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Thema: Aturu's Sommerprojekt

  1. #1
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    Standard Aturu's Sommerprojekt

    Hallo zusammen!


    Da mir ein wenig mehr Aktivität meinerseits und auch im Forum etwas wichtig ist, habe ich vor, mein Sommerprojekt zu dokumentieren.
    Dabei handelt es sich um die Restauration eines alten Klavierflügels!
    Ich hoffe, dass es dem einen oder anderen gefällt.

    photo_2017-07-07_17-20-49.jpg

    Dieser Flügel ist von Carl Kutschera, einem K. u. K. Hoflieferanten um 1899.
    Ich weis selbst nicht, ob das ein Klavierbauer war, oder nur ein Lieferant, da ich dazu nichts finde.
    Das genaue Alter des Klaviers kann ich genauso wenig bestimmen. Da der Flügel allerdings eine alte "Wiener Mechanik" hat, gehe ich davon aus, dass dieses Klavier ca 1890-1910 gebaut worden ist. Ab diesem Jahr wurde das Bauen mit der Wiener Mechanik eingestellt.
    Es findet sich auch keine Tafel in oder am Klavier.

    Wenn jemand selbst nachforschen möchte oder einen Experten kennt der das erforschen könnte: Die Opusnummer des Klaviers ist 4756
    Würde mich echt freuen das genaue Jahr zu kennen!


    Der Allgemeinzustand des Klaviers zum Kaufzeitpunkt war recht gut. Es war nur etwas verstimmt, eine Saite war gerissen (wovon ich den ganzen Ton erneuern werde, da der Vor-Reparateur einen zu kleinen Draht verwendete) die Tastenanschläge waren nicht mehr sauber und die Dämpfungen der Saiten waren total verbogen und erfüllten nicht mehr ihren Zweck.
    Darum war der erste Schritt, das zurechtbiegen der Dämpfung und der Metallstäbe, die für die Dämpfung der einzelnen Töne verantwortlich sind.
    (Siehe folgende 2 Bilder)

    photo_2017-07-07_17-35-57.jpg
    Hier ist die Aufhängung der Dämpfer zu sehen, dessen Verbindungen zurecht gebogen wurden.

    photo_2017-07-07_17-35-45.jpg
    Hier die Metallstifte für die Dämpfung einzelner Töne.
    Diese sind von unten mithilfe des Tastenanschlags bewegbar.



    Als nächstes wurde das Klavier gestimmt, da jeder Ton wieder reibungslos zu spielen war.
    Die heutigen Klaviere sind auf 440 Hz gestimmt, alte Klaviere auf 430-435 Hz.
    Der unterschied dabei ist die Wahrnehmung der Töne.
    Grob gesagt haben die hochfrequenteren Klaviere einen starken, während die niederfrequenten einen weicheren und entspannten Klang besitzen.
    Es geht um die Stimmung, die das Klavier hervorrufen kann.

    Ich habe das klavier auf 435 Hz gestimmt, und zu meinem Glück ist dabei keine Saite gerissen!
    Alte Saiten haben das Problem, dass sie am Stimmwirbel einen Schwachpunkt bekommen und genau an dieser Stelle reißen.
    Man kann diese Saiten mit einem speziellen Knoten reparieren, oder eine neue herstellen lassen.
    Die Reparatur lohnt sich bei den Basssaiten (mit Kupfer-Windungen) auf jeden Fall, da eine Saite um die 10-20 Euro kostet.
    Bei einem Basssaiten-Satz (42 Saiten) kommt man da auf 420-840 Euro.

    photo_2017-07-07_17-57-26.jpg
    Hier nochmal die Dämpfungsstäbe von unten, bei herausgenommener Mechanik






    Nagut, ich werde es für heute so stehen lassen und werde bei Interesse künftig noch ein paar Einträge bis zur Vollendung erstellen.
    Mir macht es jedenfalls viel Spaß dies mit euch zu Teilen und ich hoffe, dass es vielleicht den einen oder anderen ein Interesse geweckt hat.
    Für Kritik und Fragen bin ich jederzeit offen!

    Mit freundlichen Grüßen
    Avatar von Fenzytea

  2. #2
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    Ich finde das richtig beeindruckend, dass du so etwas drauf hast und da richtig mit Begeisterung dabei bist. Mit dem Klavier erhältst da ein wahres Kulturgut am Leben. Hut ab!

    Fiete auf FA, flickr, twitter und facebook
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  3. #3
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    Vielen Dank Fiete!
    Je älter das Klavier, umso schöner ist es, es zu restaurieren
    Ich hatte wirklich Glück, dass ich es bekommen habe.
    Und das zu einem wirklichen Spottpreis!
    Avatar von Fenzytea

  4. #4
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    Seas,

    bevor das hier so unbeachtet untergeht...Meine Hochachtung zu deinem Erreichten! Ich bin wirklich beeindruckt! Ungewöhnliches Hobby und nicht wirklich platzsparend, hehe. Und dein Projekt, was ich auf den Bildern so sehe, schreit nach einer schönen Schellack Handpolitur, ich würd das liebend gerne mal in RL Augenschein nehmen, allerdings ist mittlerweile Wien nicht mehr grade um die Ecke für mich, hehe.

    Nochmal, ich bin beeindruckt!

    Gruß Haffi
    Geändert von Haflinger (01.08.2017 um 14:51 Uhr)

  5. #5
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    Vielen Dank für deine Worte, das schätze ich sehr.
    Wenigstens ein paar wenige die sich dafür interessieren!

    Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den Schellack überhaupt erneuern soll.
    Es ist ein riesen Aufwand, und ich möchte es nicht nur halb erneuern. Also müsste ich es komplett zerlegen und alle Einzelteile bearbeiten. Die Zeit habe ich momentan leider nicht, und so sieht es jetzt auch nicht schlecht aus. Ist ja noch nichts vom Lack kaputt!

    Mit dem Klavier bin ich aktuell schon fertig, die Mechanik ist reguliert und die Saiten repariert.
    Man kann nun wunderbar darauf spielen.


    Übrigens steht das Klavier in Oberösterreich/Salzburg, aber ist wohl genauso weit weg wie Wien!
    Avatar von Fenzytea

  6. #6
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    Das schöne an Schellack ist das er immer wieder angelöst werden kann ohne vorher die alten Schichten zu entfernen. Also entweder man wäscht den alten Schellack vollständig mit Spiritus ab und baut eine neue Politur von Grund wieder auf oder aber man frischt die vorhandene Politur einfach mit einem Ballen wieder auf, was eine schöne Patina vollständig erhalten würde. das ganze geht sowohl vollständig als auch nur partiell. Kleine Unebenheiten und Fehler kann man auch mit 600er Schleifpapier leicht anrauhen vor dem polieren.
    Von Klagenfurt wäre es beides fast gleichweit, japp, aber leider von Berlin, wo ich jetzt wohne, beides noch ungleich weiter, leider.
    Wenn dir danach sein sollte, mach ein video wie es gespielt klingt und stells bei YT ein

    Viele Grüße,

    Haffi