#5 Alltag

Todai

Guest
Ich wache auf, schaue mir die Nachrichten an. Krim Krise. Telecom liegt unter den Erwartungen des Quartals. Langsam richte ich mich auf und reibe mir die Augen. Wieso stehe ich nicht auf? Im Grunde eine vorbildliche Idee und so beschließe ich endlich meinen faulen Körper aufzuraffen und meinen Weg zur Küche zu beschreiten. Dort angekommen gibt es Kaffee. Ich halte kurz inne und schau auf das Kaffee Pad in meiner Hand. Irgendwann werd‘ ich mir eine richtige Kaffeemaschine kaufen und nicht diese Ersatzkonstruktion zur Gewinnung von Bohnenextrakt aus irgendwelchen Papier Obladen.

Während die Brühe langsam durchläuft, gehe ich wieder zurück ins andere Zimmer und schalte den Computer ein, öffne das Fenster und zucke zusammen. Wie der grausame Schlachtruf einer Todesfee im Walde, dröhnt es mir markerschütternd entgegen. Es scheint immer noch Vögel zu geben die der Tatsache, dass es Winter ist, den Rücken kehren und entgegen ihrem Instinkt nicht gen Süden fliegen, sondern sich vor meinem Fenster niederlassen um mir und nur mir in aller Frühe auf die Nerven zu gehen. Ach ja. Exakt so ein Tier wäre ich auch, wenn man mich schon dazu zwingen würde tierische Gestalt anzunehmen. Ich würde mich nicht in irgendwelchen Wäldern, Seen oder Bergen tummeln. Nein ich würde in eine Stadt gehen und mit meinem ganzen animalischen Repertoire den Leuten gehörig auf den Sack gehen. Konsequent. Nachts würde ich Radau machen und früh Morgens ebenso. In der Zwischenzeit, in der man schläft und sich in Sicherheit wiegt, würde ich irgendwem einfach vor die Haustür scheißen.

Ich grinse. Blöde Idee Nummer eins für heute, denke ich mir und schiebe den Gedanken meine Hausschuhe nach draußen auf die Vögel zu werfen bei Seite. Der Kaffee oder was immer das auch ist, was ich fabriziert habe ist mittlerweile fertig, also wandle ich zurück in die Küche und kippe Zucker hinein. Naja es ist nicht nur Zucker, es ist ein kleiner Berg Zucker. Ich trinke meinen Kaffee für gewöhnlich so, dass Diabetiker Gefahr laufen, selbst beim Nippen ihren Fuß durch eine Explosion zu verlieren. Man könnte also sagen, dass das eine Art Diabetes Prävention ist, obwohl ich bei dieser Menge Zucker selbst mit Diabetes enden werde. Wieder grinse ich. Ich habe mein eigenes Diabetes Paradoxon geschaffen und bin noch keine 10 Minuten wach. Damit dürfte ich genug Produktives für den Tag geleistet haben.

Mittlerweile halbwegs fröhlich und mit einer zuckerartigen Flüssigkeit versorgt, die sogar Koffein enthält setzte ich mich an den Computer und gehe die einzelnen Zeitungen durch. Irgendwann wird mir zu langweilig und ich greife zu einem Buch, dann doch aber lieber zu meiner Gitarre. Nach einigen Stücken fange ich an nachzudenken, was ich überhaupt schreiben möchte. Es ist der Sechste des Monats und eigentlich habe ich mir vorgenommen einmal monatlich in diesem dämlichen Blog weiter zu schreiben. Verärgert setzte ich mich hin und mich überkommt eine unsägliche Langeweile. Damit ist mein Thema auch gefunden.


Wisst ihr, das war wohl die längste Einleitung hin zu einem Thema, die ich mir jemals überlegt habe. Im Grunde geht es um den Alltag, der immer allzu gerne mit Langeweile assoziiert wird. Ich höre immer wieder, wie sich Leute über die Alltäglichkeit der Dinge beklagen und sie herunterreden als faden eintönigen Pfad, dem sie nicht entkommen können. Der ach so graue Alltag.
Was ist das überhaupt? Der Alltag. Zusammengesetzt ist das Wort aus All und Tag. All für eine Art umfassende Menge und Tag. Naja der Tag eben. Aber sind wirklich alle Tage ein All-Tag? In unserem Sprachgebrauch ist der Alltag wohl bei den meisten Leuten die Arbeitswoche von Montag bis Freitag. Ein fest geplanter Bereich der erforderlichen, notwendigen Ereignisse, die zur Existenzsicherung dienen, wie das Arbeiten, die Schule oder aber die Ausbildung.
Und dann kennen wir noch den Nicht-All-Tag. Also quasi Tage die von dieser Regelung abweichen und uns eine theoretisch völlige Freiheit der Planung überlassen. Das sind wohl für die meisten Leute schlichtweg die Wochenenden und der Urlaub. Diese Nicht-All-Tage können wir so verbringen wie wir wollen.

Wenn man von dem Begriff des All-Tags ausgeht, sehen wir aber, dass er versucht alle Tage zu beschreiben. Von daher fällt mir auf, dass wir alle durchaus öfter notwendige Dinge tun müssen, als die, zu denen wir uns nach Belieben entscheiden können. Ist der Alltag deswegen etwas schlimmes, weil er uns in gewisser Hinsicht der Freiheit beraubt und uns in einen Determinismus wirft, dem gegenüber wir nichts entgegensetzen können?

Eventuell. Das muss jeder wohl für sich festlegen. Ich kann nur sagen, dass ich auch in meinem Alltag immer gewisse Optionen gegeben habe, die es mir erlauben diesem Tag etwas von seiner gräulichen Erscheinungsform zu nehmen und deswegen mag ich auch meinen Alltag. Er spornt mich durch einen Zwang an, aber er überlässt mir ebenso ein gewisses Maß der Selbstbestimmung.


Verdammt…jetzt ist die Plörre von Kaffee auch noch kalt. Wäre ich irgendein Tier würde ich mir das hier nicht geben, sondern irgendwem vor die Tür scheißen. Dreck.
 
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