#6 Tugichts Prozess

Todai

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Die Gerichtsdiener erheben sich gerade und blicken streng nach unten. Der Schriftführer seufzt und reibt sich seine Schläfen, während sich der Richter räuspert. Seine Hände auf den schweren Tisch aus Mahagoni gestützt, erhebt er die Stimme und rückt die Brille zurecht.

Richter: Ihre Personalien bitte Herr…?

Der Angesprochene blickt vorsichtig nach oben zur Richterbank. Seine Augen funkeln weder vor Aufregung, noch vor Zorn, sondern vor Hass und Enttäuschung. Er erscheint müde und macht sich noch nicht einmal die Mühe, sich zu erheben.

Tugicht: Tugicht. Tugicht Dahlheim. Wohnhaft in der –

Richter: Genug! Es interessiert uns nicht, wer sie sind Tugicht.

Die Gerichtsdiener nehmen mit ernsten Mienen wieder Platz.

Richter: Es interessiert uns, warum sie heute hier sind.

Tugicht: Sie verlangten es von mir, werter Herr.

Richter: Nicht die Umwelt brachte sie heute an diesen Tisch Tugicht! Sie waren es, der sich heute
herschleppte und auch sind sie es, in dessen Hand es liegt, die Taten begangen zu haben,
die sie an diesem Tage an eben diesen Tisch brachten!

Tugicht: Es war mein Wesen, Richter, und mein Wesen ist nun ein Teil dieser Umwelt, deren
Unschuld hier verbürgt wird. Sollte man also nicht eher die Welt, die mich zu dem machte,
was ich heute verkörpere hier anklagen, verhören, denunzieren und versuchen zu
reintegrieren? Was kann ein jeder denn sein, als ein Zahnrad im Getriebe? Lediglich unsere
Anordnung können wir ändern, oder unseren Zweck!

Richter: Ruhe Tugicht! Sehen sie nicht, dass genau das hier geschieht? Wir ordnen uns neu an und
auch wenn sie glauben ein funktionierender Teil zu sein, so irren sie, denn diese Instanz ist
dafür zuständig, sich um solche wie sie zu kümmern. Fehler

Eine Pause entsteht und Tugichts Gesicht erbleicht bei diesen Worten. Wie entstellt verbirgt er sein Gesicht in den Händen, die Augen weit und ungläubig aufgerissen.

Tugicht: Nein…Wie kann das sein? Ich handelte doch, wie ich es für das Beste hielt! Das kann kein
Fehler sein! Meine Überzeugung entstand aus dieser Welt heraus für sie selbst! Wie kann ich ein Fehler sein?!

Tugicht springt hastig auf und hämmert mit den Händen wiederholt auf den Tisch.

Richter: Ruhe! Ruhe sage ich!

Zwei Gerichtsdiener sammeln sich zu seinen Seiten und bringen ihn mit Gewalt dazu, inne zu halten.

Tugicht: Schuld seid ihr alle! Ich bin lediglich die Verkörperung eurer Fehler, wie sonst könnte ich
sein?! Ihr alle klagt das an, was ihr selbst zu verschulden habt! Ihr klagt nicht, weil ihr das
Verhalten fehlerhaft findet, ihr klagt, weil ihr verdrängt, dass ihr alle dazu geführt habt!
Oh welch Gräuel! Mein Fall ist lediglich das Exempel, das euch legitimiert! Nur durch Fehler
ist es euch erlaubt, auch weitere zu begehen.

Langsam fällt der Vorhang und man hört das Schließen von schweren Eichentüren. Der Richter tritt vor den Vorhang und blickt ins Leere.

Richter: Natürlich…aber welche Wahl haben wir denn, wo Perfektion doch nur ein Ideal ist?
 

Lupino

Guest
Sind wir wirklich imstande eigene Entscheidungen zu treffen und damit für unser Handeln selbst verantwortlich, oder ist es doch das Umfeld, welches uns formt und zu dem macht was wir sind, ohne das uns dies selbst klar ist, da wir doch zumindest glauben in unserem Handeln frei zu sein?

Mehr kann man dazu nicht sagen, schätze ich.
 

Todai

Guest
Das...ist jetzt circa die erste Hälfte meines Stücks einfach von Inhalt her wiedergekäut. Aber na gut. Lassen wir dir mal deine Meinung dazu.
 
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