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Thema: Das Lied vom weißen Schatten

  1. #1
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    Pfeil Das Lied vom weißen Schatten

    Nachdem Digimon nach zwei Jahren des Schreibens sein Ende gefunden hat, komme ich nun mit einem neuen Projekt um die Ecke. Es ist eine Fantasygeschichte, mit wenig Furrycontent. (Es kommen später einige vor, aber halt nicht als Hauptfiguren.)
    Dafür geht es auch um Engel und Dämonen, Monster und andere Wesen die unsere Vorstellungskraft erschaffen hat.
    Ich wünsche allen Interessierten viel Spaß beim lesen und einen besonderen Dank an Aotora der mein Betaleser ist und sich das ganze erstmal antun muss!


  2. #2
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    Prolog: Das unvorhersehbare Licht

    Dem Auge des Jägers entging nichts. Die gesamte Konzentration war auf das Wesen am Boden gerichtet, dass nichtsahnend Futter suchte. Bald würde es selber Futter für die wachsame Eule werden, die ihre Flügel schon lautlos ausstreckte.
    Fasziniert sah Thyrill zu, wie die Eule blitzschnell die Maus fing und sah ihr mit großen Augen hinterher. Der Junge war 12 Jahre alt und lebte auf den Bauernhof seiner Eltern, zusammen mit seinen zwei Geschwistern Mex und Jyll. Beide waren jünger als er, Mex war 10 Jahre, Jyll 9. Außer seinem Vater hatten alle blaue Augen, was im Süden von Thrystera eher ungewöhnlich war, dazu hatte Thyrill lange schwarze Haare, die er oft zu einem Zopf zusammenband.
    Wüssten seine Eltern, dass er wach wäre, würde es ziemlichen Ärger geben. Denn alle Mädchen und Jungen die 10 Jahre alt wurden mussten in den Nachbarort zur Schule gehen.
    Leider startete diese bereits zwei Stunden nach Sonnenaufgang, wobei er und Mex noch eine halbe Stunde laufen mussten. Am liebsten würde er ja rausgehen und die Nacht erkunden, doch allenfalls verblieben ihm noch 6 Stunden bis er los musste.
    „Das ist so doof…“ sagte er mit einem schweren Seufzer und ließ seinen Blick schwenken. Von jeher konnte er sehr gut in die Nacht schauen und so erkannte er von weitem die zwei Pferde und Kühe, die in einem eingezäunten Areal fraßen. Zudem besaßen sie noch einen Hühnerstall und verkauften fast jeden Morgen Eier und Milch. Er sollte als ältester Sohn diesen Bauernhof, den sein Urgroßvater mal erbaut hatte, übernehmen, doch sein Unmut darüber war groß. Mex konnte ihn haben, der Bursche war den ganzen Tag bei den Tieren und freute sich über die Arbeit, doch dies war nicht Thyrills Welt. Wenn er 16 war würde er sich auf die Reise machen und Abenteuer erleben, jagen wie diese Eule und die Welt kennenlernen. Was soll er sein Leben auf diesem alten Bauernhof verbringen?
    Der nächste Morgen kam viel zu früh und in Form eines lauten Schreis seitens Mex, der vom Hühnerstall herüberwehte. Anscheinend hatte er es geschafft einigen Küken beim Schlüpfen zuzusehen, was ihn in helle Aufregung versetzte.
    „Nerv doch nicht.“ Murrte Thyrill und zog sich das Kopfkissen über den Kopf. „Ich will schlafen.“
    „Du warst doch bestimmt die ganze Nacht auf, oder?“ sagte Jyll, die gerade an seiner Tür vorbei ging und einen prüfenden Blick hineinwarf. Im Gegensatz zu ihm hatte sie weißblondes, leuchtendes Haar, das nur etwas länger war.
    Der Junge stand mit einem schweren Seufzer auf den Lippen auf, zog sich eine braune Leinenhose und ein weißes Hemd an, bevor er in die Küche watschelte.
    Sie hatten ein großes Haus auf einer Anhöhe, das einst sein Großvater Mütterlicherseits gebaut hatte. Die Küche war groß und einladend, mit vielen Schränken und Kochmöglichkeiten, dazu gab es eine Stube und fünf Zimmer. Jedes Kind hatte sein eigenes, dann gab es ein Schlafzimmer und das letzte wurde als Gästezimmer benutzt.
    Dann gab es da noch die große Wiese, auf der die Scheune stand. Dort wurden meist die Kühe und die Pferde untergebracht, weiter gab es noch einen kleineren Zaun für den Hühnerstall.
    Ihre Eltern waren stolze Bauern und hatten doch einiges an Geld erarbeitet und hofften, dass ihre Kinder alsbald diese Tradition weiterführten.
    „Kommst du, Thy?“ hörte er die Stimme seiner Mutter, während der schöne Geruch von frischen Brötchen seine Geruchsnerven liebkoste. „Ja, unterwegs!“ gab er zurück.
    Seine Mutter lächelte ihn an als er in die Küche kam. Sie hatte weißblondes Haar und ähnelte Jyll sehr, war aber älter und besaß mit ihren 34 Jahren die ersten Falten. „Gut geschlafen?“
    „Es geht.“ Thyrill zuckte mit den Schultern und warf einen Blick aus dem Fenster. Er konnte seinen Vater bei den Pferden sehen, das kurze schwarze Haar leuchtete leicht im Sonnenlicht. Er hatte braune Augen und war somit einzigartig in ihrer kleinen Familie.
    „Hör auf zu träumen!“ Jyll schlug ihm ein paar Brötchen fast um die Ohren und murrend nahm er sie, bestrich sie mit Butter und nahm sich Wurst. Er war um diese Zeit einfach noch kein Stück lebensfähig.


    Eine Stunde später packte er in seinen Rucksack Stift und Papier sowie ein Buch ein. Es war Zeit die Schule zu besuchen und weiter zu lernen.
    Vor ein paar Jahren gab es diese Pflicht noch nicht, aber es wurden andauernd ärmere Leute übers Ohr gehauen, die nicht lesen und schreiben konnten, weswegen vom König selbst eine Verordnung zur Schulpflicht verabschiedet wurde. Egal ob Bauer, Adel oder sonst wer - jedes Kind ab zehn musste für mindestens drei Jahre die Schule besuchen. Ab da ging es noch weiter, kostete dann aber Geld, was sich die Ärmeren dann aber nicht leisten konnten. Das System an sich war in Ordnung und gab allen die Möglichkeit doch etwas aus seinem Leben zu machen und sich nicht in vorgefertigte Rollen zu quetschen.
    Das wurde Thyrill jedenfalls immer wieder vorgebetet von seinen Eltern. Die beiden konnten nicht lesen, weil ihre Eltern immer der Meinung waren, man müsse doch keine Schulen bezahlen, sie brauchen das für den späteren Werdegang ihres Lebens nicht.
    Vielleicht hofften sie auch auf das Lernen durch ihre Kinder, damit sie so etwas nachholen konnten.
    Kurze Zeit später kam auch Mex, der ein kleines Stück kleiner als er war. Neben den charakteristischen blauen Augen hatte auch er schwarze Haare, diese waren jedoch ziemlich kurz geschnitten. Der Junge musste wegen dem ganzen Hühnerdreck erst einmal ins Bad und sich anschließend umziehen, damit er zur Schule konnte. „Beeil dich doch einfach mal!“ rief Thyrill, der langsam keine Lust mehr auf das Warten hatte. Wie konnte sein Bruder nur nichts anderes als diese blöden Hühner im Kopf haben?
    Sein Vater, der sich jetzt gerade erst hinsetzte um zu Frühstücken wischte sich über die schweißgebadete Stirn und ließ einen kleinen Seufzer ab. „Mex und Thyrill, könnt ihr mir nach der Schule helfen? Der alte Wagen ist kaputt und ich möchte einen neuen bauen, damit wir die Waren leichter in die Stadt transportieren können. Tante Myr würde sich auch wieder freuen euch zu sehen.“ Ihre Tante führte in der Stadt einen kleinen Laden und verkaufte da die ganze Ware, die Milch und die Eier ihres Bruders weiter. So konnten beide daraus einen essentiellen Gewinn ziehen und verdienten gutes Geld.
    Während Thyrill nur ein unbegeistertes „Ja...“ vom Stapel ließ, nickte sein Bruder aufgeregt. „Natürlich! AM besten fangen wir glei...“ In diesem Moment wurde er von Thyrill gepackt. „Nein, du kommst jetzt mit!“ Das Quengeln seines Bruders ignorierte er einfach und zog ihn mit sich. „Weißt du, es würde soviel einfacher machen wenn du einfach nicht jeden Morgen im Dreck kniest für die Hühner. NEIN, die brauchen nicht jeden Tag deine Aufmerksamkeit!“ Zum Glück konnte er nicht das Augenrollen seines Bruders sehen, ansonsten wäre er wohl noch wutentbrannter.


    Einige hundert Meter weiter stand das 200-Seelen-Dorf Frie, doch dort befand sich nicht die Schule. Dafür mussten sie in die Stadt Nikra und diese befand sich etwa zwei Kilometer entfernt. Die Schule war für alle im näheren Umkreis da und hatte im Moment in jeder Klasse etwa 20 Schüler. Die Klassen waren nach Alter unterteilt und so bekam jeder etwas mit, denn der Unterricht ging vier Stunden am Tag. Die erste Klasse war für ein Jahr dafür zuständig, in dem man Lesen und Schreiben lernte und etwas Literatur lernte. Die zweite Klasse befasste sich mit der Biologie, Anatomie der Menschen, Heilkunde und dem Tierreich. Die dritte Klasse war dann etwas freier. Am Anfang lernte man die Geografie des Landes, die Bestimmung der Zeit durch Sterne und Sonne sowie einige Sachen zur Magie . Danach war es dennoch mit am Interessantesten, wenn der Stoff durch war: man konnte dort fast lernen was man wollte, da einem die Bibliothek der Stadt offen stand, von den Lehrern überwacht, und auch Einblicke in verschiedene Arbeiten bekommen. Darauf freute sich Thyrill am meisten, denn er wollte der Kämpfergilde einem Besuch abstatten, diese war in jeder größeren Stadt vertreten und ein Teil der Königlichen Armee. Jedoch war ihre Aufgabe eher den Bürgern zu helfen vor Banditen und anderen Gesocks, sowie Monster die dann und wann auftauchten. Dafür erhielten sie viel Dank und Ehre, überall wurden ihre Mitglieder empfangen und eingeladen.
    Nur leider nahmen sie niemanden auf der unter 15 Jahre alt war, denn ansonsten war die Gefahr zu groß, dass dieser weder die geistliche noch körperliche Reife dazu besaß. Im Gegensatz zur restlichen Armee durften hier auch Frauen mitmachen und dort arbeiten, die Regeln saßen dort eher lockerer.
    Ein Glück für die wenigen Frauen die auch was anderes, jenseits von der normalen Arbeit machen wollten, denn im Allgemeinen waren sie benachteiligt und durften vieles Höheres gar nicht annehmen und ausüben.
    Eine Welt, in der Frauen benachteiligt wurden, dies aber für fast alle okay und gewohnt war.
    Doch Thyrills Gedanken schweiften wieder ab und so ging er zusammen mit seinem Bruder zur Schule. Die zwei Kilometer Fußmarsch waren für ihn wohltuend und entspannend, doch für Mex eher nervig. Er murrte herum weil der Wagen nun kaputt herum stand und sie ihn dadurch nicht reparieren konnten, denn sonst hätte der sie morgens noch hinfahren können und einmal Fußmarsch gespart. „Weißt du schon, was heute dran ist?“ fragte Thyrill ihn um sich automatisch vor dem kommenden Murren zu schützen. „Ja. Weiter Schreiben üben, sind gerade beim D.“ Mex verzog die Miene. „Schreiben lernen ist echt mühselig. Mama und Papa haben es auch nie gebraucht, wozu muss ich das jetzt lernen?“ „Es ist hilfreich. Also ich habe gerne gelesen und geschrieben. Wir sind gerade dabei die Wirkung von Heilkräutern zu studieren und welche Pflanzen Menschen beim Verzehr schaden.“ Thyrill lächelte, denn er genoss den Unterricht. Alles war besser als sein Leben auf diesem Bauernhof zu verschwenden, der ihn überhaupt nichts bringt, doch dies hätte er seinen Eltern gegenüber natürlich nie so gesagt.
    „Was machst du eigentlich später?“ fragte Mex ihn aus dem Nichts heraus während sie dem Weg folgten. Nebenbei beobachteten sie, wie einige Rehe in der Ferne grasten. „Wie meinst du das?“
    „Komm schon, ich bin dein Bruder. Ich merk doch wie dich der Bauernhof null interessiert. Was hast du vor?“ Verschmitzt lächelte Thyrill. „Anscheinend merkst du mehr als ich dachte kleiner Bruder. Ich werde wohl später den Hof dir überlassen und lieber der Kämpfergilde beitreten. Ich will lieber den Leuten helfen und selber stärker werden, das Leben auf dem Hof würde mich nicht glücklich machen.“
    Mex lachte. „Papa sagte, dir gehört als Erstgeborener der Hof später, aber das passt ja wenn du ihn nicht willst, dann kann ich da leben!“ „Meinetwegen, tue das.“
    Dann wurde Mex Gesicht ernst. „Aber traust du dir das wirklich zu? Du musst dann nicht nur leichte Sachen machen. Hast du von den Dämonen gehört? Die sollen ziemlich gefährliche Wesen sein und auch um einiges stärker als normale Monster.“ „Das ist mir klar. Deswegen hoffe ich bald stärker werden zu können und vielleicht ein Schwert zu kaufen mit dem ich üben kann. Weißt du, ich spare immer das Taschengeld von Vater zusammen um mir mal endlich eins kaufen zu können.“ „Er wird das nicht gut finden. Mama und Papa kommen beide aus Bauernfamilien und die haben nie was anderes gemacht.“ „Das ist mir egal.“
    Sie stoppten das Gespräch als sie die Stadt betraten. Sie war nicht so groß, hatte aber rund 7000 Einwohner und war die größte im Umkreis von 20 Kilometern. Neben einem kleinen Hafen hatte sie viele Geschäfte, eine große Kirche mit einem Garten, wo das Schulgebäude stand, und eine b nverühmte Pferdezucht. Auf einer kleinen Anhöhe stand eine sehr kleine Burg, dort residierte der Stadtherr und sein überaus kleines Gefolge. Die Burg war nichts besonderes, ein graues, häßliches Gebäude. Alles in allem nichts besonderes und sie würden sie ohne das Geschäft ihrer Tante und der Schule eher ignorieren.
    Die Kirche befand sich mitten in der Stadt und hatte eine vergoldete Kuppe, während das Tor von Engeln flankiert wurde. Diese Wesen wurden von der Kirche angebetet als die reinsten aller Wesen die die Menschen beschützten. Sie sahen fast aus wie Menschen, hatten helle Haut und riesige Federschwingen die aus ihren Schulterblättern kamen. Die Menschen der alten Zeit haben sie wohl oft gesehen und mit ihnen gesprochen, doch seit Jahren sah niemand einen Engel mehr- was den Glauben nicht weniger minderte.
    „Lass uns zur Schule gehen.“ sagte Mex und bog dann ab, denn die Schule war nicht genau bei der Kirche sondern ein kleineres Backsteingebäude, das im Schatten einer mächtigen Eiche stand. „Ich komme.“ sagte Thyrill, als er eine Frau unter der Eiche sah. Fast hätte man sie für einen Engel halten könnte, ihre Haut wirkte wie aus Alabaster, ihre Haare begannen am Scheitel mit einem hellen weiß, gingen dann in ein hellblau und wurden stufenweise immer dunkler bis die Spitzen in einem dunklen schwarz endeten. Als er an ihr vorbeiging hob sie den Kopf und beobachtete ihn aus den eigenartigsten Augen die er je gesehen hatte. Die Pupille war blau und so langgezogen wie bei einer Katze im hellsten Sonnenlicht, die Iris um den Augen weiß und am Rand schwarz mit weißen Linien die ein Muster bildeten - fast wie ein Mandala. Er war ergriffen von dem Anblick, sah ihr direkt in die Augen. Ohne ein Wort zu sagen erwiderte sie den Blick und schwieg. Verwirrt riss er sich von diesem Anblick los und ging schnell in die Schule rein. Er hatte nicht einmal darauf geachtet was sie trug, so fixiert war er auf ihr makelloses Gesicht. Sie konnte nicht älter als 20 Jahre sein, so schätzte er es ein und gesehen hatte er sie auch noch nie, an solch eine Frau hätte er sich direkt erinnert.
    Da Mex schon in seinem Raum verschwunden war ging Thyrill ohne weitere Umwege in sein Klassenzimmer, wo die Lehrerin bereits Bibernelke, Estragon und Fenchel als Kräuter vorbereitet hatte. Sie eröffnete den Unterricht damit und sagte gleich sie würden in der letzten Stunde den Kirchgarten besuchen damit sie alle natura sehen konnten.
    Als sie nach drei Stunden den Raum verließen sah sich Thyrill sofort nach der Frau um, doch sie war bereits weg. Er hätte gerne einige Worte mit ihr gewechselt und schaute sich bedauernd um, aber er konnte sie nirgends sehen und folgte so den anderen 18 in den Garten.
    Es folgte eine langweilige Stunde und dann war er schon entlassen und ging zu Mex rüber. „Ich bleibe kurz noch in der Stadt und komme später nach.“ sagte er. „Ist das okay für dich?“
    Mex nickte. „Ich geh dann einfach mit Kiara und John, die beiden wohnen ja im Dorf bei uns. Lass dir aber nicht zu viel Zeit, Vater wollte doch mit uns noch den Wagen neu machen.“ „Ja, ich beeil mich.“ sagte er und drehte sich auf den Absatz um. Ein schneller Blick zum Himmel sagte ihn, dass es im Moment noch nicht einmal Mittagszeit war und er so noch etwas Zeit hatte.
    In den drei Stunden konnte sie natürlich schon über alle Berge sein, aber er war begierig sie noch einmal zu sehen. Irgendetwas besonderes hatte sie an sich, dem war er sich zu mehr als 100 Prozent sicher, aber dann stoppte er. War sie vielleicht ein Dämon? War die Wirkung beabsichtigt, lockte sie so arme Menschen in ihr Revier?
    Dann lachte er über seine eigenen Gedanken und schüttelte den Kopf. Trotzdem suchte er noch etwas nach der Frau, fand aber keine einzige Spur von ihr und entschloss sich zum örtlichen Schmied zu gehen um sich die Waffen anzuschauen, da der Schmied jeden Tag gut dabei war und etwas schmiedete. Nicht nur Waffen, sondern auch andere Sachen wie Werkzeuge.
    Heute hatte er Glück, denn ein neues Schwert wurde präsentiert: ein Anderthalbhänder mit verziertem Holzgriff, in dem ein Drache eingearbeitet war, dessen Schwingen bis an die Parierstange reichten. Der Knauf bildete eine kleine Kugel aus einem weißen Kristall, den der Drachenschwanz sanft einbettete. Auf Thyrills Blick hin sagte der Schmied: „Bei dem Griff hatte ich von dem örtlichen Tischler Hilfe, der auch für reiche Leute Verzierungen erstellt. Es ist ein Meisterwerk - doch auch dementsprechend teuer.“ Thyrill biss sich auf die Lippe, das musste der Typ gar nicht extra erwähnen, das hatte er sich auch so gedacht.
    „Ich kaufe es.“ ertönte eine glockenhelle Stimme hinter ihm und er wirbelte herum. Hinter ihm stand die Frau und lächelte leicht. Der Schmied lief hochrot an und stammelte sich einige Worte zusammen, bis er es endlich schaffte den Preis zu nennen. „300 Goldlinge.“ Erbost wollte schon Thyrill was sagen, denn das war eine ungeheure hohe Summe, selbst für so ein schönes Schwert. „Kein Problem.“ sagte sie und griff seelenruhig in ihren Beutel und zählte das Geld ab. Beide Männer waren überrascht, aber der Schmied übergab ihr dann das Schwert und sah zu, wie sie es mitsamt der Scheide in die Hand nahm. „Ein schönes Schwert, meisterliche Arbeit.“ sagte sie und betrachtete dann die Klinge, strich mit den Daumen über die Schneide und ließ einen Blick über das Heft schweifen. Dann drehte sie sich um und ging, warf dann aber einen Blick über die Schulter und bedeutete Thyrill mitzukommen.
    „Wer bist du?“ fragte er neugierig. „Ich bin Tokawi. Du bist sicherlich Thyrill, oder?“ „Woher weißt du das?“ „Ich habe einfach nur zufällig euer Gespräch gehört.“ Thyrill war etwas irritiert, sagte aber nichts. Sie führte ihn zurück zur Kirche und setzte sich unter die Eiche. „Du musst wissen, ich bin eine Magierin. Damit verdiene ich auch mein Lebensunterhalt, auch wenn ich meistens als Heilerin tätig bin.“ Das erklärte natürlich ihr Aussehen, nicht selten spielten Magier an ihrem eigenen Körper mit den komischsten Experimenten herum und boten sogar Menschen für viel Geld magische Korrekturen an, wie das Entfernen von Muttermalen oder krummen Nasen.
    Sie betrachtete den Drachen und flüsterte dann einige Worte, woraufhin der Drache aufglühte und dann kurz darauf seine ursprüngliche Gestalt annahm. „Der Drache ist so schön, weswegen ich einen Zauber bewirkte, der verhindert, dass er zerstört wird. Die Benutzung dieses Schwertes würde ihn nur zerstören. Das wäre schade um das Kunstwerk.“ Dann legte sie das Schwert vor seine Füße und lächelte. „Nun, verwirkliche deinen Traum. Ich hoffe, wir sehen uns eines Tages wieder. Bis dahin...“ Im nächsten Moment löste sie sich in weiße Rauchwolken auf.
    Irritiert saß Thyrill mit offenem Mund da. Dies ging so schnell, sein Hirn konnte so schnell gar nicht alles verarbeiten. Nun saß er da mit einem Schwert feinster Machart, das er einfach so geschenkt bekommen hatte von einer ihm völlig unbekannten Person?
    „Mein Traum verwirklichen...“ hauchte er und packte den Schwertgriff. „Das werde ich, Tokawi.“


  3. #3
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    Ein recht schöner Anfang ^^. Nach den anfänglichen Beschreibungen hat der Prolog zum Schluss dann richtig Fahrt aufgenommen und neugierig auf mehr gemacht. Von daher hast du da schon vieles in Sachen Spannungsaufbau richtig gemacht.
    Kleinigkeiten, die ich anmerken möchte, sind die formalen Fehler. Da ließen sich noch einige finden und dann liest sich das auch etwas flüssiger. Etwas anderes, was mir auffiel, ist, dass du gerne das Verb murren und auch das Substantiv Haar verwendest. Etwas Variation ist sicher nicht verkehrt. Ansonsten empfand ich einzelne Worte als nicht optimal gewählt, aber das ist möglicherweise Geschmackssache. Das waren z.B. eingezäuntes Areal oder auch Geruchsnerven.

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  4. #4
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    Ließt sich spannend^^
    Bei der Frau nahe der Schule hast du aber etwas doppelt geschrieben.
    Ich glaube es war so etwas wie "sie sagte nichts, erwiederte, seinen Blick und schwieg"
    Nicht weit darüber hast du bei berühmt einen Tippfehler.

  5. #5
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    Das ließt sich wirklich spannend und man will dabei bleiben wenn man einmal angefangen hat. Das eingezäunte Areal hat mich allerdings unter anderem auch etwas gestört.
    Weide oder Wörter der Art hätten besser gepasst. Ist aber jeden das seine.
    Ich bin Hunger und Durst.
    Faste 1000 Jahre, sterbe nicht.
    Liege 1000 Jahre im Eis, erfriere nicht.
    Trinke ströme von Blut und berste nicht.
    Zeig mir deinen Feind!

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