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Thema: Keine Geschichte, dafür aber viele Gedichte

  1. #1
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    Standard Keine Geschichte, dafür aber viele Gedichte

    Heyho,

    wie ich schon erwähnte, schreibe ich unter anderem vor allem Lyrik, besonders viele Gedichte. Für Interessierte ist es sicher mal ganz nett zu lesen, vielleicht wird der ein oder andere auch nachdenklich und versucht das Ganze zu interpretieren. Wie auch immer, ich lade hier nun des Öfteren einige Gedichte hoch, die euch vielleicht gefallen könnten. Viel Spaß beim Lesen!

    Graue Gesichter

    Ein neuer Tag beginnt und ist es doch wieder der Alte,
    ich laufe durch die Straßen, sehe die grauen Gesichter der Welt,
    das sind sie, die Facetten, mit denen ich das Leben gestalte,
    aber ohne auch nur eine lieblich schöne, die mir gefällt.

    So ist unser Alltag zur Monotonie geworden,
    Spaß und Abenteuer schon längst verdorben,
    einhergehend das Streben nach hohen Orden
    und vergessen, sich um Selbstverwirklichung zu sorgen.

    Das Gewohnheitstier Mensch hat mal wieder zugeschlagen
    und denkt gar nicht daran, über die Situation zu klagen.

    Eines Tages jedoch, da war es nicht, wie sonst auch.
    Ich spürte ein neues Gefühl, einen zarten Hauch.
    Dies neue Gesicht bereitete Kribbeln in meinem Bauch,
    so einzigartig und anmutig stach es heraus, aus dem eintönigen Rauch.

    Und ein neuer Tag beginnt, anders als der Alte,
    ich laufe durch die Straßen, sehe dies neue Gesicht der Welt.
    Das ist sie, eine Facette, mit der ich das Leben gestalte,
    endlich eine so lieblich und schön, wie sie mir gefällt.
    Geändert von Xendo (02.05.2017 um 20:57 Uhr)

  2. #2
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    Hab auch erwähnt, dass ich mir das dann mal durchlese, wenn du etwas Geschriebenes uns zu lesen anbietest. Tja und das hab ich nun gemacht und ich habe da glatt ein paar Anmerkungen zu deinem Gedicht.

    Du hast da unterschiedliche Zeitformen bei deinen Verben drin. Präsens und Perfekt ist noch okay, aber dann noch Präteritum vermischt mit Präsens ist nicht mehr schön.
    Dann schreibst du fast durchgehend als "ich", aber einmal in der 2. Strophe schreibst du von "unser Alltag". Wer ist/sind plötzlich der/die andere/r/n? Der Ich-Erzähler und die grauen Gesichter? Das wird nicht so ganz deutlich.
    Das zentrale sprachliche Bild erscheint mir darüber hinaus nicht so schlüssig, Gesichter der Welt und Facetten, mit denen jemand das Leben gestaltet. Das passt für mich nicht zusammen und ergibt wenig Sinn.

    Ich hoffe es ist okay für dich, wenn ich die Sachen offen anspreche. Ansonsten kann ich das natürlich in Zukunft sein lassen. Ich weiß ja nicht, ob Kritik grundsätzlich erwünscht ist.

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  3. #3
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    Ganz im Gegenteil, ich danke dir für Kritik! Aber dennoch möchte ich mich etwas rechtfertigen.
    In Bezug auf die verschiedenen Zeitformen, man kann in Gedichten, ich glaube auch allgemein in der Lyrik, tatsächlich in den Zeitformen hin und her springen, falls es in Absicht der Wirkung steht. Du musst schauen, die Teile, welche im Präsens erzählt werden, erlebt das lyrische Ich genau in diesem Moment. Was im Präteritum erzählt wird, findet sozusagen rückblickend statt, das lyrische Ich befindet sich in einer Zukunft, in welcher es ergänzend von diesen Ereignissen erzählt. Mir ist dabei diese Wirkung vom Wechsel aus betrachtender und erlebender Weise wichtig.
    Jedenfalls noch zu dem "unser", was nichts anderes soll als verallgemeinern, da es vielen Menschen so geht. Graue Gesichter und Facetten stehen selbstverständlich metaphorisch füreinander

  4. #4
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    Ich gehe mal ein wenig ins Detail .

    Schaue dir bitte in der 4. Strophe, 4. Zeile die Zeitform von stechen an. Du hast in dem Satz zuvor Präteritum verwendet und nimmst nun Präsens. Das ist ja nun keine neue Situation bzw. ein Zeitsprung, oder? Das Stechen wird ja nicht gerade empfunden sondern, war der Situation geschuldet, als das neue Gesicht auftauchte.

    Ein weiterer seltsamer Zeitsprung ist der zwischen dem Anfang und dem Ende des Gedichts, was beides in der Gegenwart erzählt wird. Die Ich-Person ist zu Beginn in der aktuellen Zeit in dieser ich nenne sie jetzt mal "graue Gesichter"-Stimmung. Dann berichtet sie von einem vergangenen Tag, wo ein ein neues Gesicht das Leben dieser Person zum Positiven wendet, und fortan, heißt es am Ende, gestaltet die Person jetzt mit dieser Facette ihr Leben. Das ist doch unlogisch, dass am Anfang die graue-Gesichter-Stimmung vorherrscht. Das lässt sich aber ganz einfach lösen, indem du linear erzählst und den Anfang auch in der Vergangenheit erzählst und die Ereignisse aufeinander folgend stattfinden lässt. Dann ergibt das auch einen Sinn.

    Beim vorletzten Wort gibt es einen Tippfehler, "mir" statt "mit" muss es da heißen.

    Dass Graue Gesichter und Facetten als Metaphern gemeint sind, ist mir schon klar. Nur erschließt sich die Gleichsetzung beider Bilder für mich nicht. Um das auszuführen, hole ich ein wenig aus. Die (grauen) Gesichter der Welt, die ich auf meinem Weg sehe, sind für mich die alltägliche Umwelt, die mich umgibt und die ich mehr oder weniger wahrnehme. Seien es Orte, Personen oder Abläufe, in denen ich eingebunden bin. Dagegen Facetten, mit denen ich mein Leben gestalte, sind deutlich von meiner Aktivität und Selbstbestimmung geprägt. Die beziehen sich ausschließlich auf mich. Auf die grauen Gesichter hingegen habe ich nur bedingten Einfluss, dass ich eben entscheide, welchen Weg ich einschlage. Ich führe das einmal an einem konkreten Beispiel aus. Meine berufliche Qualifikation würde ich als eine Facette meines Lebens bezeichnen und meine persönliche Jobsituation als solches als Gesicht der Welt (das grau lasse ich weg, weil ich das als Wertung empfinde). Ich kann meinen Beruf generell gerne ausüben, aber äußere Umstände können dafür sorgen, dass mein Alltag doch eher eintönig aussieht. Eine weitere Facette, meine Motivation, kann jetzt dafür sorgen, dass ich etwas an der Situation, dem Gesicht, ändere oder eben nicht. Ich hoffe das macht deutlich, was mich an der Gleichsetzung beider Bilder stört.

    Es tut mir Leid, ich schreibe lieber netter klingende Lobhudelei, aber das ist einerseits nicht aufrichtig und hilft andererseits dir nicht sonderlich weiter. Ich finde es aber jedenfalls gut, dass du den Mut aufbringst dein selbstverfasstes Gedicht hier mit uns zu teilen und dich der Kritik zu stellen, Hut ab!

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  5. #5
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    Danke dir trotzdem nochmals Ich werde es bei Gelegenheit überarbeiten und dann im Beitrag editieren.

  6. #6
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    Gerne, ich bin gespannt.

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  7. #7
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    Ich kann zwar keine tolle Kritik geben, aber ich wollte mal anmerken, dass es mir gefällt^^
    Zum Ende hin dachte ich erst du sprichst von der Liebe zu einer Person, doch dann klang es doch eher so, als könnte es zwar die Liebe zu einer Person sein, sich aber auch irgendeine andere angenehme Veränderung anderer Natur handeln.

  8. #8
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    Nachdem ich nun einige kleine Änderungen am Vorgänger angebracht habe hier noch ein weiteres, wobei es bei diesem sehr eindeutig sein sollte, welches Thema aufgegriffen wurde

    Die letzte Reise

    Jeder muss diesen Pfad einmal bestreiten,
    denn unser Leben wird sich sicher nicht unendlich weiten.
    Eine Reise, die jeder antreten muss
    und welche uns geleitet zum endgültigen Schluss.

    Und manche fragen sich, warum, wieso, was nun?
    Doch dies ist alles längst nicht mehr relevant,
    denn niemand kann etwas dagegen tun,
    egal wie gut ausgebildet, erfahren oder gewandt.

    Diese Reise wird uns immer wieder durchs Leben begleiten
    und manchmal auf neue, unbedachte Wege leiten.
    Aber dennoch werden wir stets unseren Willen finden
    und uns nicht selbst an ein Hindernis binden.

    Die letzte Reise gehört wie die erste nun mal mit zum Leben,
    auch wenn wir es manchmal nicht verstehen oder glauben wollen.
    Und doch ist Betroffenheit dieser Reise nie ein Grund aufzugeben,
    denn sie würde niemals fordern, dass wir uns selbst verlassen sollen.

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