame Veraenderung begonnen.
Eigentlich hatte es mit seiner Geburt begonnen- "Der erste mithilfe der Gentechnik geborene grosse Panda." Das war damals ein echtes Spektakel in China gewesen. Der erste Schritt zur Rettung einer fast ausgerotteten Tierart. Staendig war er ueberwacht worden von den Tieraerzten. Ueber jeden seiner Entwicklungsschritte hatten sie genau Protokoll gefuehrt. Und als feststand,dass er sich fortpflanzen konnte, da sollte er in ein Zentrum in Jinan gebracht werden- als Samenspender fuer kommende Pandagenerationen. Viel war seit dem passiert- seine Flucht vom Rollfeld des Flugplatzes kurz vor dem Verladen in die Maschine, die Veraenderungen in seinem Koerper- allen voran natuerlich das Erstarken seiner Hinterbeine die jetzt in der Lage waren seinen 150 Kilogramm-Koerper bis zu 15 Kilometer weit am Tag zu tragen.

Die ersten Male, die er auf nur 2 Beinen gestanden hatte waren schmerzenhaft gewesen, doch inzwischen bekam er ein Ziehen im Ruecken, wenn er sich zu lange auf allen Vieren bewegte."Verkehrte Welt"- er laechelte. So wie ueberhaupt alles, was mit ihm zusammenhing, verkehrte Welt zu sein schien. Ein grosser Panda, der auf 2 Beinen lief- auf der Flucht vor denjenigen, die ihn erschaffen hatten, und auf dem Weg zu seinen wild lebenden Artgenossen mitten in der Provinz Sichuan. "Nur gut, dass grosse Pandas Einzelgaenger sind- so falle ich als Aussenseiter nicht so sehr auf" dachte er sich. Er ging zu einer Senke im Waldboden, in der sich Wasser gesammelt hatte und liess ich auf alle Viere nieder, um sich in der Spiegelung an der Wasseroberflaeche zu betrachten. Mitgenommen sah er aus- das Fell war fleckig und zerzaust. Das Halsband, das er trug sah auch nicht mehr neu aus. Die Marke, die daran befestigt war ebenfalls ramponiert, aber immernoch lesbar. Zwei Schriftzeichen waren darauf eingraviert: "Jìnhuà"-Evolution. Seine Tierpfleger hatten daraus "Jin" gemacht, als er noch ein Junges war. Jin- "der Goldene". Dieser Name war geblieben ueber die Jahre.

Wieder meldete sich sein Magen- diesmal staerker, als beim letzten Mal."Zeit, etwas Essbares aufzutreiben."- er trottete los in richtung der Siedlung, die er vor 4 Tagen unten im Tal ausgemacht hatte. Die Sonne war inzwischen untergegangen- es war dunkel.
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Update- heute gibts das erste Kapitel.

Kapitel I- es endet, bevor es beginnt

Eine Stunde brauchte Jin, um den Rand der Siedlung zu erreichen. Zwischenzeitlich war der Mond aufgegangen, und das fahle Licht in Verbindung mit seiner Fellzeichnung loeste die Konturen seines Koerpers zwischen den Baeumen und Bueschen beinahe vollkommen auf. Auf diese Weise wurde er beinah unsichtbar, wenn er nur im Wald bliebe. Doch jetzt musste er den Schutz des Waldes aufgeben um zu fressen. Er folgte dem Waldrand hinunter zum Fluss, immer darauf bedacht in Deckung zu bleiben, und nicht gesehen zu werden. Unten am Fluss hatten die Bewohner der Siedlung eine Muellhalde angelegt, auf der sie ihre Abfaelle sammelten, sie war sein Ziel. Die Abfallhaufen tuermten sich hier fast bis zur Baumgrenze. Sehr vorteilhaft, wenn jemand oder etwas ungesehen zwischen den Haufen nach etwas Essbarem suchen wollte. Am Platz angekommen lief er geduckt zwischen den Haufen hindurch, bis er sich unbeobachtet und sicher fuehlte. Hier fing er an mit seinen Vorderpfoten die Haufen umzupfluegen. Jin hatte grade eine Plastiktuete mit Essenresten aus einem Muellberg gezogen und wollte diese aufreissen, da gefror ihm das Blut in seinen Adern! Fuer einen Sekundenbruchteil stand er mitten im Lichtkegel der Scheinwerfer eines Autos. Der Wagen wendete, hielt an, und eine Gestalt stieg aus. Er hielt den Atem an und presste ich flach auf den Boden, sein Herz raste. Die Gestalt oeffnete den Kofferraum, holte ein paar Saecke heraus, warf diese auf einen Haufen nahe dem Auto. Danach stieg sie wieder in den Wagen und fuhr davon. Einige Minuten verharrte er noch am Boden, immernoch unsicher ob er nicht entdeckt worden war. Erst als er sich sicher war wieder allein zu sein, traute er sich aus seinem Versteck. Er griff sich die Tuete mit seiner Beute und schlich sich geduckt in den Wald zurueck. Fressen wuerde er spaeter in seinem Versteck.

Am Waldrand angekommen blickte er, einem inneren Drang folgend, noch einmal zurueck. In diesem Moment hoerte er ein Zischen gefolgt von einem stechenden Schmerz in seinem Oberschenkel! Suchscheinwerfer flammten auf, Gestalten traten in die Lichtkegel und kamen auf ihn zu. Ihm wurde schwindelig, die Beine versagten ihm. Er fiel auf die Seite, die Welt um ihn herum wurde dunkel.

Beim naechsten Mal, als er die Augen aufschlug war es bereits hellichter Tag. Er lag in einem Kaefig, auf der Ladeflaeche eines LKW- bewacht von 2 Menschen mit Luftgewehren.
Hatten Sie ihn also doch gefunden und mit einem Betaeubungspfeil erwischt- er verfluchte seinen Leichtsinn! Waere er im Wald geblieben, haette er jetzt zwar ein Loch im Magen, doch er waere immernoch in Freiheit. Er bewegte seinen Kopf, um seine Bewacher besser erkennen zu koennen. Eine Wache bemerke, dass er wieder bei Bewusstsein war und fuhr hoch. Sofort blickte er in die Muendung eines der Luftgewehre. "Plopp"- der Betaeubungspfeil traf Jin in die Schulter. Wann wuerde dieses Martyrium enden?! Wieder schwanden ihm die Sinne. Seine Augen fielen ihm zu und er verlor abermals das Bewusstsein.
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
So, diesmal nun Kapitel 2 meiner Story- have fun!

Kapitel II- "nicht mit mir"

Ein Droehnen fuellte Jin's Kopf. Der Laerm liess ihn hochfahren! Er war immernoch in seinem Kaefig, soweit so schlecht. Durch die Gitterstaebe hindurch betrachtete er seine Umgebung. Er war in einer Halle, gefuellt mit technischen Geraetschaften- einige davon in Betrieb. Am anderen Ende des Raumes, hinter einem Tisch aus blankem Edelstahl stand eine Gruppe von Personen in weissen Kitteln- offensichtlich Tieraerzte. Sie hatten sich vor einem Leuchtkasten an der Hallenwand versammelt, an dem mehrere Roentgenbilder vom Oberkoerper und der Huefte eines Tieres hingen. Die Gruppe schien angeregt zu diskutieren, es wurden Bilder vertauscht, Einzelheiten wurden mit Stiften markiert.
"Sind das etwa Aufnahmen von meinem Koerper?" dachte sich Jin. "Was fuehren sie jetzt wieder im Schilde?!" Der Hass fiel ueber ihn her wie eine Sturmflut- er musste hier raus, raus aus diesem Kaefig, raus aus der Halle- einfach nur weg! Das Adrenalin fuhr durch Jin's Koerper wie ein Blitz. Er stemmte die Hinterpfoten gegen die Kaefigrueckwand und drueckte mit seinen Panda-Pranken gegen die Kaefigtuer vor ihm. Knirschend gaben die Scharnierstifte nach, und die Tuer flog aus dem Schloss auf den Hallenboden.
Von dem Laerm aufgeschreckt drehte sich die Gruppe in richtung des Kaefigs, nur um festzustellen, dass ein 2 Meter grosser Panda aufrecht, mit erhobenen Pranken,
auf sie zu gelaufen kam! Nun brach Panik aus- die Gruppe stob auseinander. Ein paar Tieraerzte liefen in richtung Notausgang der Halle, ein Anderer versuchte offensichtlich mit dem Handy hilfe zu holen. Er wandte sich wieder der Notausgangstuer zu- sie stand offen. Hier war seine Chance, seinem Schicksal, welches diese Barbaren fuer ihn planten, zu entwischen.
Er lief auf die Tuer zu, doch an der Schwelle angekommen stockte er. Draussen daemmerte es. Jin spaehte hinaus, immer in der Erwartung, vom naechsten Betaeubungspfeil getroffen zu werden. Doch die Luft schien rein. Er zwaengte sich durch die Tuer- Abendkuehle empfing ihn.
"Jetzt oder nie!" dachte er sich und lief auf den keine 50 Meter entfernten Waldrand zu.Einmal zwischen den Baeumen lief er weiter, ohne sich umzudrehen, einen Huegel hinauf.
Von unten hatte es nicht sehr steil ausgesehen, doch ab der halben Hoehe des Huegels begann er zu schnaufen und zu keuchen. Doch er trieb sich selber an "Sie werden dir folgen- du musst ihnen entkommen! "- trommelte es in seinem Gehirn. Ploetzlich erschien wieder das Bild des Pandahauses im Pekinger Zoo vor seinem geistigen Auge. "Niemals, nicht in diesem Leben!" Er fiel vornueber und begann auf allen Vieren den immer steiler werdenden Hang hinauf zu hechten.
 

Takeru

Guest
wow suuupi geschichte!!!! Einfach flockig zu lesen und es macht neugierig!!! Bin gespannt was als nächstes kommt!!

MFG

WCF
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Okidok, dann gibts heute Kapitel No. 3- viel Spass beim Schmoekern...

Kapitel III- "nicht Tier, nicht Mensch"

Jin stand im schutze der Baeume auf dem Bergruecken und blickte durch eine Schneise im Wald ins Tal. Unten floss der Jangtse traege in einem weiten Bogen um einen anderen Hoehenzug, der typisch fuer diese Region in Zentralchina war, herum. Er hatte gefunden, wonach er seit seinem Ausbruch vor knapp einer Woche gesucht hatte. All sein Vorankommen des letzten Monats hatten sie in einer Nacht zunichte gemacht, indem sie ihn per LKW in diese Wildtierauffangstation gebracht hatten. Fernab der Bergstrassen und Schotterwege war es beschwerlich voran zu kommen in dieser Gegend, doch er wollte sich nicht noch einmal solch einem Risiko aussetzen, wie bei seinem naechtlichen Imbiss vor 8 Tagen. Jedes Aufeinandertreffen mit den Menschen, diesen haarlosen bleichen Kreaturen, konnte sein letztes sein- soviel stand fuer Jin fest.

Er folgte dem Bergruecken, auf dem er sich befand stromaufwaerts. Sie hatten ihn zurueckgeworfen, keine Frage, doch er hatte sein Ziel nicht aus den Augen verloren- das Reservat von Chongqing. Vielleicht wuerde er hier endlich seine Ruhe haben- unter seines Gleichen. Und doch wusste er, dass es nur die halbe Wahrheit war. Er mochte zwar aeusserlich wie ein grosser Panda aussehen, doch in ihm steckte weit mehr, als in seinen Artgenossen. Trotzdem hoffte er im Reservat die Abgeschiedenheit zu finden, die er brauchte, um sich seiner Situation klar zu werden, und daran zu gewoehnen.

All diese Gedanken, die in seinem Kopf schwirrten und die verstaendnislosen, ja fast leeren Blicke seiner Artgenossen im Zoo, wenn er versuchte ihnen klar zu machen, was in ihm vorging. Koerpersprache, Geruchsmarken, Drohgebaerden- all das hatte er in seiner Jugend von den Elterntieren gelernt. Doch der taegliche Kontakt mit den Menschen, diesen haarlosen, bleichen Wesen die auf 2 Beinen gingen hatte in ihm eine unbaendige Neugier geweckt. Es hatte sich langsam in ihm aufgestaut. Angefangen hatte es damit, dass er die Posen und Bewegungen der Zoobesucher nach machte. Das Plattdruecken seiner Schnauze an der Panzerglasscheibe hatte bei den Besuchern jedes Mal fuer Erheiterung gesorgt, und ihn bestaetigt, ja gradezu aufgefordert weiter zu machen. Mit der Zeit hatte er sich die Palette der gaengigsten menschlichen Gesichtsausdruecke angeeignet. Das breite Grinsen mit gebleckten Reisszaehnen, die zerfurchte Stirn, oder die haengenden Mundwinkel hatte Jin oft genug im Zuschauerraum jenseits der Glasscheibe studieren koennen. Ihre Bedeutung freilich hatte er erstmals nach seinem ersten Ausbruch, auf dem Weg nach Chongqing, erfahren.
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Wieder ein Update. Diesmal gibts das 4, Kapitel meiner Story.

Kapitel IV- "wer ist hier die Bestie?!"

-"Rueckblende"
Es war vor etwa 6 Monaten gewesen. Er war gerade dabei die Millionenstadt Zhengzhou zu umgehen als es ihm zum ersten Mal auffiel. Er hatte sich lange am Nordufer des Jangtse entlang bewegt und hatte dieses Moloch suedlich von sich gelassen. Immerwieder jedoch liess ihn seine Neugier auf den Menschen inne halten und die Skyline von Zhengzhou
betrachten. Noch nie zuvor in seinem Leben hatte er etwas Vergleichbares gesehen. Unwillkuerlich fuehlte er sich an einen Ameisenhaufen erinnert. Diese Tiere hatte er auf schmerzhafte Weise kurz nach seiner Flucht in einem Wald suedlich von Peking kennen gelernt. Sie hatten ihn jedoch von den Floehen befreit, mit denen er sich plagte, seit er Peking hinter sich gelassen hatte. So war ihm das Prinzip der Balance in der Natur bekannt geworden. Bei genauerem Hinsehen jedoch schien der Vergleich, den Jin gezogen hatte nicht mehr zu gelten. Hatte diese gigantische Metropole von Weitem noch einem geschaeftigen Ameisenhaufen geglichen, so erkannte er bei genauerem Hinsehen nicht einen positiven Aspekt, der von diesem "Ameisenhaufen" ausging. Die Slums, die fast bis ans Suedufer des gelben Flusses reichten waren voll mit Menschen, die unter armseligen Verhaeltnissen hausten. Die Dunstglocke ueber der ganzen Stadt verbreitete ihren beissenden Gestank nach Abgasen, Exkrementen und Ozon bis hierher. Flussaufwaerts wurde ein Teil des Waldes gerodet- nur um noch mehr graubraunem Oedland mit ein paar Wellblechhuetten darauf Platz zu machen. Fassungslos betrachtete Jin dieses Panorama des Schreckens. Und dieser Spezies hatte er versucht durch Imitation naeher zu kommen? Ihm wurde urploetzlich schlecht- er wandte sich ab und folgte im schutze des Dickicht dem Fluss nach Westen. Er begann zu gruebeln. Hatte denn alles, was er versucht hatte zu werden als letzte Konsequenz die Tatsache, dass er sich zu einer Kreatur entwickelte, die sich nahm, was sie brauchte, dann weiter zog, und dabei eine Spur der Verwuestung hinterliess?

Bis hier her hatte Jin sich fast ausschliesslich aufrecht gehend durchgeschlagen, doch auf ein mal wurde der Drang auf allen Vieren zu gehen uebermaechtig. Mit diesen Menschen, deren schiere Masse sich hier tagtaeglich wie ein Geschwuer durch die Natur frass, wollte er nichts zu tun haben. Er war ein Panda, und Pandas liefen auf allen Vieren- das war seit Anbeginn der Zeit so. Der Zweifel an seinen Motiven hielt bis zum Abend an- wieder machte ihm sein Magen einen Strich durch seine moralischen Prinzipien. Also begab er sich auf Futtersuche im Schutze der Dunkelheit ueber einen Eisenbahnbruecke in die dreckstarrenden Vororte von Zhengzhou.

Schnell war ein Muellcontainer geoeffnet und der wenigen Essensreste, die er beinhaltete entledigt. Wenn Jin ueberleben wollte, so musste er wohl, oder uebel die Hinterlassenschaften der Menschen, und ihrer Zivilisation als Resource in Betracht ziehen. Wieder hatte er sich, ohne es zu wissen, selbst eine Lektion erteilt.
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Heute im Angebot- Chapter No. 5

Kapitel V- "zeig mir dein Gesicht"

Auf seinem Weg von Zhengzhou nach Chongqing war er immerwieder auf kleinere Doerfer gestossen. Teilweise hatte er sie umgangen, teilweise im Schutz der Dunkelheit durchquert. Ein ums andere Mal hatte er etwas Obst und Gemuese aus den Gaerten, oder von ihren Feldern stibitzt. Hier in dieser laendlichen Gegend lebten die Menschen ganz anders, als in den grossen Staedten- sie betrieben Ackerbau, und Viehzucht. Nach kruzer Zeit kam er zu dem Schluss, dass je kliener die Siedlung der Menschen war, umso mehr lebten sie in Einklang mit der Natur. Hatten in Zhengzhou noch Autos und Baumaschinen das Bild dominiert, so waren es hier Lasttiere und Gespanne.
Vereinzelt gab es Fahrzeuge, wie LKW oder Autos.

Wieder einmal war er aufg solch ein "Dorf" der Menschen gestossen. Er hatte sich im Wald zum Schlafen versteckt. Vor etwa einer halben Stunde war er aufgewacht und hatte von einem anderen Versteck am Waldrand aus das Treiben im Dorf beobachtet. Wieder einmal war Jin's Neugier der Antrieb gewesen. " Waren am Ende doch nicht alle Menschen diese Umweltzerstoerer,
fuer die er sie hielt?"

Auf einem Platz am Dorfrand spielten ein paar Kinder Fussball- das erregte seine Aufmerksamkeit. Er sah die Kinder johlend und lachend ueber den Platz rennen- immer einem Ball hinterher. Offensichtlich bereitete ihnen dieses Spiel Freude. Und auf einmal begann er zu verstehen- ihre Gesichtsausdruecke kannte er aus dem Zoo. Ploetzlich flog der Ball in richtung eines der Haeuser.
Er traf eine Fensterscheibe, die unter lautem Scheppern zerbrach. Es wurde still auf dem Platz, Jin konnte die Angst foermlich riechen. Die Gesichter der Kinder waren nun nicht mehr froehlich. Ihr Gesichtsausdruck war ihm neu.
Er begann in seinem Versteck zu grimassieren. Haengende Mundwinkel, zusammengezogene Augenbrauen, Kopf zwischen die Schultern.
Als Jin wieder aufschaute sah er, dass eine Frau aus dem Haus mit der kaputten Fensterscheibe gekommen war. Er hatte sie etwas vor den Kindern entdeckt. Nun kam sie mit erhobener Faust auf die Kinder zu und rief etwas. Die Kinder liefen in alle Richtungen davon. Offensichtlich war die Frau wuetend. "Also kannten die Menschen auch Aerger und Wut" dachte Jin. Nun konnte er seinem Repertoire menschlicher Emotionen wieder etwas anfuegen.
Er war zufrieden- "Wieder etwas gelernt".
 

BloodPath

Supporter/Fur@Arms
Mitglied seit
19 Mai 2010
Beiträge
1.143
Sehr nett ..... taugt mir ..... vorallem die zusammenstellung.... echt gut.

Da werde ich weiter lesen *schmunzel*

Mach weiter so Butch
 

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Weiter gehts- heute mit Chapter 6- viel Spass.

Kapitel VI- "endlich angekommen"

Eine weitere Woche war vergangen bis er endlich die Auslaeufer von Chongqing fand. Wenn er auch mit Sicherheit nicht in diese Megastadt wollte, so konnte er sich an diesem gigantischen Wegweiser aus Beton gut orientieren. Noerdlich von Chongqing lag das Reservat, das sein Ziel war. Also lies Jin die Stadt im Sueden hinter sich. Wieder ging es bergauf, doch mit jedem Schritt nach Norden verbesserte sich die Luft, und er fuehlte sich bestaetigt in dem, was er sah. Hier wuerde er die Ruhe finden, von der er seit seiner Zeit im Zoo von Peking getraeumt hatte.

Nach 2 weiteren Tagen des Wanderns der Suedhaenge des Daba-Gebirges hinauf kam er an einen Zaun. "Hinterlassenschaften der Menschen- hier oben?"- dachte er bei sich. In den letzten beiden Tagen und naechten hatte er hoechstens 4-5 Menschen gesehen, seit gestern hatte er keine Strasse mehr ueberqueren muessen. und in dieser Abgeschiedenheit stand er nun wieder vor einem Zeugnis menschlicher Aktivitaet in dieser Gegend. Er folgte dem Zaun in richtung Westen- bis zu einem Tor. Eine Strasse fuehrte durch das Tor hinter den Zaun. Durch den Maschendraht hindurch konnte er sehen, was auf der anderen Seite des Zaunes vor sich ging. Jin erkannte eine Siedlung die aus Containern aufgebaut war. Dort drueben standen auch Fahrzeuge, die gleichen LKW, mit denen sie ihn vom Zoo zu diesem Flugplatz, und nach seiner Gefangennahme zu dieser Wildtier-Auffangstation gebracht hatten! Er musste schlucken. "Sind sie mir zuvor gekommen? Waren die letzten in Freiheit lebenden grossen Pandas nur eine Luege, und in Wirklichkeit nur ein weiterer Versuch des Menschen seine Art einzusperren?" Eine Welt brach in Jin zusammen. er drehte sich um, und trottete gesenkten Kopfes in Richtung Osten davon. Der Anblick des Zaunes wiederte ihn an. Er stand fuer das genaue Gegenteil von Freiheit und Selbstbestimmung. Jemand, der frei war liess sich doch nicht in diesem "Kaefig"- und mochte er noch so gross sein, einsperren. Sollte das Streben eines ganzen Jahres, die Entbehrung und Gefahr, die er auf sich genommen hatte umsonst gewesen sein? 3 Stunden war er dem Zaun gefolgt, als dieser ploetzlich eine 90grad-Biegung nach Norden machte. Er ging um die Ecke des Zaunes, nun wieder nach Norden, immer weiter. Der Morgen graute bereits, als er sich endlich zum Schlafen in eine Senke im Waldboden legte, weitab vom Zaun und der Enttaeuschung, die ihm gestern widerfahren war.

Ein Glockenschlag liess Jin hoch fahren! "Was war das?! Da! Da war es wieder." Er setzte sich in seinem Nachtlager auf und lauschte.
Wieder hallte der Klang einer grosssen Glocke durch das Tal unter ihm und hinauf zu dem Hang, wo er sich zum schlafen gelegt hatte.
Es mochte Mittag sein, die Sonne stand hoch am Himmel. Ein drittes Mal schallte der Glockenklang zu ihm hinauf. Ein weiteres mal siegte seine Neugier und er schlich auf allen vieren zu einem Vorsprung im Hang, von dem aus er das Tal ueberblicken konnte. Als er ueber den Berggrat blickte, stutzte er. Unten im Tal befand sich eine rot/gruene Pagode zwischen den Baeumen. Auf dem Platz davor standen einige Menschen in orange Gewaender gekleidet. Bei genauerem Hinsehen erkannte er mehrere Bauten im gleichen Stil wie die Pagode erbaut worden waren. Sie waren im lockeren Abstand ueber das ganze Tal verstreut. Pfade und Treppen schienen diese Gebaeude zu verbinden.
Und ueberall waren diese orange gekleideten Gestalten unterwegs. Dieser Ort schien Ruhe und Frieden aus jeder Faser zu verstroemen.
Die Anspannung wich von Jin- hier drohte ihm anscheinende keine Gefahr, obwohl er dem Frieden noch nicht so recht trauen wollte.
Er verbrachte den Rest des Tages damit dem Treiben unten im Tal aufmerksam zu zuschauen, und als die Sonne sich senkte und das ganze Tal in ein goldenes Licht tauchte, verliess er seinen Beobachterposten und begab sich hinunter ins Tal um etwas zu fressen zu finden.

Auf der Talsole angekommen ging er durch einen ausgedehnten Bambushain. Der Geruch, den der Bambus verstroemte erinnerte ihn an den Zoo. Jeden Tag hatte er dieses gruene Zeug gefressen, seit dem er von der Milch seiner Mutter entwoehnt war. 6 Stunden am Tag nur diese zaehe, energiearme Pflanzenkost. Mit seinen Kiefern brach er einen Bambustrieb ab und hielt ihn mit seinen Vordepfoten fest. Es roch vertraut, und doch verband Jin damit keine guten Erinnerungen. Er liess den Trieb fallen und wandte sich ab, denn seine Nase hatte etwas gewittert- den suesslich penetranten Geruch von verrottendem Obst und Gemuese. Und richtig, keine 30 Meter vor ihm ausserhalb des Bambushains stand ein staehlerner Muellcontainer an der Rueckwand eines der kunstvoll verzierten rot/gruenen Pagodenbauten.
Er schlich zum Container und schob mit seiner Tatze den Deckel auf - so wie er es schon hunderte Male vorher gemacht hatte. Inzwischen wusste er, wie man einen solchen Muellcontainer oeffnete, ohne sich zu verraten. Er kletterte hinein, innen roch es nach fermentiertem Reis, faulem Obst und Jasmin. Er stoerte sich nicht am Geruch und begann im Container zu wuehlen. Er fand ein paar nicht mehr taufrische Obstreste und etwas Gemuese, das er verschlang. Mit einem Mal oeffnete sich eine Tuer an der Rueckseite der Pagode! Von diesem Geraeusch erschreckt schielte Jin aus dem Deckel des Muellschluckers hinaus und erkannte einen Lichtschein. Er wollte grade
den Container im Sprung verlassen und zurueck in den Bambus hechten, da stand ein Mensch direkt vor ihm an der Oeffnung des Containers! Jin erstarrte mitten in der Bewegung! Mensch und Panda trennten vielleicht 20 Zentimeter von Angesicht zu Angesicht. Ihre Blicke begegneten sich und beide erkannten die Ueberraschung in den Augen des Anderen. Der Mensch liess seinen Bambuskorb mit Muell fallen und rannte wild gestikulierend und rufend in richtung einer anderen Pagode davon. Diesen Moment nutzte Jin um aus dem Container zu klettern und schnell auf allen Vieren im Bambusdickicht zu verschwinden.

Am folgenden Tag traute Jin sich nicht, seinen Ausguck vom Vortag zu besetzen. Diese Begegnung letzte Nacht hatte ihm gezeigt, dass er mit seiner Wachsamkeit nicht nachlassen durfte, sonst waere er schneller weg von diesem Ort, an dem es ihm trotz allem gut gefiel, als ihm lieb war. Er wanderte auf dem Berggrat um das Tal herum, um sich diese Oase des Friedens von der anderen Seite anzuschauen. Den halben Tag hatte er gebraucht, um auf die Ostseite des Tals zu kommen, wobei ihm der Weg durch den Talkessel versagt blieb, wollte er unentdeckt bleiben. Am Nachmittag bezog er einen Felsvorsprung auf der Ostseite des Tals und besah sich abermals das Treiben der Menschen unten im Talkessel. Bis zum abend folgte dem Geschehen , dann rollte er sich auf dem Felsvorsprung zusammen, und schlief ein.
 
Zuletzt bearbeitet:

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
So hier nun das siebte Kapitel viel Spass beim lesen!

Kapitel VII- "der Gluecksbringer"

Jin war inzwischen seit 3 Wochen bei den Menschen in diesem Tal. Viel hatte er in dieser Zeit von ihnen durch blosses Beobachten gelernt. Zum Beispiel, dass es sich bei den Orange gekleideten Menschen um die Moenche eines buddhistischen Klosters handelte. Ihm waren, bis zu seiner Ankunft im Tal des Klosters, die Prinzipien von Glaube und Religion fremd gewesen. Doch je mehr Zeit er in der Naehe dieser Menschen verbrachte, desto mehr fuegte sich das Puzzle zu einem ganzen Bild fuer ihn zusammen. Er hatte beobachtet, dass die Menschen jeden Tag der goldenen Statue eines dicken Glatzkopfs, die in einer offenen Pagode im Zentrum der Anlage stand, Opfergaben brachten; und sich dort lange aufhielten, bevor sie ihrem Tagesgeschaeft nachgingen. Diese Pagode war nur von drei Seiten mit anderen Gebaeuden umgeben, und die vierte Seite oeffnete sich genau zum Osthang des Tals. Dieser Umstand ermoeglichte es Jin morgens, wenn die Moenche zu dieser Statue pilgerten, aus der Naehe zu beobachten, was in der Pagode vor sich ging- ohne jedoch seine eigene Anwesenheit zu verraten.

Es war zu so etwas wie einem Ritual fuer ihn geworden. Jeden Morgen, wenn die Sonne ueber dem Bergruecken aufging, der das Tal im Osten begrenzte, sass Jin bereits in einem Dickicht keine 50 Meter von den Stufen zur Pagode hinauf entfernt und beobachtete die stumme Prozession der Moenche hinauf zur Buddhastatue. An manchen Tagen machten die Moenche Yogauebungen auf dem Hauptversammlungsplatz des Klosters neben der Pagode mit der Glocke, die jeweils zum Morgen- und zum Abendgebet gelaeutet wurde. Jin wohnte diesen Treffen der Moenche stets aus sicherer Entfernung bei meistens von seinem Beobachtungsposten auf dem Felsvorsprung an der Westseite des Tales aus.

Seit 2 Tagen raeuberte er auch wieder in dem Muellcontainer, in dem er vor 14 Tagen diese unheimliche Begegnung gehabt hatte. Nicht, dass die Futtervorraete an Bambus und Beeren an den Haengen des Tales erschoepft waren- nein, vielmehr hatte ihn wiedereinmal die Neugier und die Aussicht auf ein paar schmackhafte Gemuesereste zurueck zur Rueckseite der Pagode getrieben. Dieses aufregende Treffen hin oder her- sie waren ihm damals nicht gefolgt, und sie hatten auch nicht mit Hunden nach ihm gesucht oder aehnliches. Doch als Jin an diesem Abend wieder einmal im schutze der Dunkelheit auf die Rueckseite der Pagode zu schlich war irgendetwas anders. Er erkannte zwei Blechschuesseln etwas abseits von der Pagode- sie rochen verfuererisch nach frischem Obst und Jasmin. Beinahe haette er den Geruch nicht bemerkt, bei dem schweren Duft von fermentiertem Reis, der den Container umgab. Pruefend hob er die schwarze Pandaschnauze in die laue Abendluft. Als er vor den Schuesseln stand erkannte er, dass sie voll mit frischem Obst und Gemuese waren. Offensichtlich hatte sie hier jemand vergessen. Er lauschte, ob er allein war. Nichts, kein Laut. Die runden Pandaohren horchten in alle Richtungen, angestrengt auch da kleinste Geraeusch ortend, doch abgesehen von den ueblichen Klaengen des Waldes war es ruhig. Er begann zu fressen. Als er beide Schuesseln geleert hatte, wandt er sich um und wollte im Wald verschwinden. Er war gerade hinter der Baumgrenze, da oeffnete sich die Tuer an der Rueckseite der Pagode. Ein Moench trat heraus, hob die Schuesseln auf, blickte in Jins Richtung und hob die Hand zum Gruss. Jin stutzte. Hatte der Moench ihn gesehen? Und vor allem- hatte der Moench hinter der Tuer gewartet, bis Jin fertig war mit Fressen? Nun begann Jin langsam zu begreifen- die Schuesseln standen nicht zufaellig dort, sie waren offensichtlich fuer ihn bestimmt gewesen.

Am folgenden Tag Fand Jin abends wieder 2 gefuellte Schalen hinter der Pagode vor. Und als er fertig mit Fressen war trottete er aufrecht zurueck in den Wald. Wieder oeffnete sich die Tuer und wieder kam der Moench, um die Schuesseln einzusammeln. Doch dieses Mal hatte Jin absichtlich etwas gebummelt und war noch nicht im Wald verschwunden. Als er den Lichtschein sah, der aus der Tueroeffnung auf den Waldboden fiel drehte er sich um uns sah den Moench. Dieser hatte grade die Schuesseln aufgehoben und sah Jin unglaeubig an. "Warum fluechtete der Panda nicht?!"- dachte der Moench. Diesmal war es Jin, der seine Pandapranke zum Gruss hob. Der Moench stand wie angewurzelt da. Mehr automatisch als absichtlich erwiederte er Jins Gruss mit einem Winken. Hatte dieser Panda, der sich jetzt schon seit fast 3 Wochen hier im Tal herumtrieb ihn tatsaechlich gegruesst? Der Moench verschwand kopfschuettelnd in der Pagode und schloss die Tuer hinter sich.

In den folgenden Wochen wurde der allabendliche Weg zur Klosterkueche- denn nichts Anderes befand sich in der Pagode mit dem Muellcontainer- Routine fuer Jin. Eben so wie seine Teilnahme an den Gebetsstunden drueben bei der Buddhastatue. Wenn er auch immer im Hintergrund ausser Sicht fuer die Monche blieb, so war er doch stets in ihrere Naehe.

So verstrichen einige Wochen. Die Moenche hatten sich inzwischen an Jins Anwesenheit gewoehnt. Er war tatsaechlich so etwas, wie ein Gluecksbringer geworden. Wenn er auch die meisste Zeit des Tages nicht zu sehen war, so war Jins Gegenwart ueberall im Tal zu spueren und Spuren von ihm ueberall im Tal zu sehen. Auf seinen Streifzuegen durch die Waldgebiete des Tales hatte er regelrechte Pfade ausgetreten. Haetten sie ihn finden wollen, so haetten die Moenche nur den Wegen durch das Unterholz folgen muessen. Doch sie respektierten Jins Privatsphaere. Immerhin war er so etwas wie ihr Maskottchen. Seine naechtlichen Besuche der Kuechenpagode waren unregelmaessig geworden, da er jetzt immer laengere Touren das Tal hinauf unternahm, und machmal tagelang nicht in der Naehe des Klosters gesichtet wurde. Doch jedesmal, wenn Jin nachts zur Kueche kam standen mit Gemuese und Obst gefuellte Schalen fuer ihn bereit.

Jin fuehrten seine Wanderungen bis oberhalb der Baumgrenze. Im Winter lag dieser Teil des Tals stets im Schnee. Selbst hier oben hatten die Moenche Zeugnisse ihres Schaffens hinterlassen. Auf einem Plateau, auf dem nur noch windgebeutelte Graeser und Moos wuchsen hatten sie einen kleinen Schrein und eine Kapelle errichtet. Bis hierher war
es fuer Jin ein Zweitagesmarsch gewesen. Er hatte die Einsamkeit dort oben genutzt, um eine Nacht allein im Schrein zu verbringen. Etwas Abstand von den Menschen tat ihm von zeit zu zeit ganz gut- er wollte seine Existenz als grosser Panda
nicht vollstaendig aufgeben. So viel ihm das Leben beim Kloster auch gab, er fuerchtete ein Opfer seiner eigenen Neugier zu werden. Nicht in dem Sinne, dass er dort in Gefahr war, sondern dass er sich zu etwas entwickelte das nichts mehr mit einem Panda zu tun hatte. Er war die letzten Wochen fast ausschliesslich aufrecht gehend unterwegs gewesen. So buesste er immer mehr von seiner Beweglichkeit auf allen Vieren ein. Es war Jin ein paar Tage zuvor beim fressen passiert. Er hatte auf allen Vieren vor den Schuesseln gestanden und gefressen, da knackte etwas hinter ihm, im Wald.
Wie er es gewohnt war, hatte Jin seine Hinterbeine verdreht, um sich dem Geraeusch zuzuwenden, doch er hatte seine Vorderbeine regelrecht vergessen! Das Resultat war, dass der Panda nun mit den Vorderbeinen einknickte, und ohne irgend einen Abstuetzreflex der Laenge nach auf den Waldboden hinschlug.

Er rieb sich das Kinn mit der Pranke. Dieses Missgeschick hatte ihn wachgeruettelt. Doch es war zeit fuer den Abstieg zurueck ins Tal. Jin machte sich auf den Rueckweg. 2 Tage spaeter hatte er das Kloster im Talkessel wieder erreicht.
Er bestieg wieder das Plateau an der Ostseite des Tals und beobachtete die Moenche, wie sie ihrem Tagesgeschaeft nach gingen. Als die Sonne begann sich zu senken, trottete Jin wieder auf seinem Trampelpfad auf die Kuechenpagode zu. Und wieder erwarteten ihn zwei gefuellte Schalen. Nach dem er gefressen hatte, trieb Jin sich einem inneren Trieb folgend auf der Lichtung hinter der Pagode herum. Und wie es kommen musste begegnete er dem jungen Moench, der nach geraumer Zeit die Schuesseln abholen wollte. Jin sass grade aufrecht hinter der Pagode und aeugte zur Tuer, als diese sich oeffnete, und der Moench heraustrat. Er sammelte die Schalen auf, und blickte noch einmal in die Richtung des Pandas. Dieser sass immernoch wie eine Statue keine 15 Meter entfernt und blickte ihn an. Der Junge naeherte sich langsam Jin, immer darauf bedacht keine hastigen Bewegungen zu machen. Als er vor Jin stand, stellte er die Schalen ab, streckte den Arm aus und streichelte den massigen Kopf des Pandas. Jin quittierte diese Aktion seinerseits mit einem wohligen Brummen und einem schiefgelegten Kopf. Nun wurde der Junge etwas mutiger und knuffte Jin sachte in die Flanke. Die Antwort war ein Schnaufen des Pandas. Jin hob seinen Kopf und blickte dem Moench direkt in die Augen. Ihre Blicke trafen sich, und fuer einen Moment war es so, als ob die Umgebung und der Wald ehrfurchtsvoll inne hielten. Jin hob seine Pandatatze und reichte sie dem Jungen. Dieser war offensichtlich vollkommen perplex ob dieser Geste des Pandas. Nach einer kurzen Pause ergriff der Moench Jin's Pranke wieder trafen sich ihre Blicke. Der Moench brach das Schweigen und sagte mit ruhiger Stimme: "Wilkommen bei uns im Kloster, grosser Panda." Und wie zur Antwort zeigte Jin seine Zaehne- nein, er laechelte. Der Moench wendete sich schliesslich ab, und ging langsam, offensichtlich immernoch gefesselt von diesem magischen Moment, zurueck in die Pagode. Als er sich auf der Tuerschwelle noch einmal umdrehte, sah er, dass der Platz, an dem grade dieses seltsame Treffen stattgefunden hatte, verwaist war. Der Panda war bereits spurlos im Wald verschwunden.
 
Zuletzt bearbeitet:

Butch

Küchen-Bully
Mitglied seit
4 Nov 2010
Beiträge
477
Nach etwas Pause hier nun das 8. Kapitel.

Kapitel VIII
"Hier kannst Du nicht bleiben"


So gingen einige Monate ins Land, und immerwieder kam es zu Treffen von Jin und den Moenchen. Stets
wurde der Panda dabei mit Respekt behandelt; und so kam es, dass Jin alsbald seine Scheu vor den
Menschen fast komplett verlor.
Jin hatte quasi freien Zugang zum Kloster, und nutzte diesen auch regelmaessig, so lang er sich im Tal auf-
hielt. Den Rest der Zeit pendelte er zwischen dem Schrein jenseits der Baumgrenze und dem Tal.
Mal war er fuer ein paar Tage verschwunden, mal 1-2 Wochen. Doch immer fuehrte sein erster Weg, nach
der Rueckkehr ins Tal zurueck zur Kuechenpagode, wo stets zwei Schuesseln mit Futter auf ihn warteten.

Doch bei diesem Abstieg vom Schrein hatte Jin ein seltsames Gefuehl im Magen. Sein tierischer Instinkt
war es diesmal, der sich meldete. Irgendetwas war anders im Tal, er konnte nicht genau sagen was es war,
doch er spuerte, das etwas nicht in Ordnung war.
Er war grade ueber den Felskamm gekommen, der das Tal mit der Bergseite verband, da erkannte er,
dass die Seite des Tales, welche sich zum Flachland hin oeffnete von dunkelgruenen Fahrzeugen blockiert
war- und zwar von einer grossen Menge an Fahrzeugen die Jenen verdaechtig aehnelten...
"Moment, konnte das sein?" fragte sich Jin. "Diese Lastwagen habe ich doch schon einmal gesehen!"
Der Panda zuckte zusammen. Diese Lastwagen waren genau die Gleichen, die er vor einigen Monaten
durch den Zaun oben ausserhalb des Tals beobachtet hatte!
"Wer hat mich verraten?!" schoss es Jin durch den Kopf.
Wie konnten diese offensichtlich friedliebenden Moenche ihn dermassen hintergehen?!
Der Panda beobachtete aus sicherer Entfernung die Szenerie und erkannte Einzelheiten. Die Moenche
waren alle auf den Beinen und hatten sich im Innenhof des Klosters versammelt- umgeben von
Gestalten in gruener Kleidung. Jin stutzte.
"Es sieht beinah so aus, als ob die Moenche sich gegen ihren Willen im Klosterhof aufhielten!"
Sollten seine Haescher ihm tatsaechlich all diese Monate auf den Fersen gewesen, und ihm bis hierher
gefolgt sein?

Jin folgte dem Geschehen im Tal fuer den Rest des Tages- immer darauf bedacht ausser Sichtweite zu
bleiben. Gegen Abend wurde es ruhiger im Tal; die Fahrzeuge verschwanden und mit ihnen auch die
uniformierten Gestalten. Jin begab sich erst nachdem er sich absolut sicher war, dass er allein war
hinunter ins Tal. Hinter der Kuechenpagode erwartete ihn anstatt der ueblichen zwei Schuesseln der
Moench, den er hier damals zum ersten Mal getroffen hatte. Er schien besorgt, soviel verriet seine Miene.
"He, grosser Panda" begann der Moench. "Was auch immer dein Geheimnis ist, hier ist es nicht sicher, und
du bist es auch nicht." Jin setzte sich hin und blickte ihn an. Der Moench fuhr fort." Diese Maenner, die
heute hier waren sind auf der Suche nach dir. Und sie haben uns gesagt, dass du eine Gefahr darstellst.
Sollten wir dich sehen, sollen wir sie unverzueglich verstaendigen, haben sie gesagt." Jin bleckte die Zaehne-
das, was der Moench da erzaehlte gefiel ihm gar nicht. Hatte er doch hier im Tal, zumindest voruebergehend
wie es schien, seinen Frieden gefunden. Und wo sollte er jetzt hin gehen?
Jin schaute dem Moench in die Augen- dieser versuchte dem Blick des Pandas auszuweichen.
Doch auf einmal erhellte sich das Gesicht des Jungen. "Weisst du was? Du gehst zu deinem Versteck, wohin
du dich immer zurueckziehst. Dort wird niemand nach dir suchen. Und ich werde dich begleiten, damit ich
weiss, wo ich dich finde, dass ich dir Futter bringen kann." Das leuchtete Jin ein. Er wollte keinesfalls die
Moenche hier im Tal in Gefahr bringen. "Morgen frueh, bei Sonnenaufgang, treffen wir uns wieder hier; und
du zeigst mir den Weg zu deinem Versteck." Jin hob und senkte den Kopf. Es sah beinah aus wie ein
freundliches Nicken, und der Junge fuehlte, dass es Jins Zustimmung ausdruecken sollte.

Am naechsten Morgen, als die Sonne grade ueber den Bergruecken gekrochen kam machten sich also der
Panda und der Moench gemeinsam auf den Weg hinauf zur Kapelle jenseits der Baumgrenze.
 

Labislazuli

Mitglied
Mitglied seit
15 Dez 2009
Beiträge
112
*gierrig grins* ich will mehr *kicher* nein scherz bei seite gefällt mir richtig gut ! ...lg labis
 

Similar threads

Oben